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Kosmetik / Chemikalien

Kosmetik und Tierversuche



Kosmetik-News

Der lange Weg zum Vermarktungsverbot von Tierqualkosmetik

Wie viele Tiere sind von Kosmetik-Tierversuchen betroffen?

Welche Tierversuche sind im Kosmetikbereich üblich und welche tierversuchsfreien Tests gibt es?

Warum sind Kosmetik-Tierversuche überflüssig?

Warum werden Tierversuche im Kosmetik-Bereich gemacht?

Gibt es überhaupt tierversuchsfreie Kosmetik?

Warum Positivlisten, wenn doch alle Kosmetik-Tierversuche verboten sind?

Wo erhalte ich tierversuchsfreie Kosmetik?


Ab 11. März 2013 dürfen an Tieren getestete Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht mehr in die EU eingeführt werden. Ein historischer Sieg für uns Tierversuchsgegner, dem ein langer, steiniger Weg vorausging. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Tiere werden in zahlreichen anderen Bereichen zu Tode gequält und selbst Kosmetik-Tierversuche gehen weiter, denn sie können nach wie vor außerhalb der EU durchgeführt werden, z.B. für den chinesischen Markt. 

 

Kosmetik-News

  • 12.11.2013 Kosmetik-Tierversuche: Chinesische Behörde besteht nicht mehr auf Tiertests >>
  • 18.10.2013 Ärzte gegen Tierversuche werden Partner bei Cruelty Free International >>
  • 07.03.2013 Tierversuchsgegner danken der Europäischen Kommission: Endgültiges Aus für Kosmetik-Tierversuche >>
  • 31.01.2013 Aus für Kosmetik-Tierversuche >>
  • 04.01.2013 Israel verbietet Tierversuche für Kosmetika >>
  • 18.10.2012 Übergabe von 242.000 Unterschriften >>
  • 19.04.2012 China soll auf Kosmetik-Tierversuche verzichten >>
  • 22.12.2011 Leiden für die Schönheit - EU will Verkaufsverbot für Tierversuchskosmetik aufweichen >>
  • 17.06.2011 Deutschland will Kosmetik-Tierversuche weiter erlauben >>
  • 14.06.2011 Überzeugungsarbeit in Brüssel  >>
  • 10.05.2011 NEIN zur Tierqual-Kosmetik: Protestaktion vor dem Londoner Parlament >>
  • 08.03.2011 Tiere leiden weiter für Lippenstift und Make-up >>
  • 18.01.2011 Neue europaweite Kampagne: »Nein zu Tierqual-Kosmetik« >>  
  • 21.10.2010 Geltendes Verbot von Tierversuchen für Kosmetika in Gefahr >>

 

Der lange Weg zum Vermarktungsverbot von Tierqualkosmetik

Unser Dachverband, die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) wurde 1991 ursprünglich mit dem Ziel gegründet, Tierversuche in der Kosmetik in der EU abzuschaffen. Nach 23 Jahren ist dieses Ziel nun endlich erreicht. Ab 11. März 2013 dürfen an Tieren getestete Kosmetika und deren Inhaltsstoffe nicht mehr in die EU eingeführt werden.

 

Es war ein ungeheuer langer und steiniger Weg mit vielen Rückschlägen. Die ECEAE hat all die Jahre an vorderster Front gekämpft, um Tiere davor zu bewahren, für Lippenstift und Haarspray zu leiden und zu sterben. Öffentlichkeitswirksame Kampagnen und die politische Arbeit zielten von Anfang darauf ab, nicht nur Tierversuche für Kosmetika und Rohstoffe zu verbieten, sondern auch eine Einfuhr in die EU zu verhindern. Nur so kann die Industrie wirksam gezwungen werden, einen tierversuchsfreien Weg zu gehen.

Vielen Dank an alle, die bei den Kampagnen mitgemacht haben!

