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Tierversuche an Affen

Der Fall Bremen

Aktuelle Pressemitteilungen

4. Februar 2014 Bundesverwaltungsgericht erlaubt Tierquälerei - Bremer Affen müssen weiter leiden >>

28. März 2013
Streit um Affenhirnversuche geht weiter: Bremer Senat nimmt Skandalurteil nicht hin >>

11. Dezember 2012 Vernichtendes Gerichsturteil in Bremen: Affenqual weiter erlaubt >>

18. November 2011 Bremer Behörde untersagt Hirnforschung an Affen: Ärztevereinigung begrüßt Entscheidung >>

19. Mai 2010 Gerichtsverhandlung über Bremer Affenversuche - Ärztevereinigung verurteilt die Versuche als Verstoß gegen das Grundgesetz >>

09. Juli 2008 Über eine Million Euro Steuergelder für Affenversuche - Bremer Hirnforscher Kreiter will Fortführung der umstrittenen Tierversuche notfalls einklagen >>

 

Seit 1997, seit Hirnforscher Andreas Kreiter an die Uni Bremen berufen wurde, gibt es vehementen Widerstand dagegen. Dank der unzähligen Proteste zehntausender Bürger reagierte die Politik. Die Bremer Bürgerschaft beschloss einstimmig einen geordneten Ausstieg aus den Affenversuchen. Bislang war Kreiters Genehmigung alle drei Jahre verlängert worden. Die letzte Verlängerung lief am 30. November 2008 aus.

Möglicher Nutzen gleich Null

Im Oktober 2008 verweigerte die für Tierschutz zuständige Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) die Verlängerung der Genehmigung. Die rot-grüne Bremer Landesregierung hat vor allem ethische Bedenken. Der Tierschutz überwiege gegenüber dem möglichen Nutzen der Versuche. Laut Tierschutzgesetz müssen Tierversuche »unerlässlich« und "ethisch vertretbar" sein. Auch wird durch die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz und der Bremer Landesverfassung dessen Bedeutung unterstrichen.

Kreiter pocht dagegen auf seine grundgesetzlich garantierte Forschungsfreiheit. In einer beispiellosen Medienkampagne stellt sich der Hirnforscher als Opfer der Politik und des Tierschutzes dar. Epilepsiekranken wolle er helfen. Wollen kann man vieles. Doch niemand kann Kreiters Behauptungen nachprüfen. Versuche an Affen geben allenfalls Aufschluss über die Funktion des Affenhirns. Eine mögliche Behandlung von Alzheimer oder Epilepsie ist nur vorgeschoben. Tatsächlich handelt es sich um reine Grundlagenforschung ohne praktischen Bezug. Der Nutzen für kranke Menschen gleich null.

Unerträgliche Leiden

Auch behauptet Kreiter, die Affen würden nicht leiden. Ihre Haltung sei international vorbildlich und auch in der freien Wildbahn würden Affen auch nicht ständig trinken. Die Tiere werden über Jahre konditioniert, für einen Tropfen Saft in einen Primatenstuhl zu steigen und sich den Kopf an einem zuvor implantierten Bolzen anschrauben zu lassen. So fixiert müssen sie jeden Tag mehrere Stunden auf einen Bildschirm blicken und Hebel drücken. Was Kreiter verharmlosend als "Training" bezeichnet, würde man beim Menschen Folter nennen. Die Tiere werden durch permanenten Durst dazu gezwungen, Dinge auszuhalten, die Menschen als unerträglich empfinden würden. Dem Betrachter, den Kreiter großzügig durch sein Labor führt, erschließt sich die Qual der Tiere nicht. Durst kann man nicht sehen.

Finanziert wird das alles aus Mitteln des Bundesministeriums für Forschung und Technologie, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der EU sowie diverser Stiftungen. Erst im Juli 2008 bewilligte die DFG erneut 1,2 Millionen Euro für die Affenversuche der Uni Bremen. Die DFG wird aus öffentlichen Geldern von Bund und Ländern finanziert.

Die Ablehnung der Genehmigung durch den Bremer Senat ist als Meilenstein zu werten. Es kann nicht angehen, dass ein aus öffentlichen Mitteln bezahlter Forscher sich einfach über gesellschaftliche Werte und demokratische Prinzipien hinwegsetzt. Die Forschungsfreiheit auf Kosten leidensfähiger Tiere muss endlich in die Schranken gewiesen werden.

Langwieriger Rechtsstreit

Anders als in Berlin und München, wo gleichartige Tierversuche ohne große Gegenwehr der Forscher von den zuständigen Behörden unlängst abgelehnt wurden, droht in Bremen ein jahrelanger erbitterter Rechtsstreit. Mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Uni Bremen im Rücken will Kreiter bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen. Die Forschungsszene fürchtet zukünftig Einschnitte in die bislang grenzenlose Freiheit der Wissenschaft. Es wird ein juristischer Präzedenzfall werden, der sich auf die Genehmigungspraxis von Tierversuchen auch über die Landesgrenzen hinaus auswirken kann.

