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Kampagnen

„Tierversuche abwählen“ – Das sagen die Parteien

Wahlplakat "Tierversuche abwählen!"

Mit der Bundestagswahl im September werden die Weichen für die nächsten vier Regierungsjahre gestellt – ein Ereignis, das auch für die Tiere im Labor von großer Bedeutung sein wird. Zentrale Akteure der Kampagne „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ sind Ärzte gegen Tierversuche und Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, unterstützt von 13 weiteren Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen. Unsere Kernforderung: Die Entwicklung eines Ausstiegskonzeptes seitens der Bundesregierung. 

Tierversuchs-Ausstieg in die Wahlprogramme

Im Vorfeld, also noch bevor die Parteien begonnen hatten, ihre Wahlprogramme auszuhandeln, wandten wir uns in einem Offenen Brief an Vorsitzende, tierschutzpolitische Sprecher und Abgeordnete der Parteien, um die Notwendigkeit für einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch zu begründen und diese für die Aufnahme in die Wahlprogramme zu animieren. Zudem haben wir die Wahlprogramme gesichtet und, soweit angeboten, Wahlprüfsteine an die Parteien verschickt. Wir wollten wissen, ob die Parteien einen systematischen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch zugunsten humanbasierter, tierleidfreier Methoden anstreben. 

Kampagnen-Erfolg

Unsere Forderung nach einem Ausstiegs-Konzept im Wahlprogramm hat sich tatsächlich bei drei der etablierten Parteien niedergeschlagen. Ein erfreulicher Erfolg unserer Bündnis-Kampagne! 

Hingucker Großplakat

Wahlplakat "Tierversuche abwählen"Unter dem Motto „Tierversuche abwählen“ hängen und leuchten ab vom 30. August bis 13. September 150 imposante Plakate mit verschiedenen Motiven in 24 Städten an viel frequentierten Orten wie U-Bahn-Stationen. Die genauen Zeiträume sind von Stadt zu Stadt etwas unterschiedlich. Die Plakate sollen den Betrachter für dieses Thema sensibilisieren und dazu anregen, sich auf unserer Website weiter zu informieren.  

 

Wahlplakat "Tierversuche abwählen"Mit diesen Hinguckern wollen wir die Bürger und Wähler auf das verborgene Leid von Millionen Tieren in deutschen Laboren aufmerksam machen und Hilfe leisten bei der Wahlentscheidung. Vor allem soll die Kernforderung, die Entwicklung eines Ausstiegskonzepts aus dem Tierversuch, der aktuellen und potenziell neuen Bundesregierung vor Augen geführt werden. Denn mit ihrer Stimme können alle Bürger und mit ihren Handlungen alle Politiker für ein Ende des Tierversuchs endlich die Weichen stellen. Und zwar jetzt!   

Die Aussagen der Parteien im Überblick

Das sagen die etablierten Parteien sowie einige ausgewählte kleinere in ihren Wahlprogrammen oder auf Nachfrage zum Ausstieg aus dem Tierversuch:

CDU/CSU

Diese Parteien haben nichts zum Thema Tierversuche / Ausstieg in ihrem Wahlprogramm verankert.  

Auf unseren Brief haben wir keine Antwort erhalten. 

SPD

In ihrem Wahlprogramm schreibt die SPD: „Für den perspektivischen Ausstieg aus den Tierversuchen werden wir eine Gesamtplanung aufsetzen und die Entwicklung von tierversuchsfreien Verfahren stärker fördern.“

 In der Antwort auf unsere Wahlprüfsteine heißt es:

„Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der der Fortschritt nicht auf dem Leid von Lebewesen basiert. Wir Sozialdemokrat:innen wollen daher Tierversuche durch innovativste wissenschaftliche Alternativverfahren ersetzen und somit den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken.

In unserem Zukunftsprogramm (…) sprechen wir uns daher für die Aufsetzung einer Gesamtplanung aus, die Wege für einen perspektivischen Ausstieg aus Tierversuchen aufzeigt. Zugleich wollen wir die Entwicklung von tierversuchsfreien Verfahren noch stärker fördern.

