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„Herz aus Stein“ für den schlimmsten Tierversuch geht an Uni Oldenburg

Autor: Dr. Corina Gericke

Pressemitteilung

Herz aus Stein 2021
Die Delegation der Ärzte gegen Tierversuche - mit dem
Negativpreis im Zentrum - vor der offiziellen Verleihung

Ärzte gegen Tierversuche hat Negativpreis verliehen

Ärzte gegen Tierversuche hat heute das „Herz aus Stein“ verliehen: an die AG Neurosensorik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg für einen Versuch, bei dem wild gefangenen Singvögeln Löcher in den Schädel gebohrt und sie später getötet werden. Erwartungsgemäß wurde die Annahme abgelehnt. Der bundesweite Verein will mit dem Negativpreis auf besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen und eine herzlose Forschung anprangern, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden. Bei der öffentlichen Online-Abstimmung standen fünf Kandidaten zur Auswahl.

Die AG Neurosensorik / Animal Navigation bzw. das Forschungszentrum Neurosensorik stand in den vergangenen Jahren mehrfach in der öffentlichen Kritik, weil dort seit Jahren invasive Tierversuche an Rotkehlchen und anderen Singvögeln gemacht werden, um den magnetischen Sinn der Tiere zu ergründen. Nun steht der Forschungsbereich wieder im unrühmlichen Fokus. Knapp die Hälfte der über 4.200 Stimmen der öffentlichen Abstimmung des Vereins Ärzte gegen Tierversuche zum „Herz aus Stein“ entfiel auf einen Versuch an Mönchsgrasmücken an der Uni Oldenburg.

Die Singvögel werden in der Umgebung von Oldenburg mit feinen Netzen gefangen und in fensterlosen Räumen zu zweit in Käfigen gehalten. Unter Narkose wird der Kopf der Vögel in einem speziell angefertigten Apparat fixiert. Nach der Öffnung der Kopfhaut wird eine Substanz, die Nerven markiert, durch ein Fenster im Schädel in das Gehirn injiziert. Das Loch im Schädel wird mit chirurgischem Kleber verklebt und die Haut zugenäht. Für die eigentlichen Versuche werden die Vögel einzeln in einem speziellen Käfig unterschiedlichen magnetischen Reizen ausgesetzt. Zu bestimmten Zeitpunkten werden die Tiere getötet, indem unter Narkose Formalin ins Herz injiziert wird, bis alles Blut ausgetauscht ist. Das Gehirn wird in Scheiben geschnitten und untersucht.

„Die Singvogelforschung in Oldenburg ist als reine Neugierforschung ohne jeglichen Nutzen zu werten“, kommentiert Tierärztin Gericke. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und abzuschaffen, aber mit dem ‚Herz aus Stein‘ wollen wir exemplarisch zeigen, welch absurde und grausame Tierversuche in Deutschland durchgeführt werden.“ Diese Forschungen fallen in den Bereich der Grundlagenforschung, der fast die Hälfte aller in Deutschland erfassten Tiere in Versuchen zum Opfer fallen.

Bürger konnten in einer Online-Abstimmung eine Woche lang aus 5 Kandidaten auswählen. Von 4.236 Stimmen entfielen 2.066 (49 %) auf Oldenburg. Zur Auswahl standen außerdem Tierversuche aus Tübingen, Gießen, Köln und Hannover.

Die Versuchsbeschreibungen sind der öffentlichen Datenbank des Vereins entnommen, in der mehr als 5.100 Beschreibungen von in Fachzeitschriften veröffentlichten Tierversuchen aus Deutschland inklusive Originalquellen dokumentiert sind. Ausführliche Beschreibungen der Kandidaten inklusive Quellen finden sich auf der Aktions-Webseite. Der Verein betont, dass der Preis, der zum 4. Mal vergeben wurde, an Institute geht, nicht an Personen.

Ärzte gegen Tierversuche setzt sich nicht nur gegen Tierversuche, sondern vor allem auch für tierversuchsfreie Methoden ein. Um sowohl Wissenschaftlern, Politikern wie auch der interessierten Öffentlichkeit zu zeigen, welche modernen, humanrelevanten Möglichkeiten bereits existieren, hat der Verein die NAT-Database ins Leben gerufen, eine Datenbank über tierversuchsfreie Verfahren und Forschungsprojekte.

Weitere Informationen

www.herz-aus-stein.info

Facebook-Fotoalbum >>

Stoppt Tierversuche an Rotkehlchen >>

Originalpublikation: Dimitry Kobylkov, Susanne Schwarze, Bianca Michalik, Michael Winklhofer, Henrik Mouritsen, Dominik Heyers: A newly identified trigeminal brain pathway in a night-migratory bird could be dedicated to transmitting magnetic map information. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 2020; 287. doi:10.1098/rspb.2019.2788

 

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