Rückblick


  • 1986 – Das damals neue deutsche Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche für dekorative Kosmetika. Diese Vorschrift verhinderte jedoch keine Tiertests in diesem Bereich. Zum einen fiel die gesamte Palette der pflegenden Kosmetika nicht darunter und zum anderen war die Abgrenzung zwischen dekorativen und pflegenden Mitteln unklar. Die Hersteller deklarierten selbst Lidschatten und Lippenstift als pflegend und konnten so das Verbot leicht umgehen.
  • 1990 – Die Europäische Koalition zur Beendigung von Kosmetik-Tierversuchen (später ECEAE) wird von den führenden Tierschutz- und Tierversuchsgegnerorganisationen mit dem Ziel gegründet, Kosmetik-Tierversuche in der EU abzuschaffen.
  • 1991 – Die ECEAE organisiert in Brüssel eine Großdemo. Das übergroße Kaninchen ‘Vanity’ geht auf Tour durch Europa, um EU-Abgeordnete davon zu überzeugen, für ein Verbot von Kosmetik-Tierversuchen zu stimmen.
  • 1992 – Ein historischer Schritt: Das EU-Parlament stimmt für das Ende der Tierversuche für Kosmetik in der EU.
  • 1993 – Der Ministerrat lehnt den Entwurf des EU-Parlaments und der EU-Kommission ab, der ein Vermarktungsverbot von an Tieren getesteten Produkten und Rohstoffen vorsieht. Der Rückschlag ist der mächtigen Kosmetikindustrie zu verdanken, die ein Verbot unbedingt verhindern will.
  • 1996 – Zusammen mit dem Body Shop und Rock-Legende Chrissie Hynde übergibt die ECEAE vier Millionen Unterschriften an die EU-Kommission.
  • 1998 – Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet Tierversuche für die Entwicklung von dekorativen und pflegenden Kosmetikprodukte sowie für ihre Rohstoffe, solange sie nicht unter das Chemikaliengesetz fallen. Dies betrifft nur etwas 10% der Inhaltsstoffe, so dass der größte Teil der Substanzen nach den Vorgaben des Chemikaliengesetzes im Tierversuch getestet werden kann.
  • 2000 – Die EU-Kommission gibt die Pläne zu einem Verkaufsverbot auf Eis und schlägt ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetikprodukten innerhalb von zwei Jahren und für Rohstoffe drei Jahre später vor, mit der Option dieses weiter in die Zukunft verschieben zu können.
  • 2003 – Die 7. Änderungsrichtlinie der Kosmetikrichtlinie wird verabschiedet. Sie sieht ein Ende der Kosmetiktierversuche innerhalb von zehn Jahren vor.
  • 2004 - Ab 11.09.2004 gilt ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für kosmetische Fertigprodukte sowie ein Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -rohstoffen, wenn von der EU anerkannte 'alternative' Testmethoden vorhanden sind.
  • 2009 – Ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für Kosmetik-Rohstoffe sowie ein EU-weites Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe für die meisten der routinemäßig eingesetzten Tiertest, unabhängig davon, ob für diese bereits tierversuchsfreie Verfahren vorhanden sind oder nicht, tritt in Kraft. Drei Tiertests (Giftigkeit bei wiederholter Gabe, Reproduktions-Giftigkeit, Toxikokinetik (Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechslung und Ausscheidung einer Substanz)) dürfen weiterhin durchgeführt werden. Für sie ist ein Verbot ab 2013 vorgesehen.
  • 2010 – Die EU-Kommission will die für 2013 vorgesehene, letzte Stufe des Vermarktungsverbots um zehn Jahre verschieben.
  • 2011 – Die ECEAE startet die Kampagne ‘NEIN zu Tierqualkosmetik’, unterstützt von Promis wie Sir Paul McCartney und Morrissey.
  • 2012 - Die ECEAE übergibt knapp eine Viertel Million Unterschriften in Brüssel und führt Gespräche mit Entscheidungsträgern der EU-Kommission, des EU-Rats und der Belgischen Ratspräsidentschaft.
  • 2013 – Am 11. März tritt das Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe in Kraft.

Wieviele Tiere sind von Kosmetik-Tierversuchen betroffen?

Kosmetik-Tierversuche machen gegenüber der Anzahl der Tiere, die im Bereich der Grundlagenforschung, medizinische Forschung, Pharma- und Chemieindustrie leiden und sterben, nur einen sehr kleinen Teil aus. Den offiziellen Statistiken der EU zufolge wurden im Kosmetikbereich 0,05% aller Tierversuche durchgeführt (1999: 4.823 Tiere von ges. 9,8 Mio. und 2005: 5.571 Tiere von ges. über 12 Mio.). Da die Industrie ihre Tierversuche frühzeitig in Länder außerhalb der EU verlagert hat, kann über die tatsächliche Anzahl allerdings nur spekuliert werden.

