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Pressearchiv 2012




 

11.12.2012


Vernichtendes Gerichtsurteil in Bremen:


Affenqual weiter erlaubt


Das heute am Oberverwaltungsgericht (OVG) Bremen ergangene Urteil erlaubt dem Affenhirnforscher Andreas Kreiter weiterhin grausame und medizinische irrelevante Experimente am Hirn von Makakenaffen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche wirft dem Gericht Ignoranz des im Grundgesetz verankerten Tierschutzes zu Gunsten einer einflussreichen Lobby vor.

Die Ärztevereinigung zeigt sich bestürzt, dass das OVG trotz erdrückender Beweislage über die ethische Unvertretbarkeit und des fehlenden Nachweises über die zu erwartenden »hervorragenden Erkenntnisse«, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt, der grausamen Hirnforschung weiter grünes Licht gibt. Das Gericht hat nicht einmal Revision zuzulassen.

»Für den Tierschutz ist das Urteil vernichtend. Es zeigt, dass das Tierschutzgesetz und das Staatsziel Tierschutz in der Praxis nicht angewandt werden, wohingegen die Forschungsfreiheit grenzenlos ist«, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Wie in Bremen, wurden auch in München und Berlin vergleichbare Hirnversuche an Affen ebenfalls abgelehnt, da die Behörden das Leid der Tiere als zu hoch und den medizinischen Nutzen als nicht gegeben sahen. Die in München zuständige Behörde machte in ihrem Ablehnungsbescheid 2008 deutlich: »Um einem lebensbedrohlichen Leiden (Durst) zu entrinnen, fügt sich das Tier in ein anderes erhebliches Leiden (Kopffixierung im Primatenstuhl).« Die betroffenen Experimentatoren akzeptierten im Gegensatz zu Kreiter die Ablehnung ihrer Tierversuche.

Die Ärzte gegen Tierversuche bezeichnen es als Armutszeugnis für die deutsche Justiz, dass derart grausame zweckfreie Neugierforschung auf Kosten fühlender Lebewesen gestattet wird. Wie ethische und klinisch relevante Hirnforschung aussehen kann, zeigt nach Aussage des Ärztevereins unter anderem die britische Universität Durham, wo mittels Transkranieller Magnetstimulation Wahrnehmung, Lern- und Gedächtnisverhalten an Probanden gefahrlos erforscht werden.

Weitere Information:

Der Fall Bremen >> 
Pressemitteilung vom 7.12.2012 >>


07.12.2012


Bremen: Gerichtsurteil über Hirnforschung an Affen erwartet


Ärzte gegen Tierversuche fordern Verbot


Am 11. Dezember 2012 verhandelt das Oberverwaltungsgericht Bremen die Klage der Universität gegen die von der Behörde verweigerte Genehmigung der Versuche am Hirn von Makakenaffen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert den Stopp dieser Versuche, da sie weder ethisch zu rechtfertigen seien, noch einen wissenschaftlichen Nutzen hätten.

Die Bremer Genehmigungsbehörde versagte erstmals im Jahr 2008 die Erlaubnis zur Durchführung der Affenversuche des Hirnforschers Andreas Kreiter. Die Universität klagte gegen den Ablehnungsbescheid. Im Eilverfahren wurde die vorläufige Fortführung der Hirnversuche an Affen immer wieder erlaubt. Nun soll das Oberverwaltungsgericht (OVG) endgültig entscheiden, ob die Ablehnung der Experimente durch die Behörde rechtmäßig war.

Die Gesundheitsbehörde stützte ihre Entscheidung unter anderem auf ein Gutachten des renommierten amerikanischen Psychologieprofessors John Gluck. Demzufolge ist das Leid der Affen als moderat bis erheblich einzustufen und insbesondere der Wasserentzug als sehr belastend zu werten. Die Angaben Kreiters, die Affen würden nicht leiden, werden deutlich widerlegt und damit die Auffassung der Bremer Behörde gestärkt.

In München und Berlin wurden in den vergangenen Jahren vergleichbare Hirnversuche an Affen ebenfalls abgelehnt, da die Behörden das Leid der Tiere als zu hoch und den medizinischen Nutzen als nicht gegeben sahen. Jüngst wurde auch an der Uni Bochum die Primatenhirnforschung eingestellt. Affenhirnforschung wird außer in Bremen noch an drei Instituten in Tübingen sowie in Göttingen und Magdeburg betrieben.

In Deutschland findet seit rund 30 Jahren Grundlagenforschung am Hirn von Affen statt, vorgeblich, um damit die Funktionsweise des menschlichen Gehirns zu ergründen. Die Heilung menschlicher Krankheiten wird dabei vage in Aussicht gestellt. »Ein Nachweis darüber, dass die Affenhirnforschung ethisch vertretbar, unerlässlich und von hervorragender Bedeutung ist, wie im Tierschutzgesetz verlangt, fehlt vollständig, so dass diese Versuche gegen geltendes Recht verstoßen«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Nach Aussage des Vereins werden die Experimente zum reinen Erkenntnisgewinn einzelner Forscher durchgeführt. Der Schädel der Tiere wird aufgebohrt, um Messelektroden in das Gehirn einzuführen. Im Affenstuhl fixiert müssen die Tiere mit angeschraubtem Kopf jeden Tag stundenlang Aufgaben am Bildschirm lösen. Da die Tiere nicht bereit sind, sich freiwillig solchen Torturen auszusetzen, werden sie durch Flüssigkeitsentzug zur Mitarbeit gezwungen. Wenn sie die Aufgaben nach Forscherwunsch erfüllen, bekommen sie über einen Schlauch etwas Flüssigkeit eingeflößt. Die unter quälendem Durst leidenden Affen fügen sich in ihr Schicksal und erdulden nur so die stundenlange Kopffixierung.

Diese Versuche sind nach Ansicht der Ärztevereinigung nicht nur ein Beispiel für besondere Grausamkeit, sondern auch für den medizinischen Fortschritt irrelevant, da eine zuverlässige Übertragung von Erkenntnissen aus der Affenforschung auf den Menschen schon allein aufgrund der großen Unterschiede nicht möglich ist. Sinnvolle Erkenntnisse über das Gehirn lassen sich dagegen mit modernen, computertomographischen Verfahren direkt am Menschen erzielen. Der Verein lobt die Gesundheitsbehörde für ihre vorbildliche Entscheidung und appelliert an das Gericht, das Tierschutzgesetz sowie den im Grundgesetz verankerten Schutz der Tiere nicht der Forschungsfreiheit unterzuordnen.

Weitere Information:
Der Fall Bremen >> 


06.12.2012


Ratten mit kochendem Wasser verbrüht

 

Zum Internationalen Tierrechtstag machen die Ärzte gegen Tierversuche auf millionenfaches Tierleid in deutschen Labors aufmerksam


Zum Internationalen Tierrechtstag am 10. Dezember macht der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) auf die Grausamkeit und wissenschaftliche Unsinnigkeit von Tierversuchen aufmerksam. Jedes Jahr müssen nach Aussage des Vereins allein in Deutschland rund drei Millionen Mäuse, Vögel, Fische, Kaninchen, Katzen, Hunde und andere Tiere im Labor leiden und sterben, ohne dass für den Menschen dabei etwas Brauchbares herauskommt.

Anhand konkreter Beispiele zeigt der Verein, dass Tierversuche nicht das Potential haben, Menschenleben zu retten, wie oft von Experimentatoren und manchen Politikern behauptet. In ihrer Internet-Datenbank dokumentieren die Ärzte gegen Tierversuche Tausende von in Deutschland durchgeführten Experimenten, die nur dem Stillen des Wissensdurstes einzelner Forscher dienen.

So wurden an der Universität Leipzig Hamster in den Winterschlaf gezwungen und getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass die Ruheperiode bei diesen Tieren vor degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer schützen kann. »Abgesehen davon, dass Hamster gar kein Alzheimer bekommen und die Ergebnisse damit ohnehin irrelevant für den Menschen sind, ist eine solche Versuchsanordnung geradezu grotesk«, meint Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin des Vereins.

In Magdeburg wurde erforscht, was im Gehirn von genmanipulierten Mäusen passiert, die beim Geruch von Fuchskot vor Schreck erstarren, in Karlsruhe wurde an Kälbern ergründet, warum Tomaten so gesund für den Menschen sind, und in Tübingen wurden Nervenimpulse bei Ratten gemessen, die durch Druck auf die Schnurrhaare entstehen. An der Uni Bremen wurde anhand von Tierversuchen herausgefunden, dass Alkohol nicht gut für Kinder ist.

Der Verein widerlegt anhand von unzähligen Beispielen auch die von Experimentatorenseite oft vorgebrachte Behauptung, die Tiere würden im Versuch nicht leiden. »Oftmals fließt kein Blut, aber das Leid der Tiere ist trotzdem immens«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Vereinigung.

In einem als Broschüre erhältlichen Auszug der Internet-Datenbank sind zahlreiche besonders grausame Tierversuche dokumentiert. So wurden am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/M. Katzen unter stroboskopischem Licht aufgezogen, wie man es aus Diskos kennt. Dadurch können die Tiere keine normalen Bewegungsabläufe wahrnehmen, weil jede Bewegung durch das Flackerlicht zerhackt wird. In Mannheim mussten Ratten hungern, bis sie nur noch knapp die Hälfte ihres Körpergewichtes wogen, um Magersucht zu erforschen. In München wurden Fledermäusen Löcher in den Schädel gebohrt und Stromstöße verabreicht, und in Düsseldorf wurde bei Ratten ein Großteil der Haut mit kochendem Wasser verbrüht.

Der Verein setzt sich seit über 30 Jahren für eine fortschrittliche Medizin und Wissenschaft ein, die im Sinne von Mensch und Tier auf einem rein tierversuchsfreien System basieren muss. Kombinationen aus Tests an Zellkulturen, Computersimulationen und gefahrlosen Untersuchungen am Menschen, wie bildgebende Verfahren, liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse. Zudem ist es nach Ansicht des Vereins Unrecht, fühlende Lebewesen als Messinstrumente zu missbrauchen.

Der Internationale Tierrechtstag am 10. Dezember wurde erstmals 1998 in England analog zum Tag der Menschenrechte ausgerufen. Seitdem wird dieser Tag weltweit von Tierrechtlern zum Anlass genommen, um all der Tiere zu gedenken, die ihrer Rechte und Würde beraubt wurden und werden.

Weitere Information:

Datenbank Tierversuche >>

Broschüre »Winterschlaf hilft gegen Alzheimer und andere Absurditäten aus der Tierversuchsforschung« >> 


16.11.2012


Tierversuchszahlen steigen unaufhörlich


3 Millionen Tiere leiden in deutschen Labors


Knapp drei Millionen Tiere wurden im Jahr 2011 in deutschen Labors getötet, 55.000 mehr als im Vorjahr. Die heute vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichte Statistik zeigt einen Anstieg der Tierversuchszahlen um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche ist schockiert, dass seit 1997 Jahr für Jahr mehr Tieropfer zu beklagen sind.

Rund 70 Prozent der Tiere sind Mäuse, 14 Prozent Ratten. Aber auch etwa 200.000 Fische, 106.000 Vögel, 87.700 Kaninchen, 15.800 Schweine, 2.474 Hunde, 1.796 Affen und 585 Katzen wurden Opfer der Wissenschaft. Ein Anstieg ist vor allem bei den Mäusen und Fischen zu verzeichnen.

Eine Ursache der unaufhörlichen Zunahme ist im Bereich der Gentechnik zu suchen. Der Anteil der genmanipulierten Tiere macht inzwischen 25 Prozent aus. Gegenüber dem Vorjahr wurden 2011 fast 9.000 transgene Tiere mehr, insgesamt 731.678, verwendet.

Hauptsächlich werden Mäuse für diesen Forschungszweig herangezogen. In ihrem Erbgut werden Gene an- und abgeschaltet, angeblich, um menschlichen Krankheiten auf die Spur zu kommen. »Die meisten Krankheiten des Menschen sind aber nicht genetisch bedingt, sondern großenteils durch unsere Lebensweise wie Rauchen, fleischreiche Ernährung, Stress und Bewegungsmangel beeinflusst«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende der Ärzte gegen Tierversuche. So wurden genmanipulierte Krebsmäuse schon millionenfach »geheilt«, aber am Menschen erprobt, versagten alle potentiellen Mittel.

»Über eine Million Tiere (35 %) mussten für die zweckfreie Grundlagenforschung ihr Leben lassen«, kritisiert Tierärztin Gericke. In diesem Bereich werden seit Jahren die meisten Tiere, vor allem genmanipulierte, »verbraucht«. Auf die Arzneimittelentwicklung entfielen 16 Prozent und auf Giftigkeitsprüfungen 6 Prozent.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche hält das erneute Hoch der Tierversuchszahlen für eine fatale Fehlentwicklung und ein Armutszeugnis für Wissenschaft und Politik. Der Verein fordert ein gesetzliches Verbot von Tierversuchen, da auf eine Einsicht und Selbstbeschränkung der Forschung nicht zu hoffen ist, wie die aktuellen Statistiken belegen. »Anstatt in Mäusegenen zu stochern, müssen endlich die wahren Ursachen unserer Krankheiten erforscht werden und moderne Testmethoden mit menschlichen Zellkulturen und Mikrochips zum Einsatz kommen«, so Gericke abschließend.

Weitere Informationen:

Tierversuchsstatistik 2011 im Vergleich zu den Vorjahren >>

Tierversuchsstatistik 2011 des BMELV (PDF) >>


14.11.2012


Ende der Kosmetik-Tierversuche bald Realität?

Designierter EU-Kommissar für Verkaufsverbot


Der designierte EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucher, Tonio Borg, will an einem ausnahmslosen Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetika ab März 2013 festhalten. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt seine Position.

Die Ärzte gegen Tierversuche hatten zusammen mit ihrem Dachverband, der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), jahrelang für ein Ende der Kosmetik-Tierversuche gekämpft. In der EU sind solche Tierexperimente seit 2004 verboten. Um zu verhindern, dass die Firmen ihre Rohstoffe und Produkte in anderen Ländern testen, sieht die EU-Kosmetikrichtlinie ein EU-weites Einfuhrverbot vor, das zweistufig in Kraft treten sollte. Die letzte Stufe ist für den 11. März 2013 vorgesehen. Der aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurückgetretene EU-Kommissar John Dalli wollte den Stichtag jedoch um zehn Jahre aufschieben bzw. das Einfuhrverbot mit Ausnahmen durchlöchern.

Bei der gestrigen Anhörung im EU-Parlament äußerte sich Dallis möglicher Nachfolger, Tonio Borg, auch zu diesem Thema. Sollte er zum Kommissar ernannt werden, würde er sich für ein Inkrafttreten der letzten Stufe der Kosmetikrichtlinie ohne Aufschub und Ausnahmen einsetzen. Er sagte, dass die Verabschiedung eines EU-Gesetzes ein aufwändiger Prozess sei, da alle Staaten zustimmen müssten. Wenn ein Gesetz einmal in Kraft ist, sei es „nicht fair, neue Wege zu erfinden, um von diesem abzuweichen“. Außerdem würde die Industrie ohne das Vermarktungsverbot nicht genügend Anreiz haben, tierversuchsfreie Testverfahren zu entwickeln. Borg hält eine Studie zur Folgenabschätzung nach März 2013 für sinnvoll.

Die Ärzte gegen Tierversuche stimmen den Aussagen des designierten Kommissars vollumfänglich zu. »Es gibt Hoffnung, dass das endgültige Ende der Kosmetik-Tierversuche in Europa nah ist«, so Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein hatte zusammen mit seinen europäischen Partnern erst im Oktober 242.000 europaweit gesammelte Unterschriften an den Petitionsausschuss des EU-Parlaments übergeben.

Weitere Information:

Kosmetik und Tierversuche >>


13.11.2012

Hundemagazin DOGS zeichnet Ärzte gegen Tierversuche aus


Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche wurde aktuell in der Rubrik Tierschutz als Sieger für den DOGS Award 2013 gekürt. Europas größtes Lifestyle-Magazin für Hundefreunde, DOGS, zeichnet damit Hunde, Menschen und tierisches Engagement in verschiedenen Kategorien aus.

Eine Jury aus Experten würdigte mit der Auszeichnung die Arbeit des Vereins für die Abschaffung von Tierversuchen. »Tierversuche sind nicht nur qualvoll für das Tier, sondern auch gefährlich für den Menschen. Die Experten von Ärzte gegen Tierversuche e.V. prangern Missstände an, unterstützen Wissenschaftler mit Know-how bei der Arbeit und zeigen Alternativen auf. Das Ziel: eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin«, meint die Jury in der aktuellen Ausgabe des Hundemagazins, in der die Schwerpunkte der Ärztevereinigung vorgestellt werden.

Zahlreiche Tierschützer und Tierversuchsgegner hatten dem Hundemagazin die Ärztevereinigung als auszeichnungswürdig vorgeschlagen. Die Ärzte gegen Tierversuche zeigen sich erfreut über die große positive Resonanz und danken Ihren Unterstützern für ihre wertvolle Hilfe.

In der Auszeichnung sieht der Verein bestätigt, wie wichtig es ist, öffentlich zu machen, dass Tierversuche grausam und unsinnig sind.

»Tierversuche werden oft damit begründet, menschliche Krankheiten verstehen und heilen zu wollen oder uns vor schädlichen Substanzen zu schützen«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. So wird bei Hunden künstlich ein Herzinfarkt simuliert, indem eine Schlinge um das Herz operiert wird, die von außen zugezogen werden kann. In Giftigkeitstests wird an Hunden und anderen Tieren untersucht, ob Chemikalien schädlich sind. »Es ist unethisch, Tiere als Messinstrumente zu missbrauchen. Zudem sind die Ergebnisse nicht vom Tier auf den Menschen übertragbar, da Körperbau, Stoffwechsel und Lebensweise sich unterscheiden und die künstlich am Tier hervorgerufenen Symptome nichts mit den vielfältigen Ursachen menschlicher Erkrankungen zu tun haben«, so Bitz weiter.

Mit gezielten Kampagnen und fundiertem Fachwissen tritt die Ärztevereinigung an die Öffentlichkeit und Politik heran, um dem Ziel, der Abschaffung aller Tierversuche, stückweise näher zu kommen. Die Experten fordern im Sinne von Mensch und Tier eine Abkehr vom veralteten System Tierversuch und stattdessen eine rein tierversuchsfrei ausgerichtete Medizin und Forschung, beispielsweise mit menschlichen Zellkulturen und Computermodellen.

Weitere Information:

DOGS 6/2012 (PDF) >>

Infoblatt Versuche an Hunden - Barbarisch und nutzlos >> 

Datenbank Tierversuche >> 


06.11.2012


Uni Bochum stellt Affenhirnforschung ein


Tierqual geht trotzdem weiter


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich erfreut darüber, dass die grausamen Hirnversuche an Rhesusaffen an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) eingestellt wurden. Sie kritisiert jedoch, dass weiterhin Katzen, Gerbils, Frettchen, Ratten, Tauben und andere Tiere für fragwürdige Forscherinteressen leiden und sterben müssen.

Bochum zählte neben Bremen, Göttingen, Magdeburg und Tübingen zu den Orten in Deutschland, an denen besonders qualvolle Hirnversuche an Affen stattfinden. Die Versuche laufen Immer nach dem gleichen Strickmuster ab. Der Kopf der Affen wird stundenlang unbeweglich fixiert. Mittels durch Bohrlöcher im Schädel in das Gehirn eingeführte Elektroden werden Messungen vorgenommen, während die Affen auf einen Monitor blicken. Die Affen werden durch Durst zur Kooperation gezwungen. Nur, wenn die durstigen Tiere tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie über einen Schlauch im Mund etwas Saft.

Nach monatelanger Auseinandersetzung einer Gruppe von Tierversuchsgegnern mit der Genehmigungsbehörde, teilte die Behörde diesen mit, dass die Affenversuche zum 31.08.2012 eingestellt wurden. Die sechs Affen seien getötet worden.

Das Ende der Affenqual war ursprünglich für 2009 vorgesehen, wurde dann jedoch verlängert. Auf Nachfrage der Ärztevereinigung teilte die Uni-Pressestelle mit, dass die im Jahr 2009 für drei Jahre beantragten Gelder ausgelaufen seien und die Affenversuche aufgrund der Pensionierung des Forschers nun endgültig beendet wurden.

Die Ärztevereinigung begrüßt die Einstellung der Experimente, kritisiert jedoch, dass die Tiere über viele Jahre hinweg aus reiner Forscherneugier gequält und schließlich getötet wurden. Auch nach Jahrzehnten Affenhirnforschung in Deutschland ist der von den Experimentatoren prophezeite Durchbruch im Verständnis oder bei der Heilung menschlicher Krankheiten nicht in Sicht.

Die Behörden in Berlin, Bremen und München haben längst Einsicht gezeigt, dass die Affenversuche vor dem Tierschutzgesetz und dem Staatsziel Tierschutz nicht zu rechtfertigen sind, da der medizinische Nutzen ausblieb, während die Qual für die Tiere immens ist. Die Fortführung der Experimente wurde nicht mehr genehmigt, in Bremen schwelt seit Jahren ein Rechtsstreit.

»Es ist untragbar, dass in Bochum derart schwerwiegende Tierversuche nur durch Erreichen des Rentenalters eines Experimentators beendet werden. Bei gewissenhafter Anwendung des Tierschutzgesetzes, hätte es niemals eine Genehmigung geben dürfen«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Die Tatsache, dass die RUB die Affenhirnforschung mit der Pensionierung des Experimentators auslaufen ließ, sehen die Ärzte gegen Tierversuche als Beleg dafür, dass die Uni selbst nicht an den medizinischen Durchbruch aufgrund dieser Tierversuche glaubt. Sie finden es skandalös, dass die Genehmigungsbehörde derart ethisch verwerfliche und nachweislich medizinisch irrelevante Experimente zugelassen hat und sich die Entscheidungsträger in der Politik im Rahmen der derzeitigen Neufassung des Tierschutzgesetzes nach wie vor von der Tierexperimentatorenlobby leiten lassen, so dass es auch künftig nicht einmal eine Einschränkung von Tierversuchen geben wird.

