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3D-Technologien - Menschliche Organe im Miniformat

In einem aktuellen Fachartikel werden die drei wichtigsten 3D-Technologien (3D-Organoide, 3D-Mikrofabrikationen und 3D-Bioprinting) vorgestellt, mit denen menschliche Organe im Miniformat nachgebaut werden können. Es wird gezeigt, wie die 3D-Methoden zur Verbesserung des Medikamentenentwicklungsprozess beitragen können (Kosten- und Zeitreduktion, bessere Kontrollierbarkeit).

Zusammenfassung

Heutzutage ist die Medikamentenentwicklung eine teure und unvorhersehbare Herausforderung. Die Entdeckung von nur einem wirksamen Medikament kann über 15 Jahre Suche, eine Millionen aussortierte Stoffe und Kosten von mehr als 900 Millionen US-Dollar bedeuten. Aufgrund der zum Teil sehr großen physiologischen Unterschiede, führen die vorklinischen Tierversuche zu ungenauen Vorhersagen in den nachgeschalteten klinischen Studien am Menschen. Humanrelevante Modelle, die kostengünstiger und weniger zeitintensiv sind als Tierversuche, führen hingegen zu zuverlässigen Vorhersagen in der Medikamentenwirkung und damit zu mehr Sicherheit in klinischen Studien.

Technologische Fortschritte ermöglichen heute Wissenschaftlern, menschliche Mini-Organe in 3D-Modellen nachzubilden. Es besteht sogar die Möglichkeit, mehrere Organe miteinander zu verbinden, um modellhaft zu zeigen, wie bestimmte Stoffe durch die Interaktion von Organen verstoffwechselt werden und das auf einem zeitsparenden Weg. Erste Erfolge gab es bereits. 

Zellen sind natürlicherweise komplexen Einflüssen des gesamten Körpers ausgesetzt. Sie bekommen Signale von anderen Zellen oder durch die Gewebeflüssigkeit – hinzu kommen mechanische Reize. Diese Vernetzung ist wichtig für den Erhalt von Zellformen und -prozessen. Das Ziel bei der Herstellung von Modell-Gewebe oder –Organen ist es, so viele dieser Interaktionen wie möglich nachzubilden, um die wichtigsten Merkmale der Gewebeorganisation und -funktion zu gewährleisten. Das kann über verschiedene Wege erzielt werden: 

Beim sogenannten Top-down-Ansatz, werden verschiedene Zelltypen auf Kunststoffplatten angeordnet. Zellen in einer Kulturschale wachsen normalerweise zweidimensional, also nur auf dem Boden. Mit Hilfe eines Gerüsts aus Biomaterial und kleinen Kanälen kann man sie auch dreidimensional in die Höhe wachsen lassen. Auf diesem Weg kann ein ganzes Organabbild in einer Kultur entstehen: ein Organ-on-a-Chip.

Bei der Herstellung von Organoiden, also Miniorganen, die als kleinstmögliche Einheit eine realistische Organfunktion aufweisen, nutzt man die Eigenschaft von Zellstrukturen, sich selbst zu organisieren und komplexe Gewebe- und Organähnliche Konstruktionen zu entwickeln. Die wichtigsten Zelltypen sind hier die pluripotenten Stammzellen, da sie eine extrem hohe Kapazität besitzen, sich selbst zu organisieren, zu strukturieren und in verschiedene Richtungen zu verändern. 

Solche Organoide sind u.a. bereits für Gehirn, Darm, Leber, Niere, Retina, Haut, Lunge, Gefäße und als Krebsmodell entwickelt worden. Mit Gehirn-Organoiden lässt sich z.B. die Großhirnrinde mit Nervenzellen aus verschiedenen Hirnregionen nachbilden. Diese Nervenzellen zeigen spontane Aktivitäten auf und formen funktionelle Strukturen, die eine detaillierte Analyse von Großhirnrindenentwicklung, -funktionen und -erkrankungen ermöglicht. Mit dieser Methode wurde schon die Ursache für das Timothy Syndrom (Entwicklungsstörung von Nerven) entdeckt. 

