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Organchip-Technologie könnte Entwicklungskosten von bis 700 Mio. US Dollar pro Medikament einsparen

11. März 2021

Die Studie beschreibt, wie die konsequente Anwendung der vielversprechenden Organ-auf-dem-Chip (OoC) Technologie die Kosten in der Medikamentenentwicklung um 10–26% reduzieren kann. Dies entsprächen bis zu 700 Millionen US Dollar pro Medikament. Die Autoren argumentieren, dass die OoCs bessere Vorhersagen als die üblichen Methoden zum Testen von Medikamentenkandidaten wie Tierversuche und einfache 2D-Zellmodelle machen. Laut der Studie würde die Anwendung von OoCs zu genaueren Resultaten in der präklinischen Phase der Medikamentenentwicklung führen, was die Kosten direkt und signifikant senken, die Erfolgsquote erhöhen und die Entwicklungszeiten verkürzen wird.

Pharmaunternehmen rechtfertigen die hohen Arzneimittelpreise häufig mit den Kosten für die pharmazeutische Forschung und Entwicklung (R&D), die ca. 660 Mio. – 2,76 Milliarden US Dollar pro Medikament betragen. Die Hauptkostentreiber sind die Erfolgsraten, die Entwicklungszeit und die direkten Projektkosten. Diese Kostentreiber unterscheiden sich erheblich zwischen den R&D-Phasen. Die präklinische Phase, an deren Ende die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamentenkandidaten an Tieren getestet wird, kostet viel weniger als die drauf folgenden klinischen Phasen I-III mit menschlichen Probanden und Patienten. Etwa 60–75% aller Projekte, die in den billigen nicht-menschlichen präklinischen Phasen erfolgreich sind, scheitern in der teuren Phase II und 20–30% in Phase III. Zu etwa 50% ist dies auf eine unzureichende Wirksamkeit des Medikaments und zu 15–25% auf Sicherheitsbedenken zurückzuführen. Das Versagen in der klinischen Phase wird daher als Haupttreiber der R&D-Kosten angesehen und ein Hauptgrund dafür ist die mangelhafte Vorhersagekraft von tierexperimentellen Studien und einfachen In-vitro-Modelle für die menschliche Physiologie.

Die Autoren der Studie befragten 15 Experten aus den Bereichen der OoC-Technologie und Forschung und Entwicklung, um abzuschätzen, wie sich die Anwendung von OoCs auf die R&D-Kosten in den nächsten 5 Jahren auswirken würde. Dabei wurden gefragt, welche R&D-Phasen am meisten von den OoCs beeinflusst werden können und wie sich die drei Hauptkostentreiber – Erfolgsrate, Entwicklungszeit und Projektkosten - verändern würden.

10-26% niedrigere Medikamentenentwicklungskosten

Die Experten schätzten, dass die Anwendung von OoCs die R&D-Kosten um 10–26 % in 5 Jahren reduzieren würde, was zwischen 66 – 169 bis 276 - 706 Millionen US Dollar pro Medikament bedeuten würde. Die meisten Einsparungen wären in der präklinischen Phase möglich, bei der die Experten 73% niedrigere Projektkosten, 80% höhere Erfolgsquoten und 40% niedrigere Entwicklungszeiten erwarten, die aus dem Einsatz der OoCs resultieren würden.

Die Experten schätzen, dass dank der besseren Vorhersagekraft der OoCs schnelle und bessere Entscheidungen bei der Auswahl der Medikamentenkandidaten für die teuren klinischen Studien getroffen werden können. Die meisten Vorteile werden bei der Testung der Wirksamkeit gesehen.

Regulatorische Anerkennung dringend erforderlich

Damit OoCs grundsätzliche Verbesserungen im R&D-Prozess und bei den Kosten der Medikamentenentwicklung erzielen können, müssen diese Modelle sowohl biologisch als auch technisch weiterentwickelt werden, um die menschliche Physiologie besser nachzuahmen und leicht automatisierte Analysen zu ermöglichen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist die regulatorische Anerkennung der OoCs als zugelassene Testsysteme in der präklinischen Phase.

Fazit

Mittels breiter Anwendung von OoC statt Tierversuchen könnten die Kosten in der Medikamentenentwicklung um 10 – 26% reduziert werden, was bis zu 706 Millionen US Dollar weniger pro Medikament entspricht. Die Kostenersparnis wäre vor allem auf die stark erhöhte Vorhersagekraft der OoCs gegenüber Tierversuchen zurückzuführen, wodurch es weniger Ausfälle in den klinischen Phasen gäbe.

Dr. Dilyana Filipova

Originalartikel

Nora Franzen, Wim H. van Harten, Valesca P. Retèl, Peter Loskill, Janny van den Eijnden-van Raaij, Maarten I Jzerman: Impact of organ-on-a-chip technology on pharmaceutical R&D costs. Drug Discovery Today 2019; 24: 1720-1724

Aktionstag 2020

Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!

Corona bzw. dem Lockdown im Frühjahr begegneten wir flexibel: Wir haben den Aktionstag kurzerhand vom 24. April auf den 24. Oktober verschoben. Kernbotschaft war unsere Kampagnen-Forderung: ein Ausstiegskonzept aus dem Tierversuch und eine umfassende Förderung der tierversuchsfreien, humanbasierten Forschung. In 12 Städten gab es dann dazu Aktionen: in Augsburg, Berlin, Braunschweig, Erlangen, Frankfurt/M., Hamburg, Leipzig, Köln, Karlsruhe, Krefeld, München und Münster nachgeholt. Die deutliche Forderung aller Akteure:  Hier ein paar Impressionen.

