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Tierversuche am Leibniz-Institut in Magdeburg



Am Magdeburger Leibniz-Institut für Neurobiologie werden (oder wurden) Affen, Katzen, Wüstenrennmäuse (Gerbils), Ratten und Mäusen im Namen der neurologischen Grundlagenforschung gequält.

Oft werden die leidvollen Experimente an Tieren damit gerechtfertigt, Behandlungsmethoden für neurodegenerative Erkrankungen des Menschen wie Parkinson oder Alzheimer entwickeln zu wollen. Tatsächlich handelt es sich aber um reine Grundlagenforschung, ohne jegliche klinische Anwendung. Seit mehr als 15 Jahren wird Grundlagenforschung am Hirn von Affen, Katzen, Ratten und anderen Tieren in Deutschland und aller Welt betrieben, ohne dass sie irgendeinen medizinischen Fortschritt erbracht hat. Im Gegenteil: Tierversuche blockieren die Anwendung tierversuchsfreier, am Menschen orientierter Verfahren und bergen die Gefahr falscher oder nicht in die klinische Praxis umsetzbarere Rückschlüsse.

Medizinisch relevante Forschung funktioniert nur ohne Tierversuche

Im Sinne einer guten Medizin muss auf den Menschen bezogene Forschung der Vorrang gegeben werden. Bei bildgebenden Verfahren, wie der Computer- und der Magnetresonanztomographie, lässt sich das Gehirn von gesunden und kranken Menschen sowie seine Funktionen dreidimensional detailgenau darstellen. Die Forschung an Zellen aus menschlichen Hirntumoren, wie sie bei Operationen anfallen, bietet beste Voraussetzungen, um Therapien zu entwickeln. Die Wechselbeziehung zwischen Hirnzellen und die Signalweiterleitung funktionieren im Zellsystem wie im lebenden Organismus, können jedoch ohne Tierleid erforscht werden. Die Kombination verschiedener solcher Verfahren liefert eine Fülle an wertvollen Erkenntnissen. Dies trägt zur wirklichen medizinischen Wissenserweiterung über Organfunktionen, Abläufe im Gehirn und Krankheiten des Menschen bei.

Althergebrachte Hirnforschung an Tieren, die dem reinen Forscherdrang der Experimentatoren dient und ohne jede klinische Relevanz ist, darf in unserer modernen Gesellschaft keinen Platz haben. Den Möglichkeiten neuer Technologien, der Zellforschung und der gezielten Untersuchung gesunder und kranker Menschen muss Vorrang gegeben werden.

Tierversuche am Leibniz-Institut für Neurobiologie, Magdeburg

Die folgenden, in Magdeburg durchgeführte Tiervesuche sowie Tausende weitere Experimente haben wir in unserer Datenbank-Tierversuche dokumentiert. Die Informationen basieren auf von den Experimentatoren selbst in Fachjournalen veröffentlichten Artikeln.
 

Affen

Affen wird eine helmartige Vorrichtung mit sechs durch Haut und Muskel gedrillten Stahlschrauben am Schädelknochen dauerhaft auf dem Kopf implantiert. Außerdem wird auf dem Schädel ein Metallzylinder über einem zwei Zentimeter großen Bohrloch angebracht, durch den Elektroden in das Hirngewebe eingeführt werden. Für die eigentlichen Experimente werden die Tiere in einen Primatenstuhl gesetzt und ihr Kopf wird mit Hilfe des Halteapparates unbeweglich an einem Gestell angeschraubt – jeden Tag 3-4 Stunden lang. Den Affen werden über einen Lautsprecher Tonfolgen vorgespielt, während mit den Elektroden die Nervenaktivitäten gemessen werden. Die Tiere werden durch Flüssigkeitsentzug zur Kooperation gezwungen. Nur wenn sie tun, was von ihnen verlangt wird, erhalten sie ein paar Tropfen Wasser oder Saft. Wenn sie etwas falsch machen gibt es nichts zu Trinken. Außerhalb der Experimente erhalten die Tiere wenig oder keine Flüssigkeit, um sie genügend durstig und damit gefügig zu machen. Manche Affen in Magdeburg müssen diese Torturen mehr als zehn Jahre ertragen.

