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Weltkongress über Alternativmethoden 2009 in Rom

 

Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Silke Bitz nahm an dem diesjährigen Weltkongress über Alternativmethoden vom 30. August bis zum 3. September 2009 in Rom teil. Auf der alle zwei Jahre stattfindenden Großveranstaltung tauschen sich Wissenschaftler, Behördenvertreter, Industrie und Tierschützer über neue Entwicklungen im Bereich der so genannten 3R-Methoden aus, also Ansätze, die Tierversuche reduzieren, das Leid verringern oder ersetzen sollen.

Wir beurteilen das 3R-Prinzp kritisch, da die Testmethoden nach wie vor auf der irrigen Annahme beruhen, Tierversuche seien notwendig. Es muss aber ein rein tierversuchsfreier Weg gegangen werden, da nur so relevante Ergebnisse für den Menschen erzielt werden können. Dennoch ist es wichtig, den aktuellen Forschungsstand sowie politische Entwicklungen im Auge zu haben um entscheidende Prozesse mitgestalten zu können.

 
Viel versprechende Neuerungen gibt es auf OECD-Ebene* beispielsweise bei den Langzeitgiftigkeitsprüfungen. Bei der sogenannten Zweigenerationenstudie werden Substanzen an Tieren, meist Ratten, über zwei Generationen getestet, d.h. der Stoff wird den Elterntieren, deren Kindern und Enkeln verabreicht. Eine abgewandelte Eingenerationenstudie soll den Test an der zweiten Generationen überflüssig machen. Dies würde wenigstens einigen Tausend Tieren einen Vergiftungstod ersparen. Der Entwurf der überarbeiteten OECD-Testvorschrift soll im Februar 2010 an die nationalen Koordinatoren zur Kommentierung gehen. Wann mit einer Anerkennung zu rechnen ist, ist noch unklar.


Erfreuliches gibt es aus den USA zu berichten. Dort wird mit dem Nationalen Toxikologie Programm eine Strategie für die Chemikalientestung verfolgt, die vorrangig ohne Tierversuche auskommt. Menschliche Daten sowie vorhandene Ergebnisse aus Tierversuchen sollen zur Risikobewertung herangezogen und die Daten öffentlich zugänglich gemacht werden.

Im Bereich der Ausbildung sind andere Länder fortschrittlicher als Deutschland. So sind in Holland, Großbritannien, Finnland, Japan und Kanada Trainingskurse vorgeschrieben, die ethische Aspekte und die Handhabung von »Versuchs«tieren vermitteln. Zwar ist die Verwendung von Tieren zu Versuchszwecken nicht zu akzeptieren, ein besserer Umgang mit den Tieren mindert aber möglicherweise zumindest deren Leid.



Parallel zum Kongress wurde von InterNICHE, dem Internationalen Netzwerk für Humane Ausbildung, eine umfangreiche Ausstellung tierversuchsfreier Lehrmethoden vorgestellt. Unter anderem konnten Interessierte Computermodelle zur Physiologie, Anatomie oder anderen Disziplinen ausprobieren oder verschiedene Krankheiten am Hundemodell diagnostizieren.



Interessant war es auch, Einblick in die Aktivitäten der Industrie zu erhalten. So äußerte ein Vertreter von Unilever, ein Unternehmen, das Nahrungsmittel- und Haushaltspflegeprodukte herstellt, dass die Industrie eine Expositions-bezogene Risikobewertung von Substanzen angestrebt. Sicherheitsprüfungen sollen in Zukunft anhand mathematischer Modelle und In-vitro-Studien durchgeführt werden - ohne neue Tierstudien.

Trotz aller Missstände und unserer noch zu großen Entfernung vom Endziel, einer Forschung und Wissenschaft ohne jeden Tierversuch, zeigt sich, dass zumindest in Ansätzen ein Umdenken in diese Richtung erkennbar ist.

* Der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) gehören die wichtigsten Industrienationen an. Chemikalien, die für den globalen Handel bestimmt sind, werden nach den Richtlinien der OECD getestet. Diese schreiben größtenteils Tierversuche vor.
 

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