Mehrere Organoide sind mit einem Flüssigkeitsstrom miteinander vernetzbar. Dies ermöglicht die Erforschung komplexer Reaktionen und Interaktionen der Miniorgane bei der Medikamententestung und bei Giftigkeitsprüfungen. Bei der sogenannten Mikrofabrikation werden die für eine Vernetzung nötigen Kanäle werden mit Hilfe von Lithographie – einem bestimmten Druckverfahren – aus Silikon hergestellt. Diese werden auf Mikroplättchen aufgebracht (Gefäße-on-a-chip) und gewährleisten die Versorgung einzelner Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff. Die Verbreitung von Tumorzellen konnte bereits über einen zirkulierenden Flüssigkeitsstrom von Darm- auf Leber-Organoide nachvollzogen werden. 

Eine andere Option sind 3D-Drucker, die 2D-Modelle und Tierversuche ersetzen können, da sie die Zellstruktur naturgetreu nachformen und eine sehr gute Anpassungsfähigkeit und Kosteneffektivität aufweisen. Nach dem Druck sind die Modelle allerdings nicht direkt einsatzbereit, sondern müssen erst zum Gewebe oder Organkonstrukt durch die Aussaat von Zellen auf das Gerüst heranwachsen. 

Mit diesen Modellen kann man bereits Herzklappen ersetzen, menschliche Fettzellen in gedrucktes Lebergewebe umwandeln (Regenerativmedizin), die Wirksamkeit von Medikamenten erforschen und das Verhalten von Wirkstoffen an Blut-Sauerstoff-Schranken mit Lungengewebe testen. Erkrankungen von Nerven können an gedrucktem Nervengewebe und Hirnstrukturen erforscht werden. An gedruckten Krebsmodellen, zum Beispiel an Gliom-Modellen, sind Tumorentstehungen und Wirkungsweisen von Wirkstoffen untersuchbar. Gedruckte Gefäßstrukturen tragen zur Forschung bei Wundheilungsstörungen bei. 

Durch die beschriebenen Methoden können Behandlungen und Medikamente individuell an jeden Patienten angepasst werden (so genannte „personalisierte Medizin“). Das Scheitern eines Wirkstoffes in den klinischen Studien durch genetische Variationen der Individuen kann durch Nutzung von patienteneigenen Zellen vermieden werden. Das heißt, man kann einem Patienten Zellen entnehmen, daraus Organoide züchten und quasi einen Minimenschen abbilden, der genau diesem Patienten entspricht. So können Art, Dosierung und Häufigkeit der Gabe eines Medikaments individuell angepasst werden. Bei der Gabe von mehreren Medikamenten können Wechselwirkungen besser abgeschätzt werden. 

20.3.2018
Dr. med. vet. Gaby Neumann

Quelle:

Park, J. et al: 3D Miniaturization of Human Organs for Drug Discovery. Advanced Healthcare Materials: 2018; doi: 10.1002/adhm.201700551

 

 

10 Beispiele für Tierversuche aus dem UKE

10 Beispiele für Tierversuche aus dem UKE Alle Beispiele sind unserer datenbank-tierversuche.de entnommen.

Dokument 1

Federführendes Institut: Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: 24 Kaninchen der Rasse Weiße Neuseeländer

Experiment: Unter Narkose wird bei den Kaninchen die Haut über dem Schienbein aufgeschnitten. Ein Loch von 8,1 mm Durchmesser und 6 mm Länge wird in den Knochen gebohrt. Anschließend wird die Knochenverletzung bei 12 Kaninchen mit herkömmlichen und bei 12 Kaninchen mit experimentellem künstlichem Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Die Wunde wird verschlossen. Den Tieren wird ein Schmerzmittel gegeben. Nach 2, 4 und 12 Wochen werden jeweils 4 Kaninchen der zwei Gruppen getötet und das Schienbein entnommen.

Bereiche: Knochenchirurgie, Biomaterialforschung

Hintergrund: In dieser Studie sollte beobachtet werden, ob ein bei Osteoporose eingesetztes Medikament bei direkter Gabe auf eine künstliche Knochenverletzung positive Eigenschaften auf den Heilungsprozess hat.

