Gesundheit & Fortschritt in der Medizin - ohne Tierversuche

Gesundheit

Gesundheit & Fortschritt in der Medizin - ohne Tierversuche

Dr. Corina Gericke, Dr. Bernhard Rambeck


Die Zivilisationskrankheiten nehmen rasant zu
 

Abermillionen von Tierversuchen in der medizinischen Forschung ändern nichts daran

Obwohl unter immensem Aufwand Millionen von Tieren in der experimentellen Forschung »verbraucht« werden, steigt die Zahl der von unseren Massenkrankheiten Betroffenen unentwegt an. Bei der Bekämpfung dieser Zivilisationskrankheiten, wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Allergien, Asthma, Rheuma, Diabetes, AIDS, Alzheimer usw. ist kein Durchbruch in Sicht. Fast die Hälfte aller Europäer stirbt an vermeidbaren Herz- und Kreislauferkrankungen, etwa ein Viertel an Krebs - mit steigender Tendenz. Die Menschen werden trotz unzähliger Tierexperimente immer kränker.

 

Rauchen, Alkohol und falsche Ernährung

Die wichtigsten Ursachen unserer Zivilisationskrankheiten sind bekannt und vermeidbar

Unsere Zivilisationskrankheiten sind bedingt durch Rauchen, Alkohol, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Stress und deren Kombinationen. Die Vorstellung, wir könnten die Folgen unseres ungesunden Verhaltens mit Tabletten aus der Apotheke wieder beseitigen, ist Unsinn. Nur zielstrebige Erforschung der Ursachen unserer Massenkrankheiten und konsequente Förderung einer gesünderen Lebensweise können den Durchbruch bei der Bekämpfung von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Rheuma und vielen anderen Krankheiten bringen. Generell sind menschliche Krankheiten wegen ungleicher Lebenserwartung, anderer Kompensationsfähigkeit und Belastbarkeit sowie unterschiedlicher Reaktion auf Chemikalien und mikrobielle Erreger am Tier nicht reproduzierbar. Ebenso wenig sind die Krankheiten des Menschen am Tier mit chemischen Substanzen ursächlich zu heilen, sondern nur durch Vermeidung ihrer Entstehungsursachen.

 

Tendenz steigend

Jeden Tag leiden und sterben 5000 Tiere in deutschen Labors

Die Medizin ist mit ihrem Dogma, die Krankheit des Menschen beim Versuchstier hervorzurufen und dann medikamentös zu heilen, gescheitert. Trotzdem werden in den »zivilisierten« Ländern unzählige Affen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und vor allem Ratten und Mäuse für medizinische Experimente verbraucht. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2001 nach offiziellen Angaben rund 2,1 Millionen Tiere im Experiment getötet (35). Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen, weil einige Bereiche, in denen Tiere zu Forschungszwecken verbraucht werden, nicht mitgezählt werden. Folgende Tiere fehlen in der Statistik:


Harmlose Tierversuche gibt es nicht

Tierversuche sind immer qualvoll und grausam

Die folgenden Beispiele sind der Internet-Datenbank www.datenbank-tierversuche.de entnommen. Dort sind fast 3.000 Tierversuche dokumentiert, die in zwischen 1995 und 2003 in Deutschland durchgeführt wurden. Jeder einzelne ist ein Beweis für die Grausamkeit von Tierversuchen.

Ein Versuch an Katzen
Experiment: Im Alter von 3 Wochen werden 21 Katzen einer Operation unterworfen, die zum Schielen führt. Vier bis fünf Monaten später wird bei den Katzen unter Narkose ein Bolzen mit Zahnzement und Stahlschrauben am Schädel befestigt und mehrere Elektroden an den Knochen um beide Augen implantiert. Für den eigentlichen Versuch wird eine Katze in einen Sack gesteckt, so dass nur der Kopf herausschaut. Ihr Kopf wird mit Hilfe des Bolzens an einem Metallrahmen fixiert, so dass sie den Kopf nicht mehr bewegen kann. Die Augenbewegungen der Katze werden über die implantierten Elektroden registriert, während ein Streifenmuster auf einem Monitor vor ihren Augen erscheint (36).
Federführendes Institut:Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt
Jahr: 2001

