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Statistiken

Bundesländervergleich - Negativ-Rangliste zu Tierversuchen

Allein in den vier Bundesländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern und Hessen findet mehr als die Hälfte aller Tierversuche in Deutschland statt. Die aktuelle Statistik offenbart, in welchen Bundesländern die meisten Tierversuche durchgeführt werden. Einige Bundesländer geben ihre Zahlen nicht freiwillig an die interessierte Öffentlichkeit heraus, sondern verweisen auf die Bundesstatistik, die jedoch keinen Rückschluss auf den Tierverbrauch der einzelnen Länder zulässt. Dem Ärzteverein liegen die Zahlen aller Bundesländer vor. 

 

Im Jahr 2016 ist, wie im vergangenen Jahr auch, Baden-Württemberg nun mit weiteren 20.000 Tieren mehr der bundesweite Spitzenreiter. Bei einer deutschlandweiten Gesamtzahl von 2.854.586 Millionen Tieren wurden allein in Baden-Württemberg 480.902 Tiere (16,85%) in sinnlosen und rückschrittlichen Tierversuchen eingesetzt. Unter anderem werden in Tübingen noch immer Hirnversuche an Affen durchgeführt, obwohl derartige Versuche am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik (MPI) als Folge jahrelanger Proteste 2017 ausgelaufen sind.

Es wird zudem auch weiterhin in Millionenhöhe in Forschung an Tieren investiert. So mobilisierten etwa der Bund und das Land Baden-Württemberg jüngst über 30 Millionen Euro für das Zentrum für innovative Psychiatrie‐ und Psychotherapieforschung am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Aktuell sind mindestens zwei neue Labore in Baden-Württemberg im Bau. Das IMITATE (Institut für Krankheitsmodelle und gezielte Therapie) an der Universität Freiburg mit Käfigen für 10.000 Mäuse soll bis 2021 fertiggestellt werden. An der Universität Hohenheim entstehen bis 2020 zwei neue Versuchsställe für Schweine, Schafe, Hühner und 1.000 Mäuse.

Den zweiten Platz belegt mit 470.367 Tieren (16,48%) weiterhin Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist hier die Zahl um fast 40.000 Tiere gestiegen, die im Tierversuch gequält wurden. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf ist besonders berüchtigt für qualvolle zahnmedizinische Tierversuche an Beaglehunden sowie neurologische Forschung an Ratten. Beispielsweise wird hier an Ratten der Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron und Depression getestet. Die Tiere müssen in einem Wasserbassin schwimmen. Eine Ratte, die aufgibt und sich treiben lässt, wird als depressiv gewertet. Diese Versuche zählen zum Schweregrad schwer, wogegen der Ärzteverein eine bundesweite Kampagne „Schwimmen bis zur Verzweiflung“ gestartet hat. Der größte „Affenverbraucher“ sitzt in NRW. Das amerikanische Unternehmen Covance, eines der weltweit größten Auftragsforschungskonzerne, hat eine Niederlassung in Münster. Die Filiale hat sich auf Fortpflanzungs-Giftigkeitstests an Affen spezialisiert. Schwangeren Affen werden Arzneimittel oder Chemikalien mittels eines Schlauches in den Magen gepumpt oder in die Blutbahn injiziert, um die Auswirkung auf ihren Nachwuchs zu beobachten. Die Folge können Totgeburten oder Missbildungen sein. Die Substanzen werden auch männlichen Affen verabreicht, um ihre Zeugungsfähigkeit zu testen.

Mit rund 36.000 Tieren weniger als im vergangenen Jahr liegt das Bundesland Bayern mit 387.316 Tieren (13,57%) weiterhin auf dem dritten Platz. Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) werden bei Ratten durch Stromstöße in das Gehirn epileptische Anfälle ausgelöst, um ein Epilepsiemittel zu testen, das seit über 100 Jahren beim Menschen erfolgreich im Einsatz ist. In den letzten Jahren sind allein in München drei neue Tierversuchslabors mit Haltungskapazitäten für rund 100.000 Mäuse und andere Tiere entstanden. An der LMU finden noch immer grausame Xenotransplantationsversuche statt, bei denen Herzen genmanipulierter Schweine in die Bauchhöhle von Pavianen verpflanzt werden. Die Tiere sterben nach Minuten oder wenigen Tagen qualvoll an Organversagen aufgrund der Abstoßungsreaktion des Körpers.

Hessen rutscht im Jahr 2016 von Rang fünf hoch, auf Rang vier mit 320.184 Tieren (11,22%). Niedersachsen befindet sich trotz einer Reduzierung von rund 52.480 Tieren weiterhin mit 286.267 Tieren (10,03%) unter den Top fünf, gefolgt von Berlin mit 255.224 Tieren (8,94%), wo sich an der Zahl kaum etwas getan hat.

Im Jahr 2016 wurden laut Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Deutschland 2.854.586 Tiere, davon 2.428.259 Säugetiere, 303.524 Fische, 56.757 Vögel, 7.816 Amphibien und 417 Reptilien im Namen der Wissenschaft gequält und getötet. Über 4.500 der in Deutschland durchgeführten Tierexperimente sind auf Basis von in Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln in der Datenbank Tierversuche dokumentiert.

Stand: 12. März 2018

Weitere Information

Übersichtstabelle Bundesländervergleich 2011-2016 als PDF
Grafik Bundesländervergleich 2016 >>

Tierversuchsstatistik 2016 und verganener Jahre >>
Tierversuchshochburgen Deutschlands >>
Datenbank Tierversuche >>

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