Quelle: Carsten W. Schlickewei et al.: Bone augmentation using a new injectable bone graft substitute by combining calcium phosphate and bisphosphonate as composite - an animal model. Journal of Orthopaedic Surgery and Research 2015: 10(1); 116. 10.1186/s13018-015-0263-z

Datenbank-ID: 4678

Dokument 2

Federführendes Institut: Institut für Immunologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: Mind. 518 Mäuse (wahrscheinlich sehr viel mehr)

Experiment: Es werden 4 verschiedene, z.T. genmanipulierte Zuchtlinien von Mäusen verwendet. Schwangere Mäuse bekommen ein Cortisonmittel gespritzt, Kontrollgruppen erhalten eine wirkungslose Substanz. Mit den Nachkommen (Mäuse, die durch die Genmanipulation Diabetes oder eine Autoimmunerkrankung entwickeln sowie normale Mäuse) wird eine Vielzahl von verschiedenen Experimenten durchgeführt. Bei manchen Tieren wird alle zwei Wochen eine Blutprobe genommen. Bei nicht genmanipulierten Mäusen wird eine Experimentelle Autoimmunenzephalitis (EAE) hervorgerufen, indem Freunds Adjuvans, ein reizendes Mineralöl mit abgetöteten Tuberkulosebakterien unter die Haut gespritzt wird. Zwei und 4 Tage später werden Keuchhustenbakterien in eine Vene injiziert. Das Immunsystem der Mäuse ist nun so sensibilisiert, dass es das eigene Nervengewebe angreift. Es kommt zu Lähmungen aller vier Beine. Zwischen 20 und 40 % der Tiere sterben. Stark gelähmte Mäuse werden „aus Tierschutzgründen“ getötet. Auch die überlebenden Mäuse werden je nach Versuchsreihe auf nicht genannte Weise getötet, um ihre Organe zu untersuchen.

Bereich: Immunologie

Hintergrund: Schwangeren Frauen, die eine Frühgeburt erwarten bekommen Cortison, um die rechtzeitige Ausreifung der Lunge des Neugeborenen zu ermöglichen. Der Langzeiteffekt der Cortisongabe während der Schwangerschaft auf das Kind wird mit dem höheren Risiko für die Entwicklung späterer Autoimmunkrankheiten in Verbindung gebracht, was hier an Mäusen untersucht wird.

Quelle: Anna Gieras et al.: Prenatal administration of betamethasone causes changes in the T cell receptor repertoire influencing development of autoimmunity. Frontiers in Immunology 2017: 8; 1505. doi:10.3389/fimmu.2017.01505

Datenbank-ID: 4864

Dokument 3

Federführendes Institut: Institut für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie, Universitäres Herzzentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Tiere: unbekannte Anzahl Mäuse

Experiment: Es werden genmanipulierte Mäuse aus eigenem Hause verwendet. Die Tiere leider durch einen Gendefekt von Geburt an einem Herzfehler. In unterschiedlichen Experimenten werden neugeborene (1 Tag alt) und junge Mäuse (7 Tage alt) verwendet. Gruppen von Mäusen werden mit genmanipulierten Viren beladene, kultivierte Herzmuskelzellen in die Blutbahn injiziert. Die Viren sollen bei den Tieren eine Geneveränderung des genetisch bedingten Herzfehlers bewirken. Kontrollgruppen erhalten eine wirkungslose Kochsalzlösung injiziert. Vier Wochen später werden die Mäuse auf verschiedene Weise unter Narkose untersucht. Es werden Aufnahmen des Herzens mit bildgebenden Verfahren gemacht und es wird eine fluoreszierende Substanz in die Bauchhöhle injiziert und mit einem anderen bildgebenden Verfahren im Herzen sichtbar gemacht. Das weitere Schicksal der Mäuse wird nicht erwähnt.

Bereich: Gentherapie

Hintergrund: Korrektur einer Genmanipulation bei Mäusen mittels Gentherapie.

Quelle: Giulia Mearini et al.: Repair of Mybpc3 mRNA by 5’-trans-splicing in a mouse model of hypertrophic cardiomyopathy. Molecular Therapy – Nucleic Acids 2013: 2; e102, doi:10.1038/mtna.2013.31

Datenbank-ID: 4467

Dokument 4

Federführendes Institut: Institut für Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Tiere: 10 Merinoschafe