Die Ärztevereinigung dokumentiert seit Jahren in Deutschland durchgeführte Tierversuche in einer Datenbank, darunter zahlreiche der RUB. So wird Ratten Flammschutzmittel ins Futter gemischt, Frettchen wird ein Teil des Gehirns abgesaugt und Katzen wird der Sehnerv durchtrennt. An Tauben werden ähnlich qualvolle Hirnversuche durchgeführt, wie die jetzt eingestellten Affenversuche. Die Ärzte gegen Tierversuche setzen sich im Interesse von Mensch und Tier für eine moderne Medizin und Wissenschaft ganz ohne Tierversuche ein.

Weitere Information:

Städte-Info Bochum >>

Blog Jocelyne Lopez: Primatenversuche in Bochum: Auseinandersetzung mit Behörden >> 

Datenbank-Tierversuche >> 



29.10.2012

200.000 zu Tode gequälte Tiere pro Jahr


Die Hälfte aller Tierversuche in NRW geht auf das Konto von Bayer


Von den bundesweit pro Jahr rund 2,9 Millionen Tieren, die für Versuchszwecke verwendet werden, entfallen ca. 6,6 Prozent allein auf die Forschung des Pharmakonzerns Bayer. Von den etwa 440.000 in nordrhein-westfälischen Labors getöteten Tieren ging knapp die Hälfte auf das Konto des Leverkusener Multis. Das ergibt eine aktuelle Berechnung des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche, die in der Zeitschrift »Stichwort BAYER« veröffentlicht ist.

Der Pharmariese verbrauchte 2010 eigenen Angaben zufolge 192.412 Tiere, im Jahr 2011 sogar 199.636. Die Tiere sterben für die Entwicklung von Medikamenten, Tierarzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln oder Industriechemikalien. Neben eigener Forschung beauftragt Bayer auch externe Dienstleister mit der Durchführung von Tierversuchen. Mit rund 90 Prozent machen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster den Großteil der im Labor getöteten Tiere aus. Aber auch Hunde, Katzen, Vögel, Affen oder Schweine sterben unter anderem in Giftigkeitstests.

»Trotz erdrückender Beweislage der Unzuverlässigkeit von Tierversuchen hinsichtlich der Übertragung auf den Menschen, wird noch immer an diesem veralteten und zudem unethischen Testsystem festgehalten«, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung. Untersuchungen der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) ergaben derweil, dass 92 Prozent der potenziellen Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen haben, nicht durch die klinische Prüfung kommen, da sich beim Menschen entweder keine oder aber eine unerwünschte Wirkung zeigt.

Studien belegen, dass die Unternehmen schädliche Nebenwirkungen häufig unter den Tisch kehren, indem sie nur »positive« Studien veröffentlichen. Gelangen Informationen über schwerwiegende oder tödliche Nebenwirkungen eines Präparates an die Öffentlichkeit, versuchen die Pharmafirmen meist dies zu vertuschen. Bayer tat das beispielsweise im Fall des Blutstillungspräparats Trasylol, das schon seit Anfang 2006 in der Kritik stand. Eine kanadische Studie mit über 4.300 Bypass-Patienten hatte eine erhöhte Sterberate und ein doppelt so hohes Risiko für Nierenversagen im Vergleich zur Nichtbehandlung ergeben. Auch einer von Bayer selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung mit 67.000 Patienten zufolge treten verstärkt schwere Nierenschäden, Herzversagen und Schlaganfälle mit Todesfolge auf, weshalb das Unternehmen die Ergebnisse gegenüber der FDA zunächst verschwiegen hatte. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entzog 2007 die Zulassung für das Medikament. Allerdings hob die europäische Arzneimittel-Behörde EMA im Frühjahr 2012 den Bann wegen angeblicher Fehler in der Studie wieder auf.

Beim als Schwangerschaftstest eingesetzten Hormonpräparat Duogynon des Berliner Unternehmens Schering, das heute zu Bayer gehört, kam es verstärkt zu Fehlgeburten und schweren Missbildungen von Kindern. Aus internen Dokumenten geht hervor, dass der Pharmafirma die fatalen Nebenwirkungen bereits seit 1967 bekannt waren. Das Bundesgesundheitsministerium sprach erst 1978 eine offizielle Warnung aus, das Medikament war bis 1980 zugelassen.

Der Ärzteverein warnt: »Solange sich die Entwicklung und Marktzulassung von Arzneien weiterhin auf die angebliche Sicherheit durch Tierversuche stützt, wird es bei Bayer und anderen Pharmakonzernen auch künftig Medikamentenskandale geben.« Die Experten fordern aus diesem Grund eine rein tierversuchsfreie Testung von Wirkstoffen an Zellsystemen, ausgeklügelten Computersimulationen und Biochips. Mit der Kombination moderner Verfahren lassen sich die Verstoffwechslung einer Substanz im menschlichen Körper detailliert darstellen und zuverlässige Rückschlüsse für die Wirkung im Menschen ziehen. Zudem seien Tiere fühlende Lebewesen und deren Degradierung zu reinen Messinstrumenten ethisch verwerflich.

Weitere Information:
Brutal & nutzlos: Bayers Tierversuche, Stichwort BAYER 04/2012 (PDF) >> 

Coordination gegen BAYER-Gefahren >>

Liste von Risikomedikamenten >> 


18.10.2012


Gemeinsame Pressemitteilung
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Deutscher Tierschutzbund e.V.
Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.


NEIN zu grausamen Tierversuchen für Kosmetik

Übergabe von 242.000 Unterschriften


Chrissie Hynde, die US-amerikanische Rockmusikerin und Frontfrau der Pretenders, übergibt heute die gesammelten Unterschriften an den Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel. Zu der EU-weiten Kampagne »Nein zu Tierqual-Kosmetik« hatten der Deutsche Tierschutzbund, der Bundesverband Menschen für Tierrechte und die Ärzte gegen Tierversuche zusammen mit ihren europäischen Partnern in der Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche (European Coalition to End Animal Experiments, ECEAE) aufgerufen, da bekannt wurde, dass das Ende der Tierversuche für Kosmetik bedroht ist. Ab März 2013 soll die letzte Stufe des Vermarktungsverbots für in Tierversuchen getestete Kosmetika in Kraft treten, doch die Europäische Kommission will als »Ausnahmen« deklarierte Tierversuche auch in Zukunft zulassen. Dies würde weltweit den Tod zigtausender Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäusen in den Labors der Kosmetikindustrie und ihrer Zulieferer bedeuten.

Ab 2013 sollten in der EU auch solche Kosmetika nicht mehr verkauft werden dürfen, die außerhalb der EU im Tierversuch getestet wurden. Doch die EU-Kommission plant hierfür Ausnahmemöglichkeiten zuzulassen. »Tierversuche für Kosmetik sind jedoch überflüssig, aus ethischer Sicht indiskutabel, und sie werden von den EU-Bürgern kategorisch abgelehnt. Dies belegen die rund 242.000 Unterschriften, die wir heute übergeben. Diese Versuche müssen verhindert werden«, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir appellieren an unsere EU-Abgeordneten, uns zu unterstützen, dass zwanzig Jahre nach der ersten Ankündigung eines Vermarktungsverbots dieses nun konsequent umgesetzt wird.“
 
»Erfreulicherweise wurden in den letzten Jahren sehr viele tierversuchsfreie Testmethoden entwickelt. Jetzt gilt es, diese so schnell wie möglich zu validieren, damit sie nicht in der Schublade bleiben, sondern auch breit angewendet werden können. Hierzu ist es dringend notwendig, das europäische Validierungszentrum ECVAM finanziell und personell angemessen auszustatten«, so Dr. Christiane Hohensee, Projektleiterin InVitroJobs beim Bundesverband Menschen für Tierrechte.

»Dass überhaupt Tierversuche für Kosmetik durchgeführt werden, ist der Profitgier der Hersteller zuzuschreiben, die den Markt mit immer neuen Schönheitsprodukten überschwemmen«, meint Dr. Corina Gericke von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Die Tiere sterben für überflüssige Innovationen einen grausamen Tod, während der Verbraucher trotzdem nicht vor schädlichen Wirkungen geschützt ist. Denn die Tierversuche dienen einzig der rechtlichen Absicherung der Produkt-Erfinder im Falle von Gesundheitsschäden, heißt es von Seiten des Ärzteverbandes. »Zudem stehen genügend Inhaltsstoffe zur Verfügung, mit denen sich beliebig viele neue Schönheitsmittel herstellen lassen, für die kein Tier leiden muss«, so Gericke abschließend.
 
Neben der offiziellen Übergabe der Unterschriften an das Europäische Parlament in Brüssel veranstaltet die ECEAE auch ein parlamentarisches Frühstück für die EU-Abgeordneten (Raum ASP 5G1) und einen farbenfrohen Fototermin mit einem Flashmob-Chor im Parc du Cinquantenaire.



Weitere Information:
Hintergrundinformation Kosmetik und Tierversuche >>
Fotos von der Aktion >>
Video von der Aktion >>


15.10.2012

Anhörung im Bundestag zum neuen Tierschutzgesetz


Ärzteverein fordert Abkehr vom Tierversuch


Anlässlich der Anhörung im Bundestag am 17. Oktober 2012 zum neuen Tierschutzgesetz appelliert der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche an den zuständigen Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, in den vorliegenden Entwurf für ein neues Tierschutzgesetz maßgebliche Verbesserungen einzubringen. Gemeinsam mit einer Tierversuchsverordnung dient das neue Tierschutzgesetz der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie.

»Die in Deutschland vorgesehenen Regelungen zu Tierversuchen tragen größtenteils die Handschrift der Tiernutzerlobby«, kritisiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung. So sollen nicht einmal die minimalen Verbesserungen umgesetzt werden, die die EU-Richtlinie ermöglicht. Die EU spricht den Tieren ein Angstempfinden zu, was bei der Genehmigung von Tierversuchen zu berücksichtigen ist. In Deutschland jedoch bleiben die Ängste der Tiere unberücksichtigt. Nach Vorgabe der EU sollten ethische Überlegungen den Kern bei der Genehmigung von Tierversuchen bilden. Dies bleibt in den deutschen Entwürfen im Wesentlichen unberücksichtigt.

Der Ärzteverein moniert auch die in Deutschland vorgesehene aufgeweichte Genehmigungspflicht für Tierversuche. So sollen Änderungen im Versuch keiner erneuten Genehmigung bedürfen, selbst wenn sich die Zahl der Tiere erhöht. Auch wildlebende Tiere und verwilderte Haustiere können in Deutschland im Tierversuch verwendet werden, wohingegen die EU ein weitgehendes Verbot vorsieht. Versuche, die mit schweren Leiden verbunden sind sowie Experimente mit Menschenaffen sollten nach EU-Vorgabe verboten sein, was in den deutschen Entwürfen jedoch nicht der Fall ist.

»Zu Gunsten der Profiteure des Systems Tierversuch wurden selbst die minimalen Spielräume, die die EU einräumt, um Tierversuche wenigstens geringfügig einzuschränken, nicht genutzt und somit die Staatszielbestimmung Tierschutz massiv konterkariert«, so Bitz.

In der Anhörung wird zudem der Entwurf von Bündnis 90/Die Grünen für ein Tierschutzgesetz behandelt, der im Gegensatz zum Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) einige fortschrittliche Regelungen vorsieht und die in Deutschland seit zehn Jahren verankerten Grundrechte der Tiere berücksichtigt. Nach Ansicht der Ärztevereinigung sollen die Abgeordneten diesen Vorschlag anstelle des BMELV-Entwurfs zugrunde legen. Das eigentliche Ziel jedoch sei die vollständige Abschaffung aller Tierversuche im Sinne einer ethischen und zukunftsweisenden Wissenschaft.

Die EU-Tierversuchsrichtlinie muss von den Mitgliedstaaten bis zum 10. November 2012 in nationales Recht umgesetzt werden. Im Januar 2012 legte das BMELV Entwürfe für ein neues Tierschutzgesetz sowie für eine Tierversuchsverordnung vor, die der Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie dienen. Am 17. Oktober 2012 beschäftigt sich der Deutsche Bundestag in erster Lesung mit dem Vorhaben, die zweite Lesung findet voraussichtlich Ende Oktober statt. Über die Tierversuchsverordnung wird im November im Bundesrat abgestimmt.

Am 17. Oktober findet eine Demo in Berlin für mehr Tierschutz im Tierschutzgesetz statt, an der die Ärztevereinigung teilnimmt.

Weitere Information:

Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie >> 

Pressemitteilung vom 2. Oktober 2012: Tierschutznovelle darf kein zahnloser Tiger werden >> 

Demo gegen den Novellierungsentwurf des Tierschutzgesetzes >>


02.10.2012
 

Aus für Militärtierversuche!


US-Armee darf Tiere nicht verstümmeln


Die bundesweite Ärztevereinigung ist hoch erfreut über den Verlauf der heutigen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Gera. Die US-Armee wollte in Thüringen militärische Tierversuche an lebenden Tieren durchführen. Die Genehmigungsbehörde lehnte den Antrag jedoch ab, wogegen das Militär klagte.


Im Rahmen der Verhandlung wurden drei Sachverständige hinzugezogen, die zur Klärung der Frage beitragen sollten, ob das Training an lebenden Tieren erforderlich ist, um Soldaten für den Kriegseinsatz zu schulen.

Wie ein Gerichtssprecher der Ärztevereinigung mitteilte, sind die Experten der Auffassung, dass die Qualität der Dummies so realitätsgerecht sei, dass man nicht auf Tiere zurückgreifen müsse. Das Gericht machte deutlich, dass es den Gutachtern folgen würde, woraufhin das US-Militär seine Klage zurückzog. Die Untersagensverfügung der Genehmigungsbehörde ist damit rechtskräftig und die geplanten Militärtierversuche dürfen nicht durchgeführt werden.

Die US-Armee in Deutschland wollte mit Hilfe der Thüringer Firma Deployment Medicine International Sanitäter an zuvor verletzten Schweinen schulen. Den Tieren sollten dazu Schnitt- und Stichverletzungen beigebracht werden. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche nannte das Vorhaben »unsinnig und perfide« und hatte zu Protesten aufgerufen. Nach Aussage des Ärztevereins gibt es bereits eine Vielzahl von lebensechten tierversuchsfreien Übungsmodellen, so dass die geplanten Tierversuche gegen geltendes Tierschutzrecht verstoßen hätten.

Weitere Information:
Pressemitteilung vom 1.10.2012 »US-Armee in Deutschland will Kriegsforschung an Tieren durchsetzen« >>



02.10.2012

Welttierschutztag:


Tierschutznovelle darf kein zahnloser Tiger werden


Zum diesjährigen Welttierschutztag ermahnt die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die Politik, sich bei der Neufassung der Tierschutzgesetzgebung nicht weiter von einflussreichen Tiernutzerlobbyisten leiten zu lassen, sondern sich endlich zum seit zehn Jahren grundgesetzlich verankerten Tierschutz zu bekennen. Die Bundesregierung muss bis November 2012 die EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht umsetzen. Der Ärzteverein hält die bisherigen Entwürfe für vollkommen unzureichend.


»Die von der Bundesregierung vorgelegten Entwürfe für ein neues Tierschutzgesetz und eine Tierversuchsverordnung tragen die Handschrift der Profiteure von Tierversuchen. Der eigentliche Zweck der Regelwerke, der Schutz der Tiere und die Stärkung der tierversuchsfreien Forschung, wird vollständig verfehlt«, bemängelt Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung.

Bereits die EU-Richtlinie hat es versäumt, zeitgemäßen, tierversuchsfreien Methoden den Vorrang zu geben und den Ausstieg aus der überalterten und grausamen Methode Tierversuch einzuleiten. Jedoch ermöglicht die Richtlinie ein Verbot von Versuchen an Menschenaffen sowie Experimenten, die schweres Leiden oder Schmerzen für die Tiere bedeuten. Deutschland kommt dieser Vorgabe jedoch nicht nach, sondern nutzt Schlupflöcher, um keine Einschränkung der tierexperimentellen Forschung einzuführen. Vorgesehen ist zudem eine umfangreiche Ausweitung der Zwecke, zu denen Tierversuche erlaubt sein sollen, womit die Forschungsfreiheit auf Kosten des Tierschutzes noch grenzenloser wird. Die Ärztevereinigung wirft der Bundesregierung einen Kniefall vor der Tierversuchslobby vor.

Ein Gutachten der renommierten Basler Juristin Prof. Dr. iur. Anne Peters, das sechs der größten Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen Deutschlands, darunter der Verein Ärzte gegen Tierversuche, in Auftrag gegeben hatten, bestätigt, dass die vorliegenden Entwürfe die Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie nicht im erforderlichen Maße umsetzen. Demnach müssen die von der EU eingeräumten Spielräume genutzt werden, um höhere Tierschutzstandards zu schaffen und so dem Staatsziel Tierschutz Rechnung zu tragen. Vor zehn Jahren wurde der Tierschutz im deutschen Grundgesetz verankert. Praktische Auswirkungen für die Tiere gab es bislang jedoch fast nicht. »Die Novellierung des Tierschutzgesetzes ist die Chance, das Staatsziel Tierschutz endlich mit Leben zu füllen«, fordert Bitz.

Das Vorhaben der Bundesregierung, die Gesetzgebung zu Tierversuchen nicht zu verschärfen, widerspricht nach Auffassung der Ärztevereinigung ferner dem klaren Willen des Großteils der Bürger. So forderten in einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage 79 % der Befragten ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen, unabhängig von der Tierart. 80 % treten für eine Veröffentlichung von Informationen über die durchgeführten Tierversuche ein.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Auch den kleinsten Wurm betrachtete er als gottgewollt und schützenswert. Zwei Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.

Weitere Information:
Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>
Europas Bürger wollen keine grausamen Tierversuche >>


01.10.2012

 


Aktuell: Aus für Militärforschung! US-Armee darf Tiere nicht verstümmeln
Zur Pressemitteilung vom 2.10.2012 >>

 

Gerichtsverhandlung in Gera:


US-Armee in Deutschland will Kriegsforschung an Tieren durchsetzen


Am 2. Oktober verhandelt das Verwaltungsgericht Gera die Klage der US-Armee, die in Thüringen militärische Tierversuche an lebenden Tieren durchführen will. Schweinen und Ziegen sollen zur Nachahmung von Kriegsverletzungen Stich- und Schnittwunden beigebracht werden, um die Versorgung von Wunden zu üben. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet das Vorhaben als »perfide und sinnlos«, zudem verstieße es gegen das Tierschutzgesetz.


Zunächst hatte die US-Armee in Deutschland vor, auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr in der Oberpfalz Tieren mit Messern schwere Verletzungen zuzufügen, um diese dann zu Übungszwecken im Rahmen der Sanitätsausbildung zu behandeln. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche und andere Tierrechtsverbände hatten zu Protesten aufgerufen, um die Öffentlichkeit über das grausame Vorhaben, das unter strengster Geheimhaltung hätte stattfinden sollen, zu informieren. Die zuständige Behörde, die Regierung der Oberpfalz, verwehrte im Juli 2010 die Genehmigung, da die Experimente gegen das Tierschutzgesetz verstoßen würden.

Im Oktober 2010 beantragte die US-Armee dann in Thüringen die Durchführung dieser Versuche. Doch auch das für die Genehmigung zuständige Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit lehnte den Antrag ab. Dagegen klagte das Militär. Am 2. Oktober 2012 findet nun die Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Gera statt. Die Ärztevereinigung appelliert an das Gericht, die Entscheidung der beiden Behörden zu stützen. Nach Ansicht des Vereins sind die Militärtierversuche unvereinbar mit dem Tierschutzgesetz, nach dem Tierversuche zur Entwicklung und Erprobung von Waffen, Munition und dazugehörigem Gerät in Deutschland verboten sind. Außerdem dürfen laut Tierschutzgesetz Tierversuche zur Aus-, Fort- und Weiterbildung nur durchgeführt werden, soweit ihr Zweck nicht auch auf andere Weise erzielt werden kann. Eine Vielzahl hochentwickelter und lebensechter Modelle steht für das Training der Behandlung von Wunden zur Verfügung.

Militärtierversuche seien weder ethisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen. »Tieren schwere Verletzungen zuzufügen, ist überaus grausam und zudem nicht mit Kriegsverletzungen vergleichbar. Sinnvoll und human dagegen ist es, direkt in Kriegs- oder Krisengebieten zu helfen, wo es zahlreiche Menschen gibt, die medizinische Versorgung benötigen«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Auch die deutsche Bundeswehr betreibt Kriegsforschung an Tieren. So werden pro Jahr rund 800 Tiere, unter anderem Affen, für militärische Zwecke beispielsweise mit Viren infiziert. Die Verletzung von Tieren zur Übungen der Wundversorgung findet bei der Bundeswehr jedoch nicht mehr statt. Die Ärzte gegen Tierversuche fordern eine humane Forschung und Lehre ohne Tierversuche, die sich an der tatsächlichen Situation des Menschen orientiert und so die Basis für eine ethisch einwandfreie und wissenschaftlich sinnvolle Wissenschaft und Medizin bietet.

Weitere Information:

Hintergrundinformation zu diesem Fall >>

Kriegsforschung an Tieren >>

Pressemitteilung vom 12.9.2012: Militärforschung an Affen und anderen Tieren >>


28.09.2012


55 Jahre Contergan-Skandal


Hat die Wissenschaft daraus gelernt?


Das Medikament Contergan (Thalidomid) kam am 1. Oktober 1957 auf den Markt. Die Herstellerfirma Grünenthal versandte ca. 40.000 Rundschreiben an Ärzte und Apotheker, in denen es als das beste Schlafmittel für Schwangere und stillende Mütter bezeichnet wurde.

Bei diesem »wirklich neuen Produkt« habe man die Sicherheit durch ausgedehnte Tierversuche besonders gründlich überprüft. So wurde es zum beliebtesten Schlafmittel. Jahre nach Markteinführung wurden 10.000 an Armen und Beinen verstümmelte Kinder geboren, deren Mütter während der Schwangerschaft Contergan eingenommen hatten.

Die missbildenden Eigenschaften von Thalidomid zeigten sich experimentell erst im Nachhinein und nur bei zwei Tierarten, dem Neuseeland-Kaninchen und einer Affenart. Und das auch nur in sehr hohen Dosierungen. Bei allen möglichen anderen Tierarten von der Maus über Schwein und Frettchen bis zum Gürteltier waren keine missbildenden Eigenschaften festzustellen.

Als Folge der Contergan-Katastrophe müssen in Deutschland seit 1978 Arzneimittel, die neu auf den Markt kommen sollen, ein Zulassungsverfahren durchlaufen. Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von neuen Stoffen müssen dabei in Tierversuchen und klinischen Studien nachgewiesen werden. Doch die Arzneimittelsicherheit konnte damit nicht erhöht werden, kritisiert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche. Immer wieder kommt es beim Menschen zu schweren unerwünschten Wirkungen, da die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar sind.

