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Gesundheit

Vorbeugen ist besser als Heilen


Dr. med. vet. Corina Gericke

Die heute praktizierte Medizin wird durch ein biomedizinisch, tierexperimentell ausgerichtetes Selbstverständnis geprägt. Doch es wird immer deutlicher, dass diese dominierende Richtung der Medizin ihren Aufgaben nicht gewachsen ist. Trotz eines immensen Forschungsaufwands mit Millionen von Tieropfern in den Labors, leiden immer mehr Menschen an den so genannten Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Allergien, Rheuma usw.. Die Kosten für Gesundheits- und Krankheitswesen steigen unaufhörlich.

Milliardenbeträge fließen in die tierexperimentelle Forschung, weitere Milliarden kosten uns die Folgen von Krankheiten, die wir zum großen Teil durch unsere Lebensweise selbst verursachen. Wenn unser Gesundheitssystem nicht bald vollständig kollabieren soll, müssen wir dafür Sorge tragen, dass diese Krankheiten gar nicht erst entstehen, dass die Menschen gesund bleiben.

Medizinische Disziplinen, die hierfür die Grundlage bilden und zudem vollständig ohne Tierversuche auskommen, sind u.a. Epidemiologie, Prävention (Vorbeugung), Sozialmedizin und Public Health (Gesundheitswissenschaften).

»Juli 1846. Nächste Woche trete ich meine Stelle als ‚Herr Doktor' auf der ersten Station der Entbindungsklinik im Allgemeinen Krankenhaus von Wien an. Ich war entsetzt, als ich vom Prozentsatz der Patienten hörte, die in dieser Klinik sterben. In diesem Monat starben dort sage und schreibe 36 von 208 Müttern, alle an Kindbettfieber. Ein Kind zur Welt zu bringen ist genauso gefährlich wie eine Lungenentzündung ersten Grades.« (1)

Diese Zeilen aus dem Tagebuch von Ignaz Semmelweis (1818-1865) illustrieren die verheerenden Auswirkungen des Kindbettfiebers, einer ansteckenden Krankheit, an der im vorletzten Jahrhundert viele Frauen nach der Geburt eines Kindes starben. Die Ärzte, darunter auch Semmelweis, tappten in Bezug auf die Ursache des Kindbettfiebers völlig im Dunkeln. Semmelweis schrieb in sein Tagebuch: »Dezember 1846. Warum sterben so viele Frauen nach einer völlig problemlosen Geburt an diesem Fieber? Seit Jahrhunderten lehrt uns die Wissenschaft, es handle sich um eine unsichtbare Epidemie, die Mütter tötet. Als mögliche Ursachen gelten Veränderungen in der Luft, irgendwelche außerirdischen Einflüsse oder eine Bewegung der Erde selbst, ein Erdbeben.« (1)

Heutzutage würde kaum jemand außerirdische Einflüsse oder ein Erdbeben als mögliche Ursachen für Fieber in Erwägung ziehen. Zu Lebzeiten von Semmelweis taten dies allerdings viele, auch Wissenschaftler. Semmelweis ließ es aber nicht dabei bewenden, sondern sammelte Daten über die Todesfälle auf Grund von Kindbettfieber und stellte fest, dass Ärzte und Medizinstudenten, die vor der Untersuchung der Wöchnerinnen Leichen seziert hatten, offensichtlich eine Art »Leichengift« übertrugen. Er führte die Händedesinfektion ein und reduzierte damit die Zahl der Erkrankungen drastisch. Obwohl noch niemand etwas von krankmachenden Bakterien ahnte, hatte Semmelweis das Problem durch sorgsame Beobachtung erkannt und Abhilfe geschaffen.

Doch statt Anerkennung erntete er die Feindschaft seiner Fachkollegen, die nicht wahrhaben wollten, dass sie selbst jene Krankheit verursachten, die sie heilen wollen. Die Opposition der Wissenschaftswelt war derart hartnäckig und feindselig, dass Ferdinand Hebra, einer der wenigen Befürworter der Semmelweis'schen Theorie, schrieb: »Wenn man dereinst die Geschichte menschlicher Fehler erzählt, wird man nur schwerlich ein so machtvolles Beispiel finden, und man wird verblüfft sein, wie derart fähige und spezialisierte Menschen in ihrer eigenen Wissenschaft so blind und so dumm sein konnten.« (2)

Semmelweis erlebte die Bestätigung seiner Erkenntnisse nicht mehr. Er starb 1865, zwei Jahre bevor der schottische Arzt Joseph Lister (1827-1912) Desinfektion und Hygiene in die Chirurgie einführte und damit die Todesrate im Operationssaal massiv senkte.
Semmelweis gelangte zu seinen Erkenntnissen durch Beobachten und Vergleichen. Die Erforschung von Menschengruppen in ihrem natürlichen Umfeld oder in Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten, nennt man Epidemiologie. Die Methode der Epidemiologie ist nicht das Experiment, sondern die Beobachtung. Das Ziel ist nicht nur die Behandlung von Krankheiten, sondern vor allem deren Vermeidung.