Bereits auf den Weg gebracht haben wir den Aufbau einer nationalen Translationsplattform für tierversuchsfreie Alternativmethoden. Diese soll in naher Zukunft dabei helfen, Tierversuche dort zu ersetzen, wo dies möglich ist und tierversuchsfreie Alternativmethoden weiterentwickeln.“ 

Grüne

Im Wahlprogramm heißt es:

„Wir streben die weitere konsequente Reduktion von Tierversuchen in der Wissenschaft an und wollen sie mit einer klaren Ausstiegsstrategie und innovativen Forschungsmethoden schnellstmöglich ersetzen. Dafür arbeiten wir mit allen beteiligten Akteur*innen an einer zukunftsorientierten tierfreien Forschung, fördern Investitionen in tierfreie Innovationen sowie die Weiterentwicklung von verbesserten Medikamenten- und Sicherheitsprüfungen und beschleunigen die Zulassung tierversuchsfreier Verfahren. Die EU-Vorgaben für Tierversuche werden wir endlich in deutsches Recht umsetzen.“ 

In der Antwort auf unsere Wahlprüfsteine heißt es:

„Wir GRÜNE wollen den Einstieg in einen Ausstieg aus Tierversuchen einleiten, die ja nicht von heute auf morgen komplett beendet werden können. Für viele Bereiche gibt es heute schon tierversuchsfreie Methoden, etwa bei Tests auf Toxizität. Und trotzdem werden beispielsweise noch immer Chemikalien in Kaninchenaugen getropft, obwohl es dafür Alternativen gibt. Auch in vielen anderen Bereichen stehen Alternativen in den Startlöchern, in sogenannten Multi-Organ-Chips sehen wir ein massives Potential, das es endlich konsequent zu fördern gilt. Um Tierversuche zu reduzieren und schnellstmöglich überflüssig zu machen, wollen wir eine nationale Ausstiegsstrategie mit konkreten Maßnahmenplänen sowie Zeit- und Zielvorgaben auflegen. Tierversuchsfreie Forschungsmethoden wollen wir finanziell deutlich stärker fördern. Außerdem muss tierleidfreie Forschung schneller anerkannt und zugelassen werden.“ 

Linke

Im Wahlprogramm heißt es:

„Wir fordern einen verbindlichen Ausstiegsplan aus den Tierversuchen mit konkreten Schritten und festgesetzten Terminen. Tierversuche des Schweregrads „schwerst“ und „schwer“ müssen sofort verboten werden. Um Forschungsstandorte langfristig zu sichern, sollen Steuern nur noch in tierfreie Methoden fließen.“

In der Antwort auf unsere Wahlprüfsteine antwortet Die Linke inhaltsgleich und verweist zudem auf ihren kürzlich im Bundestag gestellten Antrag, der auf den Ausstieg aus dem Tierversuch abzielte. Siehe dazu weiter unten im Text. 

FDP

Diese Partei hat nichts zum Thema Tierversuche / Ausstieg in ihrem Wahlprogramm verankert. 

Auf unseren Brief antwortet die FDP, dass ein vollständiger Verzicht auf Tierversuche in absehbarer Zukunft nicht gelingen wird. 

Partei Mensch Umwelt Tierschutz - Tierschutzpartei 

Im Wahlprogramm heißt es:

„Wir streben eine Reformierung und Umsetzung des Tierschutzgesetzes in Gänze an. Einige unserer wichtigsten konkreten Forderungen zur sofortigen Aufnahme in das deutsche Tierschutzgesetz sind: (…) Verbot von jeglichen Tierversuchen (u.a. in Forschung, Industrie und Ausbildung); stattdessen Förderung und Einsatz moderner Alternativmethoden wie Zellkulturen, Biochips und Computersimulationen.“ 

ÖDP

Im Wahlprogramm festgeschrieben ist die:

„Erstellung eines ambitionierten und wissenschaftlich fundierten Ausstiegsplans aus Tierversuchen mit konkreten Zielvereinbarungen, Ausstiegsdaten (inklusive Sofortverboten), einem Monitoring-System sowie die Bereitstellung ausreichender finanzieller und personeller Ressourcen für das Umsetzungsprogramm.“ 

V Partei³

In der Kurzform des Wahlprogramms ist die „Abschaffung von Tierversuchen“ festgeschrieben. Ein ausführliches Wahlprogramm war bei Abschluss der Auswertung nicht verfügbar. 

