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Pressearchiv 2013 - 02.12.2013 Tierversuche im Bundesländervergleich

 

02.12.2013

Tierversuche im Bundesländervergleich

Nordrhein-Westfalen führt Negativ-Rangliste an


Rund die Hälfte der 2012 in Deutschland in Tierversuchen getöteten Tiere gehen auf das Konto von Labors der drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt in ihrer aktuellen Deutschlandübersicht, in welchen Bundesländern die meisten Tierversuche stattfinden und kritisiert die auf immer mehr Tierleid ausgerichtete Wissenschaft.

Bundesweit nimmt im Jahr 2012 Nordrhein-Westfalen mit 547.240 Tieren, was 17,76% der Gesamtzahl von bundesweit 3,1 Millionen Tieren entspricht, die Spitzenposition in Sachen grausamer und rückschrittlicher Forschung ein. Das entspricht einer Zunahme um fast 20 % bzw. 91.000 Tieren mehr, die im Vergleich zum Vorjahr für fragwürdige Experimente ihr Leben lassen mussten. Damit löst Nordrhein-Westfalen knapp das Land Baden-Württemberg ab, dessen Labors bislang den höchsten Tierverbrauch zu verantworten hatten.

In Düsseldorf finden nach Aussage des Ärztevereins besonders perfide Tierversuche statt. So müssen Hunde für Experimente in der Zahnmedizin und Ratten für neurologische Forschungszwecke herhalten. Hunden werden Zähne gezogen, um beispielsweise Zahnimplantate für den Menschen zu erproben, ungeachtet der Tatsache, dass das Hundegebiss sich von dem des Menschen unterscheidet. An Ratten wird Depressionsforschung betrieben, indem sie in einem Wasserbassin schwimmen müssen. Eine Ratte, die aufgibt und sich treiben lässt, gilt als depressiv. Die Experten der Ärztevereinigung bezeichnen die Versuche als vollkommen realitätsfern, ethisch inakzeptabel und wissenschaftlich unsinnig.

Platz zwei der Negativ-Rangliste belegt Baden-Württemberg mit 17,67% Tierverbrauch bzw. 544.275 Tieren im Jahr 2012. Hier wurden aktuell knapp 39.000 Tiere weniger zu Tode geforscht als im Vorjahr. In Baden-Württemberg werden an mehreren Tübinger Instituten noch immer Hirnversuche an Affen durchgeführt, wie sie von den Behörden in anderen Bundesländern aus ethischen Gründen nicht gestattet werden. Am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit werden an Ratten Veränderungen im Gehirn bei Essstörungen untersucht. Die Tiere müssen solange hungern, bis sie nur noch etwa die Hälfte ihres Normalgewichts wiegen.

Berlin kommt mit 14,16% bzw. 436.163 Tieren im selben Jahr an dritter Stelle und hat damit den Tod von über 60.000 Tieren mehr als 2011 zu verantworten. Das Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ist schon jetzt eine der größten tierexperimentellen Einrichtungen Deutschlands. Mit einem Laborneubau sollen die Kapazitäten weiter erhöht werden.

Mit 12,44 % bzw. 383.393 Tieren liegt Bayern auf dem vierten Platz im Bundesvergleich. An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) finden qualvolle Xenotransplantationsversuche statt, bei denen das Herz genmanipulierter Schweine in Affen verpflanzt wird. An der LMU und TU München entstehen derzeit zwei weitere riesige Tierversuchslabors. „Allein mit den angegebenen Haltungskapazitäten für über 90.000 Tiere werden die zwei neuen Labors zu einer Ausweitung der tierexperimentellen Forschung in Bayern um rund 25 % führen", kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten für eine fortschrittliche Medizin und Wissenschaft ein, die im Sinne von Mensch und Tier auf einem rein tierversuchsfreien System basieren muss. Kombinationen aus Tests an Zellkulturen, Computersimulationen, Biochips und bildgebenden Verfahren liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse für die Humanmedizin.

Weitere Information:
Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen >>

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