Ein Versuch an Hunden
Experiment: Zwanzig Mischlingshunde werden zunächst »chronisch instrumentiert«, d.h. es werden unter Narkose diverse Schläuche und Instrumente an den Blutgefäßen um das Herz befestigt. Außerdem wird eine von außen zu bedienende, aufblasbaren Manschette um die linke Herzkranzarterie gelegt. Alle Schläuche werden vom Herzen unter die Haut bis zum Schulterblatt geführt, wo sie nach außen treten. Die eigentlichen Experimente erfolgen an den unbetäubten Tieren. Die linke Herzkranzarterie wird mithilfe der Manschette abgeklemmt. Dadurch kommt es zu schweren Funktionsausfällen des Herzens wie bei einem Herzinfarkt. Nach 10 Minuten wird die Arterie wieder geöffnet. Gleichzeitig werden diverse Messungen vorgenommen (37).
Federführendes Institut: Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universität Münster
Jahr: 2001

Ein Versuch an Affen
Experiment: Mit Schrauben und Dentalzement wird bei Rhesusaffen unter Narkose ein Kopfhalter auf dem Schädel und Elektroden im Gehirn implantiert. Die Tiere erhalten vor dem Experiment wenig Trinkwasser. Der Kopf eines Tieres wird mit Hilfe des Halters fixiert, so dass es den Kopf nicht mehr bewegen kann. Der Affe muss einen Lichtpunkt auf einem Bildschirm mit den Augen fixieren und gleichzeitig einen Hebel drücken. Als Belohnung gibt es für das durstige Tier einen Tropfen Saft oder Wasser. Wenn der Affe etwas falsch macht, erhält er keinen Flüssigkeitstropfen. Während der Affe die Aufgabe ausführt, werden über die Elektroden Gehirnströme gemessen und die Augenbewegungen registriert (38).
Federführendes Institut: Institut für Hirnforschung, Universität Bremen
Jahr: 1999

Ein Versuch an Kaninchen
Experiment: Sechszehn Kaninchen wird unter Narkose ein Herzschrittmacher eingepflanzt. Zehn Tage später wird bei den Tieren schrittweise der Herzschlag über einen Zeitraum von insgesamt 38 Tagen beschleunigt. Der viel zu schnelle Herzschlag führt bei den Tieren zu einer Vergrößerung des Herzens, verbunden mit einem verminderten Blutausstoß des Herzens, wodurch es wiederum zu Flüssigkeitsansammlungen (Bauchwassersucht) kommt (39).
Federführendes Institut: Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Universität Regensburg
Jahr: 2001


Freibrief für Tierquälerei

Das Tierschutzgesetz schützt die Tiernutzer, nicht die Tiere

»Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen«, heißt es in § 1 Tierschutzgesetz (40). Als »vernünftiger Grund« gilt gemeinhin alles, was dem Menschen in irgendeiner Form von Nutzen ist und sei es auch nur in Form von Produktion überflüssiger Produkte, Gewinnmaximierung oder Befriedigung der Neugier.
In § 7 werden Tierversuche geregelt. Diese sind »im Sinne des Gesetzes Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken

1. an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die Tiere, oder

2. am Erbgut von Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die erbgutveränderten Tiere oder deren Trägertiere verbunden sein können (40).«

Laut § 7 Tierschutzgesetz muss für Tierversuche eine »Unerlässlichkeit« bestehen. Außerdem sind sie nur für bestimmte Zwecke zulässig:

1. Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten (...),

2. Erkennen von Umweltgefährdungen,

3. Prüfung von Stoffen oder Produkten auf ihre Unbedenklichkeit für die Gesundheit von Mensch oder Tier oder auf ihre Wirksamkeit gegen tierische Schädlinge,