Aktionstag Augsburg
Augsburg 
Die AG Augsburg stellte mit ihrer Mahnwache vor allem ihre Forderung heraus: Augsburg muss tierversuchsfrei bleiben! 


Aktionstag Berlin
Berlin
Die AG Berlin zog gemeinsam mit dem Bündnis gegen Tierversuche vor das Brandenburger Tor. 


Aktionstag Braunschweig 
Braunschweig
Die AG Braunschweig hatte ihren Infostand an zentraler Stelle aufgebaut.


Aktionstag Erlagen
Erlangen
Die AG Erlangen veranstaltete einen großen Marsch und beging gleichzeitig ihr 10-jähriges Bestehen; 
etliche Medien berichteten. 


Aktionstag Frankfurt
Frankfurt
Unübersehbar war auch die Silent Line (+Infostand) der AG Frankfurt/Rhein-Main und Aktiv gegen Speziesismus direkt auf der Zeil.


Aktionstag Hamburg
Hamburg
Deutliche Botschaft mit Fotoaktion auf dem Rathausmarkt der AG Hamburg.


Aktionstag Karlsruhe
Karlsruhe
Auf dem Marktplatz: große Aktion mit Infostand, Plakaten, Tiermasken & Co. vieler Akteure:
AG Karlsruhe, Peta-Zwei Streeteam, ARIWA und Albert-Schweitzer-Stiftung.


Aktionstag Köln
Köln
Die AG Köln stellte einiges auf die Beine: vom Straßentheater über eine Silent Line bis zum Infostand.


Aktionstag Krefeld
Krefeld 
Eine lange Silent Line nebst Infostand bot die AG Düsseldorf/Krefeld auf.


Aktionstag Leipzig
Leipzig
Ein starkes Team der AG Leipzig erwartete die Leipziger am Infostand.


Aktionstag München
München
Direkt am Marienplatz interessierte Viele der Infostand von Aktiven der AG München, AG Augsburg und Animals United.

Aktionstag Münster
Münster
Eine auffällige Schweige-Aktion vor dem LWL-Museum organisierte die AG Münster.

Weitere Informationen

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche - Rückblick >>

 

 

Fragen und Antworten zu Corona-Tierversuchen und -Impfstoffen

Video-Konferenz zu Corona und Tierversuchen - Link zu YouTube

Welche Tierversuche wurden für die verschiedenen Corona-Impfstoffe gemacht?

Die Impfstoffe, entwickelt von den Firmen BioNTech/Pfizer und Moderna basieren auf mRNA, einer neuartigen Plattform, die zum ersten Mal für zugelassene Impfstoffe benutzt wird.

Das deutsche Unternehmen BioNTech hat in den vergangenen Jahren Tierversuche an Mäusen gemacht, um Impfstoffe gegen diversen Krebsarten zu testen. Für den aktuellen Corona-Impfstoff (BNT162b2) hat die Firma Versuche an Ratten und Mäusen kurz vor der ersten Testphase mit menschlichen Probanden durchgeführt. Der Impfstoff wurde Ratten injiziert und es wurde beobachtet, ob einige Organschäden und/oder lokale Reaktionen am Injektionsort auftreten. Nach der Injektion in Mäuse wurde die Anwesenheit von Antikörpern gegen das Coronavirus im Blut der Tiere analysiert.

Die ersten klinischen Studien an Menschen (Phase I und II) hat die Firma mit 4 Impfstoffkandidaten begonnen, die ca. 500 Menschen injiziert wurden. Nach diesen Versuchen hat sich BioNTech für zwei Impfstoffkandidaten (BNT162b1 und BNT162b2) für die weiteren Tests entschieden und sie an Menschen und Affen gleichzeitig getestet. Die beiden Impfstoffkandidaten wurden bei je 6 Affen (Makaken) intramuskulär (in einen Muskel) injiziert. 26 bis 55 Tage danach wurden die geimpften und weitere 9 nicht geimpfte Affen mit dem Coronavirus infiziert, indem das Virus in Mund und Nase der Tiere gesprüht wurde. An mehreren Tagen wurden Tupferproben der Nasenschleimhaut genommen und untersucht. 7 bis 23 Tage nach der Infektion wurden die Tiere getötet, ihre Lungen wurden entnommen und das Gewebe analysiert. Diese Affenversuche ergaben ähnliche Resultate für beide Impfstoffkandidaten; der aktuelle Impfstoff (BNT162b2) wurde bevorzugt vor allem, weil er in den ersten klinischen Studien sich bei Menschen als verträglicher erwiesen hat (1). 

Die amerikanische Firma Moderna hat ihre mRNA Impfstoff-Plattform in früheren Tierversuchen an Mäusen für Impfstoffe gegen anderen Coronaviren wie MERS (Middle East Respiratory Syndrome) getestet. Zurzeit ist allerdings noch keiner dieser Impfstoffe zugelassen. Für ihren gegenwärtigen SARS-CoV-2 (mRNA-1273) Impfstoff hat die Firma Versuche an Mäuse innerhalb von einem Monat vor der ersten klinischen Prüfung an Menschen (Phase I) durchgeführt. Den Mäusen wurden zweimal innerhalb von drei Wochen verschiedene Mengen des Impfstoffs injiziert und die Antikörperkonzentration wurde anschließend im Blut der Tiere bestimmt. Danach wurde der Impfstoff bei mehr als 1.000 Menschen getestet (Phase I). Es wurden auch Giftigkeitsprüfungen an Ratten mit dem Moderna-Impfstoff durchgeführt, allerdings ist es nicht klar, ob diese vor, während oder nach den ersten klinischen Studien stattgefunden haben. Während der klinischen Phase II an Menschen wurden Affenversuche in ähnlicher Form wie diese von BioNTech mit 24 Affen durchgeführt (2). 