Tod durch Armut

Während des ganzen 19. Jahrhunderts wurde Europa immer wieder von tödlichen Durchfallepidemien heimgesucht. Als Ursache für die tödliche Seuche, Cholera genannt, vermutete man böse Dämpfe, oder eine Art Vergiftung. Bis 1854, als die Cholera in London wieder einmal wütete, der Londoner Arzt John Snow, die Todesfälle im Stadtviertel Soho auf einem Stadtplan markierte. Er fand den Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem verseuchten Wasser einer Wasserpumpe heraus. Er ließ den Hebel der Pumpe abmontieren und die Cholera-Epidemie in Soho war gebannt.

Die Menschen der unteren Schichten lebten im 18. und 19. Jahrhundert unter heute kaum vorstellbaren Bedingungen. Sie hausten in engen, feuchten, verdreckten Wohnungen ohne Frischwasserzufuhr und sanitäre Anlagen. Die Arbeit war harsch und eine soziale Absicherung gab es nicht. Qualitativ und quantitativ schlechte Nahrung taten ihr übriges. Sozialreformerisch engagierte Ärzte wie Salomon Neumann (1819-1908) und Rudolf Virchow (1821-1902), erkannten Mitte des 19. Jahrhunderts die Zusammenhänge zwischen Seuchenzügen und den katastrophalen sozialen Verhältnissen der Arbeiterschicht.

Wie bei Semmelweis stieß die neue Lehre bei der Fachwelt zunächst auf wenig Gegenliebe. Virchow verlor 1948 seine Stellung an der Berliner Charité, weil er als Gegner der aufkommenden Bakteriologie Robert Kochs, öffentlich geäußert hatte, dass die Typhusepidemien in Oberschlesien soziale Ursachen hätten. Doch die Tatsachen gaben ihm Recht. Mit der Einführung hygienischer Verhältnisse und verbesserten Arbeits- und Lebensbedingungen kam es zu einem dramatischen Rückgang der Infektionskrankheiten der damaligen Zeit, wie Tuberkulose, Lungenentzündung, Grippe, Keuchhusten, Masern, Scharlach, Diphterie, Typhus und Ruhr. Dieser Rückgang erfolgte übrigens bei den meisten der genannten Krankheiten nicht nur lange vor den medizinischen Beiträgen, wie Impfungen und Antibiotikatherapie, sondern auch weitgehend unbeeinflusst von ihnen. (3)

Der heutige Lebensstandard und seine Folgen

Mit dem Wegfall der großen Infektionskrankheiten, die nur noch einmal zu Zeiten der beiden Weltkriege und den damit verbundenen sozialen Einbrüchen aufflammten, kam es in der westlichen Welt zu einer deutlichen Erhöhung der Lebenserwartung und einer Veränderung des Krankheitsspektrum. Dass wir heute älter werden und verglichen mit vorigen Jahrhunderten seltener krank sind, liegt weniger an der medizinischen Versorgung, sondern vielmehr daran, dass wir heute einen hohen Lebensstandard genießen. Doch der moderne 'Way of Life' brachte neue Schattenseiten mit sich. Und wieder war es die Epidemiologie, die die entscheidenden Hinweise für die Ursachen der nun in den Vordergrund gerückten Erkrankungen lieferte.