Fast identische Experimente werden an zahlreichen Instituten in aller Welt durchgeführt. In Deutschland werden derartige Tierversuche an unseren nächsten Verwandten außer in Magdeburg noch in Bremen, Göttingen, Marburg und Tübingen durchgeführt. Der Versuchaufbau unterscheidet sich meist nur in der Art der verabreichten Reize. In Magdeburg sind es Tonfolgen. An anderen Instituten geht es um die Verarbeitung von visuellen Reizen, z.B. Muster auf einem Bildschirm oder das Zählvermögen der Tiere.

In München, Berlin und in der Schweiz wurden vergleichbare Versuche am Affenhirn untersagt, da nach Ansicht der Genehmigungsbehörden das Leid der Tiere höher wog als ein bloß in Aussicht gestellter medizinischer Nutzen. In Bochum wurden die Versuche aufgrund der Pensionierung des Experimentators zum 31. August 2012 eingestellt. In Bremen hatte der Experimentator gegen die Ablehnungsbescheid der Genehmigungsbehörde geklagt und erschreckender Weise vorläufig Recht bekommen.

Bei Hirnversuchen an Affen geht es um die reine Befriedigung der Forscherneugier und um die Karriere einzelner Experimentatoren. Die Qualität eines Forschers wird nämlich nicht daran gemessen, wie vielen Menschen er geholfen hat, sondern an der Länge seiner Publikationsliste. Mit vielen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften mit möglichst hohen, sogenannten Impaktfaktoren lassen sich Forschungsgelder einstreichen, die dann für weitere Tierversuche verwendet werden. Etwas Sinnvolles für kranke Menschen kommt dabei nicht heraus. Im Gegenteil: Bei Menschen werden so Hoffnungen auf Heilung geweckt, die mit Tierversuchen jedoch niemals erfüllt werden können.

Weitere Information über Affenversuche >>



Dokument 1

Tiere: 3 Javaneraffen

Versuchsbeschreibung: Zwei der drei Affen werden auch in anderen Experimenten verwendet, bei denen sie Tonstufen unterscheiden müssen. Der dritte Affe wird nur für dieses Experiment verwendet, bei dem er mehrere Stunden mit fixiertem Kopf sitzen muss.
Den Affen wird zunächst unter Narkose ein Kopfhalter auf dem Schädel implantiert. Die helmartige Vorrichtung aus einem nicht genannten Material besteht aus drei Bögen. Ein Bogen befindet sich über der Stirn, einer am Hinterkopf und der dritte verbindet beide Bögen auf der Mittellinie des Schädels miteinander. Die Vorrichtung wird mit sechs Stahlschrauben fixiert. Die Schrauben werden durch die Haut und das Muskelgewebe darunter gedreht, bis sie auf den Schädelknochen treffen. Außerdem wird ein 21 mm Loch über dem Hörzentrum der Großhirnrinde in den Schädelknochen gebohrt. In das Loch wird ein Metallzylinder eingedreht und so fixiert. Durch diesen Zylinder werden später Elektroden in das Hirngewebe eingeführt. Für die eigentlichen Experimente werden die Affen in einen Primatenstuhl gesetzt und ihr Kopf wird an dem Halteapparat unbeweglich angeschraubt.

In dieser Arbeit wird nicht beschrieben, wie die Tiere an das Sitzen mit fixiertem Kopf im Primatenstuhl »gewöhnt« werden. Üblicherweise erfolgt dieses »Training« durch Flüssigkeitsentzug, d.h. die Tiere bekommen bei guter Kooperation ein paar Tropfen Saft. Außerhalb der Experimente erhalten sie nichts zu Trinken. Sie können ihren Durst also nur löschen, indem sie machen, was von ihnen verlangt wird.
Den Affen werden über einen Lautsprecher Tonfolgen mit unterschiedlichem Abstand vorgespielt. Gleichzeitig werden über in das Gehirn eingeführte Elektroden die Nervenaktivitäten bestimmter Hirnregionen gemessen. Es werden Ableitungen an 109 Stellen durchgeführt. Das weitere Schicksal der Tiere wird nicht erwähnt.

