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Chance vertan: TV-Sendung Quarks & Co. zu Tierversuchen

Die bekannte TV-Sendung Quarks & Co. vom 22.09.2015 thematisierte Tierversuche. Nachstehendes Schreiben schickte Claus Kronaus, Geschäftsführer Ärzte gegen Tierversuche, am 23.09.2015 an die Redaktion:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer Sendung haben Sie die große Chance vertan, eine objektive und aktuelle Aufklärung der Öffentlichkeit zu erreichen. Sie bezeichnen sich selbst als „Wissenschaftsmagazin“, welches „… ein Thema aus wissenschaftlicher Sicht und verschiedensten, oft ungewöhnlichen Blickwinkeln …“ beleuchtet, haben sich aber einseitig auf eine emotional-positive Darstellung der Tierversuche beschränkt. Das Lager der Wissenschaftler, die Tierversuche aufgrund der in zahlreichen Studien nachgewiesenen(!) Nichtübertragbarkeit ablehnen, kam gar nicht zu Wort. Meine Enttäuschung darüber ist umso größer, da wir im Vorfeld in die Produktion eingebunden waren und Ihr Team mit Informationen versorgt hatten.

Sie haben zudem den selbstgewählten Anspruch, aktuell zu sein. Dann hätten Sie aber beispielsweise im Bereich der Medikamente auf die 95%ige Versagensquote tierversuchserprobter Medikamente in der klinischen Phase hinweisen müssen, statt die Tierversuche als unabdingbare Voraussetzung für „lebensrettende“ Medikamente darzustellen. Und im Bereich der Affenhirnforschung wäre es für den Zuschauer sicherlich interessant gewesen, nicht nur Herrn Kreiter zweimal zu hören, sondern stattdessen als Gegenmeinung auch einen der zahlreichen namhaften Neurowissenschaftler, die Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlichen Gründen komplett ablehnen. Als extrem fahrlässig ist es aus meiner Sicht auch gewesen, kein Wort über die Forschung mit induzierten pluripotenten Stammzellen oder an Organchips („human-on-a-chip“) zu verlieren. Dr. Uwe Marx aus Berlin wäre doch ein höchst interessanter Gesprächspartner gewesen, warum wurde er nicht befragt? Der Zuschauer hätte damit eine ihm vermutlich völlig neue Sicht, beispielsweise auf die zukünftigen Möglichkeiten der Medikamentenentwicklung, erhalten.

Sendungen wie diese werden nicht verhindern, dass die Wissenschaftskritik am Tierversuch immer stärker in die Öffentlichkeit gelangt und dort diskutiert wird. Auch in der Wissenschaft selbst sind die Dinge auf dem richtigen Weg. So veröffentlicht „The Turkish Journal of Gastroenterology“ ausschließlich klinische und In-vitro-Studien und verweigert Artikel mit tierexperimentellem Inhalt. In seinem Editorial nennt Chefredakteur Hakan Sentürk die Gründe: „In Anbetracht der Defizite des Tiermodells führt die Veröffentlichung von Tierstudien zu weiterer nutzloser Forschung und gibt der Öffentlichkeit falsche Hoffnung. Das ist unethisch. The Turkish Journal of Gastroenterology ist frei von Grausamkeiten ... und wir glauben, dass wir mit dieser Politik einen positiven Wandel im derzeitigen Forschungssystem und damit einen dringend erforderlichen medizinischen Fortschritt befördern können.“

Abschließend kann ich nur erneut meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Mit dieser Sendung hat sich Quarks & Co. als „Wissenschaftsmagazin“ in meinen Augen disqualifiziert.

Mit freundlichen Grüßen

Claus Kronaus
Geschäftsführer
Ärzte gegen Tierversuche e.V.

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