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Tierversuchsstatistik

Letzte Bearbeitung: 10.12.2020

Tierversuchszahlen 2019

Die aktuellen, vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Tierversuchszahlen zeigen, dass 2.902.348 Tiere im Jahr 2019 in deutschen Tierversuchslaboren litten und (größtenteils) starben. Gegenüber dem Vorjahr sind die Zahlen um 77.282 Tiere gestiegen. Der Verein Ärzte gegen Tierversuche bezeichnet die Situation als alarmierend und fordert von der Politik einen umgehenden Paradigmenwechsel hin zu tierversuchsfreier Forschung. 

Gesamtzahl der Tiere

Zum dritten Mal sind dieses Jahr in der detailliert nach Zweck, Forschungsbereich, Herkunft, genetischer Status usw. aufgeschlüsselten Statistik nur Tiere erfasst, die direkt in Versuchen eingesetzt wurden, nämlich 2.202.592 Tiere. Die Anzahl der Tiere, die „für wissenschaftliche Zwecke“ wie beispielsweise Organentnahmen getötet wurden (699.756), wird dagegen nur nach Tierart aufgegliedert. Dadurch wird ein Vergleich der Zahlen mit den früheren Jahren erschwert und eine Reduktion der Tierversuche vorgetäuscht. Die Unterscheidung zwischen „in Tierversuchen verwendeten“ und „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten“ Tieren darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „verwendeten“ Tiere im Verlauf des Versuchs sterben oder ebenfalls getötet werden. 50.787 Tiere wurden aus den Vorjahren erneut verwendet. Aber auch für sie steht am Ende der Tod. Dieses trifft vor allem auf größere Tiere wie Hunde, Katzen und Affen zu, während Nagetiere fast alle gleich während des ersten Versuchs sterben oder getötet werden. 

Entwicklung der Tierversuchszahlen

Seit im Jahr 1989 mit der Datenerhebung begonnen wurde, ging die Zahl der Tiere von 2,6 Millionen auf einen Tiefpunkt von 1,5 Millionen im Jahr 1997 zurück, gefolgt von einem kontinuierlichen Anstieg auf 2,8 Millionen im Jahr 2011. Seither stagniert die Zahl auf diesem hohen Niveau zwischen 2,8 und 3 Millionen Tiere. 

Tierarten, die in Versuchen leiden

Auch 2019 waren die Hauptleidtragenden Mäuse (2.001.309 bzw. 69 %), Ratten (270.127 bzw. 9,3%) und Fische (394.115 bzw. 13,6 %). Aber auch 94.679 Kaninchen, 954 Katzen, 3.527 Hunde, 10.312 Meerschweinchen, 20.999 Schweine und Tiere vieler anderer Arten mussten für Tierversuche herhalten. (Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl von 2.902.348 Tieren) 

Affen in Tierversuchen

2019 wurden 3.443 Affen verwendet, davon 614 erneut aus dem Vorjahr. Allein 2.295 der zum ersten Mal in Versuchen eingesetzten Affen, davon 2.280 Langschwanzmakaken, stammten aus Nicht-EU-Ländern wie Staaten in Asien oder Afrika. Viele Affen kommen aus Mauritius. Der Großteil der Affen (2.761) wurde für regulatorische Zwecke wie Giftigkeitsprüfungen verwendet. Die meisten Affen gehen auf das Konto von Covance, dem größten Affenverbraucher Deutschlands

Zweckfreie Grundlagenforschung ist größter Tierverbraucher

Vor allem die Anzahl der Tiere, die für die per Definition zweckfreie Grundlagenforschung leiden und sterben müssen, steigt ständig an. Im Jahr 2003 wurden etwa doppelt so viele Tiere (850.710 Tiere) in diesem Bereich verbraucht als noch 1999 (438.000 Tiere). Im Jahr 2009 war der Tod von 917.070 Tieren in diesem Bereich zu verzeichnen und 2011 überschritt die Ziffer erstmals einer Million (1.017.935). Im Jahr 2019 beanspruchte die Grundlagenforschung 1.028.021Tiere (46,6 %). Seit 2017 werden in der offiziellen Statistik die „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere“ herausgerechnet (s.o.). Diese machen in diesem Jahr etwa ein Drittel der Gesamtzahl aus. Wenn man also rund ein Drittel dazuzählt, kommt man auf über 1,3 Mio. Tiere in der Grundlagenforschung. 

Gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche gehen weiter zurück

Im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche war jahrelang ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Sie lagen 2006 bei rund 460.000 Tieren (18 % der Gesamtzahl), 2008 bei 334.000 Tieren (18 %) und 2013 bei 333.698 (11 %). Der langfristige Abwärtstrend in diesem Bereich ist der wachsenden Anzahl der zur Verfügung stehenden tierversuchsfreien Methoden zu verdanken. Darunter sind Verfahren zu verstehen, die ohne lebende Tiere auskommen, also z. B. Organchips, Zellkulturen und computergestützte Rechenmodelle. Auch klinische und epidemiologische Forschung zählt dazu. Solche modernen Forschungsmethoden sind verstärkt zu fördern. Tierversuchsfreie Testsysteme bieten im Gegensatz zum Tierversuch verlässliche, auf den Menschen übertragbare Ergebnisse. 2017 lag der Anteil der Tierversuche in diesem Bereich bei 556.946 Tieren (26,9 %), 2018 bei 484.254 (22,6 %) und 2019 waren es 474.902 Tiere. (21,5 %) Wegen der unterschiedlichen Zählweise seit 2014 sind die Zahlen nicht direkt mit den Vorjahren zu vergleichen. 

Genmanipulation für Tierversuche weiter auf dem Vormarsch

Seit Jahren nimmt die Zahl der genveränderten Tiere zu. Im Jahr 2011 wurden 731.678 transgene Tiere in der Forschung verbraucht, 25 % der Gesamtzahl. 2013 waren es bereits 947.019 transgene Tiere (32 %). 2016 waren es 1.198.660 Tiere (42%), davon 1.031.043 Mäuse, 2018 waren es 973.394 Tiere (45,5 %), davon 890.769 Mäuse. 2019 waren es 955.702 Tiere (43 %), hauptsächlich Mäuse und Fische. Auch hier fehlen die „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten“ Tiere, was die tatsächliche Zahl verschleiert. 

Über 100.000 Tiere erlitten „schweres“ Leid

Mit der Neureglung der EU-Tierversuchsrichtline werden seit 2014 auch die Schweregrade erfasst, denen die Tiere ausgesetzt sind. Im Jahr 2019 fielen 111.596 bzw. 5,1 % der Versuche unter den Schweregrad „schwer“, 23,6 % unter „mittel“, 65,1 % unter „gering“ und 6,2 % unter „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“, d.h., die Tiere wurden unter Narkose getötet. Anzumerken ist hier unbedingt, dass die Einteilung der Schweregrade vom Forscher selbst vorgenommen wird. Alarmierend ist, dass die Zahl der „schweren“ Tierversuche konstant hoch ist und selbst die unzureichenden Versprechungen der Politik, das Leid der Tiere zu minimieren, nicht greifen.

Dunkelziffer – verschwiegenes Tierleid

Neben den offiziell erfassten Zahlen gibt es eine Dunkelziffer. Bereits bei Zucht und 'Vorratshaltung' werden 'überschüssige' Tiere getötet oder sterben schon vor dem eigentlichen Versuch bei Haltung und Transport. Versuchstiere werden üblicherweise nicht nach Bedarf gezüchtet, sondern im Überschuss, um jederzeit eine gewisse Anzahl von Tieren der einzelnen Arten, Alters- und Gewichtsklassen 'vorrätig' zu haben. Auch fehlen in der Statistik Tiere, die der Erstellung gentechnisch veränderter Linien dienen. Die Zahl der Tiere, die nicht die gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90 – 99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. Außer Kopffüßern (Tintenfischen, Kraken) werden wirbellose Tiere wie Insekten und Krebse überhaupt nicht gezählt. Im Jahr 2019 wurden 99 Kopffüßer verwendet.

Entwicklung der Tierversuchszahlen seit 1989

Grafik Tierversuchsstatistik 1989 - 2019 als PDF >>

Tierversuchsstatistiken des BMEL

2019 Tabelle (PDF)

2018 Tabelle (PDF)

2017 Tabelle (PDF)

2016 Tabelle (PDF)

2015 Tabelle (PDF)

2014 Tabelle (PDF)

2013 Tabelle (PDF)

2012 Tabelle (PDF)

2011 Tabelle (PDF)

2010 Tabelle (PDF)

2009 Tabelle (PDF)

2008 Tabelle (PDF)

2007 Tabelle (PDF)

2006 Tabelle (PDF)

2005 Tabelle (PDF)

2004 Tabelle (PDF)

Tierversuchstatistik der EU

Ausführliche Berichte der EU finden sich hier >> Unten haben wir die Zahlen im Ländervergleich zusammengefasst. Dabei sind nur die Tiere erfasst, die in Tierversuchen leiden und sterben, nicht aber die zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere. Für Deutschland sind hier daher niedrigere Zahlen als in der Statistik des BMEL angegeben. 

Tabelle 2017 (PDF)

Tabelle 2011 (PDF)

Tabelle 2008 (PDF)

Tabelle 2005 (PDF)

 

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