4. Grundlagenforschung.

Auf den ersten Blick erscheinen Tierversuche damit eingeschränkt, sieht es so aus, als wenn Tierversuche nur für bestimmte unerlässliche Zwecke erlaubt seien. Tatsächlich sind aber vor allem durch den Punkt 4 »Grundlagenforschung« alle nur denkbaren Versuchsansätze abgedeckt und damit zulässig. So gelten auch abstruse Fragestellungen, wie zum Beispiel, was passiert, wenn man einem Goldfisch beide Augen herausnimmt, als »unerlässlich«, weil sich die Frage nur über das Experiment beantworten lässt.

Das Tierschutzgesetz unterscheidet zwischen Tierversuchen, die der Anzeige- oder der Genehmigungspflicht unterliegen. Zu den anzeigepflichtigen Tierversuchen zählen vor allem gesetzlich vorgeschrieben Tests sowie Routineversuche, wie zum Beispiel Chargenprüfungen (Charge = Produktionseinheit) von Impfstoffen.

Andere Tierversuche bedürfen der Genehmigung durch die Genehmigungsbehörde, meist das zuständige Regierungspräsidium. Dieser Behörde steht eine so genannte Tierversuchskommission (auch Ethikkommission genannt) beratend zur Seite, die zu Zweidritteln aus Wissenschaftlern und zu einem Drittel aus Tierschützern besteht. Aufgrund der unparitätischen Besetzung und der Tatsache, dass viele der Wissenschaftler oft selbst Tierexperimentatoren sind, werden nur selten beantragte Tierversuche abgelehnt. Weiterhin hat die Kommission nur beratenden Charakter, das heißt, die Entscheidung liegt bei der Genehmigungsbehörde. Doch selbst diese Institution konnte bislang keinen Tierversuch verhindern, denn der Experimentator konnte, sich auf sein grundgesetzlich verankertes Recht auf Forschungsfreiheit berufend, seinen Antrag vor Gericht durchboxen, war sozusagen sein eigener Richter. Mit der Aufnahme des Tierschutzes im Grundgesetz im Jahr 2002 wird die bislang grenzenlose Forschungsfreiheit zumindest formal in die Schranken gewiesen.

Letztendlich ist das Tierschutzgesetz nach wie vor ungeeignet, die Tiere vor Willkür, Forscherdrang und Profitgier der Experimentatoren wirkungsvoll zu schützen.


Der medizinische Unsinn

Tierversuche sind unzuverlässig, geben falsche Sicherheit und sind lebensgefährlich für den Menschen

Das Ergebnis eines Tierversuchs gilt generell nur für das eingesetzte Versuchstier und das getestete Präparat oder den überprüften Eingriff. Alle daraus für den Menschen abgeleiteten Rückschlüsse sind nur Interpretationen, Hypothesen und Vermutungen. Ohne Zweifel gibt es viele Beispiele, bei denen eine Tierart und der Mensch auf eine chemische Substanz vergleichbar reagieren, aber es gibt ebenso viele Beispiele, bei denen Mensch und Tier völlig unterschiedlich reagieren.

Beispiele unterschiedlicher Wirkungen bei Mensch und Tier

Mit tierexperimentellen Versuchsansätzen versucht man Risiken von neuen und alten Chemikalien und Medikamenten für den Menschen abzuschätzen. Neuere Studien, vor allem hinsichtlich der krebserzeugenden Wirkung von Chemikalien, zeigen, dass wegen mangelnder Übertragbarkeit von tierexperimentellen Ergebnissen tatsächlich vorhandene Risiken übersehen, während harmlosere Einflüsse überschätzt wurden. Jede beliebige Substanz kann tierexperimentell als mehr oder weniger toxisch oder als harmlos dokumentiert werden, je nachdem an welcher Tierart, in welcher Menge und Dosis und über welchen Zeitraum sie verabreicht wird.