Seit Markteinführung bis 2003 wurden mehr als 150 Babys, deren Mütter das Aknemedikament Roaccutan (Isotretinoin) der Schweizer Firma Roche einnahmen, mit Fehlbildungen geboren. Noch wesentlich mehr Schwangerschaften endeten mit Fehlgeburten.(1)

Für die Zulassung eines Medikamentes werden von den Zulassungsbehörden auch sogenannte Teratogenitätsprüfungen verlangt, also Tierversuche, welche die Gefahr für Fehlbildungen des Fetus bzw. Embryos erkennen sollen. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche warnt, dass sich nur in 50% solcher Tierversuche eine Übereinstimmung mit dem Menschen zeigt: »Ob das Kind geschädigt wird oder nicht, kann also nur mit gleicher Wahrscheinlichkeit vorhergesagt werden, wie der Wurf einer Münze«, so die Experten. Nach Ansicht des Vereins ist es unverantwortlich, dass schwangere Frauen heute noch dem gleichen Risiko für Fehlbildungen und Fehlgeburten bei Einnahme neuer Medikamente ausgesetzt sind wie noch vor 55 Jahren, weil Forscher und Zulassungsbehörden immer noch an den mittelalterlichen, unzuverlässigen Tierversuchen festhalten. Denn auch beim Medikament Roaccutan täuschten die Tierversuche an Mäusen und Ratten eine falsche Sicherheit vor, wie eine Studie bereits 2001 aufdeckte.(2)

Das schon vor über 100 Jahren entwickelte Aspirin würde dagegen heute keine Marktzulassung mehr erhalten, da es bei Hunden, Katzen, Affen, Mäusen und Ratten Embryonalschäden verursacht.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert seit langem die konsequente Förderung und Anwendung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden statt der Verschwendung von Geldern für gefährliche, völlig veraltete Testmethoden. Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Der Verein fordert endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Will Deutschland auch in Zukunft zu den führenden Forschungsnationen gehören, müssen wir uns vom Tierversuch verabschieden und den Weg frei machen für ethische und zuverlässige Forschungsmethoden.

Quellen:
(1) Accutane Birth Defects http://www.onlinelawyersource.com/accutane/birth-defects/  
(2) Nau H.: Teratogenicity of isotretinoin revisited: species variation and the role of all-trans-retinoic acid. J Am Acad Dermatol. 2001 Nov; 45(5): S183-7

Weitere Information:
Liste von Risikomedikamenten >>

Der Text basiert mit freundlicher Genehmigung auf einer Pressemitteilung der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner AG STG.


25.09.2012

Ärzteverein deckt auf:


Universität Erlangen verschwendet 26 Millionen Euro Steuergelder


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche wirft der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen Verschwendung von Steuergeldern vor. Das 2005 für 26 Millionen Euro errichtete Franz-Penzoldt-Zentrum sollte die über das ganze Stadtgebiet verstreuten Tierhaltungen ersetzen. Recherchen des Ärztevereins zufolge wurden viele der dezentralen Tierhaltungen aber nicht aufgelöst, sondern bestehen weiterhin. Der Verein kritisiert, dass damit Räumlichkeiten für noch mehr Tierversuche geschaffen wurden, anstatt die Gelder in eine moderne Forschung ohne Tierversuche zu investieren.


Die Tierversuchsanlage Franz-Penzoldt-Zentrum (FPZ) wurde mit dem Ziel gebaut, die verstreuten Tierhaltungen zu zentralisieren. So sagte Prof. Karl-Dieter Grüske, Rektor der Universität Erlangen, bei der Eröffnungsveranstaltung des Gebäudes am 20. Juni 2005, dass »eine Vielzahl kleiner und kleinster Tierhaltungen in verschiedenen Instituten und Kliniken … den modernen Anforderungen der Versuchstierhaltung« nicht mehr genügen würden. Diese »Inseln« würden nach der Fertigstellung des FPZ zusammengeführt werden. Prof. Dr. Michael Wegner, Vorsitzender des Leitungsgremiums, kündigte in seiner Eröffnungsrede an, dass »eine Reihe alter dezentraler Tierhaltungen« geschlossen werden würden.

Recherchen der Arbeitsgruppe Erlangen des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche haben jetzt ergeben, dass entgegen dieser Aussagen viele der dezentralen Tierhaltungen heute, sieben Jahre später, weiter bestehen. »Das bedeutet faktisch eine Ausweitung der Tierversuche, denn im FPZ werden zusätzlich zu den bestehenden Anlagen Tiere im Namen einer fragwürdigen Wissenschaft gequält und getötet«, moniert Dr. med. Joachim Wiedmayer, Neurologe und Mitglied der Arbeitsgruppe Erlangen des Ärztevereins.

Nicht einmal die Tierschutzbeauftragte hat ihren Arbeitsplatz im Franz-Penzoldt-Zentrum, sondern an der Peripherie auf dem Südgelände der Uni. An diesem Standort wird für ständigen Nachschub gesorgt: Dort werden Tiere genmanipuliert. An genetisch veränderten Mäusen beispielsweise wird die Verarbeitung von Schmerz untersucht. Hierfür wird Formalin in die Pfote injiziert und eine Stunde lang die Schmerzzuckungen beobachtet.

Vergeblich hatten Tierversuchsgegner jahrelang gefordert, die verfügbaren Steuergelder für innovative Forschung ohne Tierversuche einzusetzen. Umfangreiche Aufklärungskampagnen, 6.800 gesammelte Unterschriften, Demos und ein Tierschutzpreis konnten den Bau des High-Tech-Funktionsgebäudes nicht verhindern. Nun will die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche erreichen, dass ein Umdenken erfolgt, weg vom Tierversuch hin zur innovativen, tierversuchsfreien Forschung. Platz und Geld sind genügend vorhanden.

Quelle für die Zitate:
Erlanger Universitätsreden 67/2005, 3. Folge »Einweihung des Franz-Penzoldt-Zentrums in Erlangen – Grußworte, Ansprache und wissenschaftliche Einführung am 20. Juni 2005«

Weitere Informationen:
Chronik der Proteste gegen Tierversuche an der Uni Erlangen >>
Flugblatt »Tierversuche im Brennpunkt: Erlangen« (PDF) >>


18.09.2012

Bundesländervergleich


Negativ-Rangliste zu Tierversuchen


Allein in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Berlin findet fast die Hälfte aller Tierversuche in Deutschland statt. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt in ihrer aktuellen Deutschlandübersicht, in welchen Bundesländern die meisten Tiere zu Forschungszwecken verbraucht werden.

»Bundesweit nimmt Baden-Württemberg mit über 560.000 Tieren, was rund 20 % der Gesamtzahl von 2,9 Millionen Tieren entspricht, die Spitzenposition in Sachen grausamer und rückschrittlicher Forschung ein«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins. Unter anderem werden an drei Tübinger Instituten noch immer Hirnversuche an Affen durchgeführt, wie sie in anderen Bundesländern längst nicht mehr gestattet werden, da die Behörden sie als ethisch nicht vertretbar beurteilen. Am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit werden an Ratten Veränderungen im Gehirn bei Essstörungen untersucht. Die Tiere müssen solange hungern, bis sie 45% ihres Gewichts verloren haben.

Platz zwei der Negativ-Rangliste belegt nach aktueller Statistik aus 2010 Nordrhein-Westfalen mit über 15 % Tierverbrauch bzw. 440.960 Tieren. Berlin kommt mit gut 13 % bzw. 383.527 Tieren im selben Jahr an dritter Stelle. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf ist nach Aussage der Ärztevereinigung besonders berüchtigt für qualvolle zahnmedizinische Tierversuche an Beaglehunden sowie neurologische Forschung an Ratten. Beispielsweise wird hier an Ratten der Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron und Depression getestet. Die Tiere müssen in einem Wasserbassin schwimmen. Eine Ratte, die aufgibt und sich treiben lässt, wird als depressiv gewertet. Das Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) ist schon jetzt eine der größten tierexperimentellen Einrichtungen Deutschlands. Mit einem aktuell geplanten Laborneubau sollen die Kapazitäten noch weiter erhöht werden.

Mit fast 12 % bzw. 333.729 Tieren liegt Bayern auf dem vierten Platz im Bundesvergleich. Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) werden bei Ratten durch Stromstöße in das Gehirn epileptische Anfälle ausgelöst, um ein Epilepsiemittel zu testen, das seit über 100 Jahren beim Menschen erfolgreich im Einsatz ist.

Im Jahr 2010 wurden laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Deutschland fast zwei Millionen Mäuse (69%), mehr als 442.000 Ratten (16%), rund 166.000 Fische (5,8%), etwa 106.000 Vögel, 2.789 Affen, 805 Katzen, 3.004 Hunde und Tiere vieler weiterer Tierarten im Namen der Wissenschaft getötet. Über 4.000 der in Deutschland durchgeführten Tierexperimente dokumentieren die Ärzte gegen Tierversuche auf Basis von in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln in ihrer Internetdatenbank.

Der Verein setzt sich seit über 30 Jahren für eine fortschrittliche Medizin und Wissenschaft ein, die im Sinne von Mensch und Tier auf einem rein tierversuchsfreien System basieren muss. Kombinationen aus Tests an Zellkulturen, Computersimulationen und gefahrlosen Untersuchungen am Menschen, wie bildgebende Verfahren, liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse für die Humanmedizin.

Weitere Information:

Link Karte und Tabelle >>

Datenbank Tierversuche >>

Tierversuchshochburgen Deutschlands >>


12.09.2012


Affenqual im Deutschen Primatenzentrum Göttingen


Ärztevereinigung fordert Ende der Tierversuche


Anlässlich der 35-Jahr-Feier des Primatenzentrums in Göttingen kritisiert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die tierexperimentelle Forschung als grausam und rückständig.


Tierversuche an Affen und anderen Tieren sind ethisch nicht zu rechtfertigen und zudem medizinisch irrelevant. »Die Übertragung der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen gleicht einem Glückspiel, das schwerwiegende Folgen für den Menschen haben kann«, erläutert Dipl.-Biologin Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärztevereinigung. Mit dem monoklonalen Antikörper TGN1412 der Würzburger Firma TeGenero beispielsweise sollte ein Allheilmittel gegen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und andere Immunkrankheiten auf den Markt gebracht werden. Tierversuche an Javaner- und Rhesusaffen, Kaninchen sowie Ratten ließen keine unerwünschten Nebenwirkungen vermuten. Die klinische Studie an sechs Probanden jedoch war lebensbedrohlich und noch heute leiden diese an bleibenden Schäden.

Am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen müssen Affen nach Aussage des Vereins für abstruse und qualvolle Versuche unter anderem in der Hirn- oder Infektionsforschung herhalten. Weißbüscheläffchen, einzeln in kleinen Käfigen gehalten, wurden mit Orthopoxviren infiziert, die ein Potential für Bioterrorismus haben. Fast alle Tiere entwickelten innerhalb kurzer Zeit schwere Symptome wie Blutungen an Haut, Darm, Leber und Blase und geschwollene Lymphknoten. Bis auf vier Affen starben die Tiere oder wurden getötet, wenn sie im Sterben lagen.

Bei Spitzhörnchen wird ein Gerät zur Messung der Körpertemperatur in die Bauchhöhle eingepflanzt. Dann werden die Tiere täglich für eine Stunde sozialem Stress ausgesetzt. Dazu wird die Trennwand zum Nachbarkäfig entfernt, in dem sich ein dominantes Männchen befindet, das das unterlegende Tier attackiert. Jeden Tag wird ein anderes dominantes Männchen verwendet, damit die Tiere sich nicht aneinander gewöhnen. Das Ergebnis der Studie: Ältere Tiere gehen gelassener mit Stress um als junge. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche prangert derartige Tierversuche als reine Neugierforschung an, bei der es nicht einmal ansatzweise um medizinischen Erkenntnisgewinn geht.

Doch auch Tierversuche zum Beispiel im Bereich der AIDS-Forschung hält die Ärztevereinigung wegen der mangelnden Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Situation beim Menschen für irrelevant. Da Affen die menschliche AIDS-Krankheit nicht bekommen, werden sie im Primatenzentrum mit so genanntem »Affen-AIDS«, infiziert, um die Mechanismen der Krankheitsentstehung zu ergründen. Diese Forschung hilft laut Ärztevereinigung kranken Menschen jedoch nicht, weil »Affen-AIDS« nicht mit dem menschlichen AIDS zu vergleichen ist. Fortschritte in der AIDS-Forschung beruhen nicht auf Tierversuchen, sondern auf Erkenntnissen aus der Infektions- und Seuchenlehre, auf der klinischen Beobachtung von Patienten sowie auf Studien mit Zellkulturen.

Der Verein tritt aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen für ein Ende aller Tierversuche zugunsten innovativer Methoden ohne die Verwendung von Tieren ein, wie ausgefeilte Computersimulationen, Mikrochips und Tests an menschlichen Zellsystemen.

Weitere Informationen:

Tierversuche an Affen >>

Quellen der genannten Versuche:

Susan Kohlhause et al. (2011): Nocturnal hyperthermia induced by social stress in male tree shrews: relation to low testosterone and effects of age. Physiology & Behavior: 104, 786-795. (www.datenbank-tierversuche.de, Dokumenten-Id: 4304)

K. Mätz-Rensing et. al. (2012): The pathology of experimental poxvirus infection in common marmosets (Callithrix jacchus): Further characterization of a new primate model for orthopoxvirus infection. Journal of Comparative Pathology 2012: 146, 230-242. (www.datenbank-tierversuche.de, Dokumenten-Id: 4305)

Kristina Allers et al: (2010): Gut mucosal FOXP3+ regulatory CD4+ T cells and nonregulatory CD4+ T cells are differentially affected by simian immunodeficiency virus infection in rhesus macaques. Journal of Virology 2010: 84(7), 3259-3269 (www.datenbank-tierversuche.de, Dokumenten-Id: 4232)


12.09.2012

Militärforschung an Affen und anderen Tieren


Ärzteverein verurteilt wehrmedizinische Tierversuche


Einem aktuellen Medienbericht zufolge werden laut Bundesverteidigungsministerium jährlich mehr als 800 Tiere im Auftrag der Bundeswehr oder in deren Labors getötet. Versuche an Affen würden seit 2009 nicht mehr stattfinden. Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hat Beweise dafür, dass danach noch mindestens ein Affe für militärische Zwecke leiden musste.


Den Recherchen des Ärztevereins zufolge fanden unter Federführung des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Schutztechnologie (WIS) im niedersächsischen Munster Tierversuche an einem Affen in Frankreich statt. Einem Langschwanzmakaken wurden über einen Zeitraum von 350 Tagen sechsmal Viren injiziert, die die Venezuelanische Pferde-Enzephalomyelitis (VEE) hervorrufen. Diese Viren gelten als potentiell geeignet für biologische Kampfstoffe. Aus dem Knochenmark des Affen wurden Antikörper gewonnen, die unter Federführung des WIS in einem Labor in Großbritannien an Mäusen getestet wurden. Die Mäuse werden zunächst mit VEE-Viren infiziert. Dann werden ihnen die Antikörper des Affen in die Bauchhöhle injiziert. Je später die Verabreichung der Antikörper erfolgt, desto schwerer sind die Symptome und desto mehr Mäuse sterben. Die Tiere leiden unter Apathie und Lähmungen der Beine. In manchen Gruppen beträgt die Todesrate 100 Prozent. Dieser Tierversuch wird in der Online-Fachzeitschrift PLoS One, Ausgabe Mai 2012, beschrieben.

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche verurteilt derartige Tierversuche aufs Schärfste. »Tierversuche an Affen, Mäusen und anderen Tieren sind aus ethischen Gründen und wegen mangelnder Relevanz für den Menschen generell abzulehnen. Der Missbrauch von Tieren für militärische Zwecke ist aber besonders perfide«, so Dr. med. vet. Corina Gericke, Vize-Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Tierversuche in Deutschland stattfanden oder wie in diesem Fall unter Beteiligung eines Bundesinstitutes im Ausland.

»Die Infektion mit Viren ist für die Tiere mit ungeheuren Qualen verbunden«, so die Tierärztin weiter. »Zudem ist das Immunsystem von Mäusen und Menschen nicht vergleichbar, so dass die Ergebnisse aus solchen Versuchen wertlos sind.«

Das Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche zur Erprobung von Waffen, Munition und dazugehörigem Gerät. »Doch unter dem Deckmantel des angeblichen Schutzes von Soldaten finden solch qualvolle Tierversuche statt und das Verbot wird umgangen«, moniert Gericke. »Die Bundesregierung hätte im Rahmen der Novellierung der Tierschutzgesetzgebung die Chance gehabt, ein ausnahmsloses gesetzliches Verbot der Militärforschung an Tieren zu erlassen. Sie hält in ihrem Entwurf zum Tierschutzgesetz jedoch an der bisherigen Formulierung fest, wodurch Tierversuchen zu militärischen Zwecken weiterhin Tür und Tor geöffnet sind.«

Weitere Informationen:
"Tiere sterben bei Experimenten der Bundeswehr", Osnabrücker Zeitung, 10.9.2012 >> 

Fachartikel in PLoS One 2012: 7 (5), e37242 >> 

Kriegsforschung an Tieren >> 

Online-Protestaktion des Arbeitskreises humaner Tierschutz e.V. >> 


11.09.2012

Moderne Forschung ohne Tierversuche


Ärzteverein begrüßt aktuell vorgestellte Neuentwicklungen  


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich erfreut über aktuelle Neuentwicklungen tierversuchfreier Testverfahren, die sich direkt an der Situation des Menschen orientieren. Nach Ansicht des Vereins ist aus ethischen Gründen und mangels Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen ein Paradigmenwechsel weg vom grausamen System Tierversuch notwendig.

Auf einem Fachkongress in Linz, Österreich, an dem der Ärzteverein teilnahm, wurden zahlreiche moderne Forschungsmethoden ohne die Verwendung von Tieren vorgestellt. So wurde an der Universität Newcastle, England, ein Modell zur Erforschung der Epilepsie entwickelt, das die direkte Untersuchung mittels EEG in Kombination mit Untersuchungen an Hirngewebe betroffener Patienten, das bei medizinisch notwendigen Operationen anfällt, kombiniert. Die üblicherweise in diesem Bereich durchgeführten Tierversuche, in denen Symptome der Epilepsie beispielsweise an Ratten künstlich erzeugt werden, haben dagegen nach Aussage der Ärztevereinigung mit der menschlichen Erkrankung nichts gemein und können daher keine relevanten Erkenntnisse liefern.

Forscher aus München haben aus menschlichen Zellen ein Modell der Hornhaut entwickelt, die wie im echten Auge aufgebaut ist und an der sich Substanzen testen lassen. Im Vergleich zum Tierversuch zeigte dieses Modell eine geringere Variation. Tübinger Wissenschaftler haben eine 'Leber auf einem Chip' entwickelt, die die Struktur des menschlichen Organs lebensecht darstellt. So kann die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Zelltypen erforscht werden, was wertvolle Rückschlüsse über chronische Lebergiftigkeit erlaubt. An der Universität Bern haben Wissenschaftler mit Hilfe von menschlichen Zellen ein Modell der Lunge entwickelt, um Behandlungsstrategien für schwerwiegende Erkrankungen wie bösartige Tumore zu entwickeln.

Der Verein begrüßt es, dass immer mehr Wissenschaftler die Vorzüge der tierversuchsfreien Forschung wie Zellsysteme, Biochips oder Computersimulationen erkennen und innovative Forschung betreiben. »Tierversuche haben keine zuverlässige Aussagekraft für den Menschen. Die Reaktion auf ein und dieselbe Substanz kann von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch vollkommen gegensätzlich sein«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung. Untersuchungen, die auf dem Kongress angeführt wurden, bestätigen dies. So liegt die Übereinstimmung bei Tests auf krebserregende Wirkung zwischen Ratte und Mensch nur bei 69%, Maus und Ratte zeigen sogar nur in 57% eine vergleichbare Reaktion. 

Der ‚Europäische Kongress für Alternativen zum Tierversuch’ in Linz fand zum 17. Mal statt. Moderne und ethische Forschung funktioniert nach Aussage der Experten des Vereins Ärzte gegen Tierversuche nur ohne Tierversuche. Sie fordern daher ein Ende aller Tierversuche, um den Weg frei zu machen für eine tierversuchsfreie Medizin und Wissenschaft, die nicht nur Tiere vor einem qualvollen Tod im Labor bewahrt, sondern auch die Basis bietet für den best möglichen Schutz des Menschen vor unerwünschten Nebenwirkungen und zur Entwicklung von patientenspezifischen Therapiemöglichkeiten.

Weitere Information

Tierversuchsfreie Forschung >>


31.08.2012

»Winterschlaf hilft gegen Alzheimer«


Absurditäten aus der Tierversuchsforschung


Anhand einer Vielzahl beispielhaft herausgegriffener Tierversuche, die in Deutschland stattfanden, zeigt die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche in einer neuen Broschüre auf, dass Tierversuche nicht nur lebensverachtend Tieren gegenüber sind, sondern dass der angebliche Nutzen von Tierversuchen nur vorgeschoben ist.


Die Ärztevereinigung prangert an, dass in Deutschland regelmäßig Tierversuche genehmigt werden, denen jeder Sinn fehlt. Das Tierschutzgesetz erteilt Forschern „unter dem Deckmantel der Grundlagenforschung eine Pauschalabsolution, Tiere für Forschungszwecke aller Art zu missbrauchen“, heißt es von Seiten der Ärztevereinigung. »Auch die derzeit geplante Neufassung des Tierschutzgesetzes ist nur ein zahnloser Tiger und nicht dazu geeignet, selbst die abstrusesten Versuchsanordnungen einzudämmen«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche und Autorin der Broschüre.

So wurde in einer Studie aus Mainz herausgefunden, dass Vitamin C Meerschweinchen vor lärmbedingten Hörschäden schützen kann. Die Tiere erhielten das Vitamin in sehr hoher Dosierung verabreicht, bevor sie mit einem lauten Geräusch beschallt wurden. »Ein Mensch müsste sieben Tage lang jeden Tag 42 Tabletten zu je 1000 g Vitamin C einnehmen, bevor er in eine Disco geht«, heißt es in der Broschüre.

