facebook
twitter
youtube

Aktionen

Debatte über Affenhirnforschung in Baden-Württemberg


Die Arbeitskreise Ländlicher Raum und Verbraucherschutz sowie Wissenschaft, Forschung und Kunst der grünen Landtagsfraktion Baden-Württemberg hatten anlässlich des Konfliktes um die Primatenforschung am 16.11.2012 zu einer Anhörung eingeladen.

Rund 100 Tierschützer, Wissenschaftler, Behördenvertreter und Politiker debattierten unter der Überschrift »Zwischen Tierschutz und Forschungsfreiheit: Primatenversuche und Alternativen.« Als Referenten waren die Landestierschutzbeauftragte Dr. Cornelie Jäger, der Primatenhirnforscher Prof. Andreas Nieder von der Universität Tübingen, Hirnforscher Prof. Elbert von der Universität Konstanz sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion Dipl.-Biol. Silke Bitz von Ärzte gegen Tierversuche, Dipl.-Biol. Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund, Dr. Karin Blumer von Novartis sowie Prof. Gerhard Heldmeier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geladen.

Streitpunkt sind die Hirnexperimente an Primaten, die an drei Tübinger Instituten stattfinden. Dort werden die Affen durch Durst gezwungen, jeden Tag stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden Elektroden in das Gehirn eingeführt, bei manchen Tieren zudem eine Metallspule ins Auge eingepflanzt und Elektroden in die Sehrinde getrieben. Die Experimentatoren untersuchen, wie ein Affe zählt oder auf bestimmte Gesichter reagiert.

Dipl.-Biol. Silke Bitz legte detailliert dar, dass die Primatenhirnforschung weder ethisch vertretbar, noch unerlässlich, noch von hervorragender Bedeutung ist. Auch Wissenschaftler wie Prof. Elbert von der Universität Konstanz betonten, dass die Forschung am Affenhirn verzichtbar sei. Primatenversuche würden nicht helfen, die großen Probleme zu lösen.

Im Rahmen der Anhörung wurde kein einziges Beispiel hervorgebracht, das den Nutzen der Primatenhirnforschung darlegen würde. Lediglich in der gewohnten Pauschalität behaupteten die Experimentatoren, die Hirnforschung sei notwendig, um grundlegende Erkenntnisse über das Gehirn zu erlangen und dass die Affen ohnehin nicht leiden würden. Unsere Ärztevereinigung legt schon lange dar, dass die Affenhirnforschung für die Krankheitsforschung des Menschen irrelevant ist, da man von einem Affenhirn aufgrund der großen Unterschiede nicht auf ein Menschenhirn schließen kann. Seit über 30 Jahren wird in Deutschland Hirnforschung an Affen betrieben, Durchbrüche im Verständnis menschlicher Krankheiten oder gar Therapien, die daraus hervorgingen, gibt es nicht.

Die grüne Regierungspartei hatte vor der Wahl als Ziel formuliert, die Forschung an Affen zu beenden. Wörtlich mit der Begründung: »Die grausamen Tierversuche an Primaten, die u.a. auch in Baden-Württemberg in Tübingen im Bereich der Hirnforschung durchgeführt werden, wollen wir innerhalb eines festgesetzten zeitlichen Rahmens komplett abschaffen«. Unser Ärzteverein erinnerte ausdrücklich an dieses Vorhaben, das nicht zuletzt mit Sicherheit zahlreiche Menschen dazu veranlasst hat, die Grünen von der Opposition in die Regierung zu wählen.

Anfang 2009 hatte unser Verein mit der Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen! öffentlich gemacht, dass in Baden-Württemberg grausame Grundlagenforschung am Affenhirn stattfindet, wie sie unter anderem in Bremen, Berlin und München von den Genehmigungsbehörden nicht mehr zugelassen wurde und hat damit eine politische Debatte entfacht.

Mit der Landtagswahl 2011 wurde die schwarz-gelbe Regierung von grün-rot abgelöst und die Umsetzung der Wahlversprechen hätte beginnen können. Seither herrscht jedoch Uneinigkeit innerhalb der Grünen und nicht mehr alle wollen sich an ihr eigenes Vorhaben halten. So hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer ungeprüft und ohne Darlegung einer fundierten Begründung den Standpunkt der Primatenforscher übernommen.

Unser Verein wird weiterhin mit Nachdruck darauf drängen, dass das erklärte Ziel der grünen Regierungsfraktion, die Abschaffung der Hirnforschung an Primaten, nicht weichgespült wird und die Maßgaben des Tierschutzgesetzes und des Staatsziels Tierschutz nicht weiterhin auf Basis lapidarer Äußerungen den Forscherinteressen unterstellt wird.

Weitere Information:
Stoppt Affenqual in Tübingen! >>
Ärzteverein überreicht 60.000 Unterschriften an neue Landesregierung >>

Drucken