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NEUIGKEITEN

REACH-Tierversuche verhindert


Über 104.000 Tiere vor Chemikalien-Tod gerettet

22. Juni 2020 

Über 104.000 Tiere – hauptsächlich Ratten - wurden durch das REACH-Projekt, das wir zusammen mit unserem Dachverband ECEAE von 2009 – 2015 betrieben haben, vor einem qualvollen Gifttod bewahrt. Das ist das Ergebnis der neuesten Auswertung des umfangreichen Projektes.

Die 2007 in Kraft getretene EU-Chemikalien-Verordnung REACH sieht vor, dass Tausende alte Chemikalien - von Terpentin bis Textilfarbe, von Maschinenöl bis Kunststoffweichmacher - bis 2018 auf ihre Giftigkeit überprüft werden sollten. Dazu mussten Hersteller ihre Chemikalien bei der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA registrieren und umfangreiche Informationen vorlegen. Für Stoffe in besonders hohen Produktionsmengen waren zum großen Teil Tierversuche vorgesehen. Die Firmen durften mit den Tiertests aber nicht einfach anfangen, sondern mussten sie der ECHA vorschlagen. Die Behörde gab dann Dritten in einem öffentlichen Beratungsverfahren 45 Tage lang die Möglichkeit, herauszufinden, ob die Daten schon vorhanden sind oder ob andere Gründe vorliegen, weswegen auf die Tiertests verzichtet werden kann. Diese Kommentierungsmöglichkeit war eine der wichtigsten Errungenschaften, die durch die ECEAE und andere Tierschutzverbände in das REACH-Regelwerk eingebracht worden ist.

Erfolgreiche Kommentare

Dies haben wir über einen Zeitraum von 8 Jahren (2010 – 2018) genutzt, um möglichst viele Tierversuche zu verhindern. Zusammen mit der ECEAE haben wir Toxikologen angestellt oder beauftragt, die Testvorschläge zu kommentieren. Von 2009 – 2015 haben wir von 1.500 Testvorschlägen, die die ECHA zur Kommentierung veröffentlicht hat, 540 kommentiert (35%). 2018 kamen 60 weitere hinzu, die in dieser Auswertung allerdings noch nicht enthalten sind.

In einer Auswertung von 2015 hatten wir 50 erfolgreiche Kommentare ermittelt, die 35.752 Tieren das Leben gerettet haben (1). Jetzt wird klar, dass insgesamt 76 Interventionen erfolgreich waren, die Tierversuche an mindestens 80.527 Tieren – meist Ratten sowie einigen Fischen – verhindert haben.

Der Grund für diese lange Verzögerung ist, dass es sich bei vielen der verhinderten Tests um Zwei-Generationen-Reproduktions-Toxizitätsstudien handelt. Auf OECD-Ebene wurde stattdessen ein Ein-Generationen-Test anerkannt und es bestand Uneinigkeit darüber, ob dies auch für REACH gelten soll. Dies gab der chemischen Industrie Gelegenheit, unsere Kommentare zu berücksichtigen und ihre Testvorschläge ganz zurückzuziehen.

Die Kommentare wiesen die Hersteller entweder darauf hin, dass der Test gemäß REACH gar nicht erforderlich war, dass die geforderten Daten bereits vorhanden waren, dass Daten von ähnlichen Stoffen bereits vorhanden war („Read across“) oder dass aufgrund der Eigenschaften des Stoffs die Tierversuche entfallen können. Kommentare bezüglich des Einsatzes tierversuchsfreier Methoden waren in keinem einzigen Fall erfolgreich, d.h. die ECHA lehnte solche Hinweise ab.

Beispiele von verhinderten Tierversuchen

  • Eine Firma wollte TNT in einer 90-Tage-Inhalationsstudie an 120 Ratten testen. Wir argumentierten, dass die Gefährlichkeit des Sprengstoffs bereits hinreichend bekannt ist. Der Hersteller zog seinen Antrag zurück.
  • Der Wasserenthärter Pentanatriumtriphosphat, der in Haushalts- und Industriereinigungsmitteln vorkommt, sollte in einer 90-Tage-Inhalationsstudie an Ratten getestet werden. Unsere Toxikologen fanden Daten aus einer alten 6-Monats-Studie. Die Firma zog ihren Antrag zurück, was 120 Ratten einen qualvollen Tod ersparte.
  • In einem anderen Fall sollte Cresol, das für die Gummiherstellung verwendet wird, in einer Zwei-Generationen-Studie an 2.200 Ratten auf ihre Giftigkeit für die Nachkommen getestet werden. Unsere Experten fanden heraus, dass der Stoff gar nicht in der Menge produziert wird, für die dieser Test vorgeschrieben ist, so dass er aus juristischen Gründen entfallen konnte.

Einspruchsfälle

Tierversuche an weiteren 6.360 Tieren konnten durch die Unterstützung von Einspruchsfällen verhindert werden. Manche Firmen gingen gegen Auflagen der ECHA vor, bestimmte Tierversuche durchführen zu müssen. Die ECEAE-Experten halfen den Firmen dabei und waren in mindestens 6 Fällen erfolgreich.

Draize-Test gestrichen

Jahrelange Interventionen der ECEAE-Wissenschaftler haben dazu geführt, dass im Mai 2016 die EU den Haut- und Augenreizungstest an Kaninchen („Draize-Test“) aus REACH strich. Dieser grausame Test, bei dem Kaninchen die Substanz auf die geschorene Rückenhaut oder in die Augen gerieben wird, fand Eingang in REACH, obwohl seit 2009 tierversuchsfreie Testmethoden von der EU anerkannt sind. Die erfolgreiche, wenn auch viel zu späte Streichung des Tests aus REACH hat etwa 18.000 Kaninchen Leid und Tod erspart.

Positive Bilanz

Insgesamt blicken wir so auf eine Bilanz von mindestens 104.887 Ratten, Kaninchen und Fischen, die dank unseres ehrgeizigen Projekts vor Tierversuchen gerettet werden konnten. Bei der letzten Auswertung vor drei Jahren waren wir von 58.000 Tieren ausgegangen.

In etwa anderthalb Jahren erfolgt die letzte Auswertung der zuletzt kommentierten 60 Tierversuchs-Vorschläge. Die Zahl der geretteten Tiere könnte sich also noch deutlich erhöhen.

Dr. med. vet. Corina Gericke

Quellen

(1) Taylor K: Ten Years of REACH — An Animal Protection Perspective. ATLA 2018; 46: 347–373

Weitere Infos

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