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Jeder Fünfte stirbt wegen ungesunder Ernährung

Umfangreiche globale Bevölkerungsstudie

Im renommierten Fachblatt The Lancet sind die Ergebnisse einer umfangreichen Bevölkerungsstudie veröffentlicht worden. Demnach sterben weltweit jedes Jahr 11 Millionen Menschen – das ist jeder fünfte Todesfall – aufgrund ungesunder Ernährung: zu viel rotes Fleisch, Wurst und Salz und zu wenig Obst, Vollkornprodukte und Nüsse. Kein Tierversuch kann solche elementaren Erkenntnisse hervorbringen.

Es gibt viele wissenschaftliche Ansätze, die besser geeignet sind als Tierversuche, um menschliche Krankheiten zu erforschen und zu bekämpfen. Hierzu zählen neben humanbasierten Forschungsmodellen wie Multi-Organ-Chips auch Humanstudien mit gesunden und kranken Probanden sowie Bevölkerungsstudien. Sind solche Studien groß genug angelegt und gut durchdacht, dann liefern sie zweifelsohne die wertvollsten und zuverlässigsten Erkenntnisse, die man für die menschliche Gesundheit und Medizin gewinnen kann.

Therapieansätze und Medikamente für menschliche Erkrankungen zu entwickeln ist von hoher Relevanz, jedoch ist es unumstritten, dass viele der heutigen Volkskrankheiten durch eine ungesunde Ernährung begünstigt werden. Ebenso kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung viele Krankheiten vorbeugen und eine Heilung unterstützen. Die Entstehung von Typ-2-Diabetes wird beispielsweise maßgeblich beeinflusst durch eine zucker- und fettreiche Ernährung und durch Bewegungsmangel.

Im renommierten Fachjournal The Lancet ist vor kurzem eine groß angelegte globale Bevölkerungsstudie erschienen, die das Ernährungsverhalten der Menschen in 195 Ländern über 20 Jahre hinweg analysiert hat. Zudem wurden Zusammenhänge mit Todesfällen hergestellt, die durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs verursacht wurden. Hierzu hat das Forscherteam eine detaillierte Analyse bereits publizierter Daten aus diversen Humanstudien zum Thema Ernährung und ernährungsbedingter Erkrankungen sowie Mortalität einheitlich ausgewertet. Konkret untersucht wurde der Einfluss 15 verschiedener Ernährungsweisen, die sich bekanntermaßen negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken, darunter „wenig Obst“, „wenig Nüsse und Saaten“, „viel rotes Fleisch“, „wenig Vollkornprodukte“ und „viel Salz“. 11 Millionen Menschen sterben weltweit jährlich aufgrund solcher ungesunder Ernährung.

Die Analysen der Forscher ergeben, dass die meisten Todesursachen weltweit mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert sind, wofür hauptsächlich ein zu hoher Salzkonsum verantwortlich ist (Empfehlung: 3 g/Tag). In unserer westlichen Welt ist dies ein großes Problem, da hohe Mengen an Salz in vielen gekauften Lebensmitteln und vor allem in Fertigprodukten stecken. Am besten kann man den Salzgehalt kontrollieren und minimieren, indem man sich Zeit nimmt und Speisen selbst zubereitet. Weitere Haupt-Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. dadurch bedingten Todesfällen sind zu niedrige Mengen an Vollkornprodukten (Empfehlung: 125 g/Tag), Obst (Empfehlung: 250 g/Tag), sowie Nüssen und Saaten (Empfehlung: 21 g/Tag).

Insgesamt sind die Auswertungen der Studie zur Ernährungsweise der Westeuropäer erschreckend. Demnach essen wir hierzulande unter anderem deutlich zu wenig Obst und Gemüse (ca. 50% der täglich empfohlenen Menge), Vollkornprodukte (ca. 30% der Empfehlung), Hülsenfrüchte (ca. 10%) sowie Nüsse und Saaten (ca. 20%). Dahingegen konsumieren wir u.a. zu viel rotes Fleisch, Wurstwaren und gesüßte Getränke – mindestens doppelt so viel, wie empfohlen wird. Im Prinzip kann man sagen, wir essen von allem, was gesund ist, viel zu wenig und von den ungesunden Dingen viel zu viel.

Wie sich eine bestimmte Ernährungsweise auf die menschliche Gesundheit auswirkt, lässt sich in keinem Tierversuch zuverlässig abbilden. Dennoch gibt es zahlreiche tierexperimentelle Fütterungsstudien, in denen Mäusen oder Ratten Spezialfutter verabreicht wird, das beispielsweise reich an Fett und Zucker ist und die heutige ungesunde Ernährung der westlichen Welt widerspiegeln soll. Häufig werden dann noch spezielle „Tiermodelle“ mit genetischen Mutationen oder durch Giftinjektionen für derartige Versuche eingesetzt, um die Entstehung von Diabetes oder Adipositas (Fettleibigkeit) zu untersuchen. Der Organismus von Nagetieren ist evolutionär bedingt jedoch auf eine vollkommen andere Ernährung spezialisiert und eine Maus würde von Natur aus niemals Diabetes entwickeln. Eine Maus mit Gendefekt oder vergifteter Bauchspeicheldrüse, die wenige Wochen eine vollkommen unnatürliche bzw. artfremde Diät erhält und sich kaum bewegen kann, soll die Entstehung einer hochkomplexen Volkskrankheit wie Diabetes abbilden, die sich häufig über Jahrzehnte hinweg entwickelt? Tiere in solchen Versuchen spiegeln weder ihre eigene Art noch die Lebensweise eines Menschen der westlichen Welt wider. Da wundert es nicht, dass die teilweise ernährungsbedingten Volkskrankheiten, die in der aktuellen Bevölkerungsstudie untersucht wurden, nach jahrzehntelanger Forschung an Tieren immer noch nicht bekämpft sind und die Patientenzahlen weiterhin steigen.

Quelle:

GBD 2017 Diet Collaborators. Health effects of dietary risks in 195 countries, 1990–2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet 2019. Doi: 10.1016/S0140-6736(19)30041-8

Dr. Tamara Zietek

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