Der Coronavirus-Impfstoff der Firma AstraZeneca (ChAdOx1 / AZD1222) wurde an Mäusen und Affen kurz vor Beginn der klinischen Studien getestet. Die Firma hat auch frühere Tierversuche an Mäusen und Affen für einen ähnlichen, bisher erfolglosen Impfstoff gegen SARS-CoV-1 durchgeführt. 

Welchen Beitrag hatten Tierversuche bei der Impfstoffentwicklung?

Viele Impfstoffe wie diese von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca wurden anhand der genetischen Merkmale des von Menschen isolierten Coronavirus konstruiert. Tierversuche spielten dabei keine Rolle. Schnelle In-silico- (d. h. Computer-gestützte) Analysen waren bei der ersten Auswahl der Impfstoffkandidaten in den frühen Entwicklungsstadien entscheidend (3).

Tierversuche sind in Deutschland, in der EU und in den meisten anderen Ländern bei der Medikamentenentwicklung gesetzlich vorgeschrieben. Das bedeutet, die Pharmaunternehmen müssen jedes Medikament, jede Therapie und jeden Impfstoff an Tiere testen, um eine behördliche Zulassung für die darauffolgenden klinischen Studien mit menschlichen Probanden und Patienten zu bekommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man ohne diese keine effektiven und verträglichen Impfstoffe und Medikamente entwickeln könnte.

Die für die Corona-Impfstoffe durchgeführten Tierversuche an Mäusen und Ratten geben keine Auskunft darüber, ob sie vor dem Coronavirus schützen können oder nicht, da diese Tiere natürlicherweise nicht mit dem Virus angesteckt werden können. Weiterhin gibt es keine Tierart, die die komplexen Corona-Symptome mit Befall zahlreicher Organe wie beim Menschen entwickelt. Schließlich geben Tierversuche nur Hinweise darüber, wie die entsprechende Tierart auf dem Impfstoff reagiert. Deshalb ist insbesondere die Aussage, die aktuellen Impfstoffe schützen vor einem schweren Verlauf, nicht mit Tierversuchen zu stützen, sondern nur aufgrund der bisherigen Erfahrungen am Menschen. Dass für manche Impfstoffe Affenversuche durchgeführt wurden, nachdem hunderte bis tausende Menschen mit den gleichen Impfstoffen injiziert wurden, ist fahrlässig und absurd.

Normalerweise dauert die Impfstoffentwicklung durchschnittlich 12 Jahre. Letztendlich war die sehr schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe zum großen Teil deswegen möglich, weil die üblichen Tierversuche verkürzt, übersprungen oder gleichzeitig mit den Tests an Menschen gemacht wurden.

Mit dem üblichen Verfahren und basierend auf der am Tier nachgewiesenen Wirkung hätten wir heute noch keinen Impfstoff! Die Corona-Impfstoffe sind somit ein Beleg für die Notwendigkeit tierversuchsfreier, rein am Menschen orientierter Forschung, insbesondere, wenn es wie bei COVID-19 schnell gehen muss. Dr. Thomas Hartung, weltberühmter Toxikologe und Direktor des Zentrums für Alternativen zu Tierversuchen (CAAT), schreibt: Die Virulenz und die hoch ansteckende Natur von COVID-19 erfordern ein neues Forschungsmodell, das Tiere umgeht und stattdessen humanbiologische Tests verwendet. Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern konstatiert, dass die beschleunigte COVID-19-Forschung Tiermodelle als das enthüllt, was viele lange behauptet haben: einen wissenschaftlichen Anachronismus.“(4) 

Welche Rolle hat berüchtigte Tierversuchslabor LPT bei der Testung des Corona-Impfstoff von BioNTech gespielt?

Im Gegensatz zu dem, was in manchen Medienberichten angedeutet wurde, hat sich BioNTech nicht ausdrücklich bei LPT bedankt, sondern die Firma hat eine allgemeine Danksagung an alle ihre Partner veröffentlicht. LPT war eins der über 130 Partnerunternehmen, die in einer Tabelle unter der Danksagung aufgelistet waren. Am 6. Januar 2021, einen Tag, nachdem mehrere Medien darüber berichtet haben, dass der BioNTech-Corona-Impfstoff am LPT getestet wurde, hat BioNTech LPT aus ihrer Danksagung und aus der Partnertabelle entfernt. Am nächsten Tag sind noch 4 weitere Unternehmen, die Tierversuchsaufträge erfüllen oder Tiere fürs Labor züchten, aus der Tabelle verschwunden. Jeder kann für sich selbst überlegen, wie wichtig BioNTech die Zusammenarbeit mit LPT und anderen Tierversuchseinrichtungen ist.

Tierversuche sind bei der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gesetzlich vorgeschrieben, d. h. Pharmaunternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Impfstoffe an Tieren zu testen, bevor sie eine behördliche Genehmigung für die weiteren klinischen Studien mit menschlichen Probanden und Patienten bekommen können. Häufig werden diese Tierversuche von Auftragslaboren wie dem berüchtigten LPT durchgeführt. Dass Tierversuche aufgrund veralteter Gesetze durchgeführt wurden, ist aber kein Beleg für deren angebliche Unerlässlichkeit und Notwendigkeit.