Die Arbeit wurde unterstützt durch das Land Sachsen-Anhalt, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die deutsche Forschungsgemeinschaft.

Bereiche: Hörforschung, Hirnforschung
Hintergrund: Neuronale Mechanismen im Gehirn beim Unterscheiden von Tonfolgen.
Titel: Tone-sequence analysis in the auditory cortex of awake macaque monkeys (Ton-Sequenz-Analyse im Hörzentrum beim wachen Makaken-Affen)
Autoren: Michael Brosch*, Henning Scheich
Institut: Leibniz-Institut für Neurobiologie, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg
Zeitschrift: Experimental Brain Research 2008: 184, 349-361
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3867

 
Das Bild eines Affen in der Hirnforschung (rechts) stammt aus den 70er Jahren. Seither hat sich in Magdeburg nichts geändert. Affen werden immer noch auf die gleiche Weise gefoltert. Die im Jahr 2008 aus dem Magdeburger Leibniz-Institut veröffentlichte Zeichnung (rechts) zeigt die Vorrichtung, die Affen dauerhaft auf den Kopf geschraubt wird.

Quelle der Zeichnung: Experimental Brain Research 2008: 184, 349-361


Dokument 2

Tiere: 7 Javaneraffen

Versuchsbeschreibung: Die Tierversuche wurden von der Genehmigungsbehörde des Landes Sachsen-Anhalt genehmigt. Die sieben Javaneraffen wurden offensichtlich seit mehr als 10 Jahren für Tierversuche verwendet. Es wird auf Publikationen aus den Jahren 1998, 1999 und 2002 verwiesen, in denen Daten aus Experimenten an diesen Tieren veröffentlicht wurden.

Bei den Affen wird unter Narkose der Schädelknochen über dem Hörzentrum der Großhirnrinde »weiträumig« eröffnet. Der Kopf wird mit einem starren Rahmen fixiert, der mit Schrauben oder Bolzen im Knochen verankert wird. Es werden Klick- und Tonfolgen abgespielt. Gleichzeitig werden über in das Hirngewebe eingeführte Fibermikroelektroden Nervenströme gemessen. Das weitere Schicksal der Affen wird nicht beschrieben.

Die Arbeit wurde durch das Land Sachsen-Anhalt, das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Bereiche: Hörforschung, Hirnforschung
Hintergrund: Neuronale Mechanismen im Gehirn beim Hören von Klick- und Tonfolgen.
Titel: Click train encoding in primary and non-primary auditory cortex of anesthetized macaque monkeys (Klickfolgen kodieren das primäre und das nicht-primäre Hörzentrum beim anästhesierten Makaken-Affen)
Autoren: E. Oshurkova, Henning Scheich, Michael Brosch*
Institute: Leibniz-Institut für Neurobiologie, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg
Zeitschrift: Neuroscience 2008: 153, 1289-1299
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3877

Dokument 03

Tiere: 1 Javaneraffe

Versuchsbeschreibung: Der Affe wurde bereits für mindestens zwei andere Studien zur Unterscheidung von Tönen verwendet. In einer Studie musste er mehr als 100.000 Mal zwischen Tönen unterscheiden, während gleichzeitig in der Hörrinde Hirnströme gemessen wurden. Dem Tier muss schon vor längerer Zeit über einem Bohrloch im Schädelknochen eine verschließbare Kammer für Elektroden montiert worden sein. Diese Vorrichtung wird für die vorliegende Arbeit nicht gebraucht.

