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Schluss mit Tierversuchen - auch in Gießen!

Schluss mit Tierversuchen - auch in Gießen!

Gießen kennen viele als beschauliches Städtchen in Hessen, umringt von Grün. Dass an der dortigen Universität seit Jahren u.a. Kaninchen, Schweine, Mäuse und Ratten in unzähligen Tierversuchen leiden müssen, können sich viele Menschen nicht vorstellen – doch genau das ist die Realität. Um darauf aufmerksam zu machen, veranstaltet Ärzte gegen Tierversuche vom 23. Juli bis 2. August auch in Gießen eine Großplakataktion mit der klaren Botschaft: Schluss mit Tierversuchen, hin zu moderner, tierleidfreier Forschung!  

Dass es Tierversuche gibt, ist den meisten Menschen zwar bewusst – dass diese aber manchmal in direkter Nachbarschaft stattfinden, wissen viele nicht. Geschweige denn, welche Versuche mit welchen Tieren gemacht werden. Vieles findet vor der Haustür statt, finanziert durch Steuergelder der Bürger.

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen und Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch wirksam und sicher waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen.

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

Welche Tierlabore gibt es in Gießen?

Wir verwenden hauptsächlich Artikel in Fachzeitschriften und Stellenangebote als Quellen, aus denen wir unsere Adressliste der Tierlabore Deutschlands zusammengestellt haben. In Gießen sind es die Veterinärmedizinische Fakultät und das Universitätsklinikum der Justus-Liebig-Universität (JLU) mit zahlreichen Kliniken und Institute, die Tierversuche durchführen. 

Welche Tierversuche werden in Gießen gemacht?

Einige Beispiele von Experimenten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, sollen einen kleinen Einblick geben. Weitere Versuchsbeschreibungen aus Gießen und ganz Deutschland sind in unserer Datenbank Tierversuche >> zu finden.

Justus-Liebig-Universität Gießen

Universitätsklinikum Gießen-Marburg

Institut für Sportwissenschaften, Justus-Liebig-Universität Gießen, Kugelberg 62, 35394 Gießen

Wie läuft der Versuch ab? Mäuse werden 8 Monate lang an 5 Tagen pro Woche 6 Stunden täglich Zigarettenrauch ausgesetzt, indem dieser in eine Box mit den Mäusen eingeleitet wird. Ab dem 6. Monat müssen die Tiere täglich 30 Minuten auf einem Laufband laufen, dessen Geschwindigkeit täglich erhöht wird. Die Tiere müssen bis zur Erschöpfung laufen. Erschöpfung wird angenommen, wenn der Sauerstoffverbrauch einen bestimmten Level erreicht hat oder die Tiere aufhören zu laufen. Nach 8 Monaten werden die Mäuse getötet, um Blut und Muskeln zu untersuchen. Ergebnis der Studie: Sport hilft, die Schäden durch Langzeitrauchen zu vermindern. Dabei sei es wichtig für Raucher, mit dem Training möglichst früh zu beginnen und nicht erst zu warten, bis sich Schäden manifestiert haben, schlussfolgern die Autoren. (4)

Was wird gemacht – in einem Satz? Mäuse werden ein halbes Jahr zum Rauchen gezwungen, müssen dann 2 Monate ein Sportprogramm durchlaufen und werden dann getötet.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Dass körperliche Bewegung die Gesundheit grundsätzlich und unabhängig von der Ausgangssituation positiv beeinflusst, ist seit langem unbestritten. Ebenso unbestritten ist heutzutage der negative Effekt von Zigarettenrauchen auf die körperliche Fitness. Daher ist es völlig überflüssig, einen derart belastenden Versuch an Tieren durchzuführen, zumal die Ergebnisse nicht einfach so auf den Menschen übertragen werden. Um den Effekt von Sport auf die Gesundheit zu untersuchen, kann hervorragend mit freiwilligen Probanden gearbeitet werden. In diesem Falle könnten Menschen, die sowieso schon rauchen, ein Sportprogramm absolvieren und die Vitalparameter können vorher und nachher gemessen und somit der Effekt von Sport bestimmt werden. Somit würde man auch Ergebnisse im richtigen System, nämlich des Menschlichen, gewinnen. 

Justus-Liebig-Universität Gießen

Universitätsklinikum Gießen-Marburg

Universities of Gießen and Marburg Lung Center (UGMLC) / Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL), Aulweg 130, 35392 Gießen

Wie läuft der Versuch ab? Um die Wirkung zweier Medikamente auf die Herzfunktion nach einem künstlich ausgelösten Lungenhochdruck bei Mäusen zu ergründen, wird den Tieren unter Narkose der Brustkorb aufgeschnitten. Auf die Lungenschlagader wird ein Clip gesetzt, der das Blutgefäß stark einengt, aber nicht ganz verschließt. Dadurch wird ein Lungenhochdruck simuliert. Sieben Tage nach der Operation erhalten die Mäuse Sildenafil (bekannt unter dem Handelsnamen Viagra) über das Trinkwasser oder Riociguat (Medikament gegen Lungenhochdruck) oral verabreicht – dies geschieht normalerweise durch Eingabe mit einer Schlundsonde. 21 Tage nach der Operation werden verschiedene Messungen durchgeführt. Schließlich werden die Tiere getötet. (5)

Was wird gemacht – in einem Satz? Mäusen wird der Brustkorb aufgeschnitten und künstlich ein Lungenhochdruck erzeugt, gegen den sie dann 2 verschiedene Medikamente bekommen und nach 3 Wochen werden sie getötet.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Mäuse und Ratten bekommen üblicherweise keinen Lungenhochdruck. Die künstlich krank gemachten Tiere, bei denen auf abwegige Weise menschliche Organfunktionsstörungen hergestellt werden, haben mit Humanpatienten und deren komplexer Situation nichts zu tun. So entsteht Lungenhochdruck beim Menschen oft über Jahre und wird begünstigt durch Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol, Vorerkrankungen wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Einnahme bestimmter Medikamente oder durch genetische Veranlagung. Es existieren bereits Lungen-auf-dem-Chip-Modelle, die sogar eine Atmung simulieren können und an denen nicht nur Grundlagenforschung, sondern auch Medikamente getestet werden können. (6,7) 

Justus-Liebig-Universität Gießen

Justus-Liebig-Universität - Veteinärmedizinische Fakultät

Institut für Tierernährung und Ernährungsphysiologie, Heinrich-Buff-Ring 26-32, 35392 Gießen

Wie läuft der Versuch ab? Mäusen wird Nicotinsäure, ein Vitamin des B-Komplexes, ins Futter gemischt. Fünfmal pro Woche, 35 Minuten am Tag müssen die Tiere auf einem Laufband laufen, wobei die Geschwindigkeit langsam erhöht wird – bis zur Erschöpfung der Tiere. Als Erschöpfung wird angesehen, wenn die Maus zweimal rückwärts auf das Laufband fällt. Nach 42 Tagen werden die Mäuse getötet, um ihre Muskeln zu untersuchen. Ziel war es, herauszufinden, ob Nicotinsäure die Ausdauerleistung von Mäusen erhöht. (8)