Die V Partei³ hat aber in ihrem Parteiprogramm eine sehr ausführliche Position zum Thema Tierversuche festgeschrieben. So heißt es darin: 

„Tierversuche sind ein steuerfinanziertes Milliardengeschäft für Züchter*innen, Händler*innen, Zulieferer*innen von Futter, Käfigen und Zubehör, Wissenschaftler*innen und Instituten. 

Bis zu 95% der im Tierversuch als wirksam und ungefährlich geltenden Medikamente fallen im Anschluss durch die klinischen Studien, keine Wissenschaft hat eine schlechtere Erfolgsquote zu verzeichnen. Jedes Jahr sterben tausende Menschen an den Folgen von Medikamenten, die alle vorher an Tieren ohne aussagekräftiges Ergebnis für Patient*innen getestet wurden. Viele Wirkungen werden an Tieren nicht nachgewiesen, da Stoffwechsel und biochemische Reaktionen nicht vergleichbar sind und die Ergebnisse sich dadurch nicht 1:1 auf den Menschen übertragen lassen. Die besten Ergebnisse in der medizinischen Forschung werden dagegen neben klinischen Zellforschungen durch die sogenannte Epidemiologie erzielt, die gezielte Beobachtung an Menschen. Darüber hinaus ließen sich die meisten Zivilisationskrankheiten durch vorbeugende Maßnahmen wie etwa eine pflanzliche Ernährung und eine gesunde Lebensweise verhindern. 

Die Tiere werden in den Laboren mit Elektroschocks traktiert, ihre Organe werden zerstört, sie werden vergiftet und bestrahlt. Sie werden mit tödlichen Viren, Bakterien und Parasiten infiziert. Sie werden verbrannt und verstümmelt und chemischen Therapien ausgesetzt. Affen werden Elektroden und Geräte in die Schädeldecke implantiert. Viele Einsätze erfolgen ohne Narkose. 

In einigen Ländern wurden bereits menschliche Simulationsmodelle statt Tierkörper für das Erlernen chirurgischer Eingriffe eingesetzt. Als naturgetreue Abbildung der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers, die unter anderem auch mit lebensechten Haut und Gewebeschichten, Rippen und inneren Organen ausgestattet ist, kann das moderne Ausbildungsgerät das Leben von Mensch und Tier retten. Folglich setzt sich die V Partei³, wie mittlerweile viele Ärzt*innen, für das Ende der grausamen Tierversuche ein. 

Um dieses Ziel zu erreichen, muss tierversuchsfreie Forschung in erheblich größerem Umfang finanziell gefördert werden. Notwendig ist außerdem die Beschleunigung und Erleichterung der Validierungsprozesse tierversuchsfreier Methoden. Auch in der Grundlagenforschung muss auf das Forschen an Tieren verzichtet werden. Des Weiteren bedarf es einer Aufklärung der Verbraucher *innen über tierversuchsfreie Produkte.“ 

Warum fehlt diese oder jene Partei?

Bei der Vielzahl der Parteien müssen wir eine Auswahl treffen. Einbezogen in unsere Auswertung haben wir die Regierungs- und Oppositionsparteien sowie einige kleine, tierschutzorientierte Parteien. Parteien des extremistischen Spektrums wie AfD, NPD, DKP bieten wir grundsätzlich keine Plattform, da wir uns neben dem Tierschutz auch dem Menschenschutz verschrieben haben.

Unsere Wahlprüfsteine sind schon aufgrund unserer Satzung rein auf das Thema Tierversuche ausgerichtet; sie erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Die letztendliche Wahlentscheidung der Bürger muss und wird auf einer breiteren Basis erfolgen, auf die wir keinen Einfluss haben.