Dass Rauchen Krebs verursacht, ist uns heute genauso klar, wie die Notwendigkeit der Hygiene bei Operationen. Doch noch in den 50er Jahren bezweifelte man die schädliche Wirkung des Tabaks, nicht zuletzt aufgrund irreführender Tierversuchs-Ergebnisse. Erste Hinweise gab es bereits, doch den Durchbruch brachte erst die Veröffentlichung des 'Surgeon General's Report on Smoking and Health' im Jahr 1964. Die Auswertung von 7.000 wissenschaftlichen Artikeln, die es zu der damaligen Zeit schon gab, ließ keinen Zweifel mehr offen: Zigarettenrauch verursacht Lungenkrebs und chronische Bronchitis. (4) Der Report wird seither jedes Jahr neu herausgegeben. Die neusten Erkenntnisse aus dem Bericht 2004: Die Folgen des Rauchens sind noch weitaus schlimmer als bisher angenommen. Grauer Star, Lungenentzündung, Leukämie und Krebs an Niere, Bauchspeicheldrüse, Magen und Gebärmutterschleimhaut sind die neusten Ergänzungen auf der Liste der Raucherleiden. 

Epidemiologie ist komplizierte Detektivarbeit. Berge von Informationen müssen verarbeitet werden, um die Ursachen von Krankheitskomplexen herauszufinden. Gegenstand der Untersuchung ist das menschliche Wesen, nicht ein Versuchstier und auch nicht ein Gewebe, eine Zelle oder ein Molekül. Der Mensch wird dabei in einer Bevölkerungsgruppe untersucht, in der er naturgemäß auftritt: in der Bevölkerungsgruppe als Deutscher, vielleicht als junger oder alter Mensch, als Nierenkranker, als Krankenschwester, als Kriegsopfer, als Opfer einer Vergewaltigung oder eines Unfalls und in der Population als Bewohner in der Umgebung eines Kernkraftwerkes, eines nitratverseuchten Brunnens, oder sonst einer bestimmten Region. (5)

Die wohl berühmteste und zugleich längste epidemiologische Studie ist die Framingham-Studie, in deren Rahmen seit 1948 die Bewohner der gleichnamigen Stadt in Massachusetts, USA, bezüglich ihrer Herz-Kreislauf-Gesundheit beobachtet werden. Von den ursprünglich 5.209 Bürgern sind inzwischen die meisten verstorben, doch die Studie wird mit ihren Kindern und Kindeskindern fortgeführt. Die in nunmehr 56 Jahren gewonnenen Daten brachten bahnbrechende Erkenntnisse bezüglich der Risikofaktoren, der Entstehung, des Fortschreitens und der Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schon in den 60er Jahren wurde klar, Rauchen, hoher Cholesterin-Spiegel, hoher Blutdruck, Fettleibigkeit, Bewegungsmangel sowie psychosoziale Faktoren erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (6)

Ein weiteres Beispiel wie durch epidemiologische Studien der Lebensstil als Ursache einer Erkrankung aufgedeckt wurde, sind die Allergien. Heute leidet jeder Dritte in Deutschland und vielen anderen Ländern der »westlichen Welt« an Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis usw.. Der dramatische Anstieg der Allergien in den letzten Jahrzehnten - vor 30 Jahren war lediglich ein Prozent der Bevölkerung betroffen - ist neben einer erblichen Disposition und Umweltbelastungen, zum großen Teil auf unsere Lebensumstände und unseren Lebensraum zurückzuführen. Epidemiologische Untersuchungen haben ergeben, dass Menschen in den industriell weniger entwickelten Ländern deutlich seltener an Allergien leiden als in den Wohlstandsländern. Eindrucksvoll ist auch eine Studie, die alte und neue Bundesländer miteinander vergleicht. Bei den Generationen der deutschen Kriegs- und Nachkriegskinder gab es kaum Allergien, weder in West noch Ost. Mit dem Bau der Mauer entwickelten sich die Risikofaktoren, denen Kinder ausgesetzt sind, auseinander. Trotz stärkerer Umweltverschmutzung litten in der DDR signifikant weniger Kinder unter Allergien. Infektionen in der Kindheit spielen dabei eine wesentliche Rolle. Der Kontakt mit Krankheitserregern z.B. in den Kinderkrippen der DDR, wirkte wie ein Fitnessprogramm für das Immunsystem. Im Westen zeigte sich dagegen, dass übertriebene Sauberkeit, z.B. durch den häufigen Einsatz von desinfizierenden Putzmitteln, zu einer erhöhten Allergieanfälligkeit führen. Seit der Wiedervereinigung nimmt die Häufigkeit von Allergien in Ostdeutschland stetig zu. Ähnliche Studien aus anderen Ländern bestätigen ebenfalls einen Zusammenhang zwischen »westlichem« Lebensstil und dem vermehrten Auftreten von Allergien. (7,8)

