Tierversuche noch lukrativer in Zeiten von Corona

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Tierversuche noch lukrativer in Zeiten von Corona

„Versuchstier“züchter nutzen die Krisensituation schamlos aus

08. April 2020 

Die aktuelle Covid-19-Pandemie bereitet enorme gesundheitliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen für Milliarden Menschen weltweit. Für manche „Versuchstier“züchter stellt aber die aktuelle Krisensituation eine gute Möglichkeit dar, skrupellos ihre Profite zu maximieren. So bietet das amerikanische Unternehmen Taconic mit Niederlassung in Köln eine Palette genetisch veränderter Mäuse mittels Rabatten und Werbe-Codes feil. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert diese wissenschaftlich und ethisch verwerfliche Praxis und fordert eine menschenrelevante Forschung für die Bekämpfung von Covid-19.

Die Covid-19-Pandemie, verursacht von dem neuen SARS-CoV-2 Coronavirus, breitet sich weltweit rasant aus und gefährdet sowohl die Gesundheit, als auch den Lebensunterhalt unzähliger Menschen. In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtiger denn je, gezielt und solidarisch nach Lösungen für diese Probleme zu suchen, hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen und wirksame, sichere Medikamente und Impfstoffe schnellstmöglich zu entwickeln. Doch während viele Menschen durch die Krise von der Pleite bedroht sind, beuten „Versuchstier“züchter die Situation aktiv und rücksichtslos aus, um sich noch mehr zu bereichern.

Mäuse als „Werkzeugkasten“ angepriesen

Das amerikanische Unternehmen Taconic Biosciences Inc. mit einer deutschen Niederlassung in Köln ist einer der größten Züchter genetisch veränderter Nagetiere für Tierversuchslabore weltweit. Aktuell bietet Taconic einen „Werkzeugkasten“ mehrerer „Mausmodelle“ an, die sich angeblich für die Erforschung des neuen Coronavirus eignen würden. Die Tiere werden von der Firma zu bloßen Werkzeugen degradiert und in einem ungeheuerlichen Katalog neben vorgeschlagenen „Versuchsansätzen“ gelistet. Nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich ist diese Vorgehensweise höchst verwerflich, da das neue Coronavirus Mäuse und andere Nagetiere natürlicherweise nicht infiziert. Um einige der menschlichen Covid-19-Symptome nachahmen zu können, werden die meisten Tiere bei Taconic auf verschiedene Weise genetisch verändert. Einzelne menschliche Gene werden bei Mäusen hinzugefügt oder verändert, um Ähnlichkeiten zu bestimmten menschlichen Merkmalen bei den Tieren zu schaffen. So werden sogenannte „humanisierte Mäuse“ hergestellt. Aus genetischer Sicht ist das aber unsinnig, weil es mehrere Tausend komplexe, vielfältige Unterschiede in den Genen, deren Regulation und in den entstandenen Genprodukten zwischen Maus und Menschen gibt. Die künstliche Veränderung von wenigen Genen kann deshalb keinesfalls Mäuse in kleine Stellvertreter der menschlichen Patienten umwandeln, was der Name „humanisierte Mäuse“ suggeriert.

Weder Medikament noch Impfstoff nach 17 Jahren

Die Mauslinien des „Werkzeugkastens“ von Taconic wurden nicht speziell für die Erforschung des aktuellen Coronavirus, sondern für die des verwandten SARS-CoV Coronavirus erzeugt, das den großen SARS-Ausbruch (Schweres akutes Atemwegssyndrom) von 2002 bis 2004 verursacht hat. Trotz unzähliger Tierversuche über mehr als 17 Jahren gibt es heute weder ein Medikament noch einen Impfstoff gegen SARS, was sicherlich auf die mangelhafte Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen zurückzuführen ist. Das ist ein eindeutiger Beweis dafür, wie ungeeignet solche Tierversuche im Kampf gegen das neue Coronavirus sind.

Rabattaktionen wider besseres Wissen

In seinen eigenen Beschreibungen gibt der Konzern zu, dass viele von den angebotenen Mäusen nicht einmal Krankheitssymptome entwickeln. Trotzdem versucht die Firma die Forscher mit allen Mitteln davon zu überzeugen, möglichst viele Tiere zu kaufen. Taconic benutzt dabei mehrere Marketingstrategien, um sich den besten Profit zu sichern. So wird mit Sonderrabatten und „so lange der Vorrat reicht“-Deals geworben. Sogar das „InThisTogether“ Hashtag, ein internationales Zeichen der Solidarität für die am stärksten vom Virus betroffenen Menschen, wird von der Firma als Werbe-Code beim Kauf mehrerer Tiere benutzt. Diese wissenschaftlich und ethisch verwerfliche Praxis zeigt nicht nur eine äußerst respektlose Einstellung gegenüber dem Leben der Tiere, sondern eine haarstäubende Missachtung der Patienten, die dringend zuverlässige Medikamente brauchen. Denn langwierige, ineffiziente und teure Tierversuche verbrauchen wichtige Ressourcen in Form von Finanzen und Forschungskräften, die sonst für die direkte Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus mittels menschenrelevanterer Systeme benutzt werden könnten.

Unterfinanziert: aussichtsreiche Methoden

Moderne humanbasierte Forschungsmodelle wie hochdurchsatz-fähige In-vitro- und In-silico-Verfahren stellen im Gegensatz zu Tierversuchen sinnvolle Perspektiven für die Medikamenten- und Impfstoffentwicklung gegen das Coronavirus dar. Allerdings werden diese vielversprechenden Methoden nicht ausreichend finanziert. In Deutschland wird weniger als 1 % der öffentlichen Fördermittel im Bereich der biomedizinischen Forschung für die Entwicklung und Anwendung menschenbasierter tierversuchsfreier Methoden vergeben, die restlichen > 99 % dienen der Finanzierung von Tierversuchen, wie z. B. auch solche mit Mäusen von Taconic. Ärzte gegen Tierversuche fordert eine sofortige Umwidmung der Fördergelder und eine verantwortliche, menschenrelevante biomedizinische Forschung, die die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie voranbringt und dabei den Menschen im Fokus stellt.

Dr. rer. nat. Dilyana Filipova

Quelle:

Taconic Biosciences' coronavirus (COVID-19) toolkit, https://www.taconic.com/taconic-biosciences-coronavirus-covid-19-toolkit.html, abgerufen am 06.03.2020 

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