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Pressearchiv 2012 - 16.02.2012 Ärzteverein: Neues Tierversuchslabor in Greifswald ist Verschwendung von Steuergeldern

16.02.2012

Ärzteverein: Neues Tierversuchslabor in Greifswald ist Verschwendung von Steuergeldern


Die Universität Greifswald will für 9,8 Millionen Euro ein zentrales Tierversuchslabor bauen. Das Geld stammt aus öffentlichen Mitteln des Bildungsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält das Bauvorhaben für Verschwendung von Steuergeldern. Laut Ärzteverein reiht sich die Uni Greifswald damit unrühmlich in die immer weiter expandierende, aber vollkommen unsinnige Tierversuchsforschung ein.


Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche kritisiert seit Jahren, dass überall in Deutschland jeweils ein- bis dreistellige Millionenbeträge aus öffentlichen Mitteln in neue Tierversuchslabors fließen. Ein neues Tierseuchenlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems hat 260 Millionen Euro gekostet, das neue Tierversuchszentrum der Uni Würzburg 31 Millionen und das der Uni Mainz 29 Millionen Euro. In Berlin will das Max-Delbrück-Centrum für 24 Millionen Euro ein riesiges Tierversuchslabor bauen. Diese Summen beinhalten jedoch noch nicht einmal die Folgekosten. »Obwohl es sich um unsere Steuergelder handelt, gibt die Bundesregierung nicht bekannt, wie viele Gelder insgesamt in Tierversuche fließen«, empört sich Dr. med. vet. Corina Gericke, stellvertretende Vorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. »Es dürften Milliarden Euro sein, die jedes Jahr für Tierversuche verschleudert werden, während der tierversuchsfreien Forschung durchschnittlich pro Jahr lächerliche vier Millionen Euro zur Verfügung stehen.«

In der neuen Tierversuchsanstalt in Greifswald sollen an Ratten, Mäusen und Fischen Gene des Menschen erforscht werden, die bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Krankheiten eine Rolle spielen. Dazu werden bei den Tieren einzelne Gene an- oder ausgeschaltet, um deren Funktion zu ergründen. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche hält diese Vorgehensweise für verfehlt. »Was ist das für eine Wissenschaft, die nach dem Motto ‚Mal schau’n, was passiert…’ auf Kindergartenniveau herumprobiert«, sagt Tierärztin Gericke. »Es ist vollkommen abwegig, zu glauben, man könne mit Hilfe von genmanipulierten Tieren menschlichen Krankheiten auf die Spur kommen oder gar effektive Behandlungsmethoden finden. Die Hauptursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall sind dank Bevölkerungsstudien bekannt: Rauchen, zu fleisch- und fettreiche Ernährung, Übergewicht, Stress.«

Der Ärzteverein fordert, dass öffentliche Gelder nicht länger für Tierversuche verschwendet, sondern in die Prävention von Krankheiten gesteckt werden, also die Beseitigung der krankmachenden Ursachen der sogenannten Zivilisationskrankheiten. »Zudem müssen für die Entwicklung neuer Medikamente anstelle von Tierversuchen moderne, tierversuchsfreie Testmethoden mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips sowie klinische Forschung eingesetzt werden. Nur so lässt sich ein Fortschritt in der Medizin erzielen«, ist sich Gericke sicher.

Der Ärzteverein lehnt Tierversuche nicht nur wegen der mangelnden Relevanz für die Medizin ab, sondern auch aus ethischen Gründen. »Gerade die Gentechnik verursacht unendlich viel Leid für die betroffenen Tiere. Tiere, für die Forscher keine Verwendung haben, werden wie Müll entsorgt«, weiß die Tierärztin. Es werden zudem missgebildete Tiere geboren, die oft vorzeitig an ihren Leiden sterben. Um festzustellen, ob die gewünschte Genmanipulation gelungen ist, wird Mäusen ein Stück vom Schwanz abgeschnitten. Am Ende werden alle überlebenden Tiere meist durch Genickbruch oder Kohlendioxid-Erstickung getötet.

Die Gentechnik ist hauptverantwortlich dafür, dass Tierversuche in Deutschland seit Jahren zunehmen. In den letzten zehn Jahren ist Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge die Zahl der genmanipulierten Tiere von rund 150.000 Tieren im Jahr 2000 auf 722.000 Tiere in 2010 in die Höhe geschnellt. Die Gesamtzahl der in Tierversuchen zu Tode gequälten Tiere stieg im gleichen Zeitraum von 1,8 Millionen auf 2,9 Millionen Tiere.

Weitere Informationen:
Übersicht Forschungsförderung und Förderung tierversuchsfreier Forschung (PDF) >>
Tierversuchsstatistik >> 

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