Es ist traurig, dass der BioNTech Impfstoff am LPT getestet wurde, es wäre aber auch nicht besser, wenn er an einer anderen Tierversuchseinrichtung getestet worden wäre, da Tiere überall schmerzhaften Versuchen ausgesetzt werden. Man kann davon ausgehen, dass für die anderen verfügbaren Corona-Impfstoffe die gleichen, oder ähnliche qualvolle Tierversuche durchgeführt worden sind. Bis sich die gesetzliche Lage ändert und moderne, menschenrelevante, tierversuchsfreie Methoden für die Testung von Medikamenten und Impfstoffen nicht gesetzlich anerkannt sind, werden Tiere für jeden Impfstoff und für jedes Medikament leiden müssen. Daher kann man nicht einen Impfstoff vor den anderen empfehlen oder davon abraten.

Welchen Beitrag hatten tierversuchsfreie Forschungsmethoden bei der Impfstoffentwicklung?

Die Corona-Krise hat es deutlich gemacht, wie wichtig die tierversuchsfreien Forschungsmethoden für eine schnelle, effektive und menschenrelevante medizinische Forschung, Medikamenten- und Impfstoffentwicklung sind. Zwei große Vorteile der tierversuchsfreien Methoden (NATs, Non-Animal Technologies) sind, dass sie im Vergleich zu den üblichen Tierversuchen viel schneller sind und dass sie die Zielspezies, nämlich den Menschen, in den Fokus stellen. Verschiedene NATs haben eine wichtige Rolle gespielt, um wichtige Erkenntnisse über die Infektionswege und -mechanismen des Coronavirus, sowie über die Struktur, Effizienz, Verträglichkeit und andere Eigenschaften möglicher Impfstoffe und Medikamente dagegen zu erlangen. Das Genom, d. h. das Erbgut, des Virus wurde in Proben tausender Patienten analysiert und diente als Basis des Online-Tools Nextstrain, das die Verbreitung verschiedener Virusvarianten weltweit verfolgt (5). Human- und Bevölkerungsstudien ermittelten die komplexen Symptome, die das Virus bei verschiedenen Patientengruppen auslöst. Dementsprechend konnten mehrere Forschergruppen zeigen, dass das Coronavirus mindestens 10 Mini-Organe – aus menschlichen Zellen gezüchtete, millimetergroße 3D-Strukturen - infizieren kann: Mini-Lunge, Darm, Niere, Blutgefäß, Leber, Gehirn, Auge, Herz und Lymphknoten sowie Nasenschleimhaut. Diese wurden in mehreren Studien verwendet, um die Wirksamkeit bereits für andere Zwecke zugelassener Medikamente gegen das Coronavirus zu testen.

Viele Wissenschaftler sind von den Erkenntnissen dieser Modelle erheblich überzeugt, z. B. das renommierte Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin bezeichnet die humanen Lungen-Organoide als „ideales Testsystem“, um Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus zu simulieren und daran mögliche Medikamente zu testen (6).

Die Corona-Impfstoffkandidaten wurden anhand der genetischen Merkmale des von Menschen isolierten Virus entwickelt. Viele Ausgangskandidaten wurden mittels verschiedener In-vitro- und In-silico-Methoden vor den ersten Tierversuchen und klinischen Studien ausgewertet. Mithilfe vielfältiger In-silico-Analysen wurde z. B. die spezifische Struktur des Impfstoffs der amerikanischen Firma Moderna bestimmt (3). Eine aktuelle In-vitro-Studie mit Blutproben von Menschen, die mit dem BioNTech-Impfstoff geimpft wurden, zeigte, dass die Vakzine auch gegen die neuen, sich schnell verbreitenden Coronavirus-Stämme aus Großbritannien und Südafrika wirksam ist (7).

Besonders groß ist das Potenzial von integrierten NAT-Systemen wie Multi-Organ-Chips (MOCs). Das sind Plattformen, auf denen man bis zu 10 Mini-Organe über einen Blutkreislauf miteinander verknüpfen kann, um komplexe Vorgänge und Wechselwirkungen zu analysieren. Ein großer Vorteil der MOCs und der Mini-Organe ist, dass sie individualisierbar sind, d. h man kann die Wirksamkeit und die Effekte von Impfstoffen und Medikamenten bei einzelnen Patienten aus verschiedenen Altersgruppen, Geschlechtern, Grunderkrankungen, etc. bestimmen. Das erkennt auch die FDA, die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der USA, und startet eine Forschungs-Kollaboration mit dem Organ-Chip-Entwickler Emulate zur schnellen und sicheren Testung von Corona-Impfstoffen (8). Eine Förderung solcher innovativen, menschenbasierten Forschungsmethoden fordern wir auch hierzulande. Nach unserem Wissenstand gibt es in Deutschland zurzeit kein entsprechendes Programm, das die Erforschung des Coronavirus mittels vielversprechender NATs gezielt fördert. 

Wieso haben wir so schnell einen Impfstoff, bzw. mehrere Impfstoffe? In der Regel dauert es doch viele Jahre, bis ein neues Medikament / ein neuer Impfstoff auf den Markt kommt!