Tierexperimentell ermittelte Schwellenwerte
Toxische Grenzwerte wie z.B. der Schwellenwert NEL (no effect level = höchste unwirksame Dosis) und ADI (acceptable daily intake = höchste duldbare Tagesdosis) für die Anwendung chemischer Substanzen werden weitgehend willkürlich und nach wirtschaftlichen oder politischen Interessen festgelegt. Man ermittelt die Dosis, welche beim Tier gerade noch keine Schäden hervorruft, dividiert durch einen fragwürdigen Sicherheitsfaktor und behauptet dann, dass die errechnete Menge der Substanz unschädlich sei.

Unschädlich - für Kranke und Gesunde, für Babys und alte Menschen; unschädlich - ob die Einwirkung der Substanz isoliert oder gemeinsam mit genauso »unschädlichen« anderen Substanzen, dem Ozonloch oder der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung erfolgt; unschädlich - ob eine kleine oder eine große Menge der Substanz eingenommen wird; unschädlich - unabhängig von der auch sonst noch vorhandenen chemischen Verseuchung unserer Nahrungsmittel; unschädlich - unabhängig von der zunehmenden elektromagnetischen und akustischen Verschmutzung unserer Umwelt?

Die Festlegung von Grenzwerten auf tierexperimenteller Basis hat mit Wissenschaft nichts zu tun und ist bezüglich der tatsächlichen Risiken von Chemikalien für den Menschen völlig bedeutungslos. Andererseits ist die Medizin völlig ratlos, was Erklärungen für die enorme Zunahme von Krebs, Allergien, Atemwegserkrankungen und psychische Störungen in den letzten Jahrzehnten betrifft.


Die Arzneimittelflut

Profitstreben auf dem Rücken von Tieren und Menschen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass etwa 325 Wirksubstanzen notwendig sind, um den Großteil der heute auftretenden Erkrankungen zu behandeln (41). In der westlichen Welt wird diese Anzahl um ein Vielfaches überschritten. Die Österreicher kommen beispielsweise mit »nur« 10.000 Medikamenten aus, während es bei uns 60.000 gibt (42). Diese ungeheure Zahl kommt vor allem dadurch zustande, dass die meisten Wirkstoffe nicht nur doppelt und dreifach vorkommen, sondern gleich hundertfach. Von dem Antibiotikum Amoxicillin gibt es 201 Zubereitungen, vom Schmerzmittel Ibuprofen sind 394 Präparate auf dem Markt und vom Schleimlöser Azetylzystein gar 421, um nur einige Beispiele zu nennen (43). Die jährlich ca. 2.500 Neuanträge für Arzneimittel bieten ebenfalls nicht viel Neues. Nur etwa 450 Stoffe davon sind »neue Stoffe« im Sinne des Arzneimittelgesetzes und selbst diese stellen keinen wesentlichen Fortschritt für die Medizin dar. Laut Pharmakologe Schönhöfer kommt im Schnitt nur alle zwei Jahre eine echte Innovation auf den Markt (44). Diese Arzneimittelflut füllt nur die Tasche der Pharmakonzerne, trägt aber keineswegs zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung bei.
Das Interesse der Pharmaindustrie ist es, möglichst große Gewinne zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, wirft sie ständig neue Medikamente auf den Markt, die nicht nur nicht neu sind und auch niemandem wirklich helfen (außer der Pharmaindustrie selbst), sondern oftmals sogar schädlich sind. Die Profitgier der Pharmaindustrie wird auf dem Rücken von zahllosen Tieren und letztendlich auch der Patienten ausgetragen. Nach zehn Jahren läuft der Patentschutz ab, d.h. auch andere Firmen können danach die Präparate als so genannte Generika herstellen, ihr Wert und damit die Gewinnspanne sinken rapide. Die Investitionen müssen direkt nach der Zulassung wieder hereingeholt, und also in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Gewinn gemacht werden. Pharmareferenten locken niedergelassene Ärzte mit schönen Reisen oder anderen Geschenken, die neue Pille zu verschreiben. Die aggressive Vermarktung führt dazu, dass binnen kurzer Zeit ein Mittel, das sich eben noch in der Prüfphase befand, von Hunderttausenden Menschen geschluckt wird.