Fortschrittlicher Antrag der Linken

Einen sehr erfreulichen Vorstoß gab es im Juni von Seiten der die Linken. Die Partei hatte einen Antrag in den Bundestag (Bundestagsdrucksache 19/29275) eingebracht, in dem die Förderung tierversuchsfreier Forschungsmethoden und ein verbindlicher Ausstieg aus dem Tierversuch gefordert werden. Eine fantastische Chance also für die anderen Parteien, zu zeigen, wie ernst es ihnen mit einem Ende der Tierversuche ist. Allerdings wurde der Antrag mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, SPD, AfD und FDP und bei Stimmenthaltung seitens der Grünen abgeschmettert. Ein Armutszeugnis für unsere Politik und ein unverständliches Abstimmungsverhalten seitens SPD und Grüne! 

Tierversuche abwählen - JETZT

Trotz aller Defizite seitens großer Teile der Politik konnten wir ganz offensichtlich mit unserer eindrücklichen Bundestagswahlkampagne so manchen Politikern Denkanstöße geben und dazu beitragen, dass nicht in alter Gewohnheit lediglich pauschal festgeschrieben wurde, dass „Alternativmethoden“ gefördert und „Tierversuche ersetzt“ werden sollen, sondern der Ausstieg aus dem Tierversuch in einigen Wahlprogrammen als Ziel gesetzt wird. 

Nach der Wahl werden wir natürlich alles daransetzen, dass den Versprechungen auch Taten folgen. Zunächst hoffen wir aber, dass die Parteien, die sich noch immer gegen ein Ende des Tierversuchs sperren, von den Wählern eine Abfuhr erteilt bekommen. 

Helfen Sie mit! Geben Sie nur Parteien eine Stimme, die sich für den Ausstieg aus dem Tierversuch einsetzen!  

Was wir tun

  • 04.02.2021 - offene Briefe an Parteivorsitzende, tierschutzpolitische Sprecher der Parteien sowie die Abgeordneten, weshalb es einen Ausstiegsplan aus dem Tierversuch braucht >>
  • 04.02.2021 – Fotoprojektion am Reichstag >>
  • 15.02.2021 - Briefaktion „Ausstieg aus dem Tierversuch in die Wahlprogramme“ >>
  • 22.02.2021 - Twitter-Aktion an Politiker >>
  • 08.04.2021 - Bus-Werbung für den Ausstiegsplan >>
  • 01.06.2021 - Social Media-Aktion für Online-Petition >>
  • 30.08.-13.09.2021 – Plakataktion in 23 Städten >>

Städte und Sponsoren

In folgenden Städten hängen unsere Wahlplakate, gesponsert von den angegebenen Vereinen.  

Stadt Verein/e
„Gesamttopf“ TASSO e.V.
Berlin PETA Deutschland e.V.
Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg e.V.
Bundesverband Menschen für Tierrechte e.V. (MfT)
Ärzte gegen Tierversuche e.V. (ÄgT)
Bremen MfT, ÄgT
Dortmund MfT, ÄgT
Essen MfT, ÄgT
Frankfurt/Main MfT, ÄgT
Freiburg Menschen für Tierrechte - Baden-Württemberg e.V.
Hamburg MfT, ÄgT
Hannover MfT, ÄgT
Heidelberg Menschen für Tierrechte - Baden-Württemberg e.V.
Kiel MfT, ÄgT
Köln MfT, ÄgT
Leipzig MfT, ÄgT
Mainz Menschen für Tierrechte - Rheinland-Pfalz e.V.
Mannheim Menschen für Tierrechte - Baden-Württemberg e.V.
München Animals United e.V., MfT, ÄgT
Münster MfT, ÄgT
Nürnberg Menschen für Tierrechte - Nürnberg e.V.
Saarbrücken MfT, ÄgT
Stuttgart PETA Deutschland e.V.
Tübingen Menschen für Tierrechte - Baden-Württemberg e.V.
Ulm Menschen für Tierrechte - Baden-Württemberg e.V.
Wiesbaden MfT, ÄgT
Würzburg MfT, ÄgT

03. August 2021
Dipl.-Biol. Silke Strittmatter

 

 

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