Experiment: Zehn weiblichen Schafen (4-5 Jahre alt) aus laboreigener Haltung werden unter Narkose die Eierstöcke entnommen. Eine Woche später erfolgt bei fünf Schafen eine zweite Operation, bei der eine Kamerasonde und ein Schneidewerkzeug über die Nasenlöcher der Schafe in das Gehirn eingeführt werden. Die Verbindung zwischen einem Hirnbereich (Hypothalamus) und der Hormon produzierenden Hirnanhangsdrüse wird durchtrennt und ein Stück Alufolie wird dazwischen platziert, um sicherzustellen, dass die Hirnregionen getrennt bleiben. Beide regulieren durch ein Wechselspiel unter anderem den Knochenstoffwechsel. Durch die Abtrennung der beiden Strukturen voneinander kommt es bei den Tieren zu Knochenschwund. Fünf Schafe werden „scheinoperiert“, d.h. sie werden in Narkose gelegt, aber die Hirnstrukturen bleiben intakt. Nach sechs Monaten werden alle 10 Schafe mit einem Schlafmittel getötet, um die Unterkieferknochen zu untersuchen.

Bereiche: Knochenforschung, Osteoporoseforschung, Implantologie

Hintergrund: Entwicklung eines neuen „Tiermodells“ für die Testung von Zahnimplantaten bei alten Menschen mit Knochenschwund.

Quelle: Ralf Oheim et al.: Mandibular bone loss in ewe induced by hypothalamic-pituitary disconnection. Clinical Oral Implants Reseach 2014: 25; 1239-1244

Datenbank-ID: 4676

Dokument 5

Federführendes Institut: Klinik für Anästhesie, Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: 16 Hausschweine

Experiment: Narkotisierten Schweinen werden das Brustbein und der Herzbeutel aufgeschnitten. Eine Ultraschallsonde wird am Herzen angebracht. Herzbeutel und Brustbein werden wieder zugenäht. Ein spezieller Katheter mit einem zusammengeklappten Drahtkorb am Ende wird über die Halsschlagader bis in die linke Herzkammer vorgeschoben. Dann wird der Drahtkorb aufgeklappt und der Katheter durch die Aortenherzklappe herausgezogen, wodurch diese geschädigt wird. Dies soll eine akute Aortenklappenschwäche simulieren. Ein Schwein stirbt, der Zustand eines weiteren verschlechtert sich so stark, dass es getötet wird. Im Anschluss der Studie werden die restlichen Schweine durch Injektion von Kaliumchlorid getötet.

Bereiche: Herz-Kreislauf-Chirurgie, Herz-Kreislauf-Forschung

Hintergrund: Bei Schweinen mit künstlich verursachter Herzklappenschwäche wird eine Methode zur Messung von Kohlenmonoxid im Blut getestet.

Quelle: Martin Petzoldt et al.: Reliability of transcardiopulmonary thermodilution cardiac output measurement in experimental aortic valve insufficiency. PLoS ONE 2017: 12(10). doi 10.13712/journal.pone.0186481

Datenbank-ID: 4861

Dokument 6

Federführendes Institut: Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: 4 Frettchen

Experiment: Die Frettchen stammen aus der „Versuchstier“zucht Euroferret, Dybbølsgade, Dänemark. Die Tiere bekommen 8 Stunden vor dem Versuch kein Wasser mehr. Die Frettchen werden in ein Geschirr eingespannt und in eine Plastikröhre gesteckt, aus der nur der Kopf heraus schaut. Mit dem Geschirr wird das Tier in der Röhre befestigt, so dass es nur noch den Kopf bewegen kann. Vor dem Kopf des Tieres befindet sich ein Bildschirm. Links und rechts von ihrem Kopf gibt es Lautsprecher und jeweils eine Wasserquelle. Das Frettchen soll je nach Herkunft eines Geräusches oder Position eines Punktes auf dem Bildschirm seinen Kopf nach links oder rechts bewegen. Bei einer richtigen Reaktion bekommt das Tier etwas Wasser aus dem Spender. Die Tiere brauchen zwischen 11 und 28 Tage täglichen „Trainings“, um die Aufgabe zu lernen. Das weitere Schicksal der Frettchen wird nicht beschrieben.

Bereiche: Verhaltensforschung, Sinnesphysiologie

Hintergrund: Frettchen als zunehmend häufig benutzte „Versuchs“tiere sollen auf ihre Reizschwelle und Reizreaktion hin untersucht werden.

