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„Herz aus Stein“ für den schlimmsten Tierversuch

 

Verein Ärzte gegen Tierversuche ruft zur Online-Abstimmung auf

21. September 2020

Ärzte gegen Tierversuche ruft bereits zum dritten Mal zur Online-Abstimmung über das „Herz aus Stein“ auf. Der bundesweite Verein will damit auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen, die in Deutschland durchgeführt worden sind. Bürger können aus einer Liste von fünf Versuchen, die im Jahr 2019 veröffentlicht wurden, auswählen. Nominiert sind Tierversuche aus Dresden, Essen, Halle, Homburg und Tübingen.

„Das ‚Herz aus Stein‘ steht für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden“, erklärt Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Pressesprecherin von Ärzte gegen Tierversuche. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und abzuschaffen. Mit der Abstimmung wollen wir exemplarisch einige besonders absurde und grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“

So wird in Dresden mexikanischen Salamandern (Axolotl) der Ischiasnerv durchschnitten, um das Nachwachsen zu beobachten. In Halle/Saale werden Ratten mit Tumoren, die die Haut zersetzen, fast erstickt. An der Uni Essen wird an Mäusen herausgefunden, dass eine fleischarme Ernährung vor Hirnschäden durch Schlaganfall schützt – eine Tatsache, die schon lange aus Bevölkerungsstudien bekannt ist. In Homburg/Saar wird Mäusen die Haut extremst gespannt und eine Rückenhautkammer implantiert, ein Metallkonstrukt mit einem eingeschnittenen Bullauge, durch das man Blutgefäße in der lebenden Maus wachsen sehen kann. Und in Tübingen werden Mäuse 8 Wochen lang ohne Pause 7 verschiedenen Arten von Stress ausgesetzt.

Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, in der über 5.000 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland dokumentiert sind. Ausführliche Beschreibungen der Kandidaten inklusive Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite. Der Verein betont, dass es sich bei den Kandidaten um Institute handelt, nicht um Personen.

Im Jahr 2018 hatte das Max-Planck-Institut für Molekulare Medizin in Berlin mit seinen qualvollen Erstickungsversuchen an Nacktmullen das „Herz aus Stein“ „gewonnen“. 2019 ging der Negativpreis an die Uni Ulm für einen Zigarettenrauchversuch an Mäusen.

Die Abstimmung für das „Herz aus Stein 2020“ sowie dessen Übergabe waren für Frühjahr 2020 geplant gewesen, mussten aber wegen Corona um ein halbes Jahr verschoben werden.

Ärzte gegen Tierversuche setzt sich nicht nur gegen Tierversuche, sondern vor allem auch für tierversuchsfreie Methoden ein. Um sowohl Wissenschaftlern, Politikern wie auch der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, welche modernen, humanrelevanten Möglichkeiten bereits existieren, hat der Verein die NAT-Database ins Leben gerufen, eine Datenbank über tierversuchsfreie Verfahren und Forschungsprojekte.

Die Abstimmung zum „Herz aus Stein 2020“ ist anonymisiert und läuft bis zum 28. September 2020 unter www.herz-aus-stein.info.

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