Beispielsweise wurde der Cholesterinsenker Lipobay (in den USA unter dem Namen Baycol) nur drei Jahre nach der Zulassung von weltweit insgesamt sechs Millionen Menschen eingenommen. Und dann passiert es - die massenhafte Verbreitung bringt oft verheerende Wirkungen an den Tag.

Das Arzneimittelrisiko könnte drastisch gesenkt werden, indem neue Wirkstoffe zunächst mit relevanten und zuverlässigen In-vitro-Tests geprüft und anschließend behutsam an freiwilligen Probanden und Patienten erprobt werden. Dies muss wesentlich sorgfältiger und gewissenhafter geschehen als bisher. Doch solange sich unsere Arzneimittelsicherheit auf die irrelevante Methode Tierversuch stützt, wird es auch weiterhin Medikamenten-Skandale geben.


Die Tierversuchsmedikamente

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie nicht den Tierexperimentator

Tierversuche bei der Entwicklung und Prüfung von Medikamenten sind nicht mit der nötigen Sicherheit auf den Menschen übertragbar. Erst die klinische Prüfung, das Experiment am Menschen, kann ein eindeutiges Urteil über Wirkungen, Wirksamkeit und Nebenwirkungen eines Medikamentes liefern.

Im Schnitt werden etwa 20.000 Substanzen tierexperimentell überprüft, bis sich ein potentielles Medikament findet. Etwa 80% aller dabei erhaltenen Prüfsubstanzen, welche als Medikamente in Frage kommen, werden von den Pharmaherstellern in den frühen klinischen Prüfungen wieder aufgegeben, weil sich beim Menschen ganz andere Wirkungen und Nebenwirkungen zeigen als beim Tier. Entsprechend kommen heute trotz millionenfacher Tierexperimente in der Pharmaindustrie weltweit jährlich nur mehr weniger als ein halbes Dutzend wirklich neuartiger Wirksubstanzen auf den Arzneimittelmarkt.

In den letzten Jahrzehnten wurde eine große Zahl von im Tierversuch exzessiv geprüften Medikamenten nach der Zulassung wieder zurückgezogen oder verboten, weil beim Menschen tierexperimentell nicht vorhergesehene Nebenwirkungen, zum Teil mit Todesfolge, auftraten. Unabhängige Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Deutschland jährlich 210.000 Krankenhaus-Einweisungen auf das Konto von Arzneimittel-Nebenwirkungen gehen, von denen 70.000 lebensbedrohlich sind und 16.000 tödlich verlaufen (45). Derart unerwünschte Wirkungen von Medikamenten sind zur fünfthäufigsten Todesursache in Deutschland (46) geworden, in den USA sogar zur vierthäufigsten (47).

In einer aktuellen amerikanischen Studie wurden 498 Arzneimittel in Hinblick auf ihre Sicherheit untersucht. Rund 10 % von ihnen mussten wegen erheblicher Nebenwirkungen zwischen 1975 und 1999 zurückgezogen werden. Etwa die Hälfte der unerwünschten Wirkungen wurden erst im Verlauf von 7 Jahren nach ihrer Zulassung aufgedeckt (48). Schätzungen gehen von jährlich 100.000 Nebenwirkungs-Toten in den USA aus (49). Alle diese Medikamente, die sich im Nachhinein als schädlich erwiesen, waren zuvor an zahllosen Tieren überprüft worden.

