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NEUIGKEITEN

Tierversuchsfreie Forschung

Anhörung im saarländischen Landtag

20. September 2016

Am 31.8.2016 fand im Landtag des Saarlandes eine Anhörung zur derzeitigen Neuregelung des Hochschulrechts statt. Unsere Ärztevereinigung ist einer Bitte um Einschätzung der Möglichkeit einer gesetzlichen Verankerung der tierversuchsfreien Forschung gefolgt und brachte im Vorfeld eine ausführliche schriftliche Stellungnahme zum Gesetzentwurf ein. Zudem nutzten wir die Gelegenheit im Rahmen der mündlichen Anhörung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Technologie unsere Kernanliegen vorzutragen, zu begründen und zur Diskussion zu stellen.

Dipl. Biologin Silke Strittmatter, wissenschaftliche Mitarbeiterin unseres Vereins, erläuterte bei der Anhörung die fragwürdige Validität von Tierversuchen und zeigte zahlreiche Optionen für die Stärkung und Verankerung der modernen tierversuchsfreien Forschung im Gesetzentwurf auf.

So wurde auf aktuelle Studien hingewiesen, die dem Tierversuch eine Versagensquote von 92-95 % attestieren. Zwar wird im Gesetzentwurf die anwendungsorientierte Forschung thematisiert, hierbei jedoch lediglich darauf abgehoben, dass die Ergebnisse von Forschungsvorhaben in absehbarer Zeit veröffentlicht werden sollen. Die Anzahl an Publikationen wird üblicherweise genutzt, um weitere Gelder einzuwerben, jedoch sollte unserer Auffassung nach im Rahmen der biomedizinschen Forschung und Lehre der Schwerpunkt nicht in einer Verlängerung der Publikationsliste liegen, sondern in einer ethischen und klinisch anwendungsorientierten Forschung, die beispielsweise mittels patientenspezifischer Forschung, u.a. der Krebsforschung an humanem Tumormaterial, ohne Tierversuche zu relevanten Ergebnissen gelangt.

Mit Bezug auf die studentische Ausbildung an der Hochschule wurde die Problematik aufgezeigt, dass in Deutschland ein tierverbrauchsfreies Studium beispielsweise der Biologie, Medizin oder Tiermedizin weitgehend noch immer nicht möglich ist, in der Praxis also die Lehrfreiheit dem Recht auf freie Berufswahl, Gewissensfreiheit und dem Staatsziel Tierschutz übergeordnet wird. Eine Verpflichtung der Hochschulen, eine tierversuchsfreie Ausbildung zu ermöglichen, wäre auch im Sinne des Gesetzentwurfs wünschenswert, welcher besagt, dass die Inanspruchnahme der Freiheit der Forschung, der Lehre und des Studiums nicht von der Rücksichtnahme auf Rechte anderer entbindet.

Darüber hinaus regte unser Verein die saarländische Politik an, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass Tierversuche in der Ausbildung – wie von der EU vorgeschrieben - einer Genehmigungspflicht unterstellt werden und nicht, wie in Deutschland geschehen, einer bloßen Anzeigepflicht gegenüber der Behörde.

Strittmatter nannte zudem mögliche Maßnahmen, der tierversuchsfreien Forschung mehr Bedeutung beizumessen. Denkbar ist die Einrichtung eines zielgerichteten Förderetats für tierversuchfreie Forschung, dessen Höhe sich an den für Tierversuche bereit gestellten Mitteln orientieren sollte. Eine zentrale Rolle kann der Etablierung eines entsprechenden Lehrstuhls zukommen, sofern bei der inhaltlichen Ausrichtung der Schwerpunkt auf rein tierversuchsfreie Forschung gelegt wird, etwa Humanmaterial, Computersimulationen und Organchips, und nicht etwa die „Reduzierung und Verfeinerung“ von Tierversuchen.

Unser Ärzteverein begrüßt es sehr, dass der Wissenschaftsausschuss aus Eigeninitiative für seine weiteren Beratungen eine Expertise zum Thema tierversuchsfreie Forschung eingeholt hat – in der politischen Landschaft wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Bereits das Gespräch mit der saarländischen Ministerpräsidentin Ende 2015, das unsere AG Saarland initiiert hatte, war fruchtbar und wir wünschen uns auch in anderen Bundesländern ein solches Interesse.

Stellungnahme >>

Treffen mit saarländischer Ministerpräsidentin >>

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