Was wird gemacht – in einem Satz? Mäuse erhalten ein Vitamin und müssen bis zur Erschöpfung auf einem Laufband laufen; am Ende werden sie getötet.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Tierarten unterscheiden sich in Körperbau, Organfunktionen und Stoffwechsel wesentlich voneinander; der Mensch ist hier keine Ausnahme. Ein und dieselbe Substanz führt häufig zu völlig unterschiedlichen Reaktionen bei Mensch und Tier. So ist zum Beispiel Penicillin gut verträglich für Menschen, aber schädlich für Meerschweinchen. Aspirin führt bei Hunden, Katzen, Affen, Ratten und Mäusen zu Embryonalschäden, nicht aber beim Menschen. Wegen dieser Unterschiede ist die Übertragung von Ergebnissen aus Tierversuchen auf den Menschen irreführend. Die Wirkung der Substanz Nicotinsäure auf den menschlichen Körper ist aber seit Jahrzehnten gut untersucht und die maximalen Dosierungen für Menschen sind festgelegt. (9) Mit einer für den Menschen verträglichen Dosis kann mittels Sporttest untersucht werden, ob durch die Einnahme eine Leistungssteigerung zu verzeichnen ist. Für die Untersuchungen des Einflusses von Nicotinsäure auf die Muskeln auf zellulärer Ebene kann ein Skelettmuskelmodell aus iPSC und 3D-Druck genutzt werden. (10)

Weitere für Tierversuche verantwortliche Einrichtungen

Justus-Liebig-Universität Gießen, Veterinärmedizinische Fakultät

  • Institut für Ernährungswissenschaften, Schubertstr. 81, 35392 Gießen
  • Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Schubertstr. 81, 35392 Gießen
  • Institut für Veterinär-Pathologie, Frankfurter Str. 96, 35392 Gießen
  • Institut für Veterinär-Physiologie und -Biochemie, Frankfurter Str. 100, 35392 Gießen
  • Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere, Frankfurter Straße 106, 35392 Gießen
  • Klinik für Kleintiere (Chirurgie), Frankfurter Str. 126, 35392, Gießen

Justus-Liebig-Universität Gießen, Universitätsklinikum

  • Abteilung für Klinische Pathophysiologie und Experimentelle Medizin, Klinikstr. 36, 35392 Gießen
  • Deutsches Zentrum für Lungenforschung, Zentrum für Innere Medizin, Klinikstr. 33, 35392 Gießen
  • Institut für Anatomie und Zellbiologie, Medizinische Fakultät, Aulweg 123, 35392 Gießen
  • Klinik für Allgemein- und Thoraxchirurgie, Klinikstr. 29, 35392 Gießen
  • Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie, Rudolf-Buchheim-Str. 7, 35392 Gießen
  • Klinik für Unfallchirurgie, Rudolf-Buchheim-Str. 2, 35392 Gießen
  • Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Rudolf-Buchheim-Str. 7, 35392 Gießen
  • Labor für Experimentelle Orthopädie, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Paul-Meimberg-Str. 5, 35385 Gießen
  • Medizinische Klinik und Poliklinik II, Abteilung für Gastroenterologie, Paul-Meimberg-Str. 5, 35385 Gießen
  • Medizinische Klinik und Poliklinik II, Excellence Cluster Cardio Pulmonary System (ECCPS), Klinikstr. 33, 35392 Gießen
  • Neurologische Klinik, Am Steg 14, 35392 Gießen
  • Physiologisches Institut, Aulweg 129, 35392 Gießen
  • Radiologische Universitätsklinik, Klinikstr. 36, 35385 Gießen
  • Universities of Gießen and Marburg Lung Center (UGMLC) / Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL), Aulweg 130, 35392 Gießen
  • Zentrale Versuchstierhaltung, Erwin-Stein-Gebäude, Goethe-Straße 58, 35390 Gießen
  • Zentrum für Innere Medizin, Schwerpunkt Gastroenterologie, Klinikstr. 33, 35392 Gießen 

Tierversuchsfrei Forschen

Die erwähnten tierleidfreien, humanbasierten Forschungsmethoden sind nur wenige Beispiele. Eine große Vielfalt ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Tierversuchsfrei ForschenWeitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

Was kann ich tun?

Unterschreiben Sie die Petition „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ >>

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Werden Sie Mitglied (als Mediziner/Naturwissenschaftler für 72 €/Jahr oder 6 €/Monat bzw. als Fördermitglied (andere Berufe) für 36 €/Jahr oder 3 €/Monat)! Je mehr wir sind, desto stärker ist die Stimme, mit der wir für die Tiere sprechen können >> 

Tipps, wie Sie sonst noch helfen können >> 

AG Gießen

Die AG wurde im Herbst 2019 gegründet und ist damit noch recht frisch. Wenn die Corona-Pandemie nicht mehr ausbremst, organisiert sie in Gießen und Hessen Aktionen, Demonstrationen und Infoständen und informiert zum Thema Tierversuche und tierleidfreien Methoden.

Wir freuen uns immer über neue Mitglieder! Hier ist der Link zur Kontaktaufnahme >> 

Quellen

  1. Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–151
  2. Lindl T et al. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–243
  3. Mullard A. Parsing clinical success rates Nat Rev Drug Discov. 2016; 15(7):447–447
  4. Krüger K et al. Exercise training reverses inflammation and muscle wasting after tobacco smoke exposure Am J Physiol Regul Integr Comp Physiol 2018; 314(3):R366–R376
  5. Rai N et al. Effect of Riociguat and Sildenafil on right heart remodeling and function in pressure overload induced model of pulmonary arterial Banding Biomedical Research International 2018; 3293584
  6. Stucki JD et al. Medium throughput breathing human primary cell alveolus-on-chip model. Sci Rep 2018; 8(1):14359
  7. Zamprogno P et al. Second-generation lung-on-a-chip with an array of stretchable alveoli made with a biological membrane. Commun Biol 2021; 4(1):1–10
  8. Ringseis R et al. Nicotinic Acid Improves Endurance Performance of Mice Subjected to Treadmill Exercise. Metabolites 2020; 10(4):138
  9. Bundesinstitut für Risikobewertung. Die Einnahme von Nicotinsäure in überhöhter Dosierung kann die Gesundheit schädigen. 06.02.2012
  10. Iuliano A et al. Coupling 3D Printing and Novel Replica Molding for In House Fabrication of Skeletal Muscle Tissue Engineering Devices. Advanced Materials Technologies 2020; 5(9):2000344

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

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Schluss mit Tierversuchen - auch in Hamburg

Schluss mit Tierversuchen - auch in Hamburg!

Der LPT-Skandal ist vielen sicher noch im Gedächtnis, aber die Zeiten der täglichen Schlagzeilen des „Horror-Labors“ sind vorbei. Nicht vorbei ist aber das Leid vieler anderer Tiere, die ungeachtet der damaligen Medienpräsenz täglich in diesem und anderen Laboren in und um Hamburg für Versuche leiden müssen. Das darf nicht vergessen werden. Deshalb startet ÄgT auch in Hamburg vom 09. bis 19. Juli eine Großplakataktion mit der klaren Aufforderung: Schluss mit Tierversuchen, hin zu moderner, tierleidfreier Forschung!  

Dass es Tierversuche gibt, ist den meisten Menschen zwar bewusst – dass diese aber manchmal in direkter Nachbarschaft stattfinden und zudem von den Steuergeldern der Bürger finanziert werden, wissen viele nicht. Hamburger sind zwar seit Oktober 2019 dem mehr gewahr, da der Skandal um das Tierversuchslabor LPT große Wellen geschlagen hat und lange in den Schlagzeilen im In- und Ausland aufgegriffen wurde – was aber alles genau mit den Tieren gemacht wird, ist meist unbekannt.

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen und Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch wirksam und sicher waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen.

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11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

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Welche Tierlabore gibt es in Hamburg?

Wir verwenden hauptsächlich Artikel in Fachzeitschriften und Stellenangebote als Quellen, aus denen wir unsere Adressliste der Tierlabore Deutschlands zusammengestellt haben. Dort listen wir 7 Einrichtungen sowie 23 Institute und Klinken des UKE, die für Tierversuche verantwortlich sind.

Welche Tierversuche werden in Hamburg gemacht?