Quelle: Karl J. Hollensteiner et al.: Crossmodal integration improves sensory detection thresholds in the ferret. PLoS ONE 2015: 10 (5); e0124952

Datenbank-ID: 4863

Dokument 7

Federführendes Institut: Klinik für Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: mindestens 80 Mäuse, unbekannte Anzahl Minischweine

Experiment: Verschiedene genmanipulierte Mäuselinien von der Versuchstierzuchtfirma Jackson Laboratories, USA, werden miteinander gekreuzt. Die Nachkommen leiden an missgebildeten Knochen, Gelenkentzündung und geschwollenen Pfoten. Die Schwellung der Pfoten und ihre Griffkraft werden über mehrere Wochen beobachtet und nach einem Punkteschema beurteilt: 0 = keine Schwellung bis 3 = starke Schwellung der Zehen- und Fußgelenke. Zur Beurteilung, ob die Maus mit ihren schmerzenden Pfoten noch Greifen kann, wird ein Tier mit den Vorderpfoten an einen 3 mm dicken Draht gehängt. Es wird die Zeit gemessen, bis das Tier sich nicht mehr halten kann und herunterfällt. Im Alter von 6, 15, 26 und 52 Wochen werden jeweils einige genmanipulierte und einige „normale“ Mäuse getötet, um Knorpelgewebe und Skelett zu untersuchen. Sechs Wochen alte Minischweine werden getötet und Gewebe für Zellkulturen aus den Knien zu entnehmen.

Bereiche: Arthritisforschung, Innere Medizin

Hintergrund: Untersuchung der Bedeutung eines Proteins bei einer Gelenkentzündung bei Mäusen.

Quelle: A. Jeschke et al.: Deficiency of Thrombospondin-4 in mice does not affect skeletal growth or bone mass acquisition, but causes a transient reduction of articular cartilage thickness. PLoS One 2015: 10(12); e0144272

Datenbank-ID: 4675

Dokument 8

Federführendes Institut: Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Tiere: 15 Ratten

Experiment: In Narkose wird der Kopf einer Ratte in ein stereotaktisches Gerät eingespannt. Die Kopfhaut wird aufgeschnitten. In den Schädelknochen wird ein Fenster gefräst. Silikonöl wird auf die Oberfläche des Gehirns gegeben, damit das Gewebe nicht austrocknet. Zwei Elektrodenträger mit einem 4 und einmal 5 Elektroden werden über zwei bestimmten Hirnbereichen angebracht und mit Acryl befestigt. Die Elektroden werden in das Hirngewebe eingelassen. Um die Hirnströme zu messen, während alle Schnurrhaare gleichmäßig bewegt werden, wird folgende Vorrichtung aufgebaut: Vor der Ratte wird ein Woofer (Tieftonlautsprecher) aufgebaut. Davor wird eine Plexiglasscheibe mit einem Loch in der Mitte angebracht. Das Loch wird mit einer Röhre versehen, die auf die Schnurrhaare zielt. Wird nun ein tiefer Ton über den Lautsprecher abgegeben, erfolgt eine Druckwelle durch die Röhre, die einen gezielten Luftstoß erzeugt, so dass alle Schnurrhaare gleichzeitig bewegt werden. Am Ende der Versuche werden die Ratten durch Injektion eines Fixierungsmittels (Formaldehyd) in die Körperschlagader getötet. Das Gehirn wird in Scheiben geschnitten und untersucht, um den richtigen Sitz der Elektroden nachträglich zu überprüfen.

Bereich: Hirnforschung

Hintergrund: Was passiert im Gehirn von Ratten, deren Schurrhaare alle gleichzeitig bewegt werden?

Quelle: Emilie C.J. Syed et al.: Effect of sensory stimulation in rat barrel cortex, dorsolateral striatum and on corticostriatal functional connectivity. European Journal of Neuroscience 2011: 33, 461-470

Datenbank-ID: 4416

Dokument 9

Federführendes Institut: Institut für Neuropathologie, Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Tiere: Mindestens 40 Mäuse

Experiment: Fünf Tage alte Mäuse werden mit MoMuLV infiziert, einem Retrovirus, das Leukämie und Milzkrebs hervorruft. Die Milz wächst auf mehr als das Doppelte an. Ein Teil der Tiere wird zusätzlich mit Prionen (BSE-Auslöser) infiziert, die am 21. Lebenstag in hoher Dosis in die Bauchhöhle oder in das Gehirn der Tiere injiziert werden. Die Prionen stammen aus dem Gehirn anderer Mäuse und werden in Form von zerkleinertem Hirn verabreicht. Eine Gruppe von Mäusen erhält nur Mäusehirn ohne Prionen. Und eine Gruppe Mäuse wird nur mit MoMuLV infiziert, nicht aber mit Prionen. 30, 60 und 90 Tage nach der Prioneninfektion werden jeweils einige Mäuse jeder Gruppe getötet, um die Milzen zu untersuchen. Für diese Untersuchung werden weitere Tierversuche durchgeführt. Zerkleinerte Milz wird in das Gehirn von 4 genmanipulierten Mäusen injiziert. Die Tiere werden täglich beobachtet und bei Anzeichen von Prionerkrankung (Gewichtsverlust, gekrümmte Körperhaltung, Hinterbeinlähmung, Bewegungsstörungen) getötet.

