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Kosmetik / Chemikalien

Geltendes Verbot von Tierversuchen für Kosmetika in Gefahr

Seit dem Jahr 2009 ist es in der Europäischen Union verboten, Kosmetika zu verkaufen, die im Tierversuch getestet wurden. Für diese Regelung gibt es drei Ausnahmen. Langzeit-Wirkungen und ein möglicher Einfluss auf Fortpflanzung und Entwicklung von Nachkommen sowie auf den Stoffwechsel dürfen noch bis zum 11. März 2013 im Tierversuch geprüft werden. Nun droht dieses Verbot auf unbestimmte Zeit verschoben zu werden, da einem von der EU in Auftrag gegebenen Bericht zufolge bis dahin nicht genügend tierversuchsfreie Tests zur Verfügung stehen würden. Hinzu kommt, dass zwei weitere Tierversuche zur Testung von Allergie und Krebs auslösenden Wirkungen ebenfalls weiter erlaubt werden sollen, obwohl diese laut EU-Kosmetikrichtlinie bereits seit März 2009 verboten sind.

Unser Verein Ärzte gegen Tierversuche hat gemeinsam mit seinen Partnern von der Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche (ECEAE) zu allen Teilen des Gutachtens ausführlich Stellung genommen und seine Einschätzung zum Stand der tierversuchsfreien Methoden dargelegt. In den Kommentaren wird darauf hingewiesen, dass manche der in ihrer Entwicklung weit fortgeschrittenen tierversuchsfreien Verfahren in dem Expertenbericht nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Beispiele sind Tests für Langzeitprüfungen an menschlichem Lungengewebe oder auch Computer gestützte Verfahren. Dieser Standpunkt wurde durch Firmen, die solche Verfahren schon heute anbieten, ausdrücklich unterstützt.

Die Ärzte gegen Tierversuche stimmen mit dem Expertengutachten überein, dass es Handlungsbedarf bei der Entwicklung von sogenannten Alternativmethoden gibt. Dennoch darf der Zeitplan für die vollständige Abschaffung aller Tierversuche für Kosmetika in der Europäischen Union nicht in Frage gestellt werden. Ein gesetzliches Verbot von Tierversuchen in einem bestimmten Bereich wirkt bei der Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden wie ein Katalysator. Eine Aufweichung der gesetzlichen Bestimmungen hätte eine geringere Förderung solcher Methoden durch Staat und Industrie zur Folge.

Die Kommentare von Seiten des Tierschutzes und von anderen Interessenvertretern werden nun den Gutachtern vorgelegt. Es bleibt abzuwarten, ob die Kommentare der Tierschützer und Tierversuchsgegner in der endgültigen Fassung des Gutachtens berücksichtigt werden, und wie die Europäische Kommission gegenüber dem Parlament dazu Stellung bezieht. Wir werden das Verfahren weiterhin kritisch begleiten.

Dr. med. Wolfgang Stengel

Weitere Information:

Hintergrundinformation zu Kosmetik und Tierversuche >>

Tierversuche reduzieren, ersetzen oder abschaffen? Positionspapier zum 3R-Konzept >>

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