Um das bekannte Wissen, dass Alkohol nicht gut für Kinder ist, einmal mehr im Tierversuch zu untersuchen, wird an der Universität Bremen heranwachsenden Ratten Alkohol in die Bauchhöhle injiziert. Im Erwachsenenalter müssen die Tiere dann verschiedene Verhaltens- und Gedächtnisexperimente durchlaufen, schließlich werden die Tiere getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen. Der Ärzteverein ist der Ansicht, dass die in solche Tierversuche investierten Steuergelder sinnvoller für sozialmedizinische Studien mit suchtkranken Menschen verwendet werden sollten.

In Leipzig wurden Hamster durch Verkürzung der Lichtperiode in den Winterschlaf gezwungen. Im Alter von 11 Monaten wurden die Tiere getötet, um ihre Gehirne zu untersuchen. Dabei wurde festgestellt, dass die Ruheperiode bei diesen Tieren das Nervengewebe schützt und vor degenerativen Krankheiten wie Alzheimer schützen kann. Abgesehen davon, dass Hamster gar kein Alzheimer bekommen und die Ergebnisse damit irrelevant für den Menschen sind, ist es laut Ärztevereinigung nicht umsetzbar, Menschen zum möglichen Schutz vor Alzheimer für mehrere Monate in den Winterschlaf zu versetzen.

»Müssen wir wissen, wie lange Möwen hungern können, wie ein Rattenschnurrhaar auf Druck reagiert oder was im Gehirn von Katzen passiert, die sich aus der Katzenperspektive gemachte Filmaufnahmen angucken?«, fragt sich Tierärztin Gericke. Mit ihrer neuen Broschüre »Winterschlaf hilft gegen Alzheimer und andere Absurditäten aus der Tierversuchsforschung« offenbaren die Ärzte gegen Tierversuche, wie grausam und wissenschaftlich unsinnig Tierversuche sind. Hierbei werden keine Einzelfälle aufgegriffen, sondern der ganz »normale« Laboralltag gezeigt, den Tiere im Namen der Wissenschaft über sich ergehen lassen müssen. Dabei schockieren die Experten nicht durch grausame Bilder, sondern enthüllen mittels Karikaturen die Zweckfreiheit der Tierversuche. Sie verdeutlichen, dass aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen eine sofortige Kehrtwende hin zu innovativer Forschung ohne Tierversuche wie Computersimulationen, Mikrochips oder Zellmethoden notwendig ist.

Alle Tierversuchsbeispiele sind der Internet-Datenbank des Vereins entnommen. Mit dieser macht er öffentlich, was niemand wissen soll: Die Wahrheit über Tierversuche. Seit 1995 dokumentiert die Ärztevereinigung stichprobenweise Tierversuche, die in Deutschland genehmigt, durchgeführt und veröffentlicht wurden. Die Daten der über 4.200 Tierversuchsbeschreibungen basieren auf Fachartikeln der Experimentatoren selbst.

Weitere Informationen:

Broschüre »Winterschlaf hilft gegen Alzheimer und andere Absurditäten aus der Tierversuchsforschung« >>
Datenbank-Tierversuche www.datenbank-tierversuche.de


24.08.2012


Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche:

33 Jahre Engagement für eine tierversuchsfreie Forschung


In diesen Tagen blickt die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche auf 33 Jahre Engagement für eine innovative und ethisch vertretbare Wissenschaft und Medizin, die nach Auffassung der Experten nur ohne Tierversuche funktionieren kann.

Obwohl auch heute noch in vielen Bereichen krampfhaft am unzuverlässigen und unethischen Tierversuch festgehalten wird, hat sich seit Gründung der Ärzte gegen Tierversuche im Jahr 1979 viel geändert. Die Zahl der Tiere, die in Deutschland jährlich im Labor zu Tode kommen, ist von damals schätzungsweise sieben bis 14 Millionen auf rund 1,5 Millionen Tiere im Jahr 1997 gesunken. Dieser Tiefstand ist auf den verstärkten Einsatz tierversuchsfreier Methoden insbesondere im Bereich gesetzlicher Prüfvorschriften zurückzuführen. Seither steigt die Zahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere jedoch dramatisch an, aktuell sind es rund 2,9 Millionen pro Jahr. »Der Anstieg der Tierversuche ist weitgehend auf den Modetrend zurückzuführen, im Rahmen der zweckfreien Grundlagenforschung Tiere nach Belieben genetisch zu manipulieren. Über 90% dieser Tiere entsprechen nicht dem Forscherwunsch und werden wie Müll entsorgt. Diese Tiere werden nicht einmal in der Statistik erfasst«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Die Gründung der Ärzte gegen Tierversuche vor 33 Jahren geht auf das inzwischen verstorbene Ärztepaar Margot und Herbert Stiller aus Hannover zurück. Für die beiden Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie war die mangelnde Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf die Situation beim Menschen ausschlaggebend.

Der Schwerpunkt der Ärzte gegen Tierversuche liegt in der wissenschaftlich fundierten Argumentation gegen Tierversuche, die im Rahmen der politischen Lobbyarbeit und Kampagnenarbeit Eingang findet. So betreibt der Verein seit 1995 eine Internet-Datenbank, in der mehr als 4.000 in Deutschland durchgeführte Tierversuche dokumentiert sind, die auf den Original-Veröffentlichungen der Tierexperimentatoren basieren.

Die Ärztevereinigung kämpft in zielgerichteten Kampagnen und Projekten gegen Tierversuche, wie aktuell gegen ein in Berlin entstehendes riesiges neues Tierversuchslabor oder die drohende Aufweichung des EU-weiten Verbots der Kosmetik-Tierversuche. Im Jahr 2007 startete die Ärztevereinigung eine Kampagne für die Abschaffung der Botox-Tierversuche, bei denen Mäuse für die Schönheitsideale der Menschen einen qualvollen Erstickungstod sterben. Ein erster Etappensieg ist die Anerkennung eines tierversuchsfreien Tests für die Produkte des größten Botox-Herstellers. Durch wissenschaftliche Kommentare konnte der Verein unlängst sieben Chemikalien-Tierversuchsreihen, die im Rahmen der EU-Verordnung REACH geplant waren, an etwa 8.000 Ratten verhindern.

Die Ärzte gegen Tierversuche zählen mehrere Hundert Ärzte, Tierärzte sowie im medizinischen Bereich tätige Naturwissenschaftler und Psychologen. Jeder Bürger kann bei der Ärztevereinigung Fördermitglied werden und die wertvolle Arbeit für die Abschaffung von Tierversuchen und zugunsten einer humanen Medizin unterstützen.

Weitere Informationen:

Aktuelle Mitmachaktionen >>

Möglichkeiten, aktiv zur Abschaffung der Tierversuche beitragen >>


15.08.2012


Ärzte gegen Tierversuche retten Tiere vor REACH-Chemikalientests


Dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) und seinen europäischen Partnern ist es gelungen, fünf Tierversuchsreihen, die für vier Chemikalien gemacht werden sollten, zu verhindern. Etwa 7.000 Tiere konnten so vor einem qualvollen Gifttod bewahrt werden.


Im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH müssen Chemie-Firmen die Substanzen, die sie herstellen, auf Giftigkeit testen lassen. Experten des Vereins Ärzte gegen Tierversuche und dessen Dachverband, die Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), kommentieren seit über zwei Jahren die Tierversuchsanträge der Industrie, die bei der Chemikalienbehörde ECHA eingereicht werden. Die Toxikologie-Experten versuchen herauszufinden, ob die geforderten Daten bereits vorhanden sind, so dass keine Tierversuche durchgeführt werden müssen.

In zwei der vier Fälle akzeptierte die ECHA die Einwände der Tierversuchsgegner und wies die Tierversuchsanträge der Industrie zurück. In den zwei anderen Fällen zogen die Chemie-Konzerne ihre Anträge selbst zurück. Bei einer der Substanzen handelte es sich um einen Kosmetik-Inhaltsstoff. Die anderen waren Industrie-Chemikalien, die in der Produktion von Gummi und Klebstoffen verwendet werden.

Drei der vier Chemikalien hätten in der sogenannten Zwei-Generationen-Studie an jeweils rund 2.000 Ratten getestet werden sollen. Dabei wird die Substanz weiblichen Ratten während der Schwangerschaft täglich mit einer Schlundsonde in den Magen eingegeben. Ihren Jungen wird der Stoff verabreicht, bis diese selbst Nachkommen haben, die die Substanz mit der Muttermilch aufnehmen. Schließlich werden alle Ratten getötet. Für die vierte Chemikalie waren zwei Tierversuchsreihen beantragt worden. Beim Test zur Entwicklungsgiftigkeit wird die Substanz schwangeren Rattenweibchen täglich per Schlundsonde verabreicht. Am Tag vor der Niederkunft werden die Tiere getötet, um die Embryos zu untersuchen. Etwa 1.000 Tiere müssen für diesen Test sterben. Bei der 90-Tage-Studie wird 120 Ratten die Substanz 90 Tage lang per Schlundsonde in den Magen eingegeben, bevor sie getötet werden.

Die ECEAE in Zusammenarbeit mit den Ärzten gegen Tierversuche ist weltweit die einzige Organisation, die aktiv zur Verhinderung von REACH-Tierversuchen beiträgt. Ihre Toxikologie-Experten suchen nach Daten über Chemikalien, für die Tierversuche vorgesehen sind. Bislang wurden Hunderte Tierversuchsanträge daraufhin überprüft, ob die geforderten Daten schon vorhanden sind, oder ob es andere gesetzlich festgelegte Gründe gibt, auf die Tierversuche zu verzichten. Da die Entscheidungen der ECHA, ob die Einwände akzeptiert werden oder nicht, mehrere Jahre dauern können, zeigen sich nun erste Erfolge der langwierigen und hochkomplexen Arbeit der Tierversuchsgegner.

Die ECEAE und ÄgT unterstützen auch Firmen, die REACH-Tierversuche nicht durchführen wollen. Erst im Juni 2012 konnte einem deutschen Chemie-Unternehmen erfolgreich geholfen werden, auf zwei Tierversuchsreihen zu verzichten. Der ÄgT-Toxikologe Dr. Wolfgang Stengel hatte Tierversuchs-Studien aus dem Jahr 1961 mit einer sehr ähnlichen Substanz gefunden, so dass diese Tierversuche nicht noch einmal durchgeführt werden mussten. Über 1.100 Ratten konnten so gerettet werden.

Weitere Informationen:
REACH-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche >>


13.08.2012


Ärztevereinigung veröffentlicht Infoschrift über Tierversuche in Jena:


»Grausame Forschung bar jeder Realität«


In ihrem aktuell erschienenen Faltblatt über Tierversuche in Jena offenbart die bundesweite Ärztevereinigung die ihrer Ansicht nach unsinnige und grausame Forschung an Tieren. Basierend auf Original-Veröffentlichungen der Tierexperimentatoren beschreibt der Verein Versuche, die in Laboren in Jena stattfanden und zeigt die Notwendigkeit für eine tierversuchfreie Forschung auf.

Am Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena werden Fische als Modell herangezogen. Eine Gruppe Afrikanischer Prachtgrundkärpflinge, die nur wenige Wochen bis Monate alt werden, erhält jeden Tag Futter, eine andere Gruppe nur jeden zweiten Tag, um dem Zusammenhang zwischen Nahrungszufuhr und Alterung auf die Schliche zu kommen.

An Mäusen werden die Abläufe einer Blutvergiftung nachgestellt. Hierzu bekommen die Tiere Bakterien in die Bauchhöhle injiziert. Bei anderen Mäusen wird der Blinddarm abgebunden und ein Loch hinein gestochen, so dass der Inhalt in die Bauchhöhle fließt. Bei den Tieren kommt es zu einer künstlich hergestellten Blutvergiftung mit hohem Fieber.

Die Ärzte gegen Tierversuche halten diese Art der Forschung für verfehlt, da jeglicher Bezug zur Realität fehlt. Generell seien Tierversuche nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich eine fatale Sackgasse. »Die Ergebnisse sind aufgrund der Unterschiede in Körperbau, Stoffwechsel und Lebensweise nicht vom Tier auf den Menschen übertragbar«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin des Vereins. Zudem habe die Simulation einzelner Symptome nichts mit den komplexen Ursachen, die menschlichen Erkrankungen zugrunde liegen, gemein.

Die Ärztevereinigung warnt seit langem vor den Gefahren des tierexperimentellen Systems und fordert daher im Interesse von Mensch und Tier eine moderne Medizin und Wissenschaft ganz ohne Tierversuche.

Das Infoblatt über Tierversuche in Jena ist als Teil 19 in der Städte-Reihe des Vereins erschienen. Bisher erschienen sind Infoschriften zu Berlin, Bochum, Bonn, Braunschweig, Düsseldorf, Erlangen, Freiburg, Hamburg, Hannover, Homburg/Saar, Köln, Magdeburg, Mannheim, München, Münster, Regensburg, Würzburg, Tübingen sowie nun Jena.

Weitere Informationen:
Infoblatt »Tierversuche im Brennpunkt. Teil 19: Jena« als PDF >>

Weitere Ausgaben der Schriftreihe »Tierversuche im Brennpunkt« >> 

www.datenbank-tierversuche.de


07.08.2012

REACH – Ein sinnloses Tiermassaker?


Fachartikel kritisiert Vorgehensweise bei Chemikalientestung


Das EU-Chemikalienüberprüfungsprogramm REACH sei ein gut gemeinter aber wissenschaftlich verfehlter Versuch, die menschliche Gesundheit und die Umwelt vor den Auswirkungen giftiger Chemikalien zu schützen, so das Fazit eines heute im Peer Review Journal ‚Medicolegal and Bioethics’ veröffentlichen Berichts. Die Autoren, Wissenschaftler aus Frankreich und Italien, kritisieren, dass sich die EU bei der Beurteilung von Chemikalien auf unzuverlässige Tierversuchsergebnisse verlässt.


Die EU-Chemikalienrichtlinie REACH steht für Registrierung, Evaluierung, Autorisierung von Chemikalien und sieht vor, tausende Chemikalien auf ihre Sicherheit für Mensch und Umwelt zu überprüfen. Die Autoren des Artikels halten Tierversuche für ungeeignet, menschliche Reaktionen vorherzusagen und fürchten, dass trotz eines Tiermassakers die öffentliche Gesundheit weiterhin durch Auswirkungen giftiger Chemikalien gefährdet sein wird.

So waren von 1.500 Substanzen, die bei Tieren zu Missbildungen der Jungen führten nur 40 auch bei Menschen embryoschädlich. Als Beispiel wird Bisphenol A angeführt, ein Weichmacher, der in Verdacht steht, Schäden bei der Fortpflanzung zu verursachen. In der wissenschaftlichen Literatur findet man widersprüchliche Angaben zur Reproduktionsgiftigkeit der Substanz, je nachdem welche Tierarten oder welche Zuchtlinien von Ratten und Mäusen verwendet wurden.

Als Hauptgrund für die Unzuverlässigkeit von Tierversuchsergebnissen nennen die Autoren, dass Lebewesen, insbesondere Säugetiere, sehr komplexe Systeme mit spezifischen Eigenschaften seien, die nicht die Reaktion eines anderen komplexen Systems vorhersagen können. So reagieren verschiedene Mauslinien ganz unterschiedlich auf das Ausschalten bestimmter Gene. Auch beim Menschen kann eine Arzneimittelwirkung je nach Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit verschieden ausfallen.

»REACH schießt sich selbst ein Eigentor«, erklärt André Menache vom französischen wissenschaftlichen Komitees Antidote Europe und einer der Autoren des Fachartikels. »Zwar legt REACH die Beweislast den Herstellern auf, die die Sicherheit ihrer Produkte beweisen müssen, verlangt dies aber mittels ungeeigneter Prüfmethoden.«
»Das Vorhandensein von fast 300 Industriechemikalien im Nabelschnurblut von Neugeborenen zeugt von einer gescheiterten Schadstoffbekämpfungsstrategie. Dabei sollten sich die EU-Gesundheitsbehörden doch auf die Schadstoffvermeidung konzentrieren«, so André Menache weiter.

Die Autoren des Berichts fordern, bei der Risikobewertung von Chemikalien statt Tierversuchen moderne toxikologische Methoden einzusetzen. Beispielsweise wird beim Biomonitoring das Vorkommen von schädlichen Substanzen in der Bevölkerung aufgespürt. „Schädliche Chemikalien, die im Blut von Erwachsenen, Nabelschnüren oder Urinproben gefunden werden, müssen verboten werden“, resümiert Menache.

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche betreibt seit 2010 ein Projekt um REACH-Tierversuche zu verhindern. Dabei fahnden Toxikologie-Experten nach bereits vorhandenen Daten zu Chemikalien, die im Rahmen von REACH an Tieren getestet werden sollen.

Weitere Informationen:
REACH-Projekt der Ärzte gegen Tierversuche >> 
Menache A, Nastrucci C: REACH, animal testing, and the precautionary principle. Medicolegal and Bioethics 2012, 2; 13-29, DOI: http://dx.doi.org/10.2147/MB.S33044 >>
Antidote Europe >>


03.08.2012

US-Gesundheitsbehörde fördert tierversuchfreie Testmodelle mit 70 Millionen Dollar


Ärzteverein begrüßt moderne Forschung


Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich erfreut, dass die Nationalen Gesundheitsinstitute in den USA (NIH) für umgerechnet rund 60 Millionen Euro (70 Millionen Dollar) die Entwicklung von Modellen menschlicher Organe auf Biochips fördern. Damit lassen sich genaue Untersuchungen zur Schädlichkeit von Arzneimitteln anstellen. Die deutsche Politik hingegen sei gegenüber einer solch anwendungsorientierten Forschung wenig aufgeschlossen und halte trotz der mangelnden Aussagekraft weiter am Tierversuch fest.


Die NIH gewähren in einem auf fünf Jahre ausgelegten Förderprogramm 17 amerikanischen Forschergruppen Mittel für die Entwicklung verschiedener dreidimensionaler Biochips, mit denen sich mittels lebenden Gewebes die Funktion und Struktur menschlicher Organe wie Herz, Niere oder Lunge lebensecht nachbilden lassen. An diesen Modellen lassen sich dann schnell, zuverlässig und kostengünstig potentielle Arzneiwirkstoffe oder schädliche Auswirkungen für den Menschen erkennen.

»Mit auf menschlichen Zellen basierenden Modellen wie Biochips ist es nahe liegend, genaue Ergebnisse zu erhalten. Mit Tests am Tier wird dagegen von vornherein der falsche Organismus erforscht. Tier und Mensch unterscheiden sich grundlegend in Körperfunktion und Stoffwechsel«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

An der Harvard Universität wurde bereits das menschliche Darmsystem auf einem Chip simuliert. Dieses Modell ermöglicht unter anderem die Untersuchung von Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Insgesamt sollen zehn Organe auf einem Chip entwickelt werden, die so miteinander kombiniert werden können, dass der komplette menschliche Organismus nachvollzogen werden kann.

An der Vanderbilt Universität wird an einem Hirnmodell gearbeitet, das der Frage nachgeht, wie das menschliche Gehirn Wirkstoffe aufnimmt und verarbeitet. Mit Hilfe von auf einem Biochip angesiedelten Zellen fettleibiger Patienten wird die Rolle und Funktion des Gehirns beim Schlaganfall untersucht.

Bereits 2008 hatten die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und die NIH angekündigt, Chemikalien und andere Stoffe in Zukunft mit automatisierten Zellsystemen und Computermodellen testen zu wollen. Grund sei die schlechte Übertragbarkeit der Ergebnisse, die hohen Kosten und die lange Dauer von Tiertests.

»Es ist fantastisch zu sehen, dass Behörden anderer Länder das Potential der tierversuchsfreien Forschung erkannt haben und intensiv nutzen. Ebenso bedrückend ist es, dass Deutschland noch immer weitgehend an antiquierten und qualvollen Tierversuchen festhält«, so Bitz abschließend.

Weitere Information

Pressemitteilung der NIH vom 24. 7.2012 >> 

Biochips – Die In-vitro-Revolution >>

Pressemitteilung: Neuer Trend in Amerika – Namhafte US-Institutionen setzen auf tierversuchsfreie Methoden >>


26.07.2012

Besuchertag beim HZI


Ärzteverein protestiert gegen Tierversuche


Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche verteilt am Donnerstag, den 26. Juli Flugblätter vor dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Der Verein will Menschen, die zum Besuchertag des HZI kommen, über die Tierversuche, die dort stattfinden, informieren.

Der Verein hält die Informationen, die Besucher bei Führungen durch das Institut erhalten, für nicht objektiv. »So wie man beim Metzger keine wahrheitsgemäßen Aussagen über vegetarische Ernährung erwarten kann, erfährt man beim HZI auch nichts über die Grausamkeit und Unsinnigkeit von Tierversuchen«, ist sich Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vereinsvorsitzende, sicher.

Der Ärzteverband hat Fachartikel des HZI analysiert. Den Dokumenten zufolge werden dort unter anderem Blutvergiftung, Lungenentzündung oder Infektionen bei Mäusen ausgelöst. »Für die Tiere ist das mit furchtbarem Leid verbunden bis sie qualvoll sterben«, so Tierärztin Gericke.

Die Tierversuche seien zudem für die Anwendung beim kranken Menschen vollkommen nutzlos, heißt es von Seiten der Ärzte gegen Tierversuche. Es handele sich um reine, zweckfreie Grundlagenforschung. Dabei werden komplexe Krankheiten des Menschen auf einzelne Symptome reduziert und in sogenannten »Tiermodellen« nachgeahmt. »Ergebnisse aus Studien mit künstlich krank gemachten Tieren lassen sich aber nicht auf die klinische Situation beim Menschen übertragen, da maßgebliche Unterschiede zwischen Tier und Mensch sowie die Ursachen der Krankheitsentstehung völlig außer Acht gelassen werden«, erklärt Gericke.

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche, der seinen Sitz in Braunschweig hat, will die Besucher des HZI durch das Verteilen von Flugblättern informieren, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich objektiv eine Meinung zu bilden.

Aktionstermin:
Donnerstag, 26. Juli 2012, 13.30 – 14.30 Uhr
Inhoffenstraße 7, 38124 Braunschweig-Stöckheim

Weitere Informationen:

Stellungnahme zum HZI >>

Infoblatt zum HZI (als PDF) >> 


27.07.2012

Letzter Labor-Zuchtbetrieb für Hunde in Italien geschlossen


2.400 Beagles bleibt Tod durch Tierversuche erspart


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche freut sich gemeinsam mit seinem italienischen Partner Lega Anti Vivisezione (LAV), dass es diesem nach intensiver Lobbyarbeit gelungen ist, Green Hill, einen der größten Lieferanten von Hunden für Tierversuchslabore, zu schließen. Auch in Deutschland finden nach Aussage des Vereins grausame und wissenschaftlich wertlose Experimente an Hunden statt.