Bereich: BSE-Forschung

Hintergrund: Untersuchungen zur Pathophysiologie (Krankheitsentstehung) von Prionenerkrankungen wie z.B. BSE.

Quelle: Susanne Krasemann et al: Protease-sensitive prion species in neoplastic spleens of prion-infected mice with uncoupling of PrPSc and prion infectivity Journal of General Virology 2013: 94, 453-463

Datenbank-ID: 4412

Dokument 10

Federführendes Institut: Klinik für hepatobiliäre Chirurgie und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Tiere: mindestens 32 Ratten

Experiment: Männliche Inzuchtratten der Zuchtlinie Lewis werden vom „Versuchstier“züchter Charles River bezogen. Einige Ratten werden getötet und die Oberschenkel- und Schienbeinknochen ausgespült, um Stammzellen (MSC = mesenchymale Stromazellen) zu gewinnen. Weiteren Ratten werden die Nieren von Artgenossen transplantiert. Dazu werden den „Spendern“ unter Narkose die Nieren entnommen. Die Tiere werden getötet. Den „Empfängern“ wird die rechte Niere entnommen und durch eine Spenderniere ersetzt. Dabei wird darauf geachtet, dass das Immunsystem zwischen dem „Spendertier“ und dem „Empfängertier“ nicht zusammenpasst, so dass es zu einer Abstoßungsreaktion kommen muss. Nach einem Tag wird ein Teil der Tiere mit Bestandteilen der isolierten Stammzellen (extrazellulären Vesikeln) behandelt. Am 5. Tag nach der Operation wird unter erneuter Narkose die linke Niere der Empfänger-Tiere entnommen. Jetzt arbeitet nur noch die transplantierte Niere. Am siebten Tag nach der Operation werden alle Tiere auf nicht näher beschriebene Art getötet.

Bereiche: Immunologie, Transplantationsmedizin, Stammzellforschung

Hintergrund: Stammzellen als eine Behandlungsmöglichkeit zur Verminderung einer Abstoßungsreaktion bei Transplantationen.

Quelle: M. Koch et al.: Extracellular vesicles from MSC modulate the immune response to renal allografts in a MHC disparate rat model. Stem Cells International 2015: doi/10.1155/2015/486141

Datenbank-ID: 4677

Weitere Infos

Kampagnenseite “Kein Neues Tierversuchslabor am UKE” >>

Stellungnahme zum geplanten neuen Tierversuchslabor am UKE >>

Datenbank Tierversuche >>

Pulsierende menschliche Miniherzen

Werden Tierversuche abgeschafft aufgrund des Drucks aus der Öffentlichkeit, aus wissenschaftlichen, ethischen oder wirtschaftlichen Gründen? Vielleicht alles zusammen. Auffallend ist, dass die letzte Komponente – die wirtschaftlichen Gründe – eine zunehmende Rolle spielen.

Im Oktober 2017 berichteten Medien von im Reagenzglas pulsierenden Miniherzen. Amerikanische Wissenschaftler um den Biomechaniker Kevin Costa haben in Hongkong die Firma Novoheart gegründet. Deren „MyheartTM“ genannte Miniorgane werden aus Blutzellen von Menschen generiert. Die Blutkörperchen werden zu pluripotenten Stammzellen umprogrammiert, aus denen dann Herzgewebe gezüchtet wird. Die haselnussgroßen Miniherzen sind genetisch und physiologisch identisch mit dem jeweiligen Patienten. An diesen können pharmakologische Substanzen getestet werden, die genau auf den Patienten zugeschnitten sind.

Der Umweg über das Tier ist teuer und versagt zu 95%. So hat die Pharmaindustrie ein großes Interesse an effizienteren Methoden der Wirkstofffindung und –testung. Unternehmen wie Novoheart setzen dabei auf innovative Techniken für die personalisierte Medizin. Die Zukunft ist jetzt!

