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Statistiken

Tierversuchsstatistik

Die aktuellen, vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Tierversuchszahlen zeigen, dass dass 2.807.297 Tiere im Jahr 2017 in deutschen Tierversuchslaboren litten und (größtenteils) starben. Gegenüber dem Vorjahr sind die Zahlen zwar um 47.289 Tiere gesunken, trotzdem bezeichnet die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche die Situation weiter als alarmierend, denn leichte Schwankungen sind kein Hinweis auf einen Rückgang der Tierversuche.

Erstmals sind dieses Jahr in der genau nach Tierarten und Bereichen aufgeschlüsselten Statistik nur Tiere erfasst, die direkt in Versuchen eingesetzt wurden, nämlich 2.068.813 Tiere. Die Anzahl der Tiere, die für wissenschaftliche Zwecke wie beispielsweise Organentnahmen getötet wurden, wird dagegen nicht in den einzelnen Tabellen aufgeschlüsselt, sondern nur als Gesamtzahl genannt (738.484). Dadurch wird ein Vergleich der Zahlen mit den Vorjahren erschwert und eine Reduktion der Tierversuche Tiere vorgetäuscht. Die Unterscheidung zwischen „in Tierversuchen verwendeten“ und „zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten“ Tieren darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „verwendeten“ Tiere im Verlauf des Versuchs sterben oder ebenfalls getötet werden. 37.003 Tiere wurden aus den Vorjahren erneut verwendet. Aber auch für sie steht am Ende der Tod. Dieses trifft vor allem auf größere Tiere wie Hunde, Katzen und Affen zu, während Nagetiere fast alle gleich während des ersten Versuchs sterben oder getötet werden.

Seit im Jahr 1989 mit der Datenerhebung begonnen wurde, ging die Zahl der Tiere von 2,6 Millionen auf einen Tiefpunkt von 1,5 Millionen im Jahr 1997 zurück, gefolgt von einem kontinuierlichen Anstieg auf 2,8 Millionen im Jahr 2011. Seither stagniert die Zahl auf diesem hohen Niveau zwischen 2,8 und 3 Millionen Tiere.

Auch 2017 waren die Hauptleidtragenden Mäuse (1.963.337 bzw. 70 %), Ratten (316.397 bzw. 11 %) und Fische (300.033 bzw. 10 %). Aber auch Kaninchen (94.816, 3,3 %), Katzen (713), Hunde (3.334), Meerschweinchen (15.455), Schweine (18.221) und Tiere vieler anderer Arten mussten für Tierversuche herhalten. (Zahlen bezogen auf die Gesamtzahl von 2.807.297 Tieren)

2017 wurden 3.472 Affen verwendet, davon 784 erneut. Allein 2.328 der zum ersten Mal in Versuchen eingesetzten Affen, davon 2.281 Langschwanzmakaken, stammten aus Nicht-EU-Ländern wie China und Mauritius. Der Großteil der Affen (2.811 = 81 %) wurde für regulatorische Zwecke wie Giftigkeitsprüfungen verwendet (s. dazu Covance - der größe Affenverbraucher Deutschlands).

Vor allem die Anzahl der Tiere, die für die per Definition zweckfreie Grundlagenforschung leiden und sterben müssen, steigt ständig an. Im Jahr 2003 wurden etwa doppelt so viele Tiere (850.710 Tiere) in diesem Bereich verbraucht als noch 1999 (438.000 Tiere). Im Jahr 2009 war der Tod von 917.070 Tieren in diesem Bereich zu verzeichnen und 2011 überschritt die Ziffer erstmals einer Million (1.017.935). Im Jahr 2017 beanspruchte die Grundlagenforschung  1.039.225 Tiere (50,2 %).