Der Affe wird in einem Affenstuhl fixiert. Bei Erleuchten einer Lampe muss er einen Hebel berühren. Es werden verschiedene Töne vorgespielt. Bei einem Ton mit sinkender Frequenz muss er den Hebel innerhalb weniger Millisekunden loslassen. Dafür erhält er 0,2 ml Wasser, also etwa ein bis zwei Tropfen. Bei einem falschen Ton oder bei zu langsamen Reagieren, gibt es kein Wasser. Affen erhalten bei dieser Art der Versuche üblicherweise außerhalb der Versuche überhaupt nichts zu trinken, damit sie genügend durstig sind, um zu kooperieren.

Jede Sitzung dauert eine bis drei Stunden mit ein bis zwei kurzen Pausen. Die Autoren bemerken, dass der Affe trotz seiner Erfahrung von mehr als 200.000 Versuchen, viele Fehler macht, was sie auf die sehr anspruchsvolle Arbeit, die eine hohe Konzentration des Tieres erfordert, zurückführen.

Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
 
Bereiche: Hörforschung, Neurobiologie
Hintergrund: Hörvermögen des Affen
Titel: Influence of tone duration and intertone interval on the discrimination of frequency contours in a macaque monkey (Einfluss der Tondauer und der Zeit zwischen zwei Tönen auf die Fähigkeit eines Makaken zwischen Frequenzkonturen zu unterscheiden)
Autoren: Michael Brosch*, Elena Oshurkova, Cornelia Bucks, Henning Scheich
Institute: Leibniz-Institut für Neurobiologie, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg
Zeitschrift: Neuroscience Letters 2006: 97-101
Dokumenten-Id (www.datenbank-tierversuche.de): 3533

 

Katzen

Am Leibniz-Institut für Neurobiologie sind auch Hirnforschungsexperimente an Katzen dokumentiert, die bis 2006 durchgeführt wurden. Jungen Kätzchen wird ein Augenmuskel durchtrennt, um sie zum Schielen zu bringen. Später, wenn die Tiere ausgewachsen sind, wird das Gehirn untersucht.


Dokument 01

Tiere: 16 Katzen

Versuchsbeschreibung: Die Katzen stammen aus der institutseigenen Zucht. Bei 8 Kätzchen wird am 17. oder 18. Lebenstag Schielen erzeugt. Dazu wird bei den Tieren unter Narkose ein Augenmuskel durchtrennt. Die anderen 8 Katzen bleiben normal sehend. Beim eigentlichen Experiment sind die Katzen zwischen 2 und 12 Monate alt. Unter Narkose wird der Kopf einer Katze in einen stereotaktischen Apparat eingespannt. Die Schädeldecke wird aufgebohrt. Über dem Gehirn wird eine Kamera angebracht. Abwechselnd vor dem rechten und linken Auge werden Muster auf einem Bildschirm gezeigt. Gleichzeitig werden mit der Kamera in schneller Bildfolge Aufnahmen gemacht. Das weitere Schicksal der Katzen wird nicht erwähnt. Eine Tötung ist äußerst wahrscheinlich.

Die Arbeit wurde durch das Land Sachsen-Anhalt, die Hertie-Stiftung sowie einen Human Frontier Science Program Grant Award unterstützt.
 
Bereich: Hirnforschung
Hintergrund: Vorgänge im Gehirn von schielenden Katzen.
Autoren: Karl-Friedrich Schmidt, Siegrid Löwel*
Titel: Optical imaging in cat area 18: Strabismus does not enhance the segregation of ocular dominance domains (Optisches Imaging im Bereich 18 der Katze: Schielen verbessert die Trennung der Augen-Dominanzdomains nicht)
Institute: Leibniz-Institut für Neurobiologie, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg
Zeitschrift: NeuroImage 2006: 29, 439-445
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3497

 

Gerbils und Ratten

Mongolische Wüstenrennmäuse (Gerbils) und Ratten werden durch Elektroschocks bestimmte Verhaltensweisen »antrainiert«. Gleichzeitig werden über zuvor in das Gehirn implantierte Elektroden Nervenaktivitäten gemessen oder bestimmte Bereiche des Gehirns werden zuvor geschädigt.