Die schnelle Entwicklung der Corona-Impfstoffe war zum großen Teil deswegen möglich, weil die üblichen Tierversuche verkürzt, übersprungen oder gleichzeitig mit den Tests an Menschen gemacht wurden. Eine besonders hohe Finanzierung, die weltweite Priorisierung, eine reduzierte Haftung der Hersteller und die gleichzeitige, verkürzte Durchführung einiger Phasen der klinischen Studien haben auch dazu beigetragen. Ein viel schnellerer als der übliche Zulassungsprozess ermöglichte die zügige Vermarktung der Impfstoffe. 

Viele Fragen zur Impfung sind durch die extrem schnelle Entwicklung und Zulassung der verschiedenen Impfstoffe noch ungeklärt:

  • Verhindern die Impftstoffe tatsächlich - wie von den Herstellern behauptet - schwere Verläufe oder gar jegliche Infektion?
  • Verhindern sie auch die Übertragung/Ansteckung durch Geimpfte? (Eine wichtige Frage im Rahmen der aktuell diskutierten Impfpflicht.)
  • Wie lange wirken die Impftstoffe? Nur wenige Wochen oder gar Jahre?
  • Schützen die Impfstoffe der verschiedenen Hersteller mit unterschiedlichen Wirkungsweisen unterschiedlich? Gibt es also „bessere“ Impfstoffe?
  • Gibt es Langzeitnebenwirkungen? 

Der Europäischen Pharmaverband EFPIA konstatierte Mitte 2020: „Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Entwicklung und Einführung führen dazu, dass es unmöglich ist, die gleiche Menge an zugrunde liegender Evidenz zu generieren, die normalerweise durch umfangreiche klinische Studien und Erfahrungen beim Aufbau von Gesundheitsdienstleistern verfügbar wäre.“ (9) Aus diesem Grund sei es den Herstellern auch nicht zumutbar, die Haftung für das nicht kalkulierbare Risiko von Folgeschäden des Impfstoffs zu tragen.

Soll ich mich impfen lassen oder nicht?

Wie die Antwort zuvor zeigt, besteht - wie bei jeder Impfung - ein Impf-Risiko, dem aber das konkrete Risiko einer möglichen, ggf. tödlichen COVID-19-Erkrankung gegenübersteht. Diese Abwägung muss jeder individuell vor dem Hintergrund der persönlichen Lebenssituation treffen. Ob man sich impfen lässt oder nicht, ist also eine persönliche Entscheidung, die von mehreren gesundheitlichen Faktoren abhängt und die man nach Gespräch mit dem Hausarzt und einer Risiko-Nutzen-Abwägung treffen muss.

Unser Verein ist nicht gegen Impfstoffe und Medikamente, sondern nur gegen die Art wie sie üblicherweise getestet werden, nämlich an Tieren. Dass aufgrund veralteter Gesetze Tierversuche für die Zulassung von Impfstoffen und Medikamenten vorgeschrieben sind, ist kein Beleg für ihre Notwendigkeit und Unerlässlichkeit. Wir sind der Überzeugung, dass es ohne Tierversuche nicht nur auch, sondern sogar viel besser, schneller und effizienter ginge, da humanbasierte Testmethoden im Gegensatz zum Tierversuch für den Menschen relevante Informationen liefern.

Die Tatsache, dass für die Corona-Impfstoffe Tierversuche durchgeführt wurden, soll niemanden davon abhalten, sich impfen zu lassen. Es würde keinem Tier helfen, auf die Impfung zu verzichten. Helfen Sie uns, dafür zu kämpfen, dass tierversuchsfrei geprüfte Impfstoffe und Medikamente zum Standard werden!

Wieviel Geld hat BioNTech (und andere) für die Forschung und insbesondere für den Impfstoff erhalten?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 750 Millionen Euro für ein Sonderprogramm zur Impfstoffentwicklung und –produktion geleistet. Im Rahmen dieses Programms hat die Firma BioNTech ca. 375 Mio. und die Firma CureVac – 300 Mio. Euro bekommen (10). Auf einer weltweiten Spendenaktion der EU im Mai 2020 sind 7,4 Milliarden Euro für die Entwicklung und den Einsatz von Diagnostika, Behandlungen und Impfstoffen gegen COVID-19 zur Verfügung gestellt worden, 1,4 Milliarden davon von der Europäischen Kommission; dies bildete den Ausgangspunkt für einen Spendenmarathon zur Gewinnung weiterer, umfangreicher Mittel (11). 

Wie können wir neue Zoonosen/ Epidemien bzw. Pandemien verhindern?

Dreiviertel aller neu auftretenden Krankheitserreger sind Zoonosen (12). Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, die Ansteckung erfolgt durch den Kontakt mit Tieren. Manche Tiere tragen Viren in sich, die sie selbst nicht krankmachen, aber wenn sie auf eine andere Spezies – z. B. den Menschen – überspringen, kann das verheerende Folgen haben. SARS-CoV-2 stammt wahrscheinlich von Fledermäusen; auch Schuppentiere, sogenannte Pangoline, werden als mögliches Reservoir angesehen (13).

Der Ursprung der aktuellen Corona-Pandemie wird auf einem Lebendtiermarkt in Wuhan, China, verortet. Auf südostasiatischen Lebendtiermärkten werden Wildtiere wie Pangoline, Fledermäuse, Schlangen, Frösche, aber auch „Nutz“tiere wie Schweine, Hühner und Enten werden unter unsäglichen Bedingungen gehalten, feilgeboten und getötet. Auch die hygienischen Zustände sind oft katastrophal. Kein Wunder, dass es hier zum Überspringen von Krankheitskeimen auf den Menschen kommen kann.