Auch wenn die Zahlen gering erscheinen, das Aus der Kosmetik-Tierversuche in der EU ist ein echter Meilenstein. Die Industrie wird so gezwungen, auf tierversuchsfreie Testmethoden oder bereits vorhandene Rohstoffe zurückzugreifen. Außerdem führten die 2003 in der Kosmetikverordnung festgelegten Termine für den Ausstieg zu einer verstärkten Förderung und Entwicklung tierversuchsfreier Testmethoden in der EU. Diese können auch in anderen Bereichen, vor allem der Chemikalientestung, eingesetzt werden.

Kosmetik-Rohstoffe, die nur in Kosmetika verwendet werden, sind von der Chemikalienverordnung REACH ausgenommen, nach der alle alten und neuen Chemikalien registriert und zum großen Teil in Tierversuchen getestet werden müssen. (mehr zu REACH >>)

Weiterhin übt das Verbot in der EU Druck auf Länder wie China aus, wo Tierversuche für Kosmetika vorgeschrieben sind. China hat ein Interesse daran, dass globale Kosmetikkonzerne auf seinen Markt streben, macht es diesen aber mit seiner Tierversuchspolitik schwer. Erste Anzeichen, dass sich das Land der Mitte für tierversuchsfreie Testmethoden öffnet, gibt es bereits.

Letztendlich dürfen wir nicht vergessen: Zahlen sagen nichts über das Leid des einzelnen Tieres aus. Jede Maus, jede Ratte, die nicht in einem Tierversuch zu Tode gequält wird, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Welche Tierversuche sind im Kosmetikbereich üblich und welche tierversuchsfreien Tests gibt es?

Die Palette der für Kosmetikrohstoffe durchgeführten Verträglichkeitsprüfungen umfasst gut ein Dutzend, durchweg äußerst grausamer und schmerzhafter Tierversuche. Zahlreiche so genannte In-vitro-Tests, d.h. Prüfungen, die im Reagenzglas ablaufen, wurden bereits entwickelt.

 
Diese folgende Liste gibt einen kurzen Überblick über die heute vorhandenen Möglichkeiten. Die Ärzte gegen Tierversuche lehnen jedoch den Einsatz von Tieren, Teilen von Ihnen (z.B. tierischen Zellen) sowie Eiern ab.

Akute und chronische Giftigkeit (Toxizität)

Tierversuch: Ratten oder Mäuse erhalten die Substanz per Magensonde einmalig oder über einen längeren Zeitraum eingegeben. Je nach Art und Menge des verabreichten Stoffes winden sich die Tiere stundenlang in Krämpfen, sie leiden an Durchfall, Fieber, Schüttelfrost oder Lähmungen.

In-vitro: Mit Hilfe von menschlichen oder anderen Säuger-Zellkulturen lässt sich die Giftigkeit von kosmetischen und anderen chemischen Produkten untersuchen. Die Zellen reagieren sehr empfindlich und sterben bei Zugabe von giftigen Stoffen ab.

Hautreizungstest

Tierversuch: Die Prüfsubstanz wird Kaninchen auf die geschorene Haut aufgetragen. Wirkt die Substanz hautreizend, entstehen schmerzhafte Entzündungen.

In-vitro: Die Substanz wird an isolierter menschlicher Haut oder Zellkulturen menschlicher Hautzellen überprüft. Verschiedene Testsysteme sind im Handel erhältlich.

Augen-/Schleimhautreizung (Draize-Test)

Tierversuch: Die Testsubstanz wird Kaninchen in die Augen geträufelt. Anschließend werden die Schäden beobachtet: Je nach Art und Dosierung des Stoffes kommt es zu schmerzhaften Entzündungen und schweren Verätzungen des Auges.

In-vitro: Beim HET-CAM-Test wird die direkt unter der Schale eines bebrüteten Hühnereis liegende Haut, die Venen und Arterien, aber keine Nerven enthält, verwendet. Die zu testende Substanz wird auf die Haut geträufelt und die Reaktion beobachtet.

Hautallergietest

Meerschweinchen wird die Prüfsubstanz in die Haut gespritzt, um das Immunsystem der Tiere zu stimulieren. Löst die Testsubstanz bei nochmaligem Kontakt allergische Reaktionen aus, so kommt es zu schmerzhaften Hautentzündungen.