Dokument 01

Tiere: mindestens 77 Mongolische Wüstenrennmäuse (Gerbils)

Versuchsbeschreibung: Zunächst wird bei 3 Gerbils (Wüstenrennmäuse) eine Injektion in die Hörrinde des Gehirns vorgenommen. Anschließend werden die Tiere getötet, um festzustellen, ob an der richtigen Stelle injiziert wurde. Für die eigentlichen Experimente werden andere Gerbils trainiert zwischen einem aufsteigendem und einem absteigenden Ton zu unterscheiden. Bei jeweils einem davon bekommen die Tiere einen Elektroschock an die Pfoten und müssen daraufhin über eine Hürde springen. Unter leichter (!) Narkose wird nun eine Substanz in beide Seiten der Hörrinde des Gehirns injiziert, die ein bestimmtes Eiweiß im Gehirn hemmt. »Kontrolltiere« erhalten eine Kochsalzlösung injiziert. An den folgenden drei Tagen wird das zuvor trainierte Gedächtnisexperiment wiederholt. Das weitere Schicksal der Gerbils wird nicht erwähnt.

Die Arbeit wurde durch das Land Sachsen-Anhalt und die Europäische Gemeinschaft finanziell unterstützt.
 
Bereich: Neurobiochemie, Neurophysiologie
Hintergrund: Neurophysiologische Vorgänge beim Lernen.
Titel: Memory consolidation for the discrimination of frequency-modulated tones in mongolian gerbil is sensitive to protein-synthesis inhibitors applied to the auditory cortex (Die Festigung des Gedächtnisses zur Unterscheidung von Frequenz-veränderten Tönen bei Mongolischen Gerbils ist gegenüber Proteinsynthesehemmern, die in die Hörrinde verabreicht werden, empfindlich)
Autoren: Michaela Kraus (1), Horst Schickneick (2), Wolfram Wetzel (1), Frank Ohl (1), Sabine Staak (1), Wolfgang Tischmeyer (1)*
Institute: (1) Leibniz-Institut für Neurobiologie, 39008 Magdeburg, (2) FAN GmbH Magdeburg
Zeitschrift: Learning & Memory 2002: 9, 293-303
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3091

Dokument 02

Tiere: 8 Mongolische Wüstenrennmäuse (Gerbils)

Versuchsbeschreibung: Die jungen männlichen Mongolischen Wüstenrennmäuse (Gerbils) stammen von den Tumblebrook Farms, West Brookfield, MA, USA. Unter Narkose wird der Schädel oberhalb der rechten und linken Hörrinde geöffnet. Beidseitig wird ein nicht rostender teflonüberzogener Stahldraht (0,1 mm Durchmesser) etwa 0,8 mm tief ins Gehirn eingebracht. Ein weiterer Draht wird in Schlaufen von 0,7 mm Durchmesser gebogen und oberhalb des Riechkolbens implantiert. Danach wird die Wunde verschlossen und die Tiere werden in ihren Käfig zurückgesetzt.