Einige Beispiele von Experimenten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, sollen einen kleinen Einblick geben. Weitere Versuchsbeschreibungen aus ganz Deutschland sind in unserer Datenbank Tierversuche >> zu finden.

Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V. (DZHK)

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Standort Hamburg/Kiel/Lübeck, Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Wie läuft der Versuch ab? Meerschweinchen wird unter Narkose ein Messgerät mit Kabeln zum Brustkorb und Brustbein in die Flanke einoperiert, das in den folgenden Wochen ein EKG misst. Dann werden Brustkorb und Brustbeutel aufgeschnitten. Eine in flüssigem Stickstoff gekühlte Aluminiumsonde von 0,5 cm Durchmesser wird auf das freigelegte Herz aufgesetzt. Dadurch wird das Herzgewebe so stark geschädigt, dass die Meerschweinchen in der Folge Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche entwickeln. 9 Tiere versterben bereits während der Operation, 4 weitere Tiere in den nächsten 3 Tagen. 7 Tage später wird ein Gewebestück, das aus menschlichen Stammzellen (iPSC) gewonnen wurde, auf das Herz aufgenäht. Bei dieser Operation versterben 4 Tiere. 35 Tage nach der Kälteschädigung des Herzens werden die überlebenden Meerschweinchen getötet. (4)

Was wird gemacht – in einem Satz: Meerschweinchen werden Geräte implantiert, ihr Brustkorb wird aufgeschnitten und das Herz mit Kälte geschädigt und sie bekommen ein Gewebestück ans Herz genäht.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Diese qualvolle Konstruktion eines Tiermodells für Herzschädigung hat absolut nichts mit den Herzkrankheiten des Menschen zu tun. Eine Herzschädigung des Menschen entsteht nicht durch Unterkühlung, sondern hat in erster Linie etwas mit dem Lebensstil (ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, Genussmittelmissbrauch) zu tun. Dass Tiermodelle keinen Behandlungsfortschritt darstellen, sieht man allein daran, dass die häufigste Todesursache seit Jahren Herz-Kreislauferkrankungen sind. (5)

Dem gegenüber stehen Mini-Herzen, die aus Patientenzellen gezüchtet werde können. Die Mini-Organe sind sogar in der Lage, sich zu kontrahieren. (6) Besonders interessant ist, dass man patientenspezifische Behandlungen vorab testen kann. Mit einem 3D-Drucker kann ebenfalls Herzgewebe gedruckt und damit Forschung betrieben werden. (7) 

LPT (Laboratory of Pharmacology and Toxicology)

LPT Hamburg

Redderweg 8, 21147 Hamburg 

Wie läuft der Versuch ab? Am Standort Neugraben testet das LPT im Auftrag der Firma Sloan Pharma das Nervengift Botulinumtoxin, besser bekannt als Faltenkiller „Botox“. Dazu wird der sog. LD50-Test durchgeführt. Für diesen Test wird eine sehr hohe Anzahl an Mäusen in Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe erhält eine andere Dosis injziert. Das Gift wird den Mäusen in die Bauchhöhle gespritzt. Da es sich um ein Nervengift handelt, leiden die Tiere in der Folge unter Sehstörungen, Lähmungen und Atemnot, bis sie schließlich bei vollem Bewusstsein ersticken. Der Todeskampf kann vier Tage dauern. Ermittelt wird die Dosis, bei welcher die Hälfte der Versuchstiere stirbt. Im Jahr 2019 wurden Botox-Tierversuche an 46.800 Mäusen beim LPT genehmigt. (8)

Was wird gemacht – in einem Satz? Mäusen wird ein Nervengift gespritzt, wodurch sie Lähmungen, Atemnot und oft den Tod erleiden.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Abgesehen davon, dass es ethisch hochgradig fragwürdig ist, dass Tiere für unsere vermeintliche Schönheit leiden sollen, sind die Ergebnisse extrem unzuverlässig und variabel. (9) Skandalös ist, dass es bereits einen zellbasierten Test gibt, mit dem das Botulinumtoxin bestimmt werden kann. Jeder Hersteller muss diesen zwar speziell für sein Produkt validieren, allerdings hat der Hersteller Allergan dies bereits 2011 für sein Produkt gemacht – es ist also möglich. (10) 

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Institut für Anatomie und Experimentelle Morphologie und Core Facility Small Animal Irradiation, Universitäres Cancer Center Hamburg

Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Wie läuft der Versuch ab? Es werden insgesamt mindestens 164 gentechnisch veränderte Mäuse mit geschwächtem Immunsystem verwendet, die besonders anfällig für die Entwicklung von Tumoren sind. Den Tieren werden zwei verschiedene menschliche Krebszelllinien unter die Haut gespritzt, damit sich Tumore ausbilden. Nach 13 bis 68 Tagen haben alle Mäuse Tumore entwickelt. 4 Gruppen von Mäusen erhalten jeweils eine der folgenden Krebsbehandlungen: Strahlentherapie, operatives Entfernen des Tumors, Chemotherapie sowie Strahlentherapie + Chemotherapie. Alle Tiere werden 15 Tagen nach Beginn der Therapien getötet und diverse Gewebe und Organe für weitere Untersuchungen entnommen. (11)

Was wird gemacht – in einem Satz? Mäusen mit künstlich geschwächtem Immunsystem werden Tumore angezüchtet, die dann herausoperiert, bestrahlt oder mit Chemotherapie behandelt werden.

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Insbesondere bei Krebsmedikamenten ist die Erfolgsquote mit knapp 5% extrem schlecht. (3) Selbst Dr. Richard Klausner, ehemaliger Direktor des National Cancer Institute (NCI, USA), stellte fest: „Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber beim Menschen klappt es einfach nicht.“ (12) Auch hier gilt, wie bei den anderen Krankheiten: das Prinzip, junge gesunde Mäuse künstlich zu verändern und krank zu machen, so dass sie Symptome zeigen, die deren des Menschen mit einer bestimmten Krankheit ähneln, ist nicht zielführend. Zudem unterscheidet sich das Immunsystem von Mäusen und Menschen erheblich. (13)

Es gibt bereits kommerzielle Anbieter, die aus Tumorproben von Patienten Krebs-Sphäroide gewinnen und daran im Schnellverfahren viele verschiedene Medikamente testen können. Das Medikament, welches den Tumor am effektivsten am Wachsen hindert, kann beim Patienten eingesetzt werden. Insbesondere bei Krebs ist gewonnene Zeit extrem wichtig. (14)

Unsere NAT-Database für humanbasierte, tierfreie Methoden listet 87 Einträge zum Thema Krebs – und dies ist nur als Ausschnitt zu verstehen, da es weltweit eine Vielzahl an weiteren Forschungsmöglichkeiten ohne Tiere gibt, die den Menschen im Fokus haben. www.nat-database.de

Weitere für Tierversuche verantwortliche Einrichtungen in Hamburg

  • Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg
  • EVOTEC AG, Neuropharmakologie, Essener Bogen 7, 22419 Hamburg
  • Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie, Abteilung für Tumorvirologie, Martinistr. 52, 20251 Hamburg
  • Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie, Forschungsgruppe Molekulare Pathologie, Martinistr. 52, 20251 Hamburg
  • Heinrich-Pette-Institut, Leibnizinstitut für experimentelle Virologie, Martinistr. 52, 20251 Hamburg
  • Provivo Biosciences GmbH & Co. kg (früher: LPT - Labor für Pharmakologie und Toxikologie KG), Redderweg 8, 21147 Hamburg
  • OLYMPUS EUROPA SE & Co. KG, Wendenstr. 14-18, 20097 Hamburg
  • Thünen-Institut für Fischereiökologie, Palmaille 9, 22767 Hamburg
  • Universität Hamburg, Zoologisches Institut und Zoologisches Museum, Martin-Luther-King-Platz 3, 20146 Hamburg  

sowie etwa 23 Kliniken und Institute des UKE. 