Viele der Viren, die einige der größten Pandemien in der jüngeren Geschichte verursacht haben, wie die Ausbrüche von SARS (von Schleichkatzen), MERS (von Fledermäusen über Kamele), Ebola (von Fruchtfledermäusen) und AIDS (von Schimpansen), stammen aus dem Tierreich.

Nicht nur die Märkte, sondern auch die weltweite uferlose Umweltzerstörung durch den Menschen muss als Ursache genannt werden. Tiere sind gezwungen, sich neue Lebensräume zu suchen und kommen so mit Menschen und Haustieren in Berührung, die sich normalerweise nie begegnen würden.

Doch nicht nur exotische oder wildlebende Tiere bieten ein Gefahrenpotenzial. Die bei uns und inzwischen weltweit übliche Intensivtierhaltung ist ebenso ein Hort viraler und bakterieller Bedrohungen. Massentierhaltungen produzieren gigantische Mengen an Ausscheidungen mit möglicherweise krank machenden Keimen, die auf Feldern und im Grundwasser, d. h. in unserer Nahrungskette landen. Durch Tiertransporte oft über Tausende Kilometer werden Krankheiten verbreitet und stellen eine Gefahr für Wildtiere und Menschen dar. So hatte die „Schweinegrippe“ genannte H1N1-Pandemie ihren Ursprung in Schweinhaltungen in Nordamerika. Für die Influenza-Ausbrüche H5N1 und H7N9 („Vogelgrippe“) werden chinesische Geflügelfabriken als Ausgangspunkt angesehen.

Zoonosen entstehen meist, weil wir auf entsetzliche Weise mit Tieren umgehen, den unersättlichen Fleischhunger und die globale Umweltzerstörung. Wenn wir so weitermachen wie bisher, züchten wir uns längst die nächste Pandemie heran.

Selbst der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagt, dass die aktuelle Coronakrise nicht die letzte Pandemie sein werde. Alle Versuche, die Gesundheitssituation in der Welt zu verbessern seien zum Scheitern verurteilt, solange der Mensch nicht wirksam gegen den Klimawandel und für den Tierschutz eintrete, warnte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (14).

Es gibt nur einen Weg, wie wir in Zukunft weitere Pandemien verhindern können: wir müssen mit der gigantischen Tierausbeutung aufhören!

Weiterhin ist eine viel bessere Förderung und die gesetzliche Anerkennung der menschenbasierten, tierversuchsfreien Forschungs- und Testmethoden dringend nötig, damit wir die Ursachen der menschlichen Krankheiten besser verstehen können. Nur mittels menschenrelevanter Methoden werden wir in der Lage sein, Medikamente und Impfstoffe für zukünftige Pandemien schnell, effektiv und zuverlässig zu entwickeln. Momentan werden weniger als 1% der öffentlichen Fördermittel in Deutschland dieser innovativen Forschung gewidmet, die anderen über 99% fließen in Tierversuche. Ärzte gegen Tierversuche fordert eine sofortige Umschichtung der öffentlichen Fördergelder zugunsten der zukunftsweisenden tierversuchsfreien Methoden, sowie einen damit einhergehenden Paradigmenwechsel in der Forschung mit dem Fokus auf menschenbasierten, nicht-tierischen Technologien (NATs).

21.01.2021
Dr. Dilyana Filipova, Dr. med. vet. Corina Gericke

 

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Quellen

  1. Vogel AB et al. BNT162b vaccines are immunogenic and protect non-human primates against SARS-CoV-2. bioRxiv. 2020; 421008
  2. Corbett KS et al. Evaluation of the mRNA-1273 Vaccine against SARS-CoV-2 in Nonhuman Primates. New England Journal of Medicine. 2020; 383: 1544–55
  3. Corbett KS et al. SARS-CoV-2 mRNA vaccine design enabled by prototype pathogen preparedness. Nature. 2020; 586: 567–71
  4. COVID could spell the end of animal testing as drug makers turn to human organs on microchips. Toronto Star, 5.12.2020
  5. Hadfield J et al. Nextstrain: real-time tracking of pathogen evolution. Bioinformatics. 2018; 34: 4121–3
  6. Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin: „Ein künstliches Lungenmodell als Testsystem für ein Corona-Medikament“, 09.04.2020
  7. Xie X et al. Neutralization of N501Y mutant SARS-CoV-2 by BNT162b2 vaccine-elicited sera. bioRxiv. 2021; 425740
  8. FDA to Use Lung Chip Model for Covid-19 Testing. Science and Enterprise, 30.10.2020
  9. Corona-Impfstoff – Wer zahlt für mögliche Schäden? Berliner Zeitung, 26.08.2020
  10. Corona-Impfung: Biontech erhält vom Bund bis zu 375 Millionen Euro für Impfstoffentwicklung. Handelsblatt, 15.09.2020
  11. Coronavirus-Krisenreaktion: Weltweilte Spendenaktion der EU mobilisiert 7,4 Mrd. Euro für universellen Zugang zu Impfstoffen. Europäische Kommission, Pressemitteilung 04.05.2020
  12. Taylor LH et al. Risk factors for human disease emergence. Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2001; 356: 983–9
  13. Meek T. COVID-19: The Origin Story. Sentient Media, 19.03.2020
  14. WHO-Chef warnt: Wird nicht die letzte Pandemie sein. MSN, 27.12.2020

 

Mausmobil on Tour

Letzte Bearbeitung: 20.09.2020

Mausmobil gegen Tierversuche

Das „Mausmobil“ ist ein Transporter mit auflackierter Botschaft, Maus „Bertha“ als Hingucker auf dem Dach, einem großen Bildschirm im Heck und einem Infostand daneben. Dadurch können wir unsere Argumente gegen Tierversuche und für eine tierversuchsfreie Forschung direkt vor Ort, von Mensch zu Mensch näherbringen und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen.

