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Wissenschaftliche Studien

Ergebnisse aus Krebs-Tierversuchen führen in die Irre

Die Autoren eines Diskussionsbeitrags zum Thema „Welche Mittel verursachen Krebs?“ des British Medical Journals argumentieren sehr deutlich gegen Tierversuche in der Krebsmedizin.

Obwohl bereits Billionen Dollar in den Kampf gegen Krebs investiert wurden, sei Krebs noch immer die zweithäufigste Todesursache. Vierzig Prozent der Menschen würden eines Tages an Krebs erkranken und die Hälfte davon sterbe auch daran. Das sei eine Größenordnung, bei der man sich offen fragen müsse, ob die bisherigen Strategien und daraus resultierende wie praktizierte Methoden effizient genug waren. Millionen Tiere wurden zu diesem Zweck im Labor geopfert und Tausende Chemikalien wie auch potenzielle Arzneimittel wurden als krebserregend (karzinogen) beschrieben. Aber sind die Ergebnisse aus Tierversuchen wirklich aussagekräftig für die Krebsmedizin des Menschen?

Um dieser Fragestellung nachzugehen haben die Autoren dieses Beitrags die Datenbank IRIS für toxische Chemikalien genauer betrachtet. IRIS steht für „Integrated Risk Information System“ und wird geführt von der amerikanischen Überwachungsbehörde EPA (Environmental Protection Agency, Umweltbehörde).

Für die meisten Chemikalien fehle es an Daten für die Wirkung am Menschen und es gäbe lediglich Ergebnisse zum krebserregenden Potenzial aus Tierversuchen. Hierbei seien aber laut EPA 58% der Datensätze unzureichend, um eine Bewertung für die Wirkung am Menschen vorzunehmen. Aber waren die übrigen 42% wirklich geeignet, um gute Vorhersagen zu treffen? Dazu haben die Autoren die Klassifikationen zur krebserregenden Eigenschaft (Karzinogenität) von Chemikalien der EPA mit denen der weltweit führenden IARC (World Health Organization`s International Agency for Research on Cancer, Internationale Agentur für Krebsforschung) verglichen. Die Ergebnisse waren beunruhigend. Im Fall von 128 Chemikalien waren die Bewertungen bzgl. der Karzinogenität beim Menschen lediglich für 17 Substanzen übereinstimmend. Die übrigen 111 Chemikalien wurden von der EPA weit krebserregender eingestuft als von der IARC. Die EPA scheint dazu zu tendieren, das krebserregende Risiko von Substanzen über zu bewerten. Dies sei vermutlich begründet in der Tatsache, dass Humandaten fehlen und zudem in Amerika sehr hohe Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden, wenn es in der Medizin zu Unglücken kommt. Diesbezüglich hätten Tierversuche eine lange Tradition und nahezu jede für den Menschen krebserregende Substanz erzeuge auch in Tieren Tumore, solange nur ausreichend verschiedene Tierarten getestet werden. Doch wenn man ausreichend viele Tierarten testet, würde eine Karzinogenität für eine Substanz auch dann gefunden, wenn gar kein Risiko für den Menschen besteht. Von 20 für den Menschen nicht krebserregenden Substanzen zeigten 19 in Tierversuchen krebserregende Wirkung.

Das Problem mit Tierversuchen zur Karzinogenität von Chemikalien sei nicht die mangelnde Empfindlichkeit für humane Karzinogene, sondern die fehlende Spezifität. Ein positives Ergebnis im Tierversuch hätte demnach wenig Vorhersagekraft für die Wirkung am Menschen. Ein Grund dafür sei beispielsweise die unphysiologische Durchführung von chronischen Hoch-Dosis- Tests, welche Faktoren wie z.B. die natürliche Geweberegeneration völlig außer Acht ließe.

Weiter seien der hohe Zeit- und Kostenfaktor (kostspielige und langwierige Tierversuche) wie natürlich das große Leiden der Tiere in diesem Bereich ein Nachteil. Moderne Alternativen würden bereits existierten und es sei unerklärlich, wie langsam die Zulassungsbehörden bei der Akzeptanz neuer Methoden agieren. Da jedes Jahr ca. 400 neue Medikamente eingeführt werden, sei dringend ein radikales Umdenken im Vertrauen auf weiteres Testen von Substanzen an Tieren nötig! Die Entwicklung und Anwendung schneller und zuverlässiger tierversuchsfreier Methoden würde das Krebsproblem in der Gesellschaft verringern, so die Autoren.

Quelle: 

Andrew Knight, Jarrod Bailey und Jonathan Balcombe. Which drugs cause cancer? BMJ USA 2005 (5), 479

http://www.bmj.com/content/331/7521/E389.full.pdf+html

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