Tierversuchsfrei Forschen

Die erwähnten tierleidfreien, humanbasierten Forschungsmethoden sind nur wenige Beispiele. Eine große Vielfalt ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Tierversuchsfrei ForschenWeitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

Was kann ich tun?

Unterschreiben Sie die Petition „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ >>

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Werden Sie Mitglied (als Mediziner/Naturwissenschaftler für 72 €/Jahr oder 6 €/Monat bzw. als Fördermitglied (andere Berufe) für 36 €/Jahr oder 3 €/Monat)! Je mehr wir sind, desto stärker ist die Stimme, mit der wir für die Tiere sprechen können >> 

Tipps, wie Sie sonst noch helfen können >> 

AG Hamburg

Plakate gegen Tierversuche - Hamburg
Wenn nicht gerade eine Pandemie ausbremst, organisiert unsere AG Hamburg viele Aktionen, Demonstrationen und Infoständen und informiert zum Thema Tierversuche und tierleidfreien Methoden.

Wir freuen uns immer über neue Mitglieder! Hier ist der Link zur Kontaktaufnahme >>  

Weitere Infos

Tierversuche und Tierlabore in Hamburg >>

Quellen

  1. Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–51
  2. Lindl T, Voelkel M. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–3
  3. Mullard A. Parsing clinical success rates. Nature Rev. Drug Discov. 2016; 15(7):447–447
  4. Pecha S et al. Human iPS cell-derived engineered heart tissue does not affect ventricular arrhythmias in a guinea pig cryo-injury model. Nat Sci Rep 2019; 9(1):9831
  5. Statistisches Bundesamt. Todesursachen
  6. Novoheart Website. Produktübersicht
  7. Fraunhofer IAP. Artificial pericardial tissue from the 3D printer. 04.02.2020
  8. Ärzte gegen Tierversuche. Tierversuche und Tierlabore in Hamburg. 07.03.2021
  9. Weil CS and Scala RA. Study of intra- and interlaboratory variability in the results of rabbit eye and skin irritation tests. Toxicol Appl Pharm 1971; 19(2):276–360
  10. Ärzte gegen Tierversuche. Stoppt Botox-Tierversuche! 23.06.2021
  11. Frenzel T. Locally Ablative Radiation Therapy of a Primary Human Small Cell Lung Cancer Tumor Decreases the Number of Spontaneous Metastases in Two Xenograft Models. Int. J. Radiat. Oncol. Biol. Phys. 100; 4(1044-1056)
  12. Ärzte gegen Tierversuche. Krebs und Tierversuche - keine Erfolgsstory. 18.10.2004
  13. Seok J et al. Genomic responses in mouse models poorly mimic human inflammatory diseases. PNAS 2013; 110(9); 3507-3512
  14. Indivumed Website

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

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Auch interessant

      

 

Schluss mit Tierversuchen - auch in Bochum

 Schluss mit Tierversuchen - auch in Bochum!

Mitten im Ruhrpott liegt Bochum. Leider ist die Stadt auch eines der Zentren für viele grausame Tierversuche: unzählige Mäuse, Ratten, Kaninchen, Tauben und Schweine müssen an der Ruhr Uni RUB leiden. Da Informationen darüber selten an die Öffentlichkeit gelangen, macht Ärzte gegen Tierversuche vom 2. bis 12. Juli mit einer Großplakataktion auf diese Tierversuche aufmerksam. Die klare Forderung: Schluss mit Tierversuchen, hin zu moderner, tierleidfreier Forschung!  

Dass es Tierversuche gibt, ist den meisten Menschen zwar bewusst – dass diese aber manchmal in direkter Nachbarschaft stattfinden, wissen viele nicht. Geschweige denn, welche Versuche mit welchen Tieren gemacht werden. Vieles findet vor der Haustür statt, finanziert durch Steuergelder der Bürger.

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen und Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch wirksam und sicher waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen.

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

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Welche Tierlabore gibt es in Bochum?

Bei dieser Frage herrscht völlige Intransparenz. Von offiziellen Stellen wird keine Auskunft gegeben. So verwenden wir Artikel in Fachzeitschriften und Stellenangebote als Quellen, aus denen wir unsere Adressliste der Tierlabore Deutschlands zusammengestellt haben. Dort listen wir 14 Institute und Kliniken der Ruhr-Universität Bochum (RUB) auf, die für Tierversuche verantwortlich sind.

Welche Tierversuche werden in Bochum gemacht?

Einige Beispiele von Experimenten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, sollen einen kleinen Einblick geben. Weitere Versuchsbeschreibungen aus ganz Deutschland sind in unserer Datenbank Tierversuche >> zu finden.

Ruhr-Universität Bochum (RUB)

(unklar, an welchem Institut die Versuche stattfanden)

Wie läuft der Versuch ab? 50 Mäusen werden sogenannte Rückenhautkammern implantiert, um Veränderungen in der Blutgefäßbildung zu beobachten. Dafür wird unter Betäubung die Rückenhaut gespannt und zwischen zwei Metallrahmen fixiert, die fest zusammengeschraubt werden. In der Mitte der Metallrahmen befindet sich ein Beobachtungsfenster, durch das man die Blutgefäße an der lebenden und wachen Maus sehen und mikroskopieren kann. Eine Hautschicht und darunterliegende Muskelschichten werden herausgeschnitten und zudem wird ein Stück Gewebe ausgestanzt, um eine Wunde zu erzeugen. 24 Stunden später werden die Mäuse in eine enge Plastikröhre gesteckt. Diese wird mit dem Rücken nach unten in einer sogenannten Taucherbox befestigt, so dass die Rückenhautkammer in das Wasser eingetaucht ist. Durch eine Öffnung in der Taucherbox werden Schockwellen eingeleitet, die auf die Rückenhautkammer treffen. Einige Mäuse erleiden zusätzlich zu der qualvollen, oft wochenlangen Prozedur Ödeme und Entzündungen. (4)

Was wird gemacht – in einem Satz: Ein Metallgestell spannt die Rückenhaut auf, eine Wunde wird erzeugt und die Mäuse werden rücklings mit dem Metallgestell in ein Becken getaucht und mit Schockwellen beschallt.

Warum ist das sinnlos? Als Ziel dieser Studie wird angegeben, die hier beschriebene Taucherbox für die Untersuchung des Effekts von Schockwellen auf die Wundheilung zu etablieren. Schockwellen wurden bei Patienten z.B. in den 1980er Jahren zum Zertrümmern von Nierensteinen eingesetzt. In diesem Experiment geht es also lediglich darum, eine experimentelle Methode zu untersuchen. Tiere leiden und sterben also, um eine Gerätschaft, die für weitere Tierversuche eingesetzt werden soll, besser kennenzulernen und zu optimieren. 

Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Universitätsstr. 150, Gebäude ND, Ruhr-Universität Bochum, 44801 Bochum 

Wie läuft der Versuch ab? 3-6 Monate alte, genmanipulierte Mäuse werden mit einem Narkosemittel betäubt. Es wird ein Gemisch in verschiedene Hirnbereiche gespritzt, welches die Nervenzellen erregt, wenn diese mit Licht bestrahlt werden. Über einem Bohrloch wird in die Schädeldecke ein Fiberglasstück gesteckt, das einen Lichtreiz in die betreffenden Gehirnregionen leiten kann. Um zu untersuchen, ob die Erregung bestimmter Nervenzellen durch Licht im Gehirn eine Angstreaktion hervorrufen kann, werden die Mäuse verschiedenen Verhaltenstests unterzogen. Eine Maus wird auf ein erhöhtes Labyrinth („Elevated Plus Maze“) gesetzt, in dem sich geschlossene und offene Bereiche befinden. Mäuse fürchten sich von Natur aus vor offenen Flächen. Ein Tier gilt als umso ängstlicher, je mehr Zeit es in den „sicheren“, geschlossenen Bereichen verbringt. Fast die Hälfte der Tiere wird von den Ergebnissen ausgeschlossen, da sie wiederholt von den offenen Stellen des Versuchsaufbaus herunterfallen. Im sogenannten „Novelty-suppressed-feeding“-Test müssen die Mäuse für 24 Stunden hungern. Das Schädel-Implantat wird mittels Glasfaserkabel verbunden und die Maus in das Feld gesetzt, in dessen Mitte ein Futterpellet liegt. Je früher sich die Maus in die „ungeschützte“ Mitte des Kreises wagt und zu essen anfängt, als umso weniger ängstlich gilt sie. Am Ende werden die Mäuse getötet und die Gehirne zu Untersuchungszwecken entnommen. (5) 

Was wird gemacht – in einem Satz: Mäuse bekommen ein Gerät in den geöffneten Schädel, welches Gehirnbereiche belichtet, in die vorher eine Substanz gespritzt wurde; danach müssen sie einen Angst-Test machen. 

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Mit genmanipulierten Mäusen, die in realitätsfernen Versuchsaufbauten Angst- und Stresstests ausgesetzt werden, psychischen Leiden des Menschen auf die Schliche kommen zu wollen, ist absurd und kann mit der menschlichen Krankheit in keinster Weise gleichgesetzt werden. Das tierexperimentelle System beruht auf einem falschen methodischen Ansatz. Im Tierversuch werden die Krankheiten des Menschen auf Symptome reduziert und bei Tieren in sogenannten „Tiermodellen“ künstlich hervorgerufen.

Viel sinnvoller wäre es, Betroffene in groß angelegten Studien zu befragen und die Ursachen menschlicher psychischer Erkrankungen mit all ihren patientenspezifischen Facetten zu erforschen. Hochauflösende Gehirnscans und andere bildgebende Verfahren in Verbindung von Genexpressionsanalysen können Licht in neuroanatomische Verhaltensweisen von Menschen bringen. (6) Künstliche Intelligenz kann in Kombination mit bildgebenden Verfahren psychische Krankheiten einschätzen. (7) Diese Methoden haben den Menschen im Fokus und sind sinnvoll, da im und am richtigen System geforscht wird. 

Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Lehrstuhl für Zellphysiologie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Universitätsstr. 150, Gebäude ND, Ruhr-Universität Bochum, 44801 Bochum 

Wie läuft der Versuch ab? Genmanipulierten, neugeborenen Mäusen wird die noch dünne Schädeldecke an der linken Kopfseite mit Kanülen an zwei Stellen durchstochen, um eine Flüssigkeit ins Gehirn zu spritzen. 7 Wochen später wird bei ihnen künstlich das Rückenmark geschädigt. Dafür wird unter Narkose die Haut über einem Brustwirbel aufgeschnitten und freigelegt und das Rückenmark mit einer Pinzette für 2 Sekunden gequetscht. Anschließend wird die Wunde verschlossen. 30 Minuten nach der Verletzung des Rückenmarks werden einige der Mäuse -weiterhin unter Narkose- in einen stereotaktischen Rahmen gespannt. Mit einem Bohrer werden zwei Löcher in den Schädel gebohrt. 6 Wochen später wird einigen Mäuse unter erneuter Narkose ein Nervengift ins Gehirn gespritzt; zusätzlich bekommen sie ein Mittel in die Bauchhöhle. Eine unbekannte Anzahl an Tieren stirbt während oder nach den Operationen. Die Autoren nennen nur als Beispiel Blasenprobleme.

Am Ende müssen die noch lebenden Mäuse mehrfach einen bestimmten Verhaltenstest machen. Alle Tiere bekommen im Anschluss unter Narkose Formaldehyd ins Herz gespritzt, so dass sie sterben. Gehirn und Rückenmark werden für weitere Untersuchungen entnommen. (8) 

Was wird gemacht – in einem Satz: Genmanipulierten Mäusen wird das Rückenmark gequetscht und ihnen wird mehrfach über Schädelbohrungen Substanzen ins Hirn gespritzt, bevor sie am Ende einen Verhaltenstest machen und dann getötet werden. 

Warum ist das sinnlos – und wie geht’s besser? Von querschnittsgelähmten Nagern, die angeblich wieder laufen können, wird seit Jahren immer mal wieder berichtet. Doch was hat eine durch einen Unfall verursachte Schädigung des Rückenmarks des menschlichen Patienten mit der künstlich gesetzten Quetschung bei einem Tier zu tun? Es verwundert nicht, dass man von den angeblichen Wundermitteln nie wieder etwas hört. Denn: Was beim Tier funktioniert, klappt beim Menschen noch lange nicht. Somit ist es wenig überraschend, dass von 20 Medikamenten, die bei Querschnittslähmung im Tiermodell erfolgreich waren, kein einziges beim Menschen wirkt. (9)

Es gibt dagegen bereits Gehirn-Rückenmarks-Assembloide, welche aus menschlichen Zellen hergestellt werden. Die Mini-Brains können stimuliert werden und so Muskelzuckungen erzeugen. Hier hat man ein kleines, aber hochrelevantes System, mit dem man forschen kann. (10).  

Weitere für Tierversuche verantwortliche Einrichtungen der RUB

  • Allgemeine Zoologie und Neurobiologie Universitätsstr. 150, Haus ND 6+7, 44780 Bochum
  • Chirurgische Klinik St. Josef-Hospital Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum
  • Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie, Universitätsstr. 150, Gebäude ND, 44780 Bochum
  • Fakultät für Psychologie, Institut für Biopsychologie, Universitätsstr. 150 GAFO 05/618, 44780 Bochum
  • Fakultät für Psychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
  • Institut für Funktionelle Proteomics, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
  • Institut für Molekulare und Medizinische Virologie, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
  • Institut für Neuroanatomie und Molekulare Hirnforschung, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
  • Institut für Tierphysiologie, Universitätsstr. 150 Geb. ND 5/123, 44780 Bochum
  • Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum
  • Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Handchirurgie-Zentrum, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum
  • Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin, Abteilung für Experimentelle und Molekulare Psychiatrie, Alexandrinenstr. 1-3, 44791 Bochum
  • Labor für Psychoneuroimmunologie, Abteilung für Psychiatrie, Zentrum für Klinische Forschung 1 (ZKF1 2/052), Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
  • Medizinische Fakultät, Institut für Physiologie, Abteilung für Neurophysiologie, MA 4/149, 44780 Bochum
  • Orthopädische Klinik St. Josef-Hospital Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum

Tierversuchsfrei Forschen

Die erwähnten tierleidfreien, humanbasierten Forschungsmethoden sind nur wenige Beispiele. Eine große Vielfalt ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Tierversuchsfrei ForschenWeitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

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AG Ruhrpott

Wenn nicht gerade eine Pandemie ausbremst, organisiert unsere AG Ruhrpott viele Aktionen, Demonstrationen und Infoständen und informiert zum Thema Tierversuche und tierleidfreien Methoden.