2015 und 2016 war das Mausmobil jeweils das ganze Sommerhalbjahr, von April bis Oktober, on Tour und hat sich als erstklassiges Vehikel für unsere Aufklärungsarbeit erwiesen. Unser Neurobiologe und „Steuermann“ Christian Ott machte mit lokalen Helfern 2015 in 75 Städten und 2016 in 72 Städten Station, um unsere Argumente gegen Tierversuche vorzubringen. Sogar die Schweiz, Österreich und Luxemburg standen auf dem Fahrplan. Die Medienresonanz war beträchtlich! Rund 100 Medienberichten pro Jahr, darunter etliche Fernsehberichte, konnte wir generieren.

Touren mit dem Mausmobil

Das Projekt in dieser Intensität war allerdings sehr kosten- und arbeitsintensiv. Jede Station bedeutete eine aufwendige Logistik, dazu Ordnungsämter recherchieren, Genehmigungen einholen, lokale Gruppen kontaktieren, Schlaf- und Stellplatz mit Batterie-Ladestation organisieren, Materialbestand auffüllen, Pressemitteilungen verbreiten und vieles mehr. 2017 und 2018 war das Mausmobil nur noch vereinzelt im Einsatz und schließlich haben wir das Projekt ganz eingestellt. Maus Bertha hat vier Jahre lang Wind und Wetter getrotzt und hätte einer aufwendigen Überholung bedurft.

Mausmobil on Tour gegen Tierversuche
Unser kompetenter und immer gut gelaunter Neurobiologe Christian Ott machte in 147 Städten Station. 

Mausmobil on Tour gegen Tierversuche
Die Videofilme auf dem Fernseher im Heck sind immer ein großer Anziehungspunkt. 

Mausmobil gegen Tierversuche in Offenburg
In Offenburg belagerte eine ganze Schulklasse das Mausmobil.

Mausmobil gegen Tierversuche in Braunschweig
Tag für Tag bei strahlendem Sonnenschein...

Mausmobil gegen Tierversuche in Magdeburg
...oder Nieselregen unterwegs.

Mausmobil gegen Tierversuche in München
Unentbehrlich: die Helfer vor Ort, wie hier die AG München.

Mausmobil on Tour gegen Tierversuche
Auch auf der Straße immer ein Hingucker!


Aufklärungsarbeit von Leipzig...

Mausmobil gegen Tierversuche in Ulm
...bis Ulm...

Mausmobil gegen Tierversuche in Zwickau
...von Zwickau...

Mausmobil gegen Tierversuche in basel
...bis Basel.

Mausmobil-Film

Mausmobil-Film

 

 

Kaninchen zu Tode gequält

Ärztevereinigung stallt Strafanzeige gegen Tierexperimentatoren

Presseerklärung vom 10. März 2003

Die Vereinigung »Ärzte gegen Tierversuche« e.V. stellte heute Strafanzeige gegen sieben Tierexperimentatoren. Die vorwiegend in Aachen ansässigen Wissenschaftler haben sich nach Ansicht der Ärztevereinigung der Tiermisshandlung und der Tiertötung schuldig gemacht und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Zwei Kaninchen hatten sich nach einer im Rahmen eines Tierversuchs durchgeführten Operation selbst die Naht geöffnet und waren an herausgefallenen Organen gestorben.

»Das Knabbern an den eigenen Operationsnähten, was bei Kaninchen durchaus vorkommt, kann durch geeignete Maßnahmen verhindert werden.« erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke von der Vereinigung 'Ärzte gegen Tierversuche'. »Offensichtlich muss hier von einer nicht lege artis ausgeführten Operation und einer vernachlässigten Sorgfaltspflicht ausgegangen werden«, so die Tierärztin weiter. Laut Strafanzeige haben die Beschuldigten durch ihr »verantwortungsloses und rücksichtloses Verhalten, das Leiden, die Schmerzen und ohne vernünftigen Grund den Tod der Tiere verursacht«.

Bei dem 2002 in einer wissenschaftlichen Zeitschrift* veröffentlichten Tierversuch wurden insgesamt 40 Kaninchen verwendet. Unter Narkose wurde den Tieren die Innenseite der Bauchwand mit Schmirgelpapier abgescheuert. Nach Beendigung der Operation starb ein Kaninchen aufgrund eines Narkosezwischenfalls und zwei starben, nachdem sie sich selbst die Naht geöffnet hatten. Bei den anderen Kaninchen kam es aufgrund der Verletzungen im Bauchraum zu schmerzhaften Verwachsungen der inneren Organe mit der Bauchwand. Die Tiere wurden zehn Tagen später getötet. Eine Beschreibung des Tierversuchs ist im Internet unter www.datenbank-tierversuche.de zu finden.