Quelle: Jürgen Schönstein: Diese Firma züchtet pulsierende Miniherzen in Reagenzgläsern. Welt.de 13.10.2017 https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article169037075/Diese-Firma-zuechtet-pulsierende-Miniherzen-in-Reagenzglaesern.html, abgerufen am 10.11.2017

Spenden zu persönlichen Anlässen


Feste feiern und Gutes tun

Es gibt so viele Möglichkeiten, zu helfen. Beispielsweise anlässlich eines Geburtstags oder Jubiläums. Vielleicht kennen Sie das? Sich selbst „wunschlos glücklich“ zu fühlen und anderen Unterstützung zukommen lassen zu wollen. Oder den Wunsch, Ihre Gäste für unser Engagement zu sensibilisieren? Ein Fest mit dem Motto „Spende als Geschenk“ zu begehen ist auf jeden Fall eine eindrucksvolle, gute Tat, die unserem Verein viel gibt und Vielen Freude macht.

Empfehlenswert ist, bereits bei der Einladung darauf hinzuweisen, dass Sie sich Spenden statt Geschenke wünschen. Wenn Sie um Überweisung auf unser Konto bitten, legen Sie bitte für den Verwendungszweck ein Stichwort fest. Nur so können wir Ihnen anschließend eine Übersicht zuschicken. Wenn Sie um Bargeld bitten, stellen Sie besser kein „Sparschwein“ auf, da Sie die Gaben sonst nicht zuordnen können. Und wenn Sie uns rechtzeitig im Voraus verständigen, schicken wir Ihnen selbstverständlich auch gern kostenlos Infomaterial zum Auslegen.

Und das Wichtigste: Es kommt nicht auf die Spendenhöhe an, sondern dass es Ihnen ein Herzenswunsch ist!


Im Sinne des Verstorbenen: Kondolenzspende

Im Trauerfall kommt oft der Wunsch auf, etwas zu tun, das im Sinne des Verstorbenen gewesen wäre und über dessen Tod hinaus wirkt. Hier bietet sich die Kondolenzspende anstelle von Kränzen und Blumen an. Mit ihr kann häufig sogar ein letzter Wunsch des verstorbenen Menschen erfüllt werden. Da wir Ärzte gegen Tierversuche uns gegen Leid und für eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin und Wissenschaft einsetzen, setzen Sie durch eine Kondolenzspende an uns gleichsam ein Zeichen für das Leben.

Wenn wir trauern, steht uns selten der Sinn nach Regelung von Formalitäten. Teilen Sie daher dem Bestatter baldmöglichst mit, dass Sie eine Kondolenzspende wünschen, und er wird dann alle erforderlichen Schritte einleiten. Wichtig ist auch hier, neben der Kontoverbindung ein Kennwort für den Verwendungszweck anzugeben.


Für alle Fragen bezüglich Ihrer Spendenüberlegungen steht Ihnen unser Geschäftsführer Claus Kronaus gern beratend zur Seite, Tel.: 02203 – 9040990, E-Mail kronaus@aerzte-gegen-tierversuche.de

Boehringer - Tierqualzentrum Hannover

Im Jahr 2008 wurde bekannt, dass der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim in Hannover ein neues Forschungszentrum für Nutztierimpfstoffe bauen will. Wir protestierten zusammen mit den Anwohnern jahrelang.

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Obwohl der größte Teil der Tierversuche mit unseren Steuergeldern finanziert wird, gibt es keine öffentlich zugänglichen Informationen darüber, wo wie viele und welche Tierversuche durchgeführt werden. In unserer Datenbank finden sich mehrere Tausend Einträge, die auf Fachartikeln basieren. Sie sind überwiegend den Bereichen der Grundlagen- und medizinischen Forschung zuzuordnen. Von der pharmazeutischen und chemischen Industrie durchgeführte Tierversuche werden aus Gründen des Betriebsgeheimnisses weitaus seltener publiziert. Diese sind daher in der Datenbank unterrepräsentiert. Die Sammlung ist bei weitem nicht vollständig, bietet aber angesichts des vollständigen Mangels an offiziellen Informationen, einen wichtigen Einblick in die Tierversuchspraxis in Deutschland. Mehr zum Hintergrund der Datenbank >>

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