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Quellen

  1. 1.Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–51
  2. Mullard A. Parsing clinical success rates. Nature Rev. Drug Discov. 2016; 15(7):447–447
  3. Sorg H et al. A Novel Technique for the Standardized Application of Shock Waves in Experimental Research: The Diver Box. Ultrasound Med. Biol. 2018; 44(7):1563–8
  4. Berg L et al. Enhanced activity of pyramidal neurons in the infralimbic cortex drives anxiety behavior. PLOS ONE 2019; 14(1):e0210949
  5. Aydogan G et al. Genetic underpinnings of risky behaviour relate to altered neuroanatomy. Nat. Hum. Behav. 2021; 1–8
  6. Yassin W et al. Machine-learning classification using neuroimaging data in schizophrenia, autism, ultra-high risk and first-episode psychosis. Transl Psychiatry 2020; 10(1):1–11
  7. Leibinger M et al. Transneuronal delivery of hyper-interleukin-6 enables functional recovery after severe spinal cord injury in mice. Nat. Commun. 2021; 12: 391
  8. Kramer LA, Greek R. Human Stakeholders and the Use of Animals in Drug Development. Business and Society Review 2018; 123: 3-58
  9. Andersen J et al. Generation of functional human 3D cortico-motor assembloids. Cell 2020; 183: 1913-1929.e26
  10. Lindl T, Voelkel M. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–3

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

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Plakate gegen Tierversuche - Augsburg

 Plakate gegen Tierversuche - Augsburg

Seit März 2020 führen wir eine intensive Kampagne gegen das geplante Tierversuchslabor in Augsburg. Unsere AG Augsburg ist seither vor Ort enorm aktiv mit regelmäßigen Mahnwachen, Demos, Unterschriftensammlung, Medienpräsenz, Gesprächen mit Politikern usw. Nun setzen wir noch eins drauf!

Vom 22. Juni 10 Tage lang machen wir unübersehbar darauf aufmerksam, dass verhindert werden muss, dass Augsburg zur Tierversuchsstadt wird! Augsburg ist eine von bundesweit 11 Städten, die wir im Sommer 2021 mit auffälligen Großplakaten plakatieren. 

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen, dass Tierversuche grausam und wissenschaftlich unsinnig sind. Sie soll Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch wirksam und sicher waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen. In Augsburg müssen wir dieses Verharren im Althergebrachten verhindern!

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

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Was ist in Augsburg geplant?

In den 38 Jahren seines Bestehens wurden am Klinikum Augsburg keinerlei Tierversuche durchgeführt, sondern klinische Forschung auf hohem Niveau betrieben. Nun will die Stadt mit Steuermitteln eine „Versuchstier“haltung für 23.400 Mäuse sowie Tierversuchslabore am neuen Medizin-Campus der Universitätsklinik Augsburg bauen, deren Kosten mit 35 Millionen Euro veranschlagt werden. Damit werden zahlreiche Forschungseinrichtungen und Arbeitsmittel erstellt sowie 101 neue Professuren geschaffen, die teilweise mit Tierexperimentatoren besetzt werden könnten. Die Inbetriebnahme ist für 2027/2028 geplant.

Tierversuchsfrei Forschen

Es gibt heute eine Fülle an tierversuchsfreien Forschungsmöglichkeiten, etwa mit aus menschlichen Zellen gezüchteten Mini-Organen und zusammengeschaltet als Multi-Organ-Chips. Sicher, solche Systeme sind kein „ganzer Organismus“, aber durch die Verwendung von menschlichen Zellen kommen sie dem Menschen sehr viel näher als künstlich krankgemachte Mäuse und andere Tiere. Wir fordern, dass die 35 Millionen Euro, die das neue Tierlabor kosten soll, in solche innovative Verfahren gesteckt werden soll, anstatt weiterhin auf das Auslaufmodell 'Tierversuch' zu setzen. Eine große Vielfalt solcher moderner Methoden ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Tierversuchsfrei ForschenWeitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

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AG Augsburg

Mahnwache gegen Tierversuche in Augsburg  Plakate gegen Tierversuche - Augsburg

Unsere AG organisiert Mahnwachen, Demonstrationen, Infoständen usw. Wir freuen uns immer über neue Mitglieder! Hier ist der Link zur Kontaktaufnahme >>

Alle Infos zur Kampagne „Augsburg muss tierversuchsfrei bleiben“ >> 

Quellen

  1. Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–51
  2. Lindl T, Voelkel M. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–3
  3. Mullard A. Parsing clinical success rates. Nature Rev. Drug Discov. 2016; 15(7):447–447 

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

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Schluss mit Tierversuchen – auch in Düsseldorf!

Schluss mit Tierversuchen – auch in Düsseldorf!

Düsseldorf ist für vieles berühmt, aber für Tierversuche sicher nicht – kein Wunder, rühmt sich doch keine Stadt gern mit grausamen Tests, die an Tieren durchgeführt werden. Dass Tierversuche dort stattfinden, ist aber eine Tatsache. Damit keiner mehr davor die Augen verschließen kann, werden vom 29. Juni bis 8. Juli Großplakate im ganzen Stadtgebiet darauf hinweisen und für große Aufmerksamkeit sorgen. Die klare Aussage: Schluss mit Tierversuchen, hin zu moderner Forschung!

Dass es Tierversuche gibt, ist den meisten Menschen zwar bewusst – dass diese aber manchmal in direkter Nachbarschaft stattfinden, wissen viele nicht. Geschweige denn, welche Versuche mit welchen Tieren gemacht werden. Vieles findet vor der Haustür statt, finanziert durch Steuergelder der Bürger.

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen und Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch wirksam und sicher waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen.

Welche Tierlabore gibt es in Düsseldorf?

Bei dieser Frage herrscht völlige Intransparenz. Von offiziellen Stellen wird keine Auskunft gegeben. So verwenden wir Artikel in Fachzeitschriften und Stellenangebote als Quellen, aus denen wir unsere Adressliste der Tierlabore Deutschlands >> zusammengestellt haben. Dort listen wir 11 Institute und Kliniken der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sowie 2 Leibniz-Institute, die für Tierversuche verantwortlich sind. 

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

Welche Tierversuche werden in Düsseldorf gemacht?

Einige Beispiele von Experimenten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, sollen einen kleinen Einblick geben. Weitere Versuchsbeschreibungen aus Düsseldorf und ganz Deutschland sind in unserer Datenbank Tierversuche >> zu finden. 

Universitätsklinikum Düsseldorf

Universitätsklinikum DüsseldorfPoliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

Wie läuft der Versuch ab? Vier Beagle-Hunden werden unter Narkose jeweils 10 Backenzähne aus dem Unterkiefer gezogen. Zusätzlich werden je Tier 6 Löcher in den Unterkiefer gebohrt. 12 Wochen später werden 2 Backenzähne des Oberkiefers gezogen. Die Zähne werden zurrechtgeschnitten, in die in der ersten Operation geschaffenen Löcher verpflanzt und mit einer Schraube befestigt. Weitere 12 Wochen danach werden die Schrauben entfernt und Zahnimplantate aus Titan eingeschraubt. 3 Wochen später werden die Tiere getötet. Ziel war es, zu testen, ob sich Zähne als Knochenaufbaumaterial eignen. (4)

Was wird gemacht – in einem Satz: Beagle-Hunden werden viele Zähne gezogen und Löcher in den Kieferknochen gebohrt, die mit Zahnteilen gefüllt werden. Am Ende werden die Hunde getötet.

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Das Gebiss von Hunden mit seinen Fang- und Reißzähnen sowie ihre Knochenstruktur sind völlig anders aufgebaut als beim Menschen. Zudem sind die Vorgänge bei der Wundheilung ganz anders. Alleine schon die Bakterienzusammensetzung im Mund- und Rachenbereich der Hunde unterscheidet sich deutlich von jener des Menschen. Somit können Versuche dieser Art nicht vorhersagen, wie der Mensch darauf reagiert. Erst, wenn dies im Menschen angewendet wird, kann man feststellen, ob die Methode funktioniert. Ob vorher Tierversuche gemacht werden oder nicht, ist also irrelevant; es ist und bleibt ein Menschenversuch.