Aufgrund einer Beschwerde der italienischen Tierrechtsorganisation LAV ermittelte die Staatsanwaltschaft in Brescia gegen den Zuchtbetrieb Green Hill, was per aktuellem Gerichtsbeschluss zur Beschlagnahmung von rund 2.400 Beagles jeden Altes und zur Schließung des letzten italienischen Labor-Zuchtbetriebs für Hunde führte. Green Hill war einer der Hauptlieferanten von Hunden für europäische Tierversuchslabore. Unter künstlichem Licht wurden die Tiere in Käfigen gehalten, bis sie schließlich über weite Strecken in zahlreiche Länder transportiert wurden. Je nach Forschungsbedarf konnten unter anderem Welpen oder schwangere Hündinnen wie Katalogware bestellt werden. Hauptabnehmer waren neben Universitäten und der pharmazeutischen Industrie auch Huntingdon Life Sciences in England, Europas größtes Auftrags-Tierversuchslabor.

Der Ärzteverein hält es für möglich, dass Hunde von Green Hill auch in deutschen Laboren in Versuchen leiden und sterben mussten. Die Herkunft der Tiere sowie Tierversuche generell würden jedoch streng geheim gehalten, da die Tierversuchslobby ihr unethisches Geschäft vor der Öffentlichkeit verbergen wolle. »Beagles sind besonders sanftmütig und ertragen tapfer sehr viel Leid, ohne es zu zeigen. Das macht sie für Experimentatoren so attraktiv«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins.

Am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Heinrich Heine Universität (HHU) Düsseldorf werden qualvolle zahnmedizinische Versuche an Beaglehunden durchgeführt. Den Tieren werden bis zu 20 Backenzähne gezogen, um Implantate einer Schweizer Firma mit herkömmlichen Materialien zu vergleichen. Dabei werden bei den Tieren oftmals Teile des Kieferknochens zerstört, um Knochenschäden beim Menschen nachzuahmen. »Die Knochenbeschaffenheit bei Hunden unterscheidet sich maßgeblich von der des Menschen, so dass die Ergebnisse vollkommen nutzlos sind«, kritisiert Bitz.

Im Jahr 2002 geriet in Südtirol ein illegaler Transport aus Italien mit 56 nur drei Monate jungen Beaglewelpen zufällig in eine Verkehrskontrolle. Die Tiere waren nicht mit Wasser und Futter versorgt und mussten viele Stunden auf engstem Raum im stickigen Lieferwagen ausharren. Einige litten an Durchfall und Atemwegsinfektionen. Bestimmt waren die Tiere für das Hamburger Labor für Pharmakologie und Toxikologie (LPT). Dort finden auch heute noch Tierversuche an Hunden statt, die im Auftrag der Pharma- und Chemie-Industrie vergiftet werden.

Mit der Kampagne SOS Green Hill startet LAV die Vermittlung von rund 2.400 Beagles, die durch die Schließung des Zuchtbetriebs und aufgrund intensiver Lobbyarbeit einem qualvollen Tod im Labor entgehen. Einige der Tiere sind so traumatisiert, dass sie durch Tierärzte betreut werden müssen, um sie in ein normales Leben ohne Quälerei einzuführen.

Weitere Information:
Faltblatt Versuche an Hunden - Barbarisch und nutzlos >>
Lega Anti Vivisezione (LAV) >>


16.07.2012

17. Juli: Europaweiter Aktionstag gegen Botox-Tierversuche:


Proteste in München, Frankfurt und Mienenbüttel bei Hamburg


Am 17. Juli protestieren Tierschützer und Tierrechtler europaweit in 14 Ländern gegen die immer noch durchgeführten »Botox-Tierversuche«. In Deutschland finden Aktionen in München, Frankfurt sowie vor dem Tierversuchslabor LPT in Mienenbüttel bei Hamburg statt.


Das Bakteriengift Botulinumtoxin wird für medizinische Zwecke, überwiegend aber zur Glättung von Hautfalten eingesetzt. Mindestens 600.000 Mäuse wurden weltweit bislang pro Jahr zur Testung dieser Substanz getötet. Vor einem Jahr hatte die amerikanische Firma Allergan für einen tierversuchsfreien Zelltest eine behördliche Anerkennung in den USA und Europa erhalten. Die Präparate des Herstellers, darunter der Namensgeber Botox, sind damit jetzt ohne Tierqual erhältlich. Die Frankfurter Firma Merz testet ihre Botulinumtoxin-Produkte Xeomin und Bocouture nach wie vor im Tierversuch, ebenso der britische Hersteller Ipsen seine Präparate Dysport und Azzalure. Merz lässt seine Produkte beim Hamburger Tierversuchslabor LPT testen.

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche organisiert die Proteste in Deutschland. Dessen Dachverband, die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen ECEAE, hat zu dem Aktionstag aufgerufen, um von den Botulinumtoxin-Herstellern Merz und Ipsen einen sofortigen Umstieg auf eine tierversuchsfreie Testung zu fordern. Der Ärzteverein leitet seit fünf Jahren eine Kampagne gegen die Botox-Testung an Tieren. Im April dieses Jahres übergab der Verein über 61.000 Unterschriften an die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, die für die Genehmigung der Tierversuche des LPT zuständig ist.

Bei dem Tierversuch handelt es sich um einen sogenannten LD50-Test. Gruppen von Mäusen wird die Substanz in verschiedenen Dosierungen in die Bauchhöhle injiziert, um die Dosis zu ermitteln, bei der die Hälfte der Tiere stirbt. »Für die Mäuse ist das mit ungeheuren Qualen verbunden«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. »Das Gift lähmt die Atemmuskulatur, die Tiere ersticken bei vollem Bewusstsein. Es ist nicht zu akzeptieren, dass dieser grausame Test ein Jahr nach Zulassung einer tierversuchsfreien Methode immer noch durchgeführt wird«. Merz lässt nach Kenntnis des Ärztevereins jährlich mindestens 34.000 Mäuse auf diese Weise töten.

Neben Deutschland beteiligen sich an dem Aktionstag Tierrechts- und Tierversuchsgegnergruppen aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Mazedonien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Portugal, der Schweiz, Spanien sowie der Tschechischen Republik.

Fototermin am 17. Juli 2012:

Frankfurt am Main: 13 Uhr, Hauptwache (vor Kaufhof), 60313 Frankfurt am Main
München: 16 Uhr, Weinstraße 8 (Nähe Marienplatz), 80333 München (gegenüber der Dermatologiepraxis Dr. Voigt)
Neu-Wulmstorf – Mienenbüttel:14 Uhr, Oldendorfer Str. 41, 21629 Neu Wulmstorf-Mienenbüttel (vor den Beagle-Zwingern des Labors LPT)

Weitere Informationen:

Hintergrundinfos zu Botox >>
Kampagne »Stoppt Botox-Tierversuche« >>


12.07.2012

Woran soll man denn sonst testen?


Ärzteverein gibt Neuauflage seiner Broschüre über tierversuchsfreie Forschungsmethoden heraus


Mit seiner umfassenden und komplett überarbeiteten Broschüre »Woran soll man denn sonst testen?« zeigt die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die Vorzüge moderner Forschung ohne Tierversuche auf. Anhand konkreter Beispiele wird deutlich, dass Tierversuche ein medizinischer Irrweg sind und die Zukunft in der zuverlässigeren tierversuchsfreien Forschung liegt.

»Tierversuche sind gefährlich, unmoralisch, schlechte Wissenschaft und zudem Steuergeldverschwendung«, lautet der Standpunkt der Ärztevereinigung. In mehreren Kapiteln gibt sie detailliert und verständlich einen Einblick in das große Repertoire tierversuchsfreier Forschungsmöglichkeiten, die im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Ergebnisse erzielen.

In einer Vergleichsstudie beispielsweise wurde ein Antikrebswirkstoff parallel in einer klinischen Studie am Menschen, an Ratten und am menschlichen Leberzellsystem getestet. Die Ergebnisse der Versuche am Menschen und an den Leberzellen stimmten überein. Der Tierversuch brachte ein irreführendes Resultat.

Das Versagen des Systems Tierversuch wird nach Ansicht des Ärztevereins auch durch zahlreiche Studien bestätigt. So ergaben Untersuchungen der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA), dass 92 Prozent der potentiellen Medikamente, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen haben, nicht durch die klinische Prüfung kommen – beim Menschen zeigt sich entweder gar keine oder aber eine unerwünschte Wirkung. Auch die immer wieder auftretenden Arzneimittelskandale und die allein in Deutschland jedes Jahr rund 58.000 durch Medikamenteneinnahme zu verzeichnenden Todesopfer würden aufzeigen, dass ein dringender Paradigmenwechsel zu tierversuchsfreier Forschung, die sich an den Bedürfnissen des Menschen orientiert, notwendig ist.

In der 28 Seiten starken Broschüre, die sich an interessierte Laien wendet, wird die Palette der heute schon existierenden tierversuchsfreien Forschungsmöglichkeiten aufgezeigt und erläutert. Bei In-vitro-Verfahren werden potentielle Wirkstoffe an schmerzfreier Materie, wie Zellen, Gewebe oder Mikroorganismen getestet. In ausgeklügelten Computersimulationen, die auf menschlichen Daten basieren, wird die Verstoffwechslung einer Substanz im menschlichen Körper detailliert dargestellt. Auf Biochips werden wie in einem künstlichen Minimenschen Auswirkungen auf bestimmte Organe oder möglicherweise schädliche Auswirkungen erforscht. »Tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind schneller, billiger und zuverlässiger. Zudem liefern sie im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen aussagekräftige Ergebnisse«, heißt es in der Dokumentation.

Eine komplett aktualisierte Übersichtstabelle über bereits behördlich anerkannte Alternativen zum Tierversuch rundet die reich illustrierte Broschüre ab. Das Heft kann kostenlos auf der Internetseite des Vereins heruntergeladen oder im Online-Shop bestellt werden.

Weitere Information:

Broschüre »Woran soll man denn sonst testen? Moderne Forschungsmethoden ohne Tierversuche« im Online-Shop >>
Tierversuchsfreie Forschung >>


06.07.2012

Bundesrat stimmt über Tierschutzgesetz ab


Ärzteverein fordert richtungsweisende Änderungen im Sinne der tierversuchsfreien Forschung


Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche appelliert anlässlich der heutigen Abstimmung über ein neues Tierschutzgesetz an den Bundesrat, den Empfehlungen der Ausschüsse zur Stärkung der tierversuchsfreien Forschung zu folgen und den in manchen Bereichen vorgesehenen Regelungen zur Verschlechterung des geltenden Tierschutzgesetzes eine Abfuhr zu erteilen.

Der federführende Ausschuss für Agrarpolitik sowie der Ausschuss für Kulturfragen hatten rund 50 tierschutzrelevante Änderungsanträge zum vorliegenden Entwurf der Bundesregierung für ein neues Tierschutzgesetz eingebracht, von denen einige den Bereich der Tierversuche betreffen. Der Ärzteverein begrüßt, dass der Agrarausschuss die darin vorgesehenen Regelungen in einigen Bereichen für nicht ausreichend im Sinne des Tierschutzes hält. So empfiehlt der Ausschuss eine Klarstellung im Gesetz, dass Tierversuche in der Aus-, Fort- oder Weiterbildung möglichst durch filmische Darstellungen, Computersimulationen oder Modelle ersetzt werden und bei Nichterfüllung gegenüber der Behörde zu begründen ist, warum der Zweck nicht ohne Tierverbrauch zu erreichen ist.

Weiter moniert der Agrarausschuss, dass der aktuelle Entwurf in Teilen eine Verschlechterung des Schutzniveaus für Tiere darstellt. So fordert er, dass für das Zufügen länger anhaltender oder sich wiederholender erheblicher Schmerzen oder Leiden besonders hohe Maßstäbe anzulegen sind, um dem ethischen Grundsatz gerecht zu werden. Zudem spricht sich der Ausschuss für eine einheitliche Genehmigungspflicht für Tierversuche anstelle der vorgesehenen Einführung eines vereinfachten Verfahrens aus, das noch weniger der Einschränkung von Tierversuchen dienen würde. Auch sollen rückblickende Bewertungen von Tierversuchen im Sinne der von der Öffentlichkeit geforderten Transparenz veröffentlicht und Versuche an Menschenaffen verboten werden, wie die EU-Richtlinie dies ausdrücklich zulässt.

Kritik übt der Ärzteverein an manchen Vorschlägen des Kulturausschusses. Dieser hatte dem Bundesrat unter anderem empfohlen, Experimente mit genmanipulierten Tieren zu vereinfachen. »Gerade die Boombranche Gentechnik verursacht immenses Tierleid und zudem einen hohen Ausschuss an Tieren. Über 90% der Tiere entsprechen nicht dem Forscherwunsch, sie werden wie Abfall entsorgt«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Die Ausschüsse für Finanzen, Gesundheit sowie für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hatten keine Empfehlungen im Sinne der Stärkung der tierversuchsfreien Forschung vorgebracht.

»Es ist zwar erfreulich, dass sich einige Politiker für Änderungen des Regierungsentwurfs zu Gunsten der tierversuchsfreien Forschung einsetzen. Doch nunmehr zehn Jahre nach Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz ist es ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, die ihre Staatsverpflichtung zum Tierschutz nicht im erforderlichen Maße wahrnimmt und der Experimentatorenlobby grenzenlose Forschungsfreiheit einräumt«, kommentiert Bitz abschließend.

Weitere Information:

Pressemitteilung der sechs Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen vom 22.5.2012 >>
Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>


11.06.2012

24 Millionen Euro für neues Tierversuchslabor in Berlin


Ärzteverein fordert Kehrtwende in der Politik


In Berlin-Buch soll für 24 Millionen Euro ein neues Tierversuchslabor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) gebaut werden. In einer heute veröffentlichten Stellungnahme fordert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche von der Berliner Politik, stattdessen tierversuchsfreie Forschungsmethoden zu fördern.

Schon jetzt ist das MDC eine der größten tierexperimentellen Einrichtungen Deutschlands. In dem geplanten zum MDC gehörenden In-vivo-Pathophysiologie-Labor (IPL) sollen weitere Tausende Tierkäfige untergebracht werden. Insgesamt will das MDC seine Kapazitäten um 13 Prozent auf über 61.000 Tiere erhöhen.

Im Jahr 2011 wurden in Berlin rund 375.000 Tiere in Tierversuchen verwendet. »Zwar ging die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 7.000 Tiere zurück, von einer Trendwende kann aber noch keineswegs gesprochen werden«, so Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Der Neubau des Labors und damit die Ausweitung von Tierversuchen müsse unbedingt verhindert werden.

Die Stellungnahme der Ärzte gegen Tierversuche listet eine Reihe von Tierversuchsbeschreibungen auf, die im MDC durchgeführt wurden. Die Dokumente beruhen auf Artikeln in Fachzeitschriften und belegen, dass die Tiere schweren Schmerzen, Leiden und Schäden ausgesetzt sind. So wurde bei Mäusen Krebs durch Injektion von Krebszellen hervorgerufen. Nach Verabreichung einer Testsubstanz starben die Mäuse an Vergiftungserscheinungen. In einer anderen Versuchsreihe wurde eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute durch Injektion einer reizenden Substanz und verschiedenen Bakterien ausgelöst. Die Tiere litten unter Lähmungen und starben.

Nach Ansicht des Ärztevereins sind Tierversuche nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern auch, weil sie wissenschaftlich unsinnig sind. »Im MDC werden Tiere künstlich krank gemacht, um molekulare Details der Entstehung dieser unnatürlichen Schäden zu untersuchen«, erklärt Tierärztin Gericke. »Die Versuchsergebnisse lassen sich jedoch nicht auf die komplexe klinische Situation in der Humanmedizin übertragen.«

Mit Bevölkerungsstudien sowie tierversuchsfreien Verfahren, die mit menschlichen Zell- und Gewebekulturen, Bakterien, ausgeklügelten Computersystemen und Mikrochips arbeiten, ließen sich dagegen aussagekräftige Ergebnisse erzielen. Die Ärztevereinigung hält außerdem die Prävention von Krankheiten durch Veränderung der Lebensweise, z.B. eine gesunde, fleischfreie Ernährung, für eine vorrangige Aufgabe der Medizin.

Der Ärzteverein hat eine Unterschriftenaktion gestartet und appelliert an die Berliner Politik, sich an die selbst gesetzten Ziele der Koalitionsvereinbarungen zu halten, in denen es heißt: »Die Koalition wird sich für die Einschränkung von Tierversuchen einsetzen und verstärkt tierversuchsfreie Forschungsmethoden fördern.« Die 24 Millionen Euro, die das neue Tierversuchslabor kosten soll, müssen entsprechend umgewidmet werden, fordert der Verein.

Weitere Informationen:
Stellungnahme der Ärzte gegen Tierversuche zum MDC >>
Aktionsseite >> 
Flugblatt »Tierversuche in Berlin« (PDF

Termin:
Am Mittwoch, 13. Juni 2012 findet von 12-15 Uhr eine privat (nicht von den Ärzte gegen Tierversuche e.V.) organisierte Demo vor dem MDC statt. >>


22.05.2012

Neue Tierversuchsgesetzgebung:


Tierschutzorganisationen präsentieren Rechtsgutachten und appellieren an Merkel und Kabinett


Sechs Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen haben angesichts der Kabinettssitzung am 23.05., in der u. a. der Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes auf der Tagesordnung steht, ein Rechtsgutachten vorgelegt, das auf massiven Handlungsbedarf der Bundesregierung hinweist. Demnach sind einige der neu vorgesehenen Vorschriften richtlinienwidrig und müssen, wenn nicht ein Verstoß gegen das Unionsrecht in Kauf genommen werden soll, abgeändert werden. Bei anderen Vorschriften hält das Gutachten Änderungen aus Gründen der Rechtssicherheit und zur Verwirklichung des verfassungsrechtlichen Staatsziels Tierschutz (Art. 20a GG) für notwendig.

Der Gesetzesentwurf soll unter anderem die novellierte Tierversuchsrichtlinie der Europäischen Union umsetzen. Daher haben sich die größten Tierschutzorganisationen Deutschlands zusammengeschlossen. Der Deutsche Tierschutzbund, der Bund gegen Missbrauch der Tiere, die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht, der Bundesverband Tierschutz, Ärzte gegen Tierversuche und Menschen für Tierrechte möchten mittels eines Rechtsgutachtens über zentrale Fragen rechtswissenschaftlich fundierte Klarheit erlangen. Dieses wurde bei der anerkannten Hochschullehrerin für Völker- und Staatsrecht, Frau Prof. Dr. iur. Anne Peters, LL.M., Ordinaria für Völker- und Staatsrecht an der Universität Basel, beauftragt.

In einem Schreiben an Kanzlerin Merkel und die zuständigen Minister weisen die Organisationen unter anderem darauf hin, dass Deutschland entgegen Vorgaben der EU-Richtlinie Tierversuche nicht konsequent verbietet, wenn diese starke Schmerzen, schwere Leiden oder schwere Ängste verursachen, die voraussichtlich lang anhalten. Die halbherzige Umsetzung von Verboten von Tierversuchen an Menschenaffen und anderen Primaten missachtet das im Deutschen Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz. Letzteres verlangt auch dringend Nachbesserungen bei der sogenannten ethischen Abwägung der Gründe für die Durchführung von Tierversuchen. Hierbei muss dem Tierschutz erheblich mehr Gewicht verliehen werden, als bisher. Die zuständigen Behörden müssen außerdem gesetzlich mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden, um sich anders als in der Vergangenheit vor gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Wissenschaftlern schützen zu können.

»Wir appellieren an Sie, dass bei den weiteren Beratungen und Entscheidungen über das novellierte Tierschutzgesetz und die neue Tierversuchsverordnung alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit zehn Jahre nach Einführung des Staatsziels Tierschutz diesem vollumfänglich Rechnung getragen wird«, so die Organisationen in ihrem Schreiben an die Kanzlerin und ihre Minister.

Weitere Informationen
Hintergrundinfos zur EU-Tierversuchsrichtlinie >>
Informationen zum Gutachten >>


10.05.2012

Kreative Aktion in Stuttgart gegen Tübinger Affenversuche


Am Samstag, 12. Mai wollen Aktivisten von 'Tübingen für Tiere' gegen die Tübinger Affenversuche protestieren. Als Ort der Protestaktion wurde das Wissenschaftsministerium in Stuttgart gewählt, um auf das gebrochene Wahlversprechen der grünen Regierungspartei aufmerksam zu machen. Unterstützt werden sie dabei vom bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche.


»Die grausamen Tierversuche an Primaten, die u.a. auch in Baden-Württemberg an der Universität Tübingen im Bereich der Hirnforschung durchgeführt werden, wollen wir innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens komplett abschaffen«, hieß es in den Wahlprüfsteinen von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg vor der Landtagswahl im März 2011. »Jetzt, an der Regierung, sind die guten Vorsätze vergessen«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. »Ein Affront gegenüber allen Wählern, die nicht zuletzt aufgrund des Vorhabens, Affenversuche auslaufen zu lassen, der Partei ihr Vertrauen geschenkt haben.«

Im Oktober 2011 hatte der Ärzteverein im Rahmen seiner Kampagne 'Stoppt Affenqual in Tübingen' 60.000 Unterschriften an das grün geführte Ministerium für Ländlichen Raum übergeben. Wenig später verteidigte das Ministerium in einem Schreiben an den Ärzteverein die Tübinger Tierversuche: »Nach Aussage der Wissenschaftler in Tübingen können die angestrebten Ergebnisse mit anderen Tieren oder am Menschen nicht gewonnen werden.« Fragen nach einem Nachweis für den vorgeblichen medizinischen Nutzen der Affenhirnversuche bleiben jedoch unbeantwortet.

Für die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche stehen die Affenversuche in Tübingen nicht nur wegen ihrer Grausamkeit, sondern auch wegen des mangelnden medizinischen Nutzens in der Kritik. Affen müssen jeden Tag mehrere Stunden mit angeschraubtem Kopf in einem Primatenstuhl sitzen und Aufgaben am Bildschirm lösen. Damit die Tiere den Forscherwillen erfüllen, werden sie ständig durstig gehalten und erhalten nur während der Sitzungen tropfenweise Flüssigkeit.