Schädigende Wirkung durch Sonnenlicht (Phototoxizität)

Tierversuch: Die Prüfung wird an Ratten oder Meerschweinchen durchgeführt und ähnelt sehr dem Hautallergietest. Der Stoff wird in die Haut gespritzt. Bei der anschließenden Bestrahlung mit UV A-Licht werden die Tiere stundenlang in enge Plastikröhren gesteckt, in denen sie sich nicht bewegen können.

In-vitro: Der 3T3-Neutralrot-Test beruht auf dem Prinzip, dass Zellen einer bestimmten permanenten Mäusezelllinie, nach Zugabe einer schädigenden Substanz und UV-Licht Bestrahlung, nicht mehr in der Lage sind, einen roten Farbstoff aufzunehmen.

Hautabsorptionstest

Tierversuch: Die Testsubstanz wird bei Ratten auf die Haut aufgetragen. Die Tiere werden isoliert in so genannten Stoffwechselkäfigen gehalten. Harn-, Kot- und evtl. auch Blutproben der Tiere werden auf Vorhandensein der Testsubstanz untersucht.

In-vitro: Die Überprüfung kann auch an menschlichen Hautproben stattfinden.

Frucht-/ oder keimschädigende Wirkung (Teratogenität)

Tierversuch: Die Substanz wird trächtigen Ratten oder Kaninchen verabreicht. Die Tiere werden zu verschiedenen Zeitpunkten der Trächtigkeit getötet, um zu beurteilen, ob der Stoff das Muttertier schädigt und/oder die normale Entwicklung der Früchte beeinflusst. Bei teratogenen Substanzen kommt es zu Missbildungen oder Totgeburten.

In-vitro: Es gibt zahlreiche In-vitro-Tests, zum Beispiel mit isolierte Embryonen von Mäusen, Ratten oder Kaninchen (Embryokultur), mit unsterblichen Mäusezelllinien (Embryo-Stammzell-Test) oder mit Zellen von Mäuseembryonen (Limb Bud Micromass-Test).

Krebsauslösende Eigenschaften (Kanzerogenität)

Tierversuch: Die Prüfsubstanz wird Ratten oder Mäusen verabreicht. Es wird untersucht, ob die Tiere Tumore entwickeln.

In-vitro: Für den so genannten Transformationstest werden Zellkulturen aus Hamsterembryonen oder Mäusezelllinien verwendet. Auch menschliche Leber- und Hautzellen eigenen sich. 

Warum sind Kosmetik-Tierversuche überflüssig?

Die kosmetische Industrie führt als Grund für die Durchführung von Tierversuchen die Verbrauchersicherheit an. Angeblich können nur Tierversuche die Unbedenklichkeit der Substanzen garantieren und vor möglichen Schäden durch ein neues Produkt schützen. Doch in Wahrheit tragen Tierversuche nichts zur Sicherheit der Verbraucher bei. Die Ergebnisse der Experimente lassen sich wegen der vielfältigen anatomisch-physischen und psychischen Unterschiede zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Tieren untereinander nicht auf den Menschen übertragen. Tierversuche bieten niemals eine Gewähr dafür, ein sicheres Produkt in den Händen zu halten. Erst wenn sich ein Produkt jahrzehntelang bewährt hat, ohne dass es beim Menschen zu Schäden gekommen ist, kann von einer Unbedenklichkeit gesprochen werden.

Dass Tierversuche nichts zur Sicherheit der Verbraucher beitragen, zeigt die Latte der Schadensfälle, die immer wieder auftreten. 1986 wurden in diversen Shampoos und Badezusätzen große Mengen des krebsfördernden Dioxan gefunden. Wenig später fand die Stiftung Warentest zum Teil die fünffache Menge der zugelassenen Höchstkonzentrationen von krebserzeugenden Schwermetallen wie Arsen, Barium, Blei und Quecksilber in vielen Lippenstiften, Wimperntuschen und Lidschatten. Das Verbrauchermagazin Öko-Test fand im Jahr 2001 in 18 von 22 Blondierungsmitteln gesundheitsbedenkliche Farbstoffe und krebsverdächtige Konservierungsmittel.

Warum werden Tierversuche im Kosmetikbereich gemacht?