* Quelle: Journal of Investigative Surgery 2002: 15, 23-28
Autoren: Stefan A. Müller (1)* at al.
Titel: Influence of early drainage of intraperitoneal phospholipids on efficacy of adhesion prevention
Institute: (1) Chirurgische Klinik, Medizinische Fakultät, Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen, 52074 Aachen, (2) Institut für Pathologie, Medizinische Fakultät, Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen, (3) Joint Institute for Surgical Research, Russian Medical State University, Moskau

Veterinärmedizinische Beurteilung zum Tod von zwei Kaninchen durch vorgefallene Organe

Dr. med. vet. Corina Gericke

Kaninchen neigen durchaus dazu an ihren eigenen Operationsnähten zu knabbern. Da dies bekannt ist, muss diesbezüglich Vorsorge getroffen werden, damit die Tiere sich nicht selbst verletzen. Geeignete Maßnahmen hierfür sind:

  • Bauchnaht in drei Schichten (Muskelschicht, Unterhaut, Haut) mit Einzelheften. Eine fortlaufende Naht ist im Gegensatz zu Einzelheften ungeeignet, da der einzige Faden, wenn er durchgebissen wird, gleich die ganze Naht öffnet.
  • Intradermalnaht. Wird die Haut intradermal (in der Haut) genäht, ist es für das Kaninchen praktisch unmöglich, den Faden durchzubeißen oder einen Knoten zu öffnen.
  • In den ersten Tagen nach der Operation: Schutz der Naht z.B. durch Anziehen eines zurechtgeschnittenen Baby-Strampelanzuges o.ä. Möglich ist auch für einen kurzen Zeitraum (eine Nacht) einen Halskragen anzulegen. Dieser darf allerdings beim Kaninchen nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden, da die Tiere damit nicht der Koprophagie (Aufnahme ihres eigenen Kotes) nachgehen können. Diese Maßnahmen sind bei ordentlich genähter Naht (drei Schichten und intradermale Hautnaht) nicht unbedingt nötig, können aber zur zusätzlichen Sicherheit beitragen.
  • Ständige Beobachtung und häufige Kontrolle der Operationsnaht.

Offensichtlich wurde im vorliegenden Fall keine geeigneten Maßnahmen zur Verhinderung des Öffnens der eigenen Naht getroffen. Es muss also von einer nicht lege artis durchgeführten Operation und einer vernachlässigten Sorgfaltspflicht ausgegangen werden.

Die Kaninchen haben sich nicht nur selbst die Naht geöffnet, sondern sind auch noch an vorgefallenen Organen gestorben. Organe, die vorfallen können, sind Därme, Magen, Bauchspeicheldrüse, Milz. Wird dabei eine der großen Arterien (z.B. Milz- oder Gekrösearterie) abgeklemmt, kann es zum Schock kommen und das Tier stirbt innerhalb kurzer Zeit. Liegen die Organe über einen längeren Zeitraum außerhalb der Bauchhöhle, kommt es zur Austrocknung und zum Absterben der Organe. Der Tod kann erst nach einigen Tagen eintreten.

Im vorliegenden Fall ist es unwahrscheinlich, dass bei beiden betroffenen Kaninchen eine Abklemmung lebenswichtiger Blutgefäße stattgefunden hat. Wahrscheinlicher ist, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum nicht kontrolliert worden sind, so dass sie langsam und qualvoll gestorben sind.

Der vorzeitige Tod der Kaninchen, verbunden mit den erheblichen Leiden und Schmerzen, wäre auf jeden Fall vermeidbar gewesen. 

Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Aachen

Mit einem Schreiben vom 15. Dezember 2003 teilt die Staatsanwaltschaft Aachen mit, dass sie beabsichtigt das Verfahren gegen die Experimentatoren einzustellen. Begründung: der zugrundeliegende Tierversuch sei möglicherweise nicht im Klinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen durchgeführt worden.

Von der Staatsanwaltschaft konnte der Ort der Durchführung des fraglichen Tierversuchs nicht ermittelt werden. Zwar sei von der zuständigen Genehmigungsbehörde ein Versuch mit entsprechendem Inhalt genehmigt worden, angeblich sei dieser Versuch allerdings nie durchgeführt worden.

Tatsache ist aber, dass über den in Frage stehenden Tierversuch ein Artikel in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen ist (Journal of Investigative Surgery 15: 23-28, 2002). Neben vier Wissenschaftlern von der RWTH Aachen werden auch drei Wissenschaftler von der Universität Moskau als Autoren dieses Artikels genannt. Die Ermittlungsbehörden vermuten, dass der Versuch in Russland stattgefunden haben könnte.

Dieser Vermutung widerspricht eine Zeile in der Originalarbeit, in der es heißt: »The protocol was approved by the local animal use and care committee, and the experiments were conducted in accordance with the animal protection laws«.

In Russland gibt es weder ein Tierschutzgesetz noch eine Ethikkommission oder ähnliches. Tierversuche werden in Russland ohne jede staatliche Kontrolle durchgeführt. Es existiert lediglich eine Leitlinie mit empfehlendem Charakter, gemäß der Versuchstiere gut behandelt und human getötet werden sollen.

Demzufolge kann der zitierte Satz aus der Originalarbeit nur bedeuten, dass der Versuch doch in Aachen stattgefunden haben muss.

Doch selbst wenn die Hauptautoren behaupten sollten, die Angabe in der Originalarbeit sei falsch und der Versuch sei in Russland durchgeführt worden, so können und dürfen sie sich nicht der gemeinsamen Verantwortung entziehen.

Mit diesen Ausführungen legten die Ärzte gegen Tierversuche Beschwerde ein. Doch am 6. April 2004 stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen endgültig ein. Den Beschuldigten sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nicht nachzuweisen gewesen.