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Geklonte Affen in China

Ärzteverein spricht von „Frankensteinforschung“

30. Januar 2019

In China wurden erstmals genmanipulierte Affen geklont, vorgeblich für eine Verbesserung der biomedizinischen Forschung, indem individuelle Unterschiede wegfallen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche sieht darin – abgesehen von dem damit verbundenen immensen Tierleid – in Zeiten der individualisierten Medizin eine völlige Fehlentwicklung.

In Schanghai sind vor einigen Tagen 5 geklonte Langschwanzmakaken mit einem absichtlich hervorgerufenen Gendefekt auf die Welt gekommen. Spender war ein männlicher Affe, bei dem mittels Genveränderung ein entscheidender Stoff für die Regelung des Biorhythmus ausgeschaltet wurde.

Im Rahmen des Klonens werden weiblichen Tieren Eizellen entnommen und deren Zellkerne, in denen sich das Erbgut befindet, entfernt. Anschließend werden dort die Zellkerne aus Körperzellen des Spenders eingefügt. Nach „Einpflanzung“ dieser zusammengesetzten Zellen in Muttertiere sollen dann lebensfähige Organismen heranwachsen, die genetisch gesehen eine „Kopie“ des Tieres darstellen, dem die Körperzellen entnommen wurden.

„Dieser ganze Vorgang ist mit extremen Leid verbunden“, so Dr. med. vet. Gaby Neumann von Ärzte gegen Tierversuche. Nicht nur die Entnahme und das Wiedereinpflanzen der Eizellen sind Manipulationen an den beteiligten Tieren. Hinzu kommt, dass das Klonen einen sehr hohen Verbrauch an Leben darstellt. Denn nicht aus jedem Embryo entsteht ein lebensfähiger Affe. Für die „erschaffenen“ fünf Makaken wurden 300 Embryos „verbraucht“, die in Dutzende von Leihmuttertieren eingepflanzt wurden. Viele der geklonten Neugeborenen sterben. Die Überlebenden haben oft ein defektes Immunsystem, leiden häufiger an Herz- oder Atemwegserkrankungen sowie Muskel- und Gelenkproblemen.

Eine extrem gefährliche und ethisch fragwürdige Entwicklung stellt auch die erstmalige Zusammenführung von zwei Manipulationstechniken dar: Gentechnische Veränderung und Klonen von Lebewesen. Für die „Herstellung“ des Spendertieres wurden sogenannte „Knock out“-Affen erzeugt. Bei ihnen wurde mit der Genschere Crispr/Cas ein Gen entfernt. Ohne dieses Gen sind die Affen besonders anfällig für eine Reihe von Krankheiten, da ihre innere Uhr nicht mehr richtig funktioniert. Als Spendertier wurde dann der Affe mit den stärksten Symptomen ausgesucht, d.h. bei den neugeborenen Affen handelt es sich ebenfalls um sehr krankheitsanfällige „Knock out“-Tiere.

Laut den chinesischen Forschern sollen die „erschaffenen“ Klon-Affen die biomedizinische Wissenschaft voranbringen, da so falsche Forschungsergebnisse durch genetische Variationen ausgeschlossen werden können. Denn das Erbmaterial von Individuen einer Art unterscheide sich in den Details erheblich und würde es so schwer machen, Medikamente zu entwickeln, die bei jedem wirken. „Diese Begründung für die „Vorteile“ des Klonens ist absolut nicht nachvollziehbar“, erklärt Gaby Neumann. „Denn wenn schon Individuen einer Art so unterschiedlich sind, wie kann man dann erwarten, dass Ergebnisse zwischen zwei verschiedenen Arten wie Affe und Mensch übertragbar sind? Außerdem ist doch gerade die Individualität des Menschen von Bedeutung. Wo bitte gibt es geklonte Menschen mit völlig gleichartigen Reaktionen? Die dann am besten noch in einer Umwelt wie unter Laborbedingungen leben.“

Nicht nur, dass diese Entwicklung aus ethischen Gründen nicht zu rechtfertigen ist, denn Lebewesen werden zu bloßen, beliebig manipulierbaren Objekten degradiert. Auch bedeutet sie einen Schritt in die falsche Richtung. Überall spricht man von individualisierter Medizin. „Der Fokus der Biomedizin sollte auf dem Menschen liegen und nicht in einer Frankensteinforschung“, so Neumann. Denn hochmoderne Methoden wie Multiorganchips, Miniorgane, Computersoftware mit künstlicher Intelligenz und bildgebende Verfahren lassen im Gegensatz zum Tierversuch effektive und individuelle Ergebnisse erzielen.

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