Im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche war jahrelang ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Sie lagen 2006 bei rund 460.000 Tieren (18% der Gesamtzahl), 2008 bei 334.000 Tieren (18 %) und 2013 bei 333.698 (11 %). Der langfristige Abwärtstrend in diesem Bereich ist der wachsenden Anzahl der zur Verfügung stehenden tierversuchsfreien Methoden zu verdanken. Darunter sind Verfahren zu verstehen, die ohne lebende Tiere auskommen, also z. B. Organchips, Zellkulturen und computergestützte Rechenmodelle. Auch klinische und epidemiologische Forschung zählt dazu. Solche modernen Forschungsmethoden sind verstärkt zu fördern. Tierversuchsfreie Testsysteme bieten im Gegensatz zum Tierversuch verlässliche, auf den Menschen übertragbare Ergebnisse. 
2017 lag der Anteil der Tierversuche in diesem Bereich bei 556.946 Tieren bzw. 26,9 %. Wegen der unterschiedlichen Zählweise seit 2014 sind die Zahlen nicht direkt mit den Vorjahren zu vergleichen. 

Seit Jahren nimmt die Zahl der genveränderten Tiere zu. Im Jahr 2011 wurden 731.678 transgene Tiere in der Forschung verbraucht, 25 % der Gesamtzahl. 2013 waren es bereits 947.019 transgene Tiere, fast 32 % der Gesamtzahl. 2016 waren es 1.198.660 Tiere, davon 1.031.043 Mäuse, 2017 827.530 Tiere (40 %), davon 719.679 Mäuse.

Mit der Neureglung der EU-Tierversuchsrichtline werden seit 2014 auch die Schweregrade erfasst, denen die Tiere ausgesetzt sind. 115.107  bzw. 5,6 % der Versuche fielen unter den Schweregrad „schwer“, 26,5 % unter „mittel“,  59,3 % unter „gering“ und 8,6 % unter „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“, d.h., die Tiere wurden unter Narkose getötet. Anzumerken ist hier unbedingt, dass die Einteilung der Schweregrade vom Forscher selbst vorgenommen wird. Besonders alarmierend ist, dass die Zahl der „schweren“ Tierversuche weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt (2016 waren es 114.824 Tiere bzw. 5,2 %).

Neben den offiziell erfassten Zahlen gibt es eine Dunkelziffer. Bereits bei Zucht und 'Vorratshaltung' werden 'überschüssige' Tiere getötet oder sterben schon vor dem eigentlichen Versuch bei Haltung und Transport. Versuchstiere werden üblicherweise nicht nach Bedarf gezüchtet, sondern im Überschuss, um jederzeit eine gewisse Anzahl von Tieren der einzelnen Arten, Alters- und Gewichtsklassen 'vorrätig' zu haben. Auch fehlen in der Statistik Tiere, die der Erstellung gentechnisch veränderter Linien dienen. Die Zahl der Tiere, die nicht die gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90 – 99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. Außer Kopffüßern (Tintenfischen) werden wirbellose Tiere wie Insekten und Krebse werden überhaupt nicht gezählt.

Informationen zu Tierversuchen und Tierschutzgesetz >> 

Entwicklung der Tierversuchszahlen seit 1989

Grafik Tierversuchszahlen 1989 - 2017 >>

Tierversuchsstatistiken des BMEL

2017 Tabelle (PDF)

2016 Tabelle (PDF)

2015 Tabelle (PDF)

2014 Tabelle (PDF)

2013 Tabelle (PDF)

2012 Tabelle (PDF)

2011 Tabelle (PDF)

2010 Tabelle (PDF)

2009 Tabelle (PDF)

2008 Tabelle (PDF)

2007 Tabelle (PDF)

2006 Tabelle (PDF)

2005 Tabelle (PDF)

2004 Tabelle (PDF)

Tierversuchstatistik der EU

In dieser Statistik werden nur die Tiere, die in Tierversuchen leiden und sterben erfasst, nicht aber die zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere. Für Deutschland sind hier daher niedrigere Zahlen als in der Statistik des BMEL angegeben. Die letzte Statistik der EU stammt tatsächlich aus dem Jahr 2011. 

Tabelle 2011 (PDF)

Tabelle 2008 (PDF)

Tabelle 2005 (PDF)

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