Gesundheit ist machbar - ohne Tierversuche

Die Hälfte aller Menschen der westlichen Welt stirbt heute an vermeidbaren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein Viertel an Krebs. 80% der Krebserkrankungen werden hervorgerufen durch Rauchen, Fehlernährung, Umweltgifte, Alkohol und andere vermeidbare Ursachen. Die vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ebenfalls Rauchen, falsche Ernährung und Alkohol, außerdem Stress, Übergewicht und Bewegungsmangel. Die Solidargemeinschaft muss allein in Deutschland jedes Jahr rund 71 Milliarden Euro für die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten (9) und 75 Milliarden für die Folgen von Raucherkrankheiten aufbringen. (10) Dank epidemiologischer Studien konnten die Ursachen der heutigen »Hauptkiller« und vieler weiterer Erkrankungen identifiziert werden.

So wie damals Snow den Hebel der verseuchten Pumpe abmontieren ließ, muss auch für die heutigen Krankheiten die logische Folgerung sein: Vorbeugen ist besser als Heilen. Anstatt vergeblich in so genannten »Tiermodellen« menschliche Erkrankungen nachahmen zu wollen, könnte man mit präventiven Maßnahmen nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sondern auch AIDS, Diabetes, Rheuma, Allergien usw. durch Vermeidung der Risikofaktoren drastisch zurückdrängen.

Doch weite Teile der Bevölkerung von der Umsetzung eines gesunden Lebensstils zu überzeugen ist leichter gesagt als getan. Rund 40% der erwachsenen Deutschen gaben zwar an, sehr stark bzw. stark auf ihre Gesundheit zu achten (12), doch, so heißt es dazu im Gesundheitsbericht des Statistischen Bundesamtes von 1998: »Die Mehrheit der Bevölkerung jedoch lässt einer durchaus positiven Einstellung zur Gesundheit keine Taten folgen. ... Als Ursache wird im wesentlichen angegeben, es fehle an Zeit, man habe zu wenig Einfluss, die individuellen Bedürfnisse stünden im Wege, und externe Einflüsse seien schwer zu verändern. Außerdem steht gesundheitsförderndes Verhalten häufig im Gegensatz zu den von Medien und der Werbung erzeugten Konsumwünschen. .... Außerdem fühlen sich die Menschen häufig von der Vielzahl der gesundheitsbezogenen Informationen überfordert.« (11)

Der Appell, die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, fruchtet bei weiten Teilen der Bevölkerung nicht. Ausgerechnet die Bevölkerungsgruppen, die sich besonders ungesund verhalten, sind auch besonders schwer zugänglich für präventive Maßnahmen. Anstatt den eigenen Lebenswandel zu ändern, vertrauen viele Menschen lieber auf die moderne Medizin, die es schon richten wird. Der frisch operierte Bypass-Patient, der heimlich auf dem Krankenhaus-Balkon raucht, die McDonald-Stammkundin, die sich lieber das Fett absaugen lässt, als Gemüse zu essen, der Manager mit stressbedingtem Herzinfarkt, der vom Krankenbett aus per Handy und Laptop da weitermacht, wo er aufgehört hat - sie alle sind Täter und Opfer in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Wegen der häufig mangelnden Umsetzung einer gesunden Lebensweise dürfen sich vorbeugende Maßnahmen nicht nur auf Appelle an ein gesundheitsbewusstes Verhalten beschränken. Es müssen auch die Verhältnisse, in denen Menschen leben, verbessert werden. Dieses ist z.B. durch staatliche, oft recht unpopuläre Maßnahmen möglich. Verhaltensänderungen werden so durch Gesetze erzwungen (Anschnallpflicht im Auto, Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen und Gaststätten, Tabaksteuer). Hier ließe sich staatlicherseits noch viel bewirken.

Doch Maßnahmen dieser Art haben natürlich ihre Grenzen, schließlich könnte man (leider) wohl kaum eine Schnitzelsteuer einführen, um die Menschen zu einer vegetarischen oder veganen Lebensweise zu zwingen. Letztendlich bleibt die Gesundheit doch zum größten Teil in der Verantwortung des Einzelnen.

Was macht die Menschen gesund?

