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NEUIGKEITEN

Menschliche Lungen-Organoide sind ein ideales Testsystem für die Corona-Infektion

 
 Symbolbild: Der Lungenchip der Fa. EMULATE Inc., Boston, USA - Foto: EMULATE, Inc. 

Forschungen des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin

05.05.2020

Klare Worte vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie: die hauseigene Meldung bezeichnet humane Lungen-Organoide als „ideales Testsystem“, um Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus zu simulieren und daran mögliche Medikamente zu testen.

Die Lungenorganoide im Berliner Labor werden aus gesunden Zellen gezüchtet, die aus Biopsien von menschlichen Patienten stammen. Dies spiegelt die reale Situation besser wider als wenn die oft in Kulturen eingesetzten Tumorzelllinien verwendet werden. Schließlich ist das Atmungssystem erstmal gesund und erkrankt durch eben die Infektion mit dem Virus. Die Organoide bilden beide speziellen Zellarten aus, die für den Gasaustausch und die Aufrechterhaltung der Lungenbläschen essentiell sind. Letztere werden als Typ-2-Pneumozyten bezeichnet – diese sind es auch, die einen bestimmten Rezeptor ausbilden, an den das SARS-CoV-2-Virus andockt und so eine Zelle infiziert. Es handelt sich also um eine Art Türöffner, durch den das Virus in eine Zelle eindringen kann. Damit bilden sie das ideale Modell, um eine Infektion mit dem Corona-Virus zu simulieren. Zudem können nach Infektion potenzielle Medikamente auf ihre Wirksamkeit getestet werden.

Der Vorteil besteht nicht nur darin, dass die Forschung den Menschen – und nicht irgendeine Tierspezies – im Fokus hat: Ergebnisse können in einem Bruchteil der Zeit gewonnen werden; günstiger als Tierversuche sind sie zudem auch noch. Grund genug, in solche leidfreien, humanbasierten Hightech-Methoden viel Geld zu investieren, wie man meinen sollte, was aber leider nicht der Fall ist – zumindest ist es absolut intransparent, wie Nachforschungen von ÄgT ergeben haben. (Infos zur Förderung der Corona-Forschung >>)

Tierversuchsergebnisse lassen sich nachgewiesenermaßen nicht auf den Menschen übertragen – zudem dauern sie extrem lange, was man sich insbesondere bei einer Pandemie, wie wir sie aktuell erleben, nicht erlauben kann.

Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, in der der zeitliche Faktor so drängend ist wie nie, muss die Forschung gefördert werden, welche schnell verlässliche Ergebnisse bringt; Ergebnisse, die nicht nur für eine Tierart gelten, sondern für die Menschen. Dass diese Dringlichkeit, die prinzipiell ja immer besteht, die letzten Jahre massiv von den Fördergeldvergabeinstitutionen missachtet wurde, ist wissenschaftlich inakzeptabel. Es bleibt zu hoffen, dass die Corona-Krise ein sogenannter Game Changer wird und die Forschungslandschaft radikal ändert, damit die humanbasierten Forschungsmethoden endlich die (finanzielle) Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

Dipl.-Biol. Julia Radzwill

Quelle:
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin: „Ein künstliches Lungenmodell als Testsystem für ein Corona-Medikament“, 09.04.2020 >>

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