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Kosmetik

Tierversuche für Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel

Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel gehören nicht, wie man vielleicht denken mag, zu dem Bereich Kosmetik, sondern die Produkte und die einzelnen Inhaltsstoffe können unter das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz (1), unter die Detergenzienverordnung EG Nr. 648/2004 (2) sowie unter die REACH-Verordnung (3) fallen.

Hier sind Tierversuche zwar nicht in allen Fällen vorgeschrieben, aber definitiv nicht verboten.

Achtung: Zwar sind laut Tierschutzgesetz §7a Absatz 4 seit 1993 Tierversuche zur Entwicklung von Waschmitteln verboten, hier wird aber explizit nur von der Entwicklung und nicht von Giftigkeitstestungen gesprochen. Zudem sind selbst hier in Ausnahmefällen Tierversuche für Waschmittel durchführbar. (4)

waschmaschine

Unter dem Überbegriff Haushaltsprodukte versteht man u.a.

  • Waschmittel und -pulver
  • Geschirrreiniger
  • Handspülmittel
  • Haushaltsreiniger
  • Putzmittel
  • Möbelpolituren
  • Raumdüfte
  • Weichspüler
  • Imprägniermittel

Die Inhaltsstoffe, die in den meisten Putzmitteln vorkommen, sind Tenside, das sind waschaktive Stoffe, die bewirken, dass sich Wasser und Öl verbinden. Ein schmutziger Teller kann schließlich nicht allein mit Wasser gereinigt werden – die Zugabe eines tensidhaltigen Spülmittels bewirkt eine Vermengung der fetthaltigen Verschmutzung mit Wasser, so dass der Schmutz so ganz einfach abgewaschen werden kann.

Für die Inhaltsstoffe der verschiedenen Putzmittel müssen die Hersteller Daten vorlegen, die bescheinigen, dass die Stoffe und das Gesamtprodukt für Menschen, Tiere und Umwelt unbedenklich sind. Für diese Sicherheitstestungen sind Tierversuche nicht verboten – nicht jeder Hersteller führt diese dann auch durch, aber der Verbraucher kann sich auch nicht sicher sein, ob diese nicht doch im Namen der jeweiligen Firma stattfinden. 

Der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) nimmt dazu auf seiner Website Stellung und informiert, dass viele Tenside bereits lange auf dem Markt sind. Somit liegen für diese genügend Prüfdaten vor, so dass sich auf diese Datenfülle in den Sicherheitsdatenblätter der jeweiligen Waschmittel bezogen werden kann. In diesen Fällen sind dann keine neuen (Tier-)Versuche vorgeschrieben. (5) 

Haushaltsmittel ohne Tierversuche

Kaninchen werden Substanzen auf die geschorene Rückenhaut gerieben
Kaninchen werden Substanzen wie Wasch- und Putzmittel auf die geschorene Rückenhaut gerieben

Hersteller, die ein hohes Verantwortungsbewusstsein zeigen und in ihrer Firmenpolitik festgelegt haben, auf Tierversuche zu verzichten, können also auf altbewährte Inhaltsstoffe zurückgreifen und so Tierversuche vermeiden.

Umso erfreulicher ist es, dass es einige Hersteller gibt, die genau dies tun – und dem Verbraucher so eine Möglichkeit geben, die Wohnung auf Hochglanz zu polieren, ohne dass Tiere dafür leiden mussten. 

In einem weiteren Schritt können diese Firmen sich von unabhängigen Institutionen kontrollieren lassen, ob diese Standards eingehalten werden.

Ein zusätzliches Vegan-Siegel stellt sicher, dass keinerlei Inhaltsstoffe vom Tier enthalten sind.

Tierische Inhaltsstoffe in Putzmitteln?

Tenside aus Waschmitteln und Weichspülern werden aus Ölen oder Fetten durch chemische Reaktionen gewonnen – und diese Öle und Fette können, sofern nicht anders deklariert, aus tierischen Quellen stammen („Schlachthofabfälle“).

In veganen Wasch- und Putzmitteln stammen diese Fette und Öle ausschließlich aus pflanzlicher Herkunft wie zum Beispiel aus Palm-, Raps- oder Kokosöl.

Gallseife ist ein altes Hausmittel, welches aber oft Rindergalle enthält – es gibt aber auch vegane Alternativen, in denen ein Gemisch aus Tensiden, Seife und Enzymen eingesetzt wird.

Daher ist es wichtig, beim Kauf zusätzlich auf ein Vegan-Siegel wie die Vegan-Blume zu achten.

Achtung: Fette und Öle können auch aus der Erdölchemie stammen, mit denen dann Tenside hergestellt werden. Möchte man also zusätzlich noch umweltfreundlich putzen, am besten auf ein weiteres Siegel achten, dass ökologische Putzmittel ausweist. 

Palmöl

Viele Menschen möchten Palm(kern)öl aufgrund der negativen Zusammenhänge mit Primärwaldrodung und Umweltzerstörung vermeiden. Ausgangsmaterial für Tenside auf pflanzlicher Basis ist jedoch oft eine Mischung von Ölen. Außer Palmkernöl können auch andere Öle wie Kokos-, Raps- oder Sojaöl in dieser Mischung sein. Der Name der Tenside muss nicht einmal auf den Ursprungsnamen hindeuten – nur, weil das Wort „coco“ enthalten ist (z.B. Sodium Coco Sulfate) bedeutet es nicht automatisch, dass die Basis ausschließlich Kokosöl ist. Es gibt keine Gesetze oder Regularien, denen zufolge die Ölanteile deklariert werden müssen. Entsprechend ist es kaum möglich, herauszufinden, ob Palmöl verwendet wird oder nicht. (6)

Unser Fazit: Am besten auf verlässliche, offizielle Siegel achten, deren Einhaltung der Kriterien von unabhängigen Fachleuten regemäßig kontrolliert wird – wie die Folgenden.

Siegel auf Putzmitteln, die auf Tierversuche verzichten

     
HCS - Leaping Bunny   Ecocert   Vegan-Blume

Dipl. Biol. Julia Radzwill
Stand: 11.01.2021   

Quellen

  1. Gesetz über die Umweltverträglichkeit von Wasch- und Reinigungsmitteln (Wasch- und Reinigungsmittelgesetz – WRMG) vom 29.04.2007 
  2. Gesetze im Internet. Verordnung (EG) Nr. 648/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. März 2004 über Detergenzien
  3. Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) (PDF) [aufgerufen am 11.01.2021]
  4. Tierschutzgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. Mai 2006, zuletzt geändert durch Art. 280 V.v. 19.6.2020 
  5. Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V. Faktenblatt „Wasch‐ und Reinigungsmittel und deren Inhaltsstoffe – Sicherheitsbewertungen und Tierversuche“ (PDF) [aufgerufen am 11.01.2021] 
  6. IKW Faktenpapier Palm(kern)öl. 18. September 2017 (PDF) [aufgerufen am 11.01.2021]

 

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