»Dabei handelt es sich um reine Grundlagenforschung ohne medizinische Relevanz«, sagt Tierärztin Gericke. In Berlin, München und Bremen hatten die zuständigen Behörden vergleichbare Tierversuche aufgrund der Abwägung zwischen dem erheblichen Leid der Tiere und dem geringen Nutzen abgelehnt. In Bremen schwelt seither ein Rechtsstreit.

Der Ärzteverein wirft der baden-württembergischen Landesregierung vor, die selbst gesetzten ethischen Ziele den Interessen einer kleinen Forscherriege zu opfern.

Der Verein 'Tübingen für Tiere' will vor dem Wissenschaftsministerium der Öffentlichkeit mittels eines nachgebauten Primatenstuhls zeigen, welch nutzlose Grausamkeiten die Landesregierung duldet und sie an ihr Wahlversprechen erinnern.

Kurzinfo:
Samstag, 12. Mai 2012, 14-18 Uhr
Stuttgart, Kronprinzplatz (vor Nr. 12 am Pflasterbrunnen)

Weitere Infos:
Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen >> 

Tierversuche im Brennpunkt. Teil 16: Tübingen >>

Kontakt:
Tübingen für Tiere e.V.
Stauwiesenstr. 5
72108? Oberndorf
info@tuebingen-fuer-iere.de  
www.tuebingen-fuer-tiere.de  


09.05.2012

20 Jahre Krebsmaus-Patent


Paradebeispiel für das Versagen der Tierversuche


Vor 20 Jahren wurde die Krebsmaus als erstes genmanipuliertes Säugetier in Europa patentiert. Forscher glaubten, damit den Schlüssel für den Sieg über bösartige Tumoren in der Hand zu halten. Doch der Erfolg blieb aus. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche spricht von einem »Paradebeispiel für das Versagen der tierexperimentellen Forschung«.

Am 13. Mai 1992 erteilte das Europäische Patentamt auf die so genannte Krebsmaus als erstem Säugetier in Europa ein Patent. Forschern der amerikanischen Harvard-Universität war es bereits Anfang der 1980er Jahre gelungen, Mäusen ein menschliches Brustkrebsgen einzuschleusen. Die Tiere entwickeln spontan Tumoren und sollten zum Durchbruch bei der Bekämpfung der Krankheit verhelfen. Doch der Erfolg blieb aus.

»Es ist absurd zu glauben, man könne eine so vielschichtige Krankheit wie Krebs durch Genmanipulation von Mäusen erforschen und gar heilen«, sagt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. »Zu den hauptsächlichen auslösenden Faktoren einer krebsartigen Entartung von Zellen – das wissen wir heute aufgrund von Bevölkerungsstudien - gehören Rauchen, fleischreiche Ernährung, Alkohol, zu intensive Sonneneinstrahlung sowie Umweltgifte. Diese vielfältigen Ursachen kann man im 'Tiermodell' niemals nachahmen. Entsprechend gering ist die Aussagekraft von Studien mit künstlich manipulierten Tieren.«

Nicht nur 'Krebsmäuse' hat die Wissenschaft erschaffen, sondern auch 'Diabetes- und Rheuma-Ratten' oder 'Alzheimer- und Parkinson-Mäuse'. Mehrere Zehntausend verschiedene 'transgene' Tiere - hauptsächlich Mäuse, aber auch Ratten, Kaninchen und Schweine – soll es inzwischen geben. Gelingt es, das Erbgut von Tieren so zu verändern, dass die Symptome menschlicher Krankheiten nachgeahmt werden, wird dies schon als Erfolg gewertet. »Bei erkrankten Menschen werden Hoffnungen geweckt, die sich letztendlich nicht erfüllen, weil die an künstlich manipulierten Tieren entwickelten Therapien beim Menschen nicht funktionieren. So wird seit über 30 Jahren Krebs bei Mäusen geheilt, doch beim Menschen versagen die Behandlungsmethoden«, so Gericke weiter.

Trotz der offensichtlichen Erfolglosigkeit setzt die tierexperimentelle Forschung weiter auf die Gentechnik. Die ständig steigenden Tierversuchszahlen sind maßgeblich auf den Boom der Gentechnik zurückzuführen. Im Jahr 2000 wurden den Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge rund 157.000 'transgene' Tiere gezählt, 2010 waren es 722.000 Tiere. Die Gesamtzahl der in Tierversuchen getöteten Tiere stieg im gleichen Zeitraum von rund 1,8 auf 2,9 Millionen Tiere.

Laut Ärzte gegen Tierversuche gibt es gerade im Bereich der Gentechnik eine hohe Dunkelziffer. »Tiere, die nicht die gewünschten gentechnischen Veränderungen aufweisen, werden getötet und entsorgt und meist noch nicht einmal von der Statistik erfasst. Ihr Anteil kann 90 bis 99 % betragen«, erklärt Tierärztin Gericke.

Tierversuche im Bereich der Gentechnik verursachen zudem erhebliches Tierleid. Körperveränderungen wie Hirn- oder Augenschäden, missgebildete innere Organe oder fehlende Gliedmaßen sind oft das Resultat und mit entsprechenden schweren Schmerzen und Leiden für die Tiere verbunden, heißt es von Seiten der Ärztevereinigung.

Die Entscheidung des Europäischen Patentamts, dass gentechnisch veränderte Tiere patentierbar seien wie Rasierapparate oder Digitalkameras löste einen Proteststurm aus. Zahlreiche Gruppen und Einzelpersonen legten insgesamt 17 Einsprüche ein. Zunächst hatte das Patentamt den erstmals 1985 eingereichten Antrag abgelehnt, 1992 dann doch zugelassen. Das Patent erstreckte sich auf alle Säugetiere außer dem Menschen. Trotz aller Proteste bestätigte die Behörde im Jahr 2004 das Patent endgültig. Seither wurden Tausende gentechnisch veränderte Lebewesen zum Patent angemeldet.

Weitere Informationen: Krebs und Tierversuche – keine Erfolgsstory >>


28.04.2012

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche


2.000 Menschen demonstrieren in Bremen gegen Tierversuche


Rund 2.000 Menschen schlossen sich am vergangenen Samstag in Bremen der von der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche organisierten Großveranstaltung gegen Tierversuche an. Anlass war der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche und insbesondere die Forderung des Vereins nach einem Stopp der in Bremen noch immer praktizierten Hirnforschung an Affen.

Mit Fahnen, Transparenten und Trommeln taten die Tierversuchsgegner auf ihrem Demozug durch die Bremer Innenstadt ihre Forderung nach einem Stopp der ihrer Ansicht nach grausamen und wissenschaftlich unsinnigen Tierversuche kund. Auf dem Bremer Markplatz wurde in Redebeiträgen und der Uraufführung des Films »Warum ich gegen Tierversuche bin«, aufgezeigt, welch fataler Irrweg es ist, Ergebnisse vom Tier auf den Menschen zu übertragen.

Allein im Jahr 2010 mussten in Deutschland fast drei Millionen Tiere in deutschen Labors für wissenschaftliche Zwecke leiden und sterben. »Tierversuche gaukeln eine Wirksamkeit vor, die es nicht gibt: So zeigten sich in Vergangenheit mehr als 500 Substanzen in Tierversuchen vielversprechend gegen Schlaganfall. Beim Menschen jedoch bei keinem Einzigen. Ein weiteres Beispiel ist die so genannte ‚Krebsmaus’. Seit Jahrzehnten wird Krebs bei diesen Mäusen geheilt, aber beim Menschen gelingt es einfach nicht«, erläuterte Dr. med. Kristina Bee, niedergelassene Ärztin aus Münster und eine der kompetenten Rednerinnen bei der Kundgebung. An rund 20 Infoständen von Tierrechts- und Tierversuchsgegnerorganisationen konnten sich die Teilnehmer und Passanten ausführlich über die Hintergründe der Tierversuche und anderer Tierrechtsthemen informieren und austauschen. Vegane Imbissstände boten schmackhafte Stärkung und zwischen den Redebeiträgen sorgte Live-Musik verschiedener Künstler für Unterhaltung.

Der Ärzteverein kritisiert die in Bremen stattfindende Hirnforschung an Affen, da den Tieren immenses Leid aus reiner Neugier einzelner Forscher zugefügt wird und zudem bei kranken Menschen Hoffnung auf Heilung von Alzheimer oder Epilepsie geweckt wird, die mit Tierversuchen nicht erfüllt werden kann.

»Ich kenne wirklich keinen einzigen Affenversuch, der jemals einem epilepsiekranken Menschen geholfen hätte! Alles nur leere Versprechungen«, sagt der Bielefelder Epilepsieforscher Dr. Bernhard Rambeck, ein weiterer Redner der Kundgebung. »In Deutschland wird seit rund 30 Jahren Hirnforschung an Affen betrieben, Therapien für menschliche Erkrankungen resultieren daraus jedoch keine. Profiteure sind einzig die Experimentatoren, die wissen wollen wie das Affenhirn funktioniert. Hierfür werden die Tiere stundenlang bewegungsunfähig fixiert, ihr Hirn wird aufgebohrt um Messelektroden einzuführen und sie werden durch Flüssigkeitsentzug zur Mitarbeit gezwungen«.

Mit seiner Großveranstaltung rückte der Ärzteverein das hinter verschlossenen Türen stattfindende Leid der Tiere in den Labors in den Blick der Öffentlichkeit und appellierte an die Politik, modernen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden den Vorrang zu geben, anstatt auf althergebrachten, wissenschaftlich unsinnigen Tierversuchen zu beharren.

Weitere Information:

Der Fall Kreiter: Hirnforschung in Bremen >>



Fotostrecke >>

Video >>



24.04.2012

Protestveranstaltung in der Münchner Innenstadt


Zum internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche


Anlässlich des Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche lädt die Münchner Arbeitsgruppe der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche am 28. April 2012 zu einer Informationsveranstaltung in der Münchner Fußgängerzone ein.

Allein in Deutschland mussten im Jahr 2010 fast drei Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen, Fische, Hunde, Katzen, Affen und viele andere Tiere unter dem Deckmantel der Wissenschaft einen grausamen und sinnlosen Tod sterben, 333.729 davon in bayerischen Tierversuchslabors. Die Jahr für Jahr steigenden Zahlen bedeuten nicht nur Leid von Millionen Lebewesen, sondern sind nach Überzeugung der Ärztevereinigung auch ein Warnsignal für eine fehlgeleitete Medizin und Wissenschaft.

Mit einem Infostand der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche sowie weiteren Infoständen verschiedener Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen können sich Interessierte an diesem Tag ausführlich über die Hintergründe für die Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung ohne Tierversuche informieren. Darüber hinaus werden Protestmöglichkeiten gegen Tierversuche vorgestellt und angeboten.

Die Münchner Arbeitsgruppe der Ärzte gegen Tierversuche verweist ferner auf ein aktuelles Faltblatt, das anhand von Details zu Tierversuchen, die an verschiedenen Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) durchgeführt werden, aufzeigt, wie grausam und wissenschaftlich unsinnig das System Tierversuch ist.

Im Klinikum Großhadern beispielsweise werden die Herzen von sechs transgenen, d.h. gentechnisch manipulierten Schweinen auf sechs Paviane transplantiert. Drei Affen sterben innerhalb von zehn Stunden, drei oder vier Tagen durch akute Abstoßungsreaktion und damit verbundenem Herzversagen. Zwei Affen sterben nach fünf und zehn Stunden an Herzversagen, wobei keine Anzeichen einer Abstoßungsreaktion gefunden wurden. Ein Affe entwickelt nach zwei Tagen Nierenversagen und ein Lungenödem. Er wird getötet. Die Ärztevereinigung kritisiert, dass bei dieser sogenannten Xenotransplantation Tiere als Ersatzteillager für den Menschen missbraucht werden, zudem sei eine Anwendung solcher Verfahren am Menschen unverantwortlich.

Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU werden durch Stromstöße in das Gehirn bei Ratten epileptische Anfälle ausgelöst, um ein Epilepsiemittel zu testen, das seit über 100 Jahren beim Menschen erfolgreich im Einsatz ist. In der Inneren Medizin I des Klinikums Großhadern wird bei Schweinen ein Herzinfarkt ausgelöst, indem der Brustkorb aufgeschnitten und eine Herzkranzarterie abgeklemmt wird.

Der Ärzteverein hält Tierversuche für ethisch nicht vertretbar und warnt zudem vor der fehlenden Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen. Im Labor werden die Tiere künstlich krank gemacht und Symptome menschlicher Erkrankungen simuliert. Laut Ärzte gegen Tierversuche sind die Ursachen beispielsweise des Herzinfarkts beim Menschen jedoch dank Bevölkerungsstudien bekannt: Übergewicht, zu fett- und fleischreiche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Versuche an Tieren sind daher nicht nur wertlos, sondern führen sogar in die Irre, da die komplexe Situation beim Menschen sowie Krankheitsursachen vollkommen unberücksichtigt bleiben.

Aktion in München zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche
Wann: 28. April 2012, 10-17 Uhr
Wo: Fußgängerzone München am Richard-Strauss-Brunnen
Was: Stände von Ärzte gegen Tierversuche e.V. und anderen Vereinen
Veranstalter: Ärzte gegen Tierversuche - AG München

Weitere Information:
Infoblatt Tierversuche im Brennpunkt: München >>
Datenbank-Tierversuche >>
AG München der Ärzte gegen Tierversuche >>

Quellen für die beschriebenen Tierversuche:
1 Andreas Bauer et al.: Microcirculatory alterations after orthotopic pig-to-baboon heart transplantation. Xenotransplantation 2011: 18, 232-238
2 Hero Bartmann et al.: Imaging of P-glycoprotein-mediated pharmacoresistance in the hippocampus: proof-of-concept in a chronic rat model of temporal lobe epilepsy. Epilepsia 2010: 51(9), 1780-1790
3 Rabea Hinkel et al.: Thymosin ß4: a key factor for protective effects of eEPCs in acute and chronic ischemia. Annals of the New York Academy of Sciences 2010: 1194, 105-111


23.04.2012

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche


Großveranstaltung in Bremen gegen Tierversuche


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche lädt am Samstag, 28. April 2012 ab 11 Uhr zu einer Großveranstaltung mit Demonstrationszug durch die Stadt sowie Livemusik, Infoständen, Redebeiträgen und veganen Imbissständen auf den Bremer Marktplatz ein. Anlass ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche und insbesondere die Forderung des Vereins nach einem Stopp der in Bremen noch immer praktizierten Hirnforschung an Affen.

Allein im Jahr 2010 mussten fast drei Millionen Tiere in deutschen Labors für wissenschaftliche Zwecke leiden und sterben. »Tierversuche finden unter dem Deckmantel medizinischen Nutzens statt. Tatsächlich helfen Tierversuche kranken Menschen nicht, im Gegenteil, mangels Übertragbarkeit stellen sie ein immenses Risiko dar. Dies ist auch der Grund, warum in Deutschland jedes Jahr rund 58.000 Menschen durch die Einnahme von aufgrund von Tierversuchen für sicher gehaltenen Medikamenten sterben«, erläutert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung.

Im Fall der Hirnforschung an Affen wird Menschen Glauben gemacht, dass irgendwann einmal Alzheimer oder Epilepsie beim Menschen geheilt werden könne. In Deutschland wird seit rund 30 Jahren Hirnforschung an Affen betrieben, Therapien für menschliche Erkrankungen resultieren daraus jedoch keine. »Die Tiere werden zur Befriedigung der Neugier einzelner Forscher, die wissen wollen, wie das Affenhirn funktioniert, stundenlang bewegungsunfähig fixiert. Ihr Hirn wird aufgebohrt um Messelektroden einzuführen, und sie werden durch Flüssigkeitsentzug zur Mitarbeit gezwungen«, kritisiert Bitz. Für den medizinischen Fortschritt ist diese Forschung irrelevant, da eine zuverlässige Übertragung von Erkenntnissen aus der Affenforschung auf den Menschen nicht möglich ist, so die Ärztevereinigung.

Die Bremer Genehmigungsbehörde versagte erstmals im Jahr 2008 die Erlaubnis zur Durchführung der Affenversuche. Hirnforscher Andreas Kreiter klagte gegen den Ablehnungsbescheid. Eine endgültige Entscheidung in dem Rechtsstreit steht immer noch aus. Solange darf der Experimentator seine Forschungen fortführen.

»Wie ethische und klinisch relevante Hirnforschung aussehen kann, zeigt unter anderem die britische Universität Durham, wo mittels transkranieller Magnetstimulation Wahrnehmung, Lern- und Gedächtnisverhalten an Probanden gefahrlos erforscht werden. Die vor rund zwei Jahrzehnten entwickelte Methode wird in der Diagnostik und Behandlung von neurologischen Krankheiten eingesetzt«, erklärt Bitz. »Die reine Neugierforschung an Tieren auf Kosten von Tier und Mensch muss zu Gunsten medizinisch sinnvoller und ethisch verträglicher Forschung ohne Tierversuche eingestellt werden.«

Für den Ärzteverein stehen die Bremer Affen stellvertretend für alle Tiere in den Labors. »Die Affen sind ein Symbol für das Leid, das Tieren im Namen der Wissenschaft angetan wird, und sie sind ein Warnsignal für eine fehlgeleitete Medizin und Forschung«, so Bitz weiter.

Am 24. April wird weltweit der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche begangen. Der Gedenk- und Aktionstag wurde 1979 in Großbritannien ins Leben gerufen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Kurzinfo

10.00-17.00 Uhr Infostände auf dem Marktplatz, Bremen
Ab 12.30 Uhr Demozug vom Bahnhofsvorplatz durch die Stadt zum Marktplatz
14.00-16.30 Uhr Kundgebung auf dem Marktplatz

Weitere Information

Der Fall Kreiter: Hirnforschung in Bremen >> 


18.04.2012

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche


Ausstellung über Tierversuche im Tierheim Bochum


Am 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche. An diesem Gedenk- und Aktionstag wird weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Tierschutzverein Bochum zeigt aus diesem Anlass vom 20. bis 30.04.2012 im Tierheim eine Ausstellung über die Problematik der Tierexperimente.

Was ist ein Tierversuch? Schützt das Tierschutzgesetz die Tiere? Warum werden Tierversuche gemacht? Sind Tierversuche der Grund für medizinischen Fortschritt? Geht es auch ohne Tierversuche? Der Tierschutzverein Bochum hat die Ausstellung des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche ins Tierheim geholt, um Besucherinnen und Besuchern sachlich fundierte Antworten auf diese Fragen zu geben.

»Viele Menschen glauben, Tierversuche seien notwendig, um menschliche Krankheiten zu behandeln. Doch tatsächlich sind Tierversuche nicht nur nicht nötig, sondern sogar irreführend. Sie halten den medizinischen Fortschritt auf, weil ihre Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

Auf 13 reich bebilderten Ausstellungstafeln werden stichwortartig prägnant die wissenschaftlichen Argumente gegen Tierversuche und die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung aufgezeigt. Daneben untermauern Informationsschriften des Ärztevereins die dargestellten Fakten.

Der Tierschutzverein veranstaltet außerdem am 6. Mai seinen monatlichen Flohmarkt zugunsten der Ärzte gegen Tierversuche.

Der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche am 24. April wurde erstmals 1979 in Großbritannien begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Kurzinfo:

Ausstellung »Tierversuche«, 20.-30. April 2012
Ort: Tierheim Bochum, Kleinherbeder Str. 23, 44892 Bochum
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14.00 Uhr – 17.00 Uhr
Mittwoch, Samstag und Sonntag von 11.00 – 14.00 Uhr

Flohmarkt: 06. Mai 2012 in der Zeit von 11.00 – 14.00 Uhr

Weitere Infos: Tierschutzverein Bochum
Tel.: 0234 – 95950
info@tierschutzverein-bochum.de


13.04.2012

61.000 Unterschriften in Hamburg überreicht


Ärzteverein fordert Stopp der Botox-Tierversuche


Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat heute 61.638 Unterschriften gegen Botox-Tierversuche an Staatsrätin Elke Badde von der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz übergeben. Der Ärzteverein will erreichen, dass die beim Tierversuchslabor LPT in Hamburg-Neugraben durchgeführten Botox-Tierversuche gestoppt werden, da eine tierversuchsfreie Methode behördlich anerkannt ist und die weitere Durchführung des Tierversuchs gegen das Tierschutzgesetz verstoßen würde.

Botulinumtoxin, besser bekannt als 'Botox' ist ein Nervengift, das für verschiedene medizinische Zwecke sowie zur Glättung von Gesichtsfalten verwendet wird. Jede einzelne Produktionseinheit der Substanz wird an Mäusen getestet, bevor sie in den Verkauf geht. Den Tieren wird das Gift in die Bauchhöhle injiziert. Der Todeskampf mit Krämpfen, Lähmungen, Atemnot kann drei bis vier Tage dauern. Die Tiere sterben schließlich an Atemstillstand.

Der amerikanische Botulinumtoxin-Hersteller Allergan hat für seine Produkte seit Anfang 2012 in der EU und einigen anderen Ländern eine Zulassung für einen tierversuchsfreien Test erhalten. Die Frankfurter Firma Merz lässt ihre Botox-Produkte Xeomin und Bocouture immer noch beim Auftragslabor LPT in Hamburg-Neugraben testen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht darin einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Dieses schreibt vor, dass Tierversuche nicht durchgeführt werden dürfen, wenn der verfolgte Zweck auch mit anderen Methoden erreicht werden kann. »Mit der Zulassung der Zellmethode von Allergan ist eine tierversuchsfreie Testmöglichkeit vorhanden und behördlich anerkannt«, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Somit ist die Firma Merz gesetzlich verpflichtet, einen Umstieg auf die zugelassene tierversuchsfreie Methode durchzuführen.

»Im Jahr 2008 wurden internen Informationen zufolge für die Präparate von Merz 34.000 Mäuse zu Tode gequält. Die Konzerne selbst geben die Zahl ihrer Tieropfer nicht preis. Weltweit sind es Hochrechnungen nach über 600.000 Mäuse «, so Gericke weiter. »Dem Tierversuchslabor LPT ist die Genehmigung für die Durchführung weiterer Tierversuche für die Botulinumtoxin-Produkte der Firma Merz umgehend zu entziehen«.

Für diese Genehmigung ist die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg zuständig. Mit der Übergabe von 61.000 Unterschriften an Staatsrätin Elke Badde will der Ärzteverein auf diesen Missstand hinweisen und das große öffentliche Interesse an der Problematik unterstreichen.