Etwa drei Tage nach der Operation müssen die Wüstenrennmäuse über eine Woche ein tägliches „Verhaltenstraining“ absolvieren. Dafür werden die Tiere in eine Box mit einem Bodengitter gesetzt, welche durch eine 6 cm hohe Trennwand zweigeteilt ist. Die Tiere werden mit Tonsequenzen von 65 Dezibel über jeweils 6 Sekunden beschallt. Springen die Mäuse auf Grund des akustischen Reizes über die Trennwand in den abgeteilten Bereich der Box, wird der Ton unterbrochen. Reagieren die Wüstenrennmäuse jedoch nicht auf den akustischen Reiz, erhalten sie über das Bodengitter für 6 Sekunden einen elektrischen Schock. Die Tiere werden auch mit Elektroschock bestraft, wenn sie vor dem akustischen Reiz über die Trennwand springen. Insgesamt werden die Wüstenrennmäuse 72 Mal pro Tag in der zuvor beschriebenen Art und Weise »trainiert«. Während des „Verhaltentrainings“ werden die in der Hörrinde hervorgerufenen Nervenaktivitäten über die implantierten Drähte abgeleitet. Nach dem »Verhaltensexperiment« werden die Wüstenrennmäuse getötet.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgesellschaft, der Europäischen Union und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Bereiche: Sinnesphysiologie, Hörforschung, Neurophysiologie
Hintergrund: Untersuchung von Nervenaktivitäten in der Hörrinde, einem Hirnbereich, von Wüstenrennmäusen.
Titel: Gamma oscillations in gerbil auditory cortex during a target-discrimination task reflect matches with short-term memory (Gamma-Oszillationen in der Hörrinde von Wüstenrennmäusen während eines akustischen Verhaltentrainings repräsentieren das Kurzzeitgedächtnis)
Autoren: Marcus Jeschke (1), Daniel Lenz (2), Eike Budinger (1), Christoph S. Herrmann (2), Frank W. Ohl* (1,3)
Institute: (1) Leibniz Institut für Neurobiologie, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg, (2) Institut für Biologische Psychologie und (3) Institut für Biologie, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Magdeburg
Zeitschrift: Brain Research 2008: 1220, 70-80
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3886

Dokument 03

Tiere: 14 Mongolische Wüstenrennmäuse (Gerbils)

Versuchsbeschreibung: Die Tierversuche wurden durch die Genehmigungsbehörde des Landes Sachsen-Anhalt genehmigt. Für das Experiment werden 14 männliche Mongolische Wüstenrennmäuse durch Injektion von Narkotika in die Bauchhöhle betäubt. Die Kopfhaut wird aufgeschnitten und teilweise entfernt. Nach Verschiebung der Muskulatur wird an der nun freigelegten Stelle mit einem Zahnbohrer ein Loch in den Schädel gebohrt. Eine Plastikkammer wird über der Schädelöffnung mit Zahnakryl befestigt und ein kleiner Aluminiumstab am vorderen Schädelbereich fixiert. Zur Lokalisierung der primären Hörrinde (der Gehirnbereich, der eingehende Reize von Schallwellen verarbeitet) werden über die am Kopf befestigte Kammer sieben Mikroelektroden ins Gehirn eingebracht. Die Tiere werden anschließend mit Tönen über einen weiten Frequenzbereich und einer Länge von 100 bis 200 Millisekunden stimuliert.

Bei einigen Tieren wird anstatt dieser elektrophysiologischen Methode eine optische Methode verwendet (nicht näher beschrieben). Nach Lokalisierung der primären Hörrinde werden zur Anfärbung von Nervenzellen zwei Substanzen nacheinander unter Druck mit Fiberglasspipetten an zwei Stellen ins Gehirn gespritzt. Die offene Wunde wird anschließend mit Antibiotikaemulsion behandelt und die gesamte Öffnung mit Pflaster verklebt. Sieben Tage nach der Operation werden die Tiere erneut narkotisiert und danach durch direkte Injektion von Paraformaldehyd ins Herz getötet. Die Gehirne werden zur Untersuchung entnommen.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgesellschaft und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Bereiche: Sinnesphysiologie, Neurophysiologie, Hörforschung
Hintergrund: Untersuchung von Signalverarbeitungsstrukturen der primären Hörrinde bei Mongolischen Wüstenrennmäusen.
Titel: Non-sensory cortical and subcortical connections of the primary auditory cortex in Mongolian gerbils: bottom-up and top-down processing of neuronal information via field AI (Nicht-sensorische Verbindungen in der primären Hörrinde bei Mongolischen Wüstenrennmäusen: Verarbeitung von nervaler Information in der Hörrinde nach dem Bottom-up (von unten nach oben) und Top-down (von oben nach unten) Prinzip)
Autoren: Eike Budinger* (1,2), Anna Laszcz (1), Holger Lison (1), Henning Scheich (1), Frank W. Ohl (3)
Institute: (1) Leibniz Institut für Neurobiologie, Abteilung für Akustisches Lernen und Sprechen, Brenneckestr. 6, 39118 Magdeburg, (2) Neurologische Klinik II, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Magdeburg, (3) Leibniz Institut für Neurobiologie, Forschungsgruppe für Neuroprosthetik, Magdeburg
Zeitschrift: Brain Research 2008: 1220, 2-32
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3884

