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Tierversuchsfreie Behandlungsmethoden bei Hirnhautentzündung

In der Erforschung von Infektionen des Gehirns und ihren Ursachen werden standardmäßig Affen und andere Tiere eingesetzt. An der Uni Liverpool hingegen untersucht ein Wissenschaftler-Team mögliche Behandlungsmethoden von Hirnhautentzündung mit tierversuchsfreien Methoden. Hierbei machen sich die Forscher eine In-vitro Hirn-Blut-Schranke zu Nutze, um die durch Viren ausgelöste Hirnhautentzündung im Reagenzglas anstatt am lebenden Tier zu studieren.

Viele Menschen sind von einer viralen (durch Viren verursachten) Hirnhautentzündung betroffen und leiden unter oft fatalen Folgen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie die Viren das menschliche Hirn schädigen und auf welchem Weg sie überhaupt in das Gehirn gelangen. Normalerweise verfügt das Gehirn über einen natürlichen Schutzmechanismus, die so genannte Blut-Hirn-Schranke, die das Eindringen unerwünschter Viren vom Blut in das Gehirn verhindert.

Zur Untersuchung, wie diese Barriere überschritten werden kann, werden normalerweise Tiere herangezogen. Bei Makaken wird das Virus über die Nase eingeimpft, was zu Appetitlosigkeit, Zuckungen, Lähmungen, Komazuständen und schließlich zum Tod führt. Sehr häufig werden auch Mäuse für die Versuche eingesetzt. Anzeichen der Infektion sind bei ihnen unter anderem gelähmte Beine, ein gekrümmter Rücken, struppiges Fell, eine herabgesetzte Aktivität und gelegentlich Krämpfe. Abgesehen von der generellen ethischen Unvertretbarkeit der Tierversuche, machen die sehr großen artspezifischen Unterschiede solche Hirnexperimente zu einem extrem unzuverlässigen »Modell« für die Erforschung der Ursachen menschlicher Erkrankungen und der Etablierung mögliche Therapien zur Heilung.

An der Liverpooler Universität geht man nun fortschrittlicher Wege, die im Gegensatz zu den beschriebenen Tierversuchen hinsichtlich des Erkenntnisgewinns für Menschen viel versprechend sind. Denn es wurde ein künstliches Modell zu Simulation der Blut-Hirn-Schrank entwickelt, das aus menschlichen Hirnzellen besteht. In diesem System werden die Wirkungen des Virus und der Entzündung auslösende Proteine, die von dem Virus gebildet werden, analysiert.

Im Rahmen des Projekts soll außerdem das Blut-Hirn-Schranken-System weiter verbessert werden, um die tatsächliche Situation noch besser nachbilden zu können. In dem Zellmodell können ganz ohne Tierqual die verschiedensten neuen Behandlungsmöglichkeiten ausprobiert werden. Zudem kann der Ursache der menschlichen Erkrankung viel besser auf den Grund gegangen werden als am Tier, da die menschliche Zellen aussagekräftigere Ergebnisse liefern als Untersuchungen am falschen »Modell«.

19.7.2010
Silke Bitz

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