Eine kleine Auswahl medikamentöse Wirkstoffe, bei denen trotz Tierversuchen schwerste Nebenwirkungen auftraten:

Quellenangaben und weitere Beispiele finden Sie in unserer »Liste der Risikomedikamente«


Es geht auch ohne Tierversuche

In-vitro-Methoden sind aussagekräftig, reproduzierbar und kostengünstig

Die ethische Problematik von Tierversuchen, aber auch die unbefriedigende Aussagekraft von Tierexperimenten für den Menschen, veranlasst viele Wissenschaftler bessere Forschungsmethoden zu entwickeln, um die Risiken neuer Medikamente und chemischer Fremdsubstanzen im Reagenzglas, in vitro, zu überprüfen. Die Untersuchungen werden mit schmerzfreier Materie, meist in Form von Zell- und Gewebekulturen, durchgeführt.
In-vitro-Verfahren werden heute fast in allen medizinischen Bereichen angewandt. Sie umfassen die Entwicklung neuer Medikamente, die Abschätzung toxikologischer Risiken, die Untersuchung pharmakologischer Wirkungsmechanismen sowie die Erforschung krankheitserregender Vorgänge. In-vitro-Verfahren sind Tierversuchen bei weitem überlegen: Ihre Ergebnisse sind zuverlässiger, reproduzierbarer, empfindlicher und kostengünstiger, wobei die Möglichkeiten der In-vitro-Technik noch längst nicht ausgeschöpft sind.

Insbesondere die Verwendung von menschlichen Zellen und Geweben, die zum Beispiel bei medizinisch notwendigen Operationen oder Biopsien (Gewebeprobenentnahme) anfallen, haben gegenüber Tierversuchen den unschlagbaren Vorteil, dass die Artenschranke wegfällt, das heißt, die Übertragung der Ergebnisse vom Tier auf den Menschen.

Beispiele für In-vitro-Verfahren mit Zellkulturen:

Andere In-vitro-Verfahren

Forschung am Menschen für den Menschen

Gesundheit ist machbar, aber nicht mit Tierversuchen

Die Möglichkeiten der Prävention

Seit Jahrtausenden ist bekannt, dass der Mensch seine Krankheiten zu einem erheblichen Maß selbst beeinflusst. Dies gilt vor allem für die Zivilisationskrankheiten: Ein Drittel aller Krebsfälle stehen im Zusammenhang mit dem Rauchen. Menschen, welche sich vollwertig ernähren, erkranken wesentlich seltener an Herz- und Kreislauferkrankungen oder Krebs. Normalgewichtige Menschen leben deutlich länger als übergewichtige Menschen. Eine vernünftige Lebensweise beeinflusst unsere Lebenserwartung wesentlich stärker als alle möglichen und denkbaren Medikamente.

 

Die Medizin: Heilkunst oder Naturwissenschaft?

Tierversuche sind mit einer ganzheitlichen Medizin nicht vereinbar

Die heute praktizierte Medizin orientiert sich weitgehend an den Naturwissenschaften. Krankheiten werden als physikalisch, chemisch oder biochemisch erklärbare Veränderungen im Körper gesehen, welche -soweit möglich - in »Tiermodellen« untersucht und chemisch-medikamentös behandelt werden.

Dieses mechanistische Denken beinhaltet aber prinzipielle Fehler:

Die Entstehung und Entwicklung der Krankheit des Menschen, aber auch seine Heilung, wird immer durch psychische Faktoren beeinflusst, welche tierexperimentell keinesfalls nachvollzogen werden können. Die menschlichen Krankheiten sind Vorgänge, bei denen viele Ursachen gleichzeitig wirken. Genetische Veranlagung, Art der Ernährung, Umweltreize, Stressfaktoren, körperliche Konstitution und Abwehrkräfte beeinflussen in hohem Ausmaß, ob und in wieweit der Mensch krank wird oder nicht. Das Zusammenwirken dieser Einflüsse kann tierexperimentell nicht untersucht werden. Das Tierexperiment untersucht üblicherweise das sichtbare Symptom (Auswirkung) der Krankheit, aber nicht die zugrunde liegende Ursache. Entsprechend zielt die heutige Medizin weitgehend auf eine medikamentöse Unterdrückung oder Verlagerung von Symptomen, nicht aber auf eine wirkliche Heilung. Der Tierversuch legt die Medizin auf ein mechanistisch-materialistisches Niveau fest. Was wir brauchen, ist eine Medizin, die sich am Menschen orientiert, die sich ihrer eigentlichen Aufgabe widmet, Krankheiten vorzubeugen, zu behandeln und zu heilen.


