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Mäuse zum Rauchen gezwungen - So werden Tiere in Gießens Tierlaboren gequält


Foto: Ale-ks/istockphoto.com

ÄgT bringt neues „Städteflugblatt“ heraus 

25. August 2020

Mäuse werden 8 Monate lang zum Rauchen gezwungen, bei Ratten wird durch Injektion eines Pflanzengifts oder durch 3 Wochen Sauerstoffmangel eine Lungenkrankheit künstlich ausgelöst, und Mäuse müssen bis zum Umfallen rennen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert in einem neuen Flugblatt Tierversuche in Gießens Laboren als ethisch nicht zu rechtfertigen und wissenschaftlich unsinnig.

„Im Tierversuch werden Tiere zu Messinstrumenten degradiert, die nach Gebrauch weggeworfen werden, doch Tiere sind fühlende, leidensfähige Lebewesen“, weiß Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Aber auch aus wissenschaftlicher Sicht sind Tierversuche abzulehnen, denn das tierexperimentelle System beruht auf dem falschen Ansatz, menschliche Krankheiten in sogenannten Tiermodellen nachahmen zu wollen.

So wird am Universities of Gießen and Marburg Lung Center (UGLMC) Mäusen und Ratten ein künstlicher Lungenhochdruck beigebracht. Bei den gesunden Mäusen wird ein Clip auf die Lungenschlagader gesetzt, der das Blutgefäß einengt. Bei Ratten wird durch Injektion eines Pflanzengifts eine Entzündung in den Blutgefäßen verursacht oder nach Injektion einer Substanz werden die Tiere 3 Wochen lang Sauerstoffmangel (10 statt normal 21%) ausgesetzt, d.h., sie haben ständig Atemnot.

Die künstlich krank gemachten Tiere haben mit Humanpatienten und deren komplexen Situation nichts zu tun. So entsteht Lungenhochdruck beim Menschen oft über Jahre und wird begünstigt durch Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol, Vorerkrankungen wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Einnahme bestimmter Medikamente oder durch genetische Veranlagung. Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebensgewohnheiten, schädliche Umwelteinflüsse sowie psychische und soziale Faktoren werden bei dieser Art der Forschung völlig außer Acht gelassen.

Als besonders perfide sind nach Ansicht des Ärztevereins Rauchversuche des Instituts für Sportmedizin zu werten. Mäuse werden 8 Monate lang an 5 Tagen pro Woche 6 Stunden täglich Zigarettenrauch ausgesetzt. Ab dem 6. Monat müssen die Tiere täglich 30 Minuten auf einem Laufband laufen, dessen Geschwindigkeit täglich erhöht wird. Die Tiere müssen bis zur Erschöpfung laufen. Nach 8 Monaten werden sie getötet. Ergebnis der Studie: Sport hilft die Schäden durch Langzeitrauchen zu vermindern. Dabei sei es wichtig für Raucher, mit dem Training möglichst früh zu beginnen und nicht erst zu warten, bis sich Schäden manifestiert haben, schlussfolgern die Autoren.

„Müssen für solche Binsenweisheiten wirklich Tiere leiden und sterben? Den Zusammenhang zwischen Tabakrauchen und Sport könnte man problemlos und mit relevanten Ergebnissen mit Hilfe von Humanstudien erforschen“, ist sich Dr. Gericke sicher. Für die Erforschung des Lungenhochducks bieten sich Lungenorganide, also aus menschlichen Zellen gezüchtete Mini-Organe, an. „Diese liefern im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Informationen“, so die Tierärztin abschließend.

In einer 26-teiligen Serie informiert der Verein Ärzte gegen Tierversuche über Tierversuche in einer bestimmten Stadt. Gießen ist mit Nr. 27 das neueste Blatt dieser Reihe. Der Verein will damit die lokale Bevölkerung sensibilisieren, seine Forderung nach einer innovativen tierversuchsfreien Forschung mit Mini-Organen und Multi-Organ-Chips zu unterstützen.

Die AG Gießen des Ärztevereins demonstriert regelmäßig vor der Justus-Liebig-Universität. Die nächste Mahnwache ist für den 28. August geplant.

Fototermin
Mahnwache am Freitag, 28. August, 15:00 - 18:00 >>
Biomedizinisches Forschungszentrum Seltersberg, Schubertstraße 81, Gießen 

Weitere Informationen
Flugblatt „Tierversuche im Brennpunkt“ Teil 27 Gießen als PDF >>

oder im ÄgT-Shop bestellen >>

Alle Städte-Infoblätter >> 

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