Dokument 04

Tiere: mindestens 59 Ratten

Versuchsbeschreibung: In einem ersten Experiment werden Ratten unter Narkose zwei Elektroden sowie eine Mikrokanüle (dünne Röhre) in das Gehirn eingepflanzt. Dazu wird zunächst der Kopf in einen stereotaktischen Apparat eingespannt. Über einer bestimmten Hirnregion wird ein Loch in den Schädel gebohrt. Durch dieses wird eine Elektrode eingeführt. Mit der anderen Elektrode und der Kanüle wird genauso verfahren. In den nächsten 8-10 Tagen dürfen sich die Tiere von der Operation erholen. Eine Ratte wird in eine 40x40 cm große Box gesetzt. Die Elektroden und die Kanüle werden über flexible Kabel mit Geräten verbunden. Über die eine Elektrode wird ein Stromstoß gegeben. Mit der zweiten Elektrode werden die Hirnströme als Reaktion auf den Stromstoß registriert. Über die Kanüle wird eine Substanz in das Gehirn verabreicht. Anschließend erhält die Ratte wieder Stromstöße ins Gehirn. Die Messungen erfolgen 8 Stunden lang.

In einem zweiten Experiment wird anderen Ratten eine Mikrokanüle in das Gehirn eingepflanzt, jedoch keine Elektroden. Die Tiere müssen lernen, einem Fußschock auszuweichen. Dazu wird eine Ratte in eine y-förmige Box gesetzt. Das Tier erhält einen Stromschlag an die Pfoten und wird so gezwungen los zu laufen. Läuft die Ratte in den linken Arm, wird sie mit einem Stromstoß "bestraft«, im rechten Arm passiert dagegen nichts. Nach einer Minute erfolgt der nächste Stromstoß, doch ist jetzt der linke Arme der »richtige". Im Wechsel muss die Ratte mal in den linken, mal in den rechten Arm laufen. Diese Versuche werden 40x durchgeführt. Am nächsten Tag wird über die Kanüle im Schädel eine Substanz in das Gehirn injiziert. Die Experimente vom Vortag werden wiederholt. Das weitere Schicksal der Ratten wird nicht beschrieben.
 
Bereich: Neurobiochemie, Neurophysiologie
Hintergrund: Neurophysiologische Vorgänge beim Lernen.
Titel: Inhibition of mGluR5 blocks hippocampal LTP in vivo and spatial learning in rats (Hemmung von mGluR5 blockiert die LTP im Hippocampus in vivo und das räumliche Lernvermögen bei Ratten)
Autoren: D. Balschun (1)*, W. Wetzel (2)
Institute: (1) Abteilung für Neurophysiologie, Leibniz-Institut für Neurobiologie, 39008 Magdeburg, (2) Labor für Verhaltenspharmakologie, Leibniz-Institut für Neurobiologie, Magdeburg
Zeitschrift: Pharmacology, Biochemistry and Behavior 2002: 73, 375-380
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3090
   

Mäuse 

Bei Mäusen wird Schlaganfallforschung betrieben, in dem der Schädel der Tiere aufgebohrt und mittels elektrischer Hitze ein Blutgefäß verschlossen wird. Dadurch wird der dahinter liegende Hirnbereich nicht mehr durchblutet. Schlaganfälle kommen natürlicherweise bei Mäusen nicht vor. So wird versucht, das komplexe Krankheitsbild in einem „Tiermodell“ nachzuahmen.