Ob Materialien sich für die Knochenheilung eignen, lässt sich beispielsweise mit Knochenorganoiden erforschen – aus menschlichen Zellen hergestellten Miniorganen. (5) 

Universitätsklinikum Düsseldorf

Universitätsklinikum Düsseldorf

Forschungsgruppe Molekulare Neurobiologie, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf 

Wie läuft der Versuch ab? Um Heilungsprozesse nach durchtrenntem Rückenmark zu beobachten, werden bei 24 Ratten unter Narkose zwei Wirbel aufgeschnitten und das Rückenmark wird mit einer Schere durchgeschnitten. Zwölf Tiere werden nicht weiter behandelt, die anderen zwölf erhalten ein kleines Gerät zwischen die Enden des durchtrennten Rückenmarks implantiert. Die Wunden werden zugenäht. Die Ratten sind nach der Operation querschnittsgelähmt, können nicht selbständig urinieren und man muss ihnen den Bauch zwei bis drei Mal täglich drücken, um ihre Blase zu entleeren. Vier Tiere sterben an schweren Komplikationen innerhalb der ersten zwei Wochen, ein Tier bekommt eine Blasenentzündung und muss sieben Wochen nach der Operation getötet werden und ein Tier stirbt nach 18 Wochen. Einigen Ratten werden über in den Schädel implantierte Schrauben Stromstöße verabreicht. Bei drei Ratten wird drei Tage vor der Tötung das Rückenmark erneut in der Nähe des alten Schnitts durchtrennt. Fünf Monate nach der ersten Operation werden alle überlebenden Tiere unter Narkose getötet. (6) 

Was wird gemacht – in einem Satz: Ratten wird das Rückenmark durchgeschnitten, manchen wird an der Stelle ein Gerät implantiert und sie bekommen Stromstöße ins Gehirn. 

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Von querschnittsgelähmten Ratten, die angeblich wieder laufen können, wird seit Jahren immer mal wieder berichtet. Doch was hat eine durch einen Unfall verursachte Schädigung des Rückenmarks des menschlichen Patienten mit dem künstlich gesetzten Schnitt bei der Ratte zu tun? Es verwundert nicht, dass man von den angeblichen Wundermitteln nie wieder etwas hört. Denn: Was beim Tier funktioniert, klappt beim Menschen noch lange nicht. Im obigen Beispiel geht es zudem nur um das bessere Verständnis der Heilungsprozesse bei der Ratte – also reine Neugierforschung, die nicht auf konkrete Heilung eines Menschen abzielt.

Dass tierfreie, humanbasierte Forschung genau das aber leisten kann, zeigte sich sensationell in Berlin: An der Charité haben Forscher ein Medikament gegen das Leigh Syndrom, eine bislang unheilbare Erkrankung des Zentralen Nervensystems, gefunden. Und das nicht etwa dank Tierversuchen, sondern dank moderner, patientenspezifischer Forschung. Ein 15-jähriger Patient, der bereits gelähmt war, das Bewusstsein verloren hatte und künstlich beatmet werden musste, wurde mit einer neuartigen Methode behandelt. Er kann inzwischen wieder im Rollstuhl am normalen Leben teilnehmen. In der Meldung heißt es „Das Spektakuläre daran war nicht nur der Behandlungserfolg: Sämtliche Tierversuche waren in der Vergangenheit gescheitert, eine Therapie gegen das Leigh Syndrom zu finden.“ (7)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Arbeitsgruppe Vergleichende Psychologie, Institut für Experimentelle Psychologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf

Wie läuft der Versuch ab? Ratten werden unter Narkose vier Löcher in den Schädelknochen gebohrt. Durch die Löcher werden Kanülen, die mit Mikropumpen verbunden sind, in das Gehirn gestochen. Darüber wird bei der Hälfte der Tiere eine zellzerstörende Säure ins Hirngewebe gespritzt. Die restlichen Ratten bekommen eine wirkungslose Flüssigkeit injiziert. Die zerstörte Hirnregion ist die Amygdala, die für sozialrelevante Wahrnehmung, Verhalten und Belohnung zuständig ist. Zehn Tage später werden Verhaltenstests mit den Ratten gemacht, bei denen die Tiere auf verschiedene Töne reagieren sollen. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, welches Hirnareal für das bereits bekannte Verhalten von Ratten verantwortlich ist, auf bestimmte Tonfrequenzen positiv oder negativ zu reagieren. (8) 

Was wird gemacht – in einem Satz: Ratten werden Löcher in den Schädel gebohrt und mit einer Flüssigkeit wird eine Gehirnregion zerstört, später müssen sie Verhaltenstests machen. 

Warum ist das sinnlos? Müssen für solche Erkenntnisse Tiere gequält und getötet werden? Das Beispiel zeigt, Tierversuche werden nicht zum Wohle des Menschen durchgeführt, sondern es geht um Neugier, Karriere und Forschungsgelder. Die Qualität der Forschung wird nämlich nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl und Wertigkeit der Publikationen in Fachzeitschriften. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig. Diese werden für neue Tierversuche verwendet. Etwas Sinnvolles für kranke Menschen kommt dabei nicht heraus und ist auch nicht das Ziel dieser Neugierforschung. 

Weitere für Tierversuche verantwortliche Einrichtungen der HHU

  • Cécile und Oskar Vogt-Institut für Hirnfoschung, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf
  • Institut für Experimentelle Psychologie, Arbeitsgruppe Vergleichende Psychologie, Universitätsstr. 1, Gebäude 23.02 und 23.03, 40225 Düsseldorf
  • Institut für Molekulare Medizin II, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf
  • Institut für Physiologische Psychologie, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Herzchirurgie und Research Group for Experimental Surgery, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Klinische Anästhesiologie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Neurologie, Forschungsgruppe Molekulare Neurobiologie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Universitätsklinikum für Neurologie, Molekularbiologisches Labor, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Universitätsklinikum, Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf
  • Westdeutsche Kieferklinik, Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
  • Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

Weitere verantwortliche Einrichtungen außerhalb der HHU

  • Ceva Tiergesundheit GmbH, Kanzlerstr. 4, 40472 Düsseldorf
  • Leibniz-Institut für Diabetes-Forschung, Oskar-Minkowski-Laboratorium (Tierhaus), Auf'm Hennekamp 50, 40225 Düsseldorf
  • Leibniz-Institut für Umwelt-Medizinische Forschung gGmbH, Abteilung Molekulare Immunologie, Auf'm Hennekamp 50, 40225 Düsseldorf

Tierversuchsfrei Forschen

Die erwähnten tierleidfreien, humanbasierten Forschungsmethoden sind nur wenige Beispiele. Eine große Vielfalt ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Weitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

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Was kann ich tun?

Unterschreiben Sie die Petition „Ausstieg aus dem Tierversuch. JETZT!“ >>

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Werden Sie Mitglied (als Mediziner/Naturwissenschaftler für 72 €/Jahr oder 6 €/Monat bzw. als Fördermitglied (andere Berufe) für 36 €/Jahr oder 3 €/Monat)! Je mehr wir sind, desto stärker ist die Stimme, mit der wir für die Tiere sprechen können >> 

Tipps, wie Sie sonst noch helfen können >> 

Quellen

  1. Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–51
  2. Lindl T, Voelkel M. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–3
  3. Mullard A. Parsing clinical success rates. Nature Rev. Drug Discov. 2016; 15(7):447–447
  4. Parvini P et al. Microstructural volumetric analysis of vertical alveolar ridge augmentation using autogenous tooth roots. Clin Implant Dent Relat Res. 2020; 22(5):647–53
  5. Ärzte gegen Tierversuche. Mini-Kochen: ein innovatives Forschungsmodell. Journal 01/2021
  6. Estrada V et al. Low-pressure micro-mechanical re-adaptation device sustainably and effectively improves locomotor recovery from complete spinal cord injury. Commun Biol. 2018; 1(1):1–11
  7. Gesundheitsstadt Berlin. Stammzellen statt Tierversuche: Charité-Forscher finden erstmals Medikament gegen das unheilbare Leigh Syndrom. 2.3.2021
  8. Schönfeld L-M et al. Lesions of the rat basolateral amygdala reduce the behavioral response to ultrasonic vocalizations. Behav. Brain Res. 378(112274)

 

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

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Schluss mit Tierversuchen - auch in Köln!