Krankheit und Heilung in der ganzheitlichen Medizin



Neugier, Ruhm, Ehre und vor allem Geld - viel Geld!

Gründe weshalb Tierversuche gemacht werden

Tierversuche sind unsinnig, unzuverlässig, schlecht reproduzierbar, kostspielig, geben eine falsche Sicherheit und sind nicht zuletzt ethisch nicht zu rechtfertigen. Tatsächliche Fortschritte in der Medizin lassen sich nur mit tierversuchsfreien Testmethoden, mit Forschung am Menschen für den Menschen, mit sanften Heilmethoden sowie durch Prävention von Krankheiten erzielen. Trotzdem werden in aller Welt im Namen der Wissenschaft Tiere millionenfach gequält und getötet. Warum?


April 2004

Quellen


1 Statistisches Bundesamt, www.destatis.de
2 Erfolge in der Phantomwelt. Der Spiegel 6/98, S.186-187
3 natürlich vegetarisch 1/2003
4 Vegetarierbund Deutschlands e.V.: Medizinerkenntnisse aus den aktuellen Vegetarierstudien
5 Deutsche Krebsgesellschaft www.krebsgesellschaft.de
6 Ernährung beeinflusst Tumorentstehung. DNÄ 13.10.89
7 Krebs: Kurve nach oben. Der Spiegel 52/90, S.166 und DL Davies, D Hoel: Trends in cancer mortality in industrial countries. Ann NY Acad Sci 609/90
8 Frauen & Rauchen: Lungenkrebs nimmt zu. Bundesministerium für Gesundheit, Pressemitteilung 5.10.01
9 Immer mehr Hautkrebsfälle. FR 20.7.91
10 Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz (DEBInet) www.ernaehrung.de/tipps/diabetes/diab10.htm
11 Bald vier Millionen Deutsche zuckerkrank. OF-Post 14.10.91
12 Diabetes - Die neue Kinderkrankheit? Schrot & Korn 04/02, S.40-44
13 Reizbar bis unter die Haut. Die Zeit 5.5.89
14 Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheit in den neuen Ländern, 09/00
15 Neurodermitis ist die häufigste Krankheit der Haut bei Kindern. DNÄ 20.10.88
16 Mehr Allergien bei Berufstätigen. Chemische Rundschau 23.11.90
17 Lebererkrankungen haben zugenommen. DNÄ 1.9.89
18 Adipositas geht auch an die Nieren. MMW Fortschr. Med 143(23)2001
19 XXL-Kids leiden gewaltig. MMW Fortschr Med 143(15)2001
20 Robert-Koch-Institut, www.rki.de
21 Ringelstein, EB, H Henningsen: Primärprävention des Schlaganfalls. Deutsches Ärzteblatt 98(6)2001
22 Raucher sterben eher an AIDS als Nichtraucher. FR 15.9.90
23 Raucherinnen leiden häufiger an Unterleibsentzündungen. DNÄ 17.4.90
24 Typ-II-Diabetes: Eine Krankheit macht sich breit. Münch med Wochenschr 133/91, Beilage 125, S.2
25 Lee, HP, L Gourley, SW Duffy et al.: Dietary effects on breast-cancer risk in Singapore. The Lancet 337/91, S.1197-1200
26 Kalzium in der Milch fördert Prostatakrebs. Kurier 13.10.01
27 Physical activity and coronary heart disease in women. JAMA 85(11)2001, 1447-1454
28 Chandra, RK: Nutrition and the immune system: an introduction. Am J Clin Nutr 66, 1997, 460S-463S
29 Hüllinghorst, R: Alkoholkonsum - Zahlen und Fakten in: Singer, MV, S Teyssen: Alkohol und Alkoholkrankheiten, 1999, Springer Verlag Berlin Heidelberg, S. 32
30 Forth, Henschler, Rummel: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 2001, Urban & Fischer München Jena, S. 1082
31 Wie viel ist gesund? BAMS 3.2.02