Solche »Tiermodelle« sind jedoch nicht mit der Situation beim menschlichen Patienten vergleichbar. Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung werden bei dieser Art der Forschung nicht berücksichtigt. Die Ursachen des Schlaganfalls beim Menschen sind dank Bevölkerungsstudien bekannt: Übergewicht, zu fett- und fleischreiche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Die künstlich geschädigten „Tiermodelle“ haben mit der menschlichen Erkrankung und ihren ursächlichen Faktoren nichts gemein.  

In der hier genannten Studie stellen die Autoren sogar selbst fest, dass sich das geschädigte Gewebe bei den Mäusen sehr viel schneller regeneriert als beim Menschen. Die Aussagekraft solcher Experimente ist daher von vornherein gleich Null.



Dokument 01

Tiere: Nicht genannte Anzahl Mäuse

Versuchsbeschreibung: Für die Studie werden zwei für die tierexperimentelle Forschung gezüchtete Mausstämme, C57BL/6 und NMRI, von Harlan-Winkelmann, Borchen verwendet. Die Mäuse werden durch Injektion in den Bauchraum narkotisiert. Oberhalb der mittleren Hirnarterie wird ein Loch in den Schädel gebohrt. Bei einem Teil der Mäuse wird durch elektrische Hitze (Elektrokoagulation) die mittlere Hirnarterie verschlossen, wodurch es zu einer Minderversorgung des Gehirnbereichs mit Sauerstoff kommt (Hirninfarkt). Anschließend wird der Schädel verschlossen und die Mäuse werden in ihre Käfige zurückgebracht.

In einem zweiten Experiment wird den Mäusen eine Stunde vor dem operativen Eingriff eine Substanz in den Bauchraum injiziert. Das Ausmaß der neurologischen Schäden wird jeweils zwei und 10 Tage nach dem Hirninfarkt unter Anwendung des folgenden Protokolls charakterisiert: Die Mäuse werden für zwei Minuten in einen Glaszylinder (Durchmesser:14,5 cm) gesetzt und deren spontane Aktivität erfasst. Danach werden die Mäuse in eine 32 x 55 cm große Arena mit kariertem Grundflächenmuster eingebracht. Die Anzahl der von den Mäusen in 30 Sekunden überquerten Quadrate wird gemessen. Zum Schluss wird die Anzahl und Richtung von freiwilligen Umdrehungen im Laufrad ermittelt. 

Alle Mäuse werden nach Abschluss der Experimente enthauptet und die Gehirne entnommen.

Bereich: Schlaganfallforschung
Hintergrund: Die Studie charakterisiert den zeitlichen Rückgang von Infarktgewebe nach künstlich hervorgerufenem Schlaganfall bei Mäusen. Die Autoren stellen fest, dass sich das geschädigte Gewebe bei den Mäusen sehr schnell regeneriert. Nach 13 Tagen ist kein Unterschied mehr zu den Gehirnen der nicht geschädigten Kontrolltiere zu erkennen. Die Autoren folgern daraus, dass die schnelle Regenerationsfähigkeit die Aussagekraft von Studien mit potentiellen neuen Wirkstoffen beeinträchtigen kann. 
Titel: Pattern of time-dependent reduction of histologically determined infarct volume after focal ischaemia in mice (Muster eines zeitabhängigen Rückgangs der histologisch nachgewiesenen Infarktgröße nach Schlaganfall bei Mäusen)
Autoren: Petra Henrich-Noack* (1,3), Kathrin Baldauf (1), Georg Reiser (2), Klaus G. Reymann (3)
Institute: (1) Leibniz Institut für Neurobiologie, Brennecke Str. 6, 39118 Magdeburg, (2) Institut für Neurobiochemie, Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg, (3) Forschungsinstitut für Angewandte Neurowissenschaft (FAN), ZENIT, Magdeburg
Zeitschrift: Neuroscience Letters 2008: 432, 141-145
Dokumenten-ID (www.datenbank-tierversuche.de): 3909
 

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