Gesundheit ist nicht nur die bloße Abwesenheit von Krankheit, sondern umfasst auch das seelische, körperliche und soziale Wohlbefinden der Menschen. Die Wissenschaft, die sich nicht nur mir der Frage »Was macht Menschen krank?« beschäftigt, sondern auch mit »Was macht Menschen gesund - trotz der Konfrontation mit einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken?«, nennt man Public Health. Faktoren, die die Gesundheit positiv beeinflussen, so genannte Gesundheitsressourcen, sind z.B.:

Zuversicht, positives Selbstwertgefühl, positives Gesundheitsverhalten, günstige familiäre Beziehungen, gute Bildungsmöglichkeiten, günstige Bedingungen am Arbeitsplatz (positives Betriebsklima, Entscheidungsspielraum, gesellschaftliche Anerkennung), auch ehrenamtliche Tätigkeit hat gesundheitsfördernde Wirkungen. Die Wohnung spielt als Ort für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung eine wichtige Rolle.

Fazit

Tierversuche sind eine grausame und unwissenschaftliche Methode der Erkenntnisgewinnung. Für viele bedeutsame Entdeckungen in der Medizin waren Experimente an Tieren nicht nur nicht dienlich, sondern sogar kontraproduktiv. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne die komplexen Einflüsse, denen der Mensch ausgesetzt ist und die Gesundheit und Krankheit beeinflussen, auch nur ansatzweise im »Tiermodell« simulieren.

Entscheidende Erkenntnisse über die Ursachen der großen Infektionskrankheiten vergangener Jahrhunderte und der Zivilisationskrankheiten der heutigen Zeit sind auf epidemiologische Studien zurückzuführen, d.h. Untersuchungen von Menschen und ihrer Lebensverhältnisse. Vorbeugende Maßnahmen haben die Seuchen der damaligen Zeit zurückgedrängt und könnten auch die heutigen Massenkrankheiten der »westlichen Welt« drastisch reduzieren. Doch anstatt dieses Potential zu nutzen und Gelder in die Prävention und Gesundheitsförderung zu investieren, fließen weiter große Summe in eine sinnlose, lebensverachtende tierexperimentelle Forschung. Dass die Pharmaindustrie kein Interesse an Vorbeugung hat, liegt auf der Hand. Dass aber politische Entscheidungsträger ebenfalls falsche Prioritäten setzen, ist angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen nicht nachvollziehbar. Und schließlich muss an die Mitverantwortung jedes Einzelnen appelliert werden. Durch einen gesunden Lebensstil tun wir nicht nur uns selbst etwas Gutes, sondern entziehen der tierexperimentell ausgerichteten Forschung die Grundlage.

Selbstverständlich können auch bei bester Vorsorge Menschen krank werden. Für diese Fälle muss eine wirksame und ungefährliche Medizin bereit stehen, Leid zu lindern und Krankheiten zu heilen. Doch Tierversuche sind auch hierfür der falsche Weg. Entwicklung und Prüfung neuer Arzneimitteln lassen sich mit tierversuchsfreien Systemen durchführen, wie z.B. Zellkulturen oder Computersimulationen bzw. Kombinationen verschiedener Methoden. Außerdem sind ganzheitliche Heilverfahren, wie Akupunktur, Homöopathie, Naturheilmittel usw. oft eine Alternative zur biomedizinisch naturwissenschaftlich orientierten Schulmedizin.

Mai 2005


Weiterführende Informationen:

Tierversuchsfreie Testmethoden >>

Ganzheitliche Medizin >>
 

 

Literatur

(1) Pisa-Studie 2001
(2) www.mediport-online.de, Di Trocchio, F.: Newtons Koffer - Geniale Außenseiter, die die Wissenschaft blamierten, Campus-Verlag, Frankfurt
(3) McKeown, T.: Die Bedeutung der Medizin. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M 1982
(4) 1964 Surgeon General's Report on Smoking and Health, National Center for chronic Disease Prevention and Health Promotion, www.cdc.gov
(5) Liszt, A.: Klinische Epidemiologie - Eine Strategie zum Ersatz von Tierversuchen. Gaia, Winter 1994/95
(6) Framingham-Herz-Studie, Wikipedia, abgerufen am 10.1.2010
(7) Larbolette, O.: Allergien auf dem Vormarsch, Spektrum Akademischer Verlag (http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/biok/423),  04.12.2004
(8) SWR PG-Multimedia (www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0003/bg_tm06e.htm), 04.12.2004
(9) Die Welt 10.06.2004
(10) Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung e.V. www.dgnf.de, 06.12.2004
(11) Statistisches Bundesamt 1998, S. 82ff. zitiert nach Waller, H.: Gesundheitswissenschaft, Kohlhammer-Verlag 2002


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