Hintergrund-Informationen >>

Fotostrecke:
Dr. med. vet. Corina Gericke übergibt die 61.638 Unterschriften an Staatsrätin Elke Badde von der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

 

 

 


10.04.2012

Tierversuchshochburg Baden-Württemberg


Freiburger Tierrechtler protestieren gegen Tierversuche


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche unterstützt die Protestaktion der Freiburger Tierrechts-Initiative, die am 13.4.2012 ab 17 Uhr in der Innenstadt zu einer Mahnwache gegen Tierversuche einlädt.

»Bundesweit nimmt Baden-Württemberg die Spitzenposition in Sachen grausamer und rückschrittlicher Forschung ein. Von den 2,9 Millionen Tieren, die in Deutschland pro Jahr in Tierversuchen leiden und sterben, entfallen mit über 560.000 Tieren rund 20 % allein auf Baden-Württemberg«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ärztevereins.

In der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg beispielsweise wird untersucht, ob genmanipulierte Stammzellen von neugeborenen Ratten die Heilung eines künstlich ausgelösten Herzinfarkts bei erwachsenen Ratten beschleunigen können. Hierzu werden neugeborenen Ratten die Muskeln der Gliedmaßen herausgeschnitten und zerkleinert, das Muskelgewebe genetisch manipuliert. Bei erwachsenen Ratten wird ein Herzinfarkt simuliert, indem unter Narkose der Brustkorb eröffnet und eine Herzkranzarterie abgebunden wird. Nach zwei Wochen werden die Tiere erneut operiert und ihnen werden entweder genmanipulierte oder unbehandelte Zellen an das Infarktgewebe angenäht. Am Ende werden die Ratten getötet um die Herzen zu untersuchen. Die Autoren merken selbst an, dass die Verwendung von Stammzellen klinisch nicht umsetzbar ist – trotzdem sind weitere Tierversuche geplant. »Die Ursachen, die beim Herzinfarkt des Menschen hauptsächlich eine Rolle spielen, wie Rauchen, fleischreiche Ernährung, Stress und Bewegungsmangel, werden bei solchen Tierversuchen überhaupt nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse sind daher von vornherein nicht auf den Menschen übertragbar«, erläutert Bitz.

Die Ärztevereinigung prangert zudem die Landespolitik an, nicht zu ihrem Wahlversprechen zu stehen, die grausamen Affenversuche abzuschaffen. Während in anderen Bundesländern die Hirnforschung an Affen von den zuständigen Behörden mangels medizinischen Nutzens und aus ethischen Gründen nicht mehr genehmigt wurden, hält Baden-Württemberg an dieser Forschung fest. An drei Tübinger Instituten werden Affen durch Durst gezwungen, zu tun, was der Forscher verlangt. Die Tiere müssen mit angeschraubtem Kopf stundenlang Aufgaben am Bildschirm lösen, während über in ihr Gehirn eingeführte Elektroden die Hirnströme gemessen werden, da die Forscher wissen wollen, wie ein Affe zählt oder auf Gesichter reagiert.

Mit der Weiterführung der Affenhirnforschung ignoriert die Landespolitik die Forderung von über 60.000 Bürgern und Wählern, die sich auf Unterschriftenlisten für eine moderne Wissenschaft ohne Tierversuche ausgesprochen haben, weshalb der Ärzteverein erneut zu Protesten aufruft.

Mit ihrer Faltblattreihe ‚Tierversuche im Brennpunkt’ dokumentiert die Ärztevereinigung Tierversuche in einer bestimmten Stadt, wie in Baden-Württemberg unter anderem in Freiburg und Tübingen, und zeigt die Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung im Interesse von Mensch und Tier auf. In seiner Internet-Datenbank dokumentiert der Verein Tausende von in Deutschland durchgeführten Tierversuchen. Alle Beschreibungen basieren auf den Original-Veröffentlichungen der Tierexperimentatoren.

Fototermin:
Mahnwache in Freiburg:
Freitag, 13.4.2012, ab 17 Uhr am Bertoldsbrunnen/Freiburg-Mitte

Weitere Information:

Faltblatt Tierversuche im Brennpunkt: Freiburg >>

Faltblatt Tierversuche im Brennpunkt: Tübingen >>

Datenbank Tierversuche >> 

Tierrechts-Initiative Freiburg e.V. >> 

Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen >>


23.03.2012

EU-Behörde will Kältemittel an Kaninchen testen lassen


Ärzte gegen Tierversuche erheben Einspruch


Nach dem Willen der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA soll die Chemiefirma Honeywell ein Kältemittel, das in Klimaanlagen von Autos verwendet wird, an Kaninchen testen. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche will das zusammen mit seinen Partnerverbänden verhindern und legt jetzt wissenschaftliche und juristische Belege für die Überflüssigkeit dieses Tierversuchs vor.

Die EU-Behörde ECHA fordert von dem Chemikalienhersteller Honeywell Belgium zusätzliche Tierversuche für das Kältemittel R-1234yf (chemische Bezeichnung: 2,3,3,3,-Tetrafluorpropen oder HFO-1234yf). Doch die Firma wehrt sich und reichte Widerspruch ein.

Bei dem fraglichen Tierversuch sollen 120 Kaninchen gezwungen werden, Dämpfe des Kältemittels 90 Tage lang einzuatmen. Entweder werden die Tiere dafür täglich sechs Stunden in enge Röhren gesteckt, oder ihr Käfig wird in einen Raum mit den Gasen gestellt. Nach 90 Tagen sollen die Tiere getötet werden. In einem früheren Test an trächtigen Kaninchen waren einige der Tiere gestorben. Die Behörde will nun, dass der Test auch an nicht trächtigen Kaninchen durchgeführt wird, obwohl die Substanz bereits an Ratten geprüft wurde.

Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE), bei der die Ärzte gegen Tierversuche Mitglied sind, unterstützt den Widerspruch von Honeywell und hat heute ein 57 Seiten starkes Dokument zusammen mit einem wissenschaftlichen Gutachten bei der ECHA eingereicht. Die juristischen und fachlichen Argumente belegen, dass dieser Tierversuch unnötig ist. Die ECEAE ist bei der ECHA als einzige Tierschutzvertretung offiziell zugelassen.

»Die Entscheidung der ECHA, diesen Tierversuch zu fordern, ist gänzlich falsch und unangemessen«, erklärt Dr. med. Wolfgang Stengel, Toxikologie-Experte bei der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche, der an dem Gutachten mitgearbeitet hat. »Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass die Verstoffwechslung dieser Substanz bei Kaninchen und Menschen verschieden ist«, weiß Dr. Stengel. »Auch der immense Stress, dem die Tiere durch 90-tägige Inhalation ausgesetzt sind, würde die Ergebnisse verfälschen.« Zudem ist das Kältemittel R-1234yf, das für Auto-Klimaanlagen verwendet wird, für die Fahrer dieser Fahrzeuge ohne Risiko, da sie nicht mit der Substanz in Berührung kommen.

Laut EU-Chemikalienverordnung REACH müssen alte Chemikalien, die vor 1981 auf den Markt gekommen sind, und ebenso alle neuen Stoffe auf ihre Risiken für Mensch und Umwelt getestet werden – größtenteils in Tierversuchen. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält REACH generell für verfehlt, da Tierversuche nicht geeignet sind, die Sicherheit von Substanzen zu gewährleisten. Mit tierversuchsfreien Testmethoden, z.B. mit Zellkulturen, können im Gegensatz zum Tierversuch dagegen die Risiken verlässlich abgeschätzt werden. Außerdem liegen die geforderten Daten für die allermeisten Altchemikalien bereits vor.

»Wir hoffen, dass dem Einspruch des Herstellers und der ECEAE statt gegeben wird, und dass wir auf diesem Weg den qualvollen Tod der Kaninchen verhindern und so gleichzeitig einen Präzedenzfall schaffen können«, so Toxikologe Stengel abschließend.

Weitere Informationen:
REACH – Grausame und sinnlose Tierversuche >>
Die REACH-Chance: 45 Tage um Tiere zu retten >>
Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) >> 


07.03.2012

Grün-rote Landesregierung verrät Tiere


Baden-Württemberg hält aus elitären Interessen an Tübinger Affenhirnforschung fest


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zeigt sich bestürzt über die Haltung der grün-roten Landesregierung. Von dem vor der Wahl selbst gesetzten Ziel, Affenversuche abzuschaffen, wollen die Regierungsparteien nichts mehr wissen, möglicherweise auch, um das Bestreben der Universität Tübingen, zur Exzellenzuni auserwählt zu werden, nicht zu gefährden. Die Ärztevereinigung befürchtet sogar eine Ausweitung der Hirnforschung an Affen, da derzeit an der Uni Tübingen die Räumlichkeiten für die Haltung von Affen ausgebaut werden. Der Verein bezeichnet es als Affront gegenüber den 60.000 Bürgern, die ein Ende der Affenversuche fordern und ruft im Rahmen der Kampagne »Stoppt Affenqual in Tübingen« erneut zu Protesten auf.

Das Bestreben der Universität Tübingen im Rahmen der Exzellenzinitiative Fördermittel in erheblicher Höhe zu erhalten und zur Eliteuniversität nominiert zu werden, darf nach Ansicht der Ärztevereinigung nicht ausschlaggebend für das Beharren auf der Forschung am Affenhirn sein. Vielmehr müsse dem Zeitalter entsprechenden innovativen Methoden der Vorrang gegeben werden, damit Tübingen renommierten Forschungsstandorten wie München und Berlin – wo keine Hirnforschung an Affen stattfindet – nicht nachstehen muss.

»Mit der Beibehaltung der Affenhirnforschung ignoriert die Landespolitik die Forderung von über 60.000 Bürgern und Wählern, die sich auf Unterschriftenlisten für eine moderne Wissenschaft ohne Tierversuche ausgesprochen haben und macht Baden-Württemberg zum Spitzenreiter hinsichtlich altertümlicher und besonders grausamer Forschungsmethoden«, kritisiert Diplom-Biologin Silke Bitz, Sprecherin der Ärztevereinigung. Im Oktober 2011 hatte der Verband die Unterschriften an Wolfgang Reimer, Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum, übergeben.

Lapidar heißt es seitens des zuständigen Landwirtschaftsministeriums gegenüber dem Ärzteverein: »Nach Aussage der Wissenschaftler in Tübingen können die angestrebten Ergebnisse mit anderen Tieren oder am Menschen nicht gewonnen werden.« Fragen nach einem Nachweis für den vorgeblichen medizinischen Nutzen der Affenhirnversuche bleiben seitens der grün-roten Regierung ebenso unbeantwortet wie einst von der schwarz-gelben.

Die von der Ärztevereinigung vorgebrachten Argumente wie auch die Begründungen der Ablehnungsbescheide anderer Behörden, die vergleichbare Affenhirnversuche mangels medizinischen Nutzens und aufgrund ethischer Unvertretbarkeit nicht mehr genehmigt haben, werden in Gänze ignoriert. In seinem Ablehnungsbescheid legte beispielsweise das in Berlin zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales dar: »Um einem lebensbedrohlichen Leiden (Durst) zu entrinnen, fügt sich das Tier in ein anderes erhebliches Leiden (Kopffixierung im Primatenstuhl)«.

Baden-Württemberg hingegen setzt auf elitäre Interessen auf Kosten der Tiere, anstatt sich um die Schaffung eines fortschrittlichen Forschungsstandorts zu bemühen. »Offensichtlich beugt sich die Landesregierung lieber der mächtigen Experimentatorenlobby, anstatt sich ihren selbst gesetzten Zielen zu widmen. Ein trauriges Bild, das die Politik abgibt, der Wähler nicht zuletzt aufgrund des Vorhabens, Affenversuche auslaufen zu lassen, ihr Vertrauen geschenkt haben«, findet Bitz.

In einem neuen Infoblatt informiert der Verein über in Tübingen stattfindende Affenhirnforschung sowie andere Tierversuche. Mit ihrer Faltblattreihe ‚Tierversuche im Brennpunkt’ dokumentiert die Ärztevereinigung Tierversuche in einer bestimmten Stadt und zeigt die Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung im Interesse von Mensch und Tier auf.

Weitere Information
Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen >>

Tierversuche im Brennpunkt. Teil 16: Tübingen >>


23.02.2012

Erfolg bei Botox


Tierversuchsfreier Zelltest EU-weit anerkannt


Der amerikanische Botox-Hersteller Allergan hat eine EU-weite Zulassung für seinen tierversuchsfreien Zelltest erhalten. Die Anerkennung wird nach Ansicht der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche Hunderttausende Mäuse vor einem qualvollen Tod bewahren. Der Verein kämpft seit Jahren für ein Ende des grausamen Tests.


Botulinumtoxinprodukte, besser bekannt als Botox, werden für medizinische Zwecke wie Schiefhals eingesetzt, vor allem aber auch zur Glättung von Gesichtsfalten. Das Nervengift Botulinumtoxin lähmt die Muskeln und lässt die Haut darüber glatt erscheinen. Jede Produktionseinheit wird in einem qualvollen Tierversuch getestet, bevor sie in den Verkauf gehen darf. In dem so genannten LD50-Test wird Mäusen die Substanz in die Bauchhöhle gespritzt und es wird ermittelt bei welcher Dosierung die Hälfte der Tiere stirbt. Angaben der Ärzte gegen Tierversuche zufolge wurden so mindestens 600.000 Mäuse pro Jahr weltweit zu Tode gequält.

Seit Jahren kämpft der Ärzteverein für eine Abschaffung des Botox-Mäuse-Tests. Der Marktführer Allergan erhielt für seinen Zelltest bereits im Sommer 2011 eine Zulassung in den USA und in Kanada, im Januar 2012 dann in der Schweiz. Nun wurde der Test für die Allergan-Produkte Botox und Vistabel auch in der EU anerkannt. Bei dem Verfahren handelt es sich Angaben von Allergan zufolge um einen ganz tierversuchsfreien Test, für den keine Tiere getötet werden.

Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche begrüßt den Fortschritt, bemängelt aber, dass Allergan in den nächsten drei Jahren voraussichtlich nur 95 Prozent seiner Botox-Tierversuche ersetzen wird, und das auch nur, sofern andere Behörden weltweit den Zelltest ebenfalls anerkennen. Ein hundertprozentiger Ersatz sei angestrebt, wird aber von der Firma nicht näher kommentiert.

Die Zulassung des Zelltests gilt nur für die Produkte von Allergan. Die anderen beiden Hersteller, die britische Firma Ipsen und die Frankfurter Firma Merz testen nach wie vor im Tierversuch. »Ipsen und Merz sind jetzt gefordert, umgehend eine Lizenz von Allergan für ihre Produkte zu erwerben. Es darf nicht sein, dass bloßes Konkurrenzdenken Zigtausenden von Tieren das Leben kostet«, so Gericke.

Der Ärzteverband sieht zudem einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und fordert von der zuständigen Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg die beim Hamburger Auftragslabor LPT durchgeführten Botox-Tierversuche der Firma Merz nicht mehr zu genehmigen. Laut Tierschutzgesetz dürfen Tierversuche nicht durchgeführt werden, wenn eine tierversuchsfreie Methode vorhanden ist.

Die EU-Anerkennung des Allergan-Zelltests dürfte sich auf die Tierversuchzahlen in Irland auswirken, wo der amerikanische Konzern seine Botox-Produkte für Europa testen lässt. In den letzten fünf Jahren hatte der Inselstaat eine explosionsartige Ausweitung an Tierversuchen von 37.940 Tieren im Jahr 2005 auf 279.609 Tiere fünf Jahre später zu verzeichnen. Allein im LD50-Test mussten 2010 in Irland mehr als 116.000 Mäuse sterben.

Weitere Informationen:
Kampagne »Stoppt Botox-Tierversuche« >> 

Botox – Hintergrundinformationen >>

Videofilm: Die hässliche Wahrheit über Botox >>

Detailinformation:
Der Zelltest für BOTOX® wurde in Irland anerkannt und gilt im Zuge eines Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung in 14 Staaten: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Griechenland, Island, Italien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden.
Die Anerkennung der französischen Behörden für den Zelltest für VISTABEL® gilt für 29 Länder, nämlich Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien (VISTABEX®), Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern.


17.02.2012


»Kniefall vor der Tierversuchslobby«

 

Ärztevereinigung kritisiert Entwurf zur Umsetzung der Tierversuchsrichtlinie als völlig unzureichend


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) kritisiert Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner für ihre im Januar 2012 vorgelegten Entwürfe zur Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht. Darin werden teilweise die ohnehin unzureichenden EU-Vorgaben unterlaufen und das deutsche Tierschutzgesetz verschlechtert. Der Ärzteverband wirft Aigner einen »Kniefall vor der Tierversuchslobby« vor.

Die EU-Tierversuchsrichtlinie dient dem vorgeblichen Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Im November 2010 trat die neue Richtlinie in Kraft und löste damit das alte Regelwerk aus dem Jahr 1986 ab. Die Mitgliedstaaten müssen die EU-Vorgaben bis November 2012 in nationales Recht umsetzen. Im Januar 2012 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) nun Entwürfe für ein neues Tierschutzgesetz sowie für eine Tierversuchsverordnung vorgelegt.

Bereits die EU-Richtlinie ist weit von dem entfernt, was im Sinne einer ethisch einwandfreien und wissenschaftlich sinnvollen Wissenschaft zu fordern wäre, da es versäumt wurde, zeitgemäßen, tierversuchsfreien Methoden den Vorrang zu geben. Stattdessen wird weiter am altertümlichen und unzuverlässigen System Tierversuch festgehalten. Sie bietet jedoch in einigen Bereichen Spielraum, wahlweise höhere oder niedrigere Tierschutzstandards zu schaffen. So können die Mitgliedstaaten Versuche an Menschenaffen untersagen und die Forschung an nicht-menschlichen Primaten einschränken. Nach EU-Vorgabe sollte es zudem aus ethischer Sicht eine Obergrenze für Schmerzen, Leiden und Ängste geben, die in wissenschaftlichen Verfahren nicht überschritten werden darf. Die Ärztevereinigung zeigt sich entsetzt darüber, dass Deutschland von der Möglichkeit der Verschärfung des Tierschutzrechts keinen Gebrauch macht und keine Einschränkung selbst solch besonders in der Kritik stehender Experimente vorsieht.

Auch die Regelung der EU, die vorsieht, dass ethische Überlegungen den Kern der Projektgenehmigung bilden, bleibt im deutschen Entwurf unberücksichtigt. Entgegen der EU-Tierveruchsrichtlinie, die ausdrücklich erlaubt, national bereits bestehende strengere Tierschutzbestimmungen beizubehalten, will das BMELV zudem sogar teilweise das geltende Tierschutzrecht verschlechtern. Vorgesehen ist beispielsweise eine umfangreiche Ausweitung der Zwecke, zu denen Tierversuche erlaubt sein sollen. Zwar bot das alte Tierschutzgesetz auch keine wirksame Einschränkung von Tierversuchen, mit der neuen Reglung will die Bundesregierung nach Ansicht des Ärztevereins jedoch offensichtlich den Tierexperimentatoren auf Kosten der Tiere noch mehr Forschungsfreiheit einräumen.

Die Ärztevereinigung wandte sich in einer Stellungnahme an das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und forderte dieses auf, die ohnehin unzureichenden Vorgaben der EU sowie des in Deutschland geltenden Tierschutzgesetzes nicht auch noch zu unterlaufen. Vielmehr müsse endlich den ethischen Wertvorstellungen der Gesellschaft und den Anforderungen an eine moderne, gute Wissenschaft entsprochen werden und ein Paradigmenwechsel hin zu anwendungsorientierter tierversuchsfreier Forschung eingeleitet werden.

Weitere Information:
EU-Tierversuchsrichtlinie – Hintergrundinfos >>

Protestaktion »2,9 Millionen Gründe«: Schreiben Sie an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und die Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan



16.02.2012

Ärzteverein: Neues Tierversuchslabor in Greifswald ist Verschwendung von Steuergeldern


Die Universität Greifswald will für 9,8 Millionen Euro ein zentrales Tierversuchslabor bauen. Das Geld stammt aus öffentlichen Mitteln des Bildungsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält das Bauvorhaben für Verschwendung von Steuergeldern. Laut Ärzteverein reiht sich die Uni Greifswald damit unrühmlich in die immer weiter expandierende, aber vollkommen unsinnige Tierversuchsforschung ein.


Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Jahren, dass überall in Deutschland jeweils ein- bis dreistellige Millionenbeträge aus öffentlichen Mitteln in neue Tierversuchslabors fließen. Ein neues Tierseuchenlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems hat 260 Millionen Euro gekostet, das neue Tierversuchszentrum der Uni Würzburg 31 Millionen und das der Uni Mainz 29 Millionen Euro. In Berlin will das Max-Delbrück-Centrum für 24 Millionen Euro ein riesiges Tierversuchslabor bauen. Diese Summen beinhalten jedoch noch nicht einmal die Folgekosten. »Obwohl es sich um unsere Steuergelder handelt, gibt die Bundesregierung nicht bekannt, wie viele Gelder insgesamt in Tierversuche fließen«, empört sich Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. »Es dürften Milliarden Euro sein, die jedes Jahr für Tierversuche verschleudert werden, während der tierversuchsfreien Forschung durchschnittlich pro Jahr lächerliche vier Millionen Euro zur Verfügung stehen.«

In der neuen Tierversuchsanstalt in Greifswald sollen an Ratten, Mäusen und Fischen Gene des Menschen erforscht werden, die bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Krankheiten eine Rolle spielen. Dazu werden bei den Tieren einzelne Gene an- oder ausgeschaltet, um deren Funktion zu ergründen. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält diese Vorgehensweise für verfehlt. »Was ist das für eine Wissenschaft, die nach dem Motto ‚Mal schau’n, was passiert…’ auf Kindergartenniveau herumprobiert«, sagt Tierärztin Gericke. »Es ist vollkommen abwegig, zu glauben, man könne mit Hilfe von genmanipulierten Tieren menschlichen Krankheiten auf die Spur kommen oder gar effektive Behandlungsmethoden finden. Die Hauptursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall sind dank Bevölkerungsstudien bekannt: Rauchen, zu fleisch- und fettreiche Ernährung, Übergewicht, Stress.«

Der Ärzteverein fordert, dass öffentliche Gelder nicht länger für Tierversuche verschwendet, sondern in die Prävention von Krankheiten gesteckt werden, also die Beseitigung der krankmachenden Ursachen der sogenannten Zivilisationskrankheiten. »Zudem müssen für die Entwicklung neuer Medikamente anstelle von Tierversuchen moderne, tierversuchsfreie Testmethoden mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips sowie klinische Forschung eingesetzt werden. Nur so lässt sich ein Fortschritt in der Medizin erzielen«, ist sich Gericke sicher.