32 Sterblichkeit durch alkoholbedingte Leberzirrhose drastisch gestiegen. DNÄ 28.11.90
33 New Scientist, 25.11.00, S. 16
34 Committee on the Medical Effects of Air Pollutants, Quantification of the Effects of Air Pollution on Health in the UK, department of Health 1998
35 Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, www.verbraucherschutzministerium.de
36 Fries P, et al.: Conditions of perceptual selection and suppression during interocular rivalry in strabismic and normal cats. Vision Research 2001: 41, 771-783
37 Weber, TP, et al.: Naloxone improves functional recovery of myocardial stunning in conscious dogs. British Journal of Anaesthesia 2001: 86(4), 545-9
38 Freiwald, WA: Testing non-linearity and directedness of interactions between neural groups in the macaque inferotemporal cortex. Journal of Neuroscience Methods 1999: 94; 105-119
39 A Luchner, et al.: Differential expression of cardiac ANP and BNP in a rabbit model of progressive left ventricular dysfunction. Cardiovascular Research 2001: 51, 601-607
40 Tierschutzgesetz in der Neufassung vom 25. Mai 1998 (BGBl. S. 1105)
41 www.who.int Pressemitteilung vom 4.6.2002
42 Langbein, K, H-P Martin, H. Weiss: Bittere Pillen, 1999-2002, S.18
43 arznei-telegramm 2001, 32, Nr.3, S. 33-34
44 P. Schönhöfer in der TV-Sendung »Fakt«, 20.8.2001
45 Schönhöfer P, et al. DGPT-Forum 2001, Nr. 28
46 Nebenwirkungen von Arzneien oft tödlich. Frankfurter Rundschau, 19.10.02
47 New Scientist, 19.09.98
48 JAMA 287, 2002
49 Scrip Magazine 11/98, S. 6-7
50 Bild der Wissenschaft 11/91, S.12
51 Jeder dritte Krebs wäre vermeidbar. VDI nachrichten 25.2.00
52 Winterhalter, P: Krankheitsprävention durch Ernährung - Zeit zum Handeln. GIT Labor-Fachzeitschrift 11/01, S.1137
53 Head, KA: Ascorbic Acid in the Prevention and Treatment of Cancer. Alternative Medicine Review 3(3)1998
54 Jakes, RW, et al: Mammographic parenchymal patterns and self-reported soy intake in Singapore Chinese Women. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention 11(7)2002, 608-613
55 Ford, ES, et al.: Fruit and vegetable consumtion and diabetes mellitus incidence among U.S. adults. Preventive Medicine 32, 2001, 33-39
56 Honein, MA, et al.: Impact of folic acid fortification of the US food supply on the occurence of neural tube defects. JAMA 285(23)2001
57 Information, Dialog und Service in der Medizin, www.yavivo.de
58 dpa 12.10.01 und NEJM 345, S.790
59 Prevention of type 2 diabetes mellitus by changes in lifestyle among subjects with impaired glucose tolerance. NEJM 344(18)2001, 1343-1350
60 Wie viel Sport muss sein? MMW Fortsch Med 143(4)2001
61 Chandra, RK: Food allergy and nutrition in early life: implications for later health. Proceedings of the Nutrition Society 59, 2000, 273-277
62 Lebensregeln für Rheumatiker. MMW Fortschr Med 143(5)2001
63 The Lancet 338, 1991, S.899-902
64 The Lancet 26. April 1986, S.975
65 Kaffeefahrt der Konzerne. Der Spiegel 12/02, S.37-38
66 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte www.bfarm.de
67 www.keine-maeuse.de


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