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In Köln ist man ja einiges gewohnt – was aber selbst diese Stadt in dieser Form noch nicht gesehen hat: über das Stadtgebiet verteilt werden wir vom 18. Juni an 10 Tage lang unübersehbar darauf aufmerksam machen, dass im Stadtgebiet grausame Tierversuche hinter verschlossenen Labortüren durchgeführt werden. Ärzte gegen Tierversuche startet damit seine bundesweite medial auffällige Aktion mit Großplakaten in der Stadt am Rhein. 

Dass es Tierversuche gibt, ist den meisten Menschen zwar bewusst – dass diese aber manchmal in direkter Nachbarschaft stattfinden, wissen viele nicht. Geschweige denn, welche Versuche mit welchen Tieren gemacht werden. Vieles findet vor der Haustür statt, finanziert durch Steuergelder der Bürger.

Die Plakataktion soll darauf aufmerksam machen und Menschen aufrütteln – damit wir alle gemeinsam uns dafür einsetzen, dass diese veraltete Praktik endlich ein Ende hat! Forschung, die Menschen hilft und heilt, kann nicht mithilfe von Tierversuchsergebnissen gewonnen werden. Kein Wunder, dass die „Erfolgs“quote in der Grundlagenforschung nur 0,3% beträgt und damit katastrophal niedrig ist. (1,2) Bis zu 95% aller Medikamente, die im Tierversuch gewirkt haben und nebenwirkungsarm waren, kommen nicht auf den Markt - Hauptgründe sind mangelnde Wirksamkeit und/oder (zu) starke Nebenwirkungen beim Menschen. (3)

Trotzdem werden immer noch Tierversuche gemacht – weil es dafür viele Fördergelder gibt, weil die Forscher Ergebnisse in Fachzeitschriften veröffentlichen wollen und damit ihre Karriere vorantreiben, weil viele nicht auf neue Methoden umstellen wollen.

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Welche Tierlabore gibt es in Köln?

Bei dieser Frage herrscht völlige Intransparenz. Von offiziellen Stellen wird keine Auskunft gegeben. So verwenden wir Artikel in Fachzeitschriften und Stellenangebote als Quellen, aus denen wir unsere Adressliste der Tierlabore Deutschlands zusammengestellt haben. Dort listen wir 22 Institute und Kliniken der Universität zu Köln sowie 7 weitere Einrichtungen, die für Tierversuche verantwortlich sind.

Welche Tierversuche werden in Köln gemacht?

Einige Beispiele von Experimenten, die in Fachzeitschriften veröffentlicht worden, sollen einen kleinen Einblick geben. Weitere Versuchsbeschreibungen aus Köln und ganz Deutschland sind in unserer Datenbank Tierversuche >> zu finden.

Universität zu Köln

Universität zu KölnKlinik und Poliklinik für Neurologie, Klinikum der Universität zu Köln, Kempener Str. 62, 50937 Köln

Wie läuft der Versuch ab? Mäuse bekommen einen Farbstoff in die Bauchhöhle gespritzt, der über den Blutkreislauf auch ins Gehirn gelangt. Den Tieren wird der Schädel aufgeschnitten und ein Laserstrahl auf das Gehirn gerichtet, der in Verbindung mit dem Farbstoff ein Blutgerinnsel entwickelt und so das Blutgefäß verstopft. Der Gewebebereich dahinter wird nicht mehr durchblutet, es kommt zu einem Schlaganfall. Um den „Erfolg“ der Methode zu überprüfen, d.h. ob es als „Modell“ für Schlaganfall geeignet ist, müssen die Nager verschiedene Verhaltenstests durchlaufen, u. a. auf einer schnell rotierenden Stange laufen und nicht herunterfallen. (4)

Was wird gemacht – in einem Satz: Bei Mäusen wird künstlich ein Schlaganfall erzeugt.

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Mäuse bekommen üblicherweise keinen Schlaganfall. Junge, gesunde Tiere werden künstlich krank gemacht, um Symptome nachzustellen, die denen des Menschen ähneln. Das hat aber nichts mit der individuellen und sich oft über Jahrzehnte entwickelnden Krankheitssituation des Menschen zu tun. Kein Wunder, dass von 500 Schlaganfall-Medikamente, die im Tierversuch gewirkt haben, kein einziges beim Menschen funktionierte. (5)

Die Ursachen für Schlaganfall beim Menschen sind in Bevölkerungsstudien herausgefunden worden und sehr vielfältig. Dazu zählen Übergewicht, zu fettreiche Ernährung, Rauchen, Stress und Bewegungsmangel.

Humanrelevante Ergebnisse ohne Tierleid für das, was sich auf der biochemisch-genetischen Ebene abspielt, erhält man zum Beispiel mit einem Gefäßsystem-auf-dem-Chip, für den menschliche Zellen verwendet werden. Das Modell ist geeignet für Anwendungen in der Gefäßkrankheitsforschung und der Wirkstoffforschung bzw. Giftigkeitsprüfung. (6)

Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Joseph-Stelzmann-Straße 9B, 50931 Köln

Wie läuft der Versuch ab? Über zwei Jahre leiden Mäuse unter ständigem Hunger, da sie nur 40-60 % der normalen Futtermenge bekommen. Sie wiegen mit 30 g nur etwa halb so viel wie Mäuse, die ausreichend Futter bekommen. Nach zwei Jahren erfolgt ein Wechsel des Nahrungsangebotes bei den dann noch lebenden Tieren, d.h. die hungernden Mäuse dürfen essen so viel sie möchten, und die normal ernährten Tiere erhalten 40 % weniger Futter. Letztere sterben schneller als die Gruppe Mäuse, die von Hunger auf unbegrenztes Futter umgestellt wurden. Mindestens 800 Mäuse mussten für diese Versuchsreihe leiden und sterben, in der man schauen wollte, ob eine Kalorienreduktion im hohen Alter das Leben der Mäuse verlängert. (7)

Was wird gemacht – in einem Satz: Mäuse werden 2 Jahre lang hungern gelassen.

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Es ist seit langem bekannt, dass chronischer Hunger die Lebenserwartung verlängern kann.

Insbesondere für dieses Thema liegen bereits genug Humanstudien mit freiwilligen Probanden vor, aus denen Empfehlungen abgeleitet werden können, die dann auch relevant für Menschen sind.

Taconic Bioscience GmbH

Neurather Ring 1, 51063 Köln

Was wird gemacht? Das amerikanische Unternehmen Taconic Biosciences Inc. mit einer deutschen Niederlassung in Köln ist einer der größten Züchter genetisch veränderter Nagetiere für Tierversuchslabore weltweit. Hier können Forscher wie in einem Baukastensystem sich ein genetisch verändertes Tier ganz nach ihren Vorstellungen „zusammenbauen“ lassen. Besonders perfide: mit Rabatt-Aktionen werden Mäuse als „Krankheitsmodelle“ etwa für COVID-19 angepriesen, so dass die Tiere zu bloßen Werkzeugen degradiert werden.

Warum ist das sinnlos - und wie