Der Ärzteverein lehnt Tierversuche nicht nur wegen der mangelnden Relevanz für die Medizin ab, sondern auch aus ethischen Gründen. »Gerade die Gentechnik verursacht unendlich viel Leid für die betroffenen Tiere. Tiere, für die Forscher keine Verwendung haben, werden wie Müll entsorgt«, weiß die Tierärztin. Es werden zudem missgebildete Tiere geboren, die oft vorzeitig an ihren Leiden sterben. Um festzustellen, ob die gewünschte Genmanipulation gelungen ist, wird Mäusen ein Stück vom Schwanz abgeschnitten. Am Ende werden alle überlebenden Tiere meist durch Genickbruch oder Kohlendioxid-Erstickung getötet.

Die Gentechnik ist hauptverantwortlich dafür, dass Tierversuche in Deutschland seit Jahren zunehmen. In den letzten zehn Jahren ist Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge die Zahl der genmanipulierten Tiere von rund 150.000 Tieren im Jahr 2000 auf 722.000 Tiere in 2010 in die Höhe geschnellt. Die Gesamtzahl der in Tierversuchen zu Tode gequälten Tiere stieg im gleichen Zeitraum von 1,8 Millionen auf 2,9 Millionen Tiere.

Weitere Informationen:
Übersicht Forschungsförderung und Förderung tierversuchsfreier Forschung (PDF) >>
Tierversuchsstatistik >> 


10.02.2012

Größtes Tierversuchslabor Deutschlands in Berlin geplant


Ärzteverein protestiert


In Berlin soll ein riesiges neues Tierversuchslabor entstehen. In dem Neubau des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) soll Platz für über 64.000 Tiere geschaffen werden. Recherchen der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zufolge wäre das Deutschlands größtes Tierversuchslabor. Der Ärzteverband schließt sich einer Protestaktion der internationalen Tierrechtsorganisation PeTA an.

Schon jetzt ist das MDC eine der größten tierexperimentellen Einrichtungen Deutschlands. Im Jahr 2010 wurden dort bereits 33.200 Mäuse und Ratten sowie 1.300 andere Tiere in Tierversuchen verwendet. Mit dem Laborneubau sollen die Kapazitäten um 17 Prozent auf 20.800 Käfige mit Platz für 64.800 Tiere erhöht werden.

»Die Zahl der im MDC zu Tode gequälten Tiere wird pro Jahr noch viel höher sein als 64.000, denn die Tiere leben meist nicht lange, so dass ein ‚Tierplatz’ mehrmals im Jahr besetzt werden kann«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

»Angaben zur Anzahl der Tiere, die in tierexperimentellen Einrichtungen gehalten und für Forschungszwecke missbraucht werden, sind geheim, obwohl der Steuerzahler die Tierversuche zwangsläufig mitfinanziert. Nur gelegentlich dringen einzelne Zahlen an die Öffentlichkeit, die das wirkliche Ausmaß der tierexperimentellen Forschung nur erahnen lassen«, so Gericke. Die Ärztevereinigung hat einige dieser Angaben verglichen. Das zweitgrößte Labor ist demzufolge das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig mit einer Kapazität von bis zu 35.000 Mäusen, gefolgt von einem zentralen Labor der Universität Köln mit rund 26.000 Tieren.

Im Jahr 2010 wurden in Berlin 383.527 Tiere in Tierversuchen verwendet. Fast 2,9 Millionen waren es bundesweit. Die Tierversuchszahlen steigen seit Mitte der 1990er Jahre kontinuierlich. Neue Tierversuchslabors werden überall in Deutschland gebaut – und verschlingen Millionenbeträge aus öffentlichen Geldern.

Den Trend zu immer mehr Tierversuchen hält Tierärztin Gericke für fatal. »Tierversuche sind nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen, sondern auch, weil man auf diese Weise kranken Menschen nicht helfen kann. Die künstlich krank gemachten Tiere in den Labors sind nicht vergleichbar mit der komplexen Situation beim Menschen. Dadurch sind die Tierversuchsergebnisse nicht übertragbar.«

Der Tierversuchsboom ist vor allem auf die Gentechnik zurückzuführen. Auch im MDC sollen vor allem genmanipulierte Mäuse in der Grundlagenforschung eingesetzt werden. »Die gentechnisch veränderte ‚Krebsmaus’ ist das beste Beispiel für das Scheitern der tierexperimentellen Genforschung«, meint Dr. Gericke. »Seit Jahrzehnten werden Krebsmäuse geheilt, doch beim Menschen funktionieren die neuen Behandlungsmethoden nicht. Der Mensch ist eben keine Maus und schon gar keine genmanipulierte«, resümiert die Tierärztin.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche fordert von der Politik, öffentliche Gelder wie die 25 Millionen Euro, die das neue Labor des MDC kosten soll, nicht länger in eine ethisch inakzeptable und medizinisch unsinnige Forschung zu stecken. Stattdessen muss die tierversuchsfreie Forschung mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips und Bevölkerungsstudien ausgebaut werden.

Die Ärztevereinigung schließt sich einer Protestaktion der internationalen Tierrechtsorganisation PeTA gegen den Bau des MDC-Tierversuchslabors in Berlin an. In einer Online-Petition kann ein Brief an den regierenden Oberbürgermeister Klaus Wowereit abgeschickt werden.

Weitere Informationen:

Flugblatt »Tierversuche in Berlin« (PDF) >>
Übersicht »Die größten Tierversuchslabors Deutschland« >> 


31.019.2012

Schweiz lässt tierversuchsfreien Botox-Test zu


Ärztevereinigung begrüßt Etappensieg


Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche begrüßt die aktuelle Zulassung eines tierversuchsfreien Verfahrens zur Testung des Faltenglätters Botox durch die Schweizer Behörde Swissmedic als wichtigen Etappensieg, kritisiert jedoch, dass noch immer Mäuse in qualvollen Giftigkeitsversuchen zu Tode kommen.

Die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic hat aktuell bekannt gegeben, die vom Botox-Marktführer Allergan entwickelte Zellmethode zur Testung von Botox-Produkten anstelle des herkömmlichen Tierversuchs anzuerkennen. Die Amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hatte die tierversuchsfreie Methode im Juni 2011 zugelassen, kurz darauf erfolgte die behördliche Anerkennung auch in Kanada.

Allerdings gilt die Zulassung des In-vitro-Tests nur für die Produkte Botox® und Botox®Cosmetic bzw. Vistabel® der Firma Allergan. Für die beiden anderen weltweit agierenden Botoxhersteller Ipsen und Merz gilt diese Zulassung ebenso wenig wie für verschiedene neu auf den lukrativen Markt drängenden Firmen in Fernost.

Die Zahl der jährlich für Botox-Produkte getöteten Mäuse wird laut Ärzteverein auf weltweit mindestens 600.000 geschätzt. Nach Angaben der Firma Allergan können, sofern andere Behörden weltweit den neuen Test anerkennen, bis zu 95 % ihrer Tierversuche eingespart werden, wobei auf Nachfrage der Ärztevereinigung keine Angaben über die Zahl der verwendeten Tiere gemacht wurden.

»Es ist zwar erfreulich, dass mit der Zulassung des tierversuchsfreien Tests das Ende des besonders grausamen LD50-Tests an Mäusen, bei dem ermittelt wird, bei welcher Dosis die Hälfte der Tiere stirbt, ein Stück näher rückt. Solange der Zelltest jedoch nicht verbindlich für alle Produkte aller Botox-Hersteller gilt, werden weiterhin Mäuse in qualvollen Giftigkeitstests getötet«, kommentiert Dipl.-Biol. Silke Bitz, Sprecherin des Ärztevereins.

Die Ärzte gegen Tierversuche haben vor einigen Jahren die Kampagne ‚Stoppt Botox-Tierversuche!? gestartet und setzen sich gemeinsam mit ihren Partnern der Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) für ein sofortiges Ende dieser Tierversuche ein. »Der Teilerfolg, der durch die Anerkennung der tierversuchsfreien Methode erzielt werden konnte, zeigt, dass konstante Kampagnen- und Lobbyarbeit sich auszahlt. Ohne den großen öffentlichen Druck, wären vermutlich weder Hersteller, noch Behörden so schnell aktiv geworden«, meint Bitz. Umso wichtiger sei es nun, den Druck auf die Politik und die Hersteller nicht abreißen zu lassen und ein weltweites ausnahmsloses Verbot der Botox-Testung an Tieren zu fordern.

Produkte mit Botulinumtoxin werden für verschiedene medizinische Anwendungen wie Schiefhals eingesetzt. Zunehmend wird Botox aber auch für rein kosmetische Zwecke verwendet, ihr Anteil liegt bei mindestens 50 %. Tierversuche für Kosmetika sind EU-weit verboten, das Testungsverbot wird jedoch umgangen – da das Nervengift gespritzt und nicht auf die Haut aufgetragen wird, erfolgt die Zulassung als Arzneimittel. Der Ärzteverein fordert von der Politik ein Moratorium für die kosmetische Anwendung von Botox, bis verbindlich für alle Produkte eine tierversuchsfreie Methode vorgeschrieben ist.

Weitere Informationen:

Tierqual für eine fragwürdige Schönheit >>

Videofilm: Die hässliche Wahrheit über Botox (Aufnahmen einer Undercover-Recherche der britischen Tierversuchsgegnerorganisation BUAV im Wickham Laboratory, Hampshire) >> 

The Botulinum Neurotoxin LD50 Test – Problems and Solutions. Altex 27, 2/10, 114-116 (PDF)


27.01.2012

So werden Tiere in Düsseldorf gequält


Ärztevereinigung prangert archaische Forschung an Tieren an


Düsseldorf zählt laut der bundesweiten Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche zu den Tierversuchshochburgen Deutschlands. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt sei besonders berüchtigt für qualvolle zahnmedizinische Tierversuche an Beaglehunden sowie neurologische Forschung an Ratten. Der Verein bezeichnet diese Forschung als wissenschaftlich unsinnig und fordert, öffentliche Gelder nicht länger in »archaische Methoden aus dem vorletzten Jahrhundert« zu stecken, sondern eine zukunftsorientierte, ethische Medizin und Forschung ohne Tierversuche zu etablieren.

Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche betreibt eine Internet-Datenbank mit mehr als 4.000 aus Fachzeitschriften stammenden Beschreibungen von Tierversuchen. Die Sammlung ist ein Spiegel der tierexperimentellen Forschung in Deutschland. Dieser Übersicht zufolge rangiert Düsseldorf auf Platz 7 der Tierversuchshochburgen Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen sogar auf Platz 1. »Ein trauriger Rekord«, findet Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Angaben zu Tierversuchen in einzelnen Städten gibt es von Seiten der Bundes- oder Landesregierung nicht. »Die Unis selbst hüllen sich aus Angst vor öffentlichem Entsetzen in Schweigen, obwohl Tierversuche größtenteils mit unseren Steuergeldern bezahlt werden«, erläutert Gericke. »Mit unserer Datenbank machen wir publik, was niemand wissen soll«.

Düsseldorf ist besonders für Tierversuche mit Implantaten an Beaglehunden berüchtigt. Im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Heinrich Heine Universität (HHU) Düsseldorf werden Beagles bis zu 20 Backenzähne gezogen, um Implantate einer Schweizer Firma mit herkömmlichen Materialien zu vergleichen. Dabei werden bei den Tieren oftmals Teile des Kieferknochens zerstört, um Knochenschäden beim Menschen nachzuahmen. »Abgesehen von dem schrecklichen Leid der Hunde, sind die Ergebnisse aus solchen Tierversuchen von vornherein unbrauchbar, weil die Knochenbeschaffenheit bei Hunden ganz anders ist als beim Menschen«, weiß die Tierärztin. »Das geben die Autoren in den Fachartikeln sogar selbst zu, dennoch wird an den archaischen Methoden festgehalten«.

Am Institut für Physiologische Psychologie der HHU werden laut Ärztevereinigung seit Jahren qualvolle neurologische Experimente an Ratten durchgeführt. Unter anderem sollen Symptome der Parkinson-Krankheit nachgeahmt werden, indem durch Injektion einer Substanz in das Gehirn bestimmte Nervenzellen zerstört werden. In einem anderen Experiment wird der Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron und Depression getestet. Die Tiere müssen in einem Wasserbassin schwimmen. Eine Ratte, die aufgibt und sich treiben lässt, wird als depressiv gewertet.

Dr. Corina Gericke hält derartige Forschung für absurd. »Sowohl Parkinson als auch Depression sind komplexe menschliche Krankheiten, deren Ursachen vielfältig und zum Teil noch gar nicht bekannt sind. Es ist vollkommen abwegig zu glauben, man könne mit so primitiven Mitteln zu sinnvollen Ergebnissen für kranke Menschen gelangen«.

Die Ärzte gegen Tierversuche fordern eine Forschung ohne Tierversuche, bei der Ursachenforschung und Bevölkerungsstudien sowie moderne tierversuchsfreie Systeme mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips und Computermodellen zu für den Menschen relevanten Ergebnissen führen.

Weitere Informationen:

Datenbank Tierversuche >>
Flugblatt: Tierversuche in Düsseldorf >>
Parkinsonforschung ohne Tierleid >> 

Quellen der genannten Tierversuchsbeispiele:

Implantate:
Frank Schwarz, Ronald E. Jung, Tim Fienitz, Marco Wieland, Jürgen Becker, Martin Sager: Impact of guided bone regeneration and defect dimension on wound healing at chemically modified hydrophilic titanium implant surfaces: an experimental study in dogs. Journal of Clinical Periodontology 2010: 37, 474-485
Datenbank-ID: 4127

Frank Schwarz, Martin Sager, Daniel Ferrari, Monika Herten, Marco Wieland, Jürgen Becker: Bone regeneration in dehiscence-type defects at non-submerged and submerged chemically modified (SLActive ®) and conventional SLA titanium implants: an immunhistochemical study in dogs. Journal of Clinical Periodontology, 2008: 35; 64-75
Datenbank-ID: 3955

Parkinson:
O.Y. Chao, J.P. Huston*, A. von Bothmer, M.E. Pum: Chronic progesterone treatment of male rats with unilateral 6-hydroxydopamine lesion of the dorsal striatum exasperates parkinsonian symptoms. Neuroscience 2011: 196, 228-236
Datenbank-ID: 4252

M.E. Pum, S. Schäble, H.E. Harooni, B. Topic, M.A. De Souza Silva, J.-S. Li, J.P. Huston, C. Mattern: Effects of intranasally applied dopamine on behavioral asymmetries in rats with unilateral 6-hydroxdopamine lesions of the nigro-striatal tract. Neuroscience 2009: 162, 174-183
Datenbank-ID: 4253

Depression und Testosteron:
T.E. Buddenberg, M. Komorowski, L.A. Ruocco, M.A. de Souza Silva, B. Topic: Attenuating effects of testosterone on depressive-like behavior in the forced swim test in healthy male rats. Brain Research Bulletin 2009: 79, 182-186
Datenbank-ID: 4242


20.019.2012

Tierversuchshauptstadt Berlin

 

Ärztevereinigung veröffentlicht Details zu Tierversuchen in Berlin

 

Von den jährlich rund drei Millionen Tieren, die in deutschen Labors für Versuchszwecke verwendet werden, entfallen laut dem bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche allein auf Berlin fast 400.000 Tiere. Mäuse, Kaninchen, Affen und andere Tiere würden hier für elitäre Forscherinteressen gequält und getötet. Die Ärztevereinigung dokumentiert in einer neuen Informationsschrift Beschreibungen von Tierversuchen aus Berliner Forschungseinrichtungen.

 

Am Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Berliner Charité wird Triphenyltin (TPT), eine Chemikalie die seit rund 50 Jahren in Farben, Pflanzenschutzmitteln und Textilien vorkommt, an Ratten auf ihre längst bekannte schädliche Wirkung untersucht. Schwangeren und stillenden Ratten wird die das Hormon- und Immunsystem schädigende Chemikalie zwangsgefüttert. Das Ergebnis sind tote oder missgebildete Junge. »In anderen Ländern ist diese Substanz aufgrund der bekannten Schädlichkeit verboten. Es ist unethisch und wissenschaftlich unsinnig, Tiere leiden und sterben zu lassen, nur um seit Jahrzehnten bekanntes Wissen zu bestätigen«, kritisiert Diplom-Biologin Silke Bitz vom Verein Ärzte gegen Tierversuche.

 

In der Abteilung für Rheumatologie der Charité werden narkotisierten Kaninchen Teile einer Bandscheibe herausgeschnitten und die Lücke mit Biomaterial aufgefüllt. Am Ende des Versuchs werden die Tiere getötet, um die operierte Bandscheibe zu untersuchen. »Es ist ein Irrglaube, von den Ergebnissen an Tieren auf für den Menschen brauchbare Erkenntnisse zu schließen. Schon allein die Tatsache, dass die Wirbelsäule und Bandscheibe des aufrecht gehenden Menschen ganz anderen Belastungen ausgesetzt ist als bei Kaninchen, macht die Übertragung auf den Menschen zu reiner Spekulation«, kommentiert Bitz.

 

»Es ist in Mode geraten, in sogenannten Tiermodellen, wie es im lebensverachtenden Experimentatoren-Jargon heißt, Krankheiten des Menschen simulieren zu wollen, oft verbunden mit Versprechen für die Heilung menschlicher Leiden. Leidtragende sind nicht nur die Tiere, die Torturen über sich ergehen lassen müssen, sondern auch Menschen, deren Hoffnungen letztlich enttäuscht werden«, so Bitz weiter.

 

Grund für das Scheitern der tierexperimentell ausgerichteten Forschung ist nach Aussage des Ärztevereins unter anderem, dass im Tierversuch die für die Entstehung menschlicher Krankheiten verantwortlichen Faktoren wie Ernährung, Stress und Lebensgewohnheiten ebenso wenig berücksichtigt werden wie die großen Unterschiede in Stoffwechsel oder Körperbau.

 

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert eine Kehrtwende zu einer zeitgemäßen Wissenschaft, bei der moderne Systeme ohne jedes Tierleid zum Einsatz kommen, wie beispielsweise Zellkulturen, Mikrochips und Bevölkerungsstudien. Diese Forschungsmethoden liefern im Gegensatz zum Tierversuch für die klinische Anwendung am Menschen wertvolle Erkenntnisse.

 

Mit ihrer Faltblattreihe ‚Tierversuche im Brennpunkt’ dokumentiert die Ärztevereinigung Tierversuche in einer bestimmten Stadt und zeigt die Notwendigkeit einer tierversuchsfreien Forschung im Interesse von Mensch und Tier auf. Weitere in Berlin und deutschlandweit durchgeführte Tierversuche sind in der Internetdatenbank des Vereins abrufbar, die auf Informationen aus den Originalpublikationen der Experimentatoren basiert.

 

Weitere Informationen:

 

Tierversuche im Brennpunkt – Teil 17 Berlin >> als PDF

 

Datenbank Tierversuche >>

 


09.01.2012

Ratten mit Stromstößen gequält, Fledermäusen Löcher in den Schädel gebohrt

So müssen Tiere in Münchner Labors leiden

Durch Stromstöße ins Gehirn werden bei Ratten epileptische Anfälle erzeugt, Fledermäusen werden über Bohrlöcher Elektroden in das Gehirn eingeführt, Affen wird das gesamte Blut aus Armen und Beinen abgelassen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche deckt Grausamkeiten in Münchner Tierversuchlabors auf. Diese Experimente sind nach Aussage des Ärztevereins zudem vollkommen nutzlos für die medizinische Forschung.

 

Eine neue Informationsschrift des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche enthüllt Details zu Tierversuchen an verschiedenen Instituten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). »Obwohl Tierversuche größtenteils mit Steuergeldern finanziert werden, wird die Öffentlichkeit im Dunkeln gelassen, was tatsächlich hinter den verschlossenen Türen der Labors geschieht«, erläutert Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche.

 

Der Verband betreibt eine Internetdatenbank, in der mehr als 4.000 Tierversuche dokumentiert sind, die in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführt wurden. Die Daten beruhen auf Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. »Was nur für die Fachwelt bestimmt ist, machen wir einer breiten Öffentlichkeit zugänglich«, so Tierärztin Gericke. »Tierversuche werden von den Experimentatoren regelmäßig verharmlosend dargestellt. Doch die Menschen haben ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.« Das jetzt veröffentlichte Faltblatt über Tierversuche in München basiert auf Auszügen der Internetdatenbank.

 

Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU werden durch Stromstöße in das Gehirn bei Ratten epileptische Anfälle ausgelöst, um ein Epilepsiemittel zu testen, das seit über 100 Jahren beim Menschen erfolgreich im Einsatz ist.

 

In der Inneren Medizin I des Klinikums Großhadern wird bei Schweinen ein Herzinfarkt ausgelöst, indem der Brustkorb aufgeschnitten und eine Herzkranzarterie abgeklemmt wird. »Die künstlich geschädigten 'Tiermodelle' haben mit der menschlichen Erkrankung, die sie simulieren sollen und ihren ursächlichen Faktoren nichts gemein«, heißt es in dem Infoblatt. Die Ursachen des Herzinfarkts beim Menschen sind dank Bevölkerungsstudien bekannt: Übergewicht, zu fett- und fleischreiche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. »Die Ergebnisse sind von vornherein wertlos, da sie nicht mit der komplexen Situation beim Menschen vergleichbar sind«, kommentiert Tierärztin Gericke.

 

Unter die vollkommen zweckfreie tierexperimentelle Grundlagenforschung, die nicht einmal ansatzweise etwas mit medizinischer Forschung zu tun hat, fallen unzählige Tierversuche mit Fledermäusen, die nach Kenntnis des Ärztevereins seit Jahren an der LMU durchgeführt werden. Dabei werden über in das Gehirn eingeführte Elektroden Nervenströme gemessen, um die Ultraschallortung der Tiere zu ergründen.

 

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche will mit seinem als Teil 15 einer Reihe von Städte-Informationen erschienenen Flugblatt informieren und aufrütteln. Gleichzeitig fordert er von der Politik und Wissenschaft endlich auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden umzuschwenken.

 

Weitere Informationen:

 

Tierversuche im Brennpunkt – Teil 15: München >> als PDF herunterladen

 

Datenbank-Tierversuche www.datenbank-tierversuche.de

 

AG München der Ärzte gegen Tierversuche >>

 

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