Gegen die Ablehnung der Genehmigung durch die Bremer Gesundheitsbehörde legte der Hirnforscher Widerspruch ein und beantragte gleichzeitig beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung, die ihm die Fortführung der Versuche erlauben sollte, solange bis der Rechtsstreit beendet ist. Das kann jedoch Jahre dauern.

Im Dezember 2008 entschied das Verwaltungsgericht Bremen, dass die Versuche längstens bis zwei Monaten nach Zustellung des Widerspruchsbescheides des für die Genehmigung zuständigen Gesundheitsressorts fortgeführt werden dürfen. Im August 2009 erfolgte die Zustellung des Bescheides. Die Genehmigungsbehörde erteilte den Primatenversuchen darin erneut eine Absage. Im Oktober 2009, unmittelbar vor Ablauf der zweimonatigen Frist, erlaubte das Bremer Verwaltungsgericht in einer vorläufigen Entscheidung die Fortführung der Versuche. Das heißt, bis zu einer endgültigen Entscheidung darf Kreiter die Affen weiterhin quälen - ohne eine behördliche Genehmigung nach § 15 Tierschutzgesetz dafür zu haben. 

Am 28. Mai 2010 hob das Bremer Verwaltungsgericht den Ablehnungsbescheid der Genehmigungsbehörde auf, der dem Forscher eine Fortführung seiner Tierversuche untersagt hatte. Das Gericht gab der Behörde auf, die Ablehnung neu zu begründen. Die Behörde muss durch neue Gutachten die Belastung der Tiere sowie die Bedeutung des Forschungsvorhabens klären. 

Die Richter hatten in dieser ersten Verhandlung das Staatsziel Tierschutz völlig außer Acht gelassen und zeigten sich eher den Interessen der Universität zugeneigt. Der Freiheit der Forschung wurde offensichtlich ein höherer Rang eingeräumt als dem seit 2002 gleichwertig im Grundgesetz verankerten Tierschutz. Die Behörde legte gegen das Urteil Berufung ein.

Im August 2011 beantragte Kreiter die Fortführung seiner qualvollen Hirnversuche an Affen. Die derzeit noch gültige Genehmigung endet im November 2011, Kreiter strebte eine Verlängerung der Versuche bis 2014 an. Die zuständige Genehmigungsbehörde lehnte den Antrag nun erneut ab. Gestützt wird die Entscheidung von einem Gutachten des renommierten amerikanischen Psychologieprofessors John Gluck, dem zufolge das Leid der Affen als ‚moderat bis erheblich’ einzustufen und insbesondere der Wasserentzug als sehr belastend zu werten ist. Die Angaben Kreiters, die Affen würden nicht leiden, werden deutlich widerlegt. Die Universität kündigte unmittelbar an, Klage einzureichen.


Per Eilbeschluss vom 25.11.2011 hat das Oberverwaltungsgericht Bremen die Fortführung der laufenden Hirnversuche um ein Jahr, d.h. bis zum 30. November 2012, verlängert; der Beschluss bezieht sich nicht auf Kreiters Antrag auf neue Tierversuche, der von der Behörde am 3.11.2011 abgelehnt wurde. Grund für die Entscheidung des Gerichts war unter anderem, dass hier das Interesse des Forschers Vorrang vor dem Tierschutz habe, da es um Versuchsreihen gehe, die mit behördlicher Genehmigung begonnen und dann aufgrund einer einstweiligen Anordnung des Verwaltungsgerichts fortgeführt wurden. Nach Ansicht des Gerichts würde ein Abbruch der Versuche den Erfolg der bisher unternommenen Forschungsanstrengungen beeinträchtigen.

 

Von der ethischen Unvertretbarkeit dieser qualvollen Versuche einmal abgesehen, fehlen jegliche Nachweise über den Nutzen der Hirnforschung an Affen für die Entwicklung von Therapien für Menschen. Unter der pauschalen Prämisse, für die Menschheit bedeutende Forschungen zu betreiben, wurde hier höchstrichterlich das Staatsziel Tierschutz unzureichend berücksichtigt.

 

Am 11. Dezember 2012 die erschütternde Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bremen: Kreiter bekam Recht, darf weiter ungehindert Affen quälen. Nicht einmal eine Revision ließ das Gericht zu. Die Behörde legte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, welche jedoch mit Beschluss vom 20. Januar 2014 zurückgewiesen wurde. Damit ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen rechtskräftig und die Affen müssen weiterhin grausamste Torturen über sich ergehen lassen.

 


Weitere Informationen

Video über das Leid der Affen >>

In unserer Datenbank-Tierversuche haben wir zahlreiche Veröffentlichungen der Uni Bremen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften dokumentiert.

 

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