Die Kosmetikindustrie will sich mit Tierversuchen vor Ersatzansprüchen bei möglichen Schadenfällen absichern. Tierversuche dienen damit der Sicherheit des Produzenten, nicht des Verbrauchers – sie haben lediglich eine Alibifunktion. Das Risiko der Industrie ließe sich reduzieren, indem auf altbewährte Inhaltsstoffe und Produkte zurückgegriffen würde. Doch der oberste Grundsatz aller Unternehmen in den Industriestaaten liegt in der Gewinnmaximierung. Mit seit langem etablierten Erzeugnissen lässt sich der Kampf um Image und Marktanteile kaum gewinnen. So werden für das Profitstreben der Konzerne immer neue Kosmetika und Körperpflegemittel auf den Markt geworfen.

Ein weiterer Grund für das Festhalten am Tierversuch hat ebenfalls mit der Profit-Strategie der Konzerne zu tun. In China und manchen anderen Ländern sind Tierversuche für Kosmetika vorgeschrieben. Wer also seine Seife oder Sonnecreme weltweit vertreiben will, wird diese zuvor in Tierversuchen testen. 

Gibt es überhaupt tierversuchsfreie Kosmetika?

Fakt ist, dass die chemische Industrie erst mit Beginn des vorigen Jahrhunderts ihre Entwicklung begonnen hat, der Mensch aber schon seit Tausenden von Jahren Körperpflege, das Färben von Haaren (mit Henna) und Kleidungsstücken beherrschte. Solche seit Jahrtausenden in der menschlichen Alttagskultur verwendeten Stoffe im Tierversuch zu testen, ist genauso abwegig, als wenn man die Giftigkeit von Wasser ermitteln wollte. Denn Wasser – das weiß jedes Kind – ist ungiftig, obwohl die Erfahrung lehrt, dass man auch in Wasser ertrinken kann. Doch die chemische Industrie testete selbst anerkannt ungiftige Substanzen, wie Jojobaöl oder Olivenöl. Im Grunde sind alle Inhaltsstoffe von kosmetischen Erzeugnissen irgendwann einmal im Tierversuch auf ihre Giftigkeit hin untersucht worden. Insofern kann eigentlich nicht von »tierversuchsfreien« Produkten gesprochen werden.

Warum Kosmetik-Positivlisten, wenn doch alle Kosmetik-Tierversuche verboten sind?

Die Einfuhr und der Verkauf von neuen an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und –inhaltsstoffen sind ab dem 11. März 2013 verboten. Die Industrie ist nun gezwungen, auf vorhandene Inhaltsstoffe bzw. tierversuchsfreie Testmethoden umzusteigen. Damit sind theoretisch gesehen alle neuen Shampoos, Lippenstifte und Haarsprays tierversuchfrei. Wozu braucht es dann noch die Positivlisten?

  • Die Kosmetikkonzerne können nach wie vor Tierversuche durchführen für Inhaltsstoffe und Produkte, die sie nicht in die EU einführen. In manchen Ländern wie China sind Tierversuche sogar verpflichtend vorgeschrieben. Solange es kein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen gibt, werden weiterhin Tierversuche durchgeführt.
  • Es gibt innerhalb der EU Unstimmigkeiten, was unter »Kosmetikinhaltsstoffen« zu verstehen ist. So fallen Rohstoffe, die auch anderweitig als im Kosmetikbereich eingesetzt werden unter »Chemikalien« und können als solche auch an Tieren getestet werden.
  • Das Verkaufsverbot muss von den einzelnen EU-Staaten durchgesetzt und kontrolliert werden. Manche Länder haben möglicherweise nicht das Wissen und die Mittel, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Tierqualkosmetik kann so weiterhin in unsere Läden gelangen.
  • Firmen, die seit Jahren auf eine tierversuchsfreie Politik setzen, sollten belohnt und nicht denen gleichgestellt werden, die erst durch ein gesetzliches Verbot auf Tierversuche verzichten. Das Vermarktungsverbot gilt außerdem nur für zukünftige Tierversuche, d.h. an den allermeisten Produkten klebt nach wie vor Blut.

Die einzigen streng kontrollierten Listen sind die Positiv-Liste des Deutschen Tierschutzbundes und der Humane Cosmetic Standard HCS mit dem springenden Kaninchen als Logo. Der HCS schließt z.B. Firmen aus, die in China verkaufen und so nicht mehr als tierversuchsfrei gelten können.

Wo erhalte ich tierversuchsfreie Kosmetik?

 

 

 

 

Kosmetiklisten, die wie empfehlen, warum wir sie empfehlen und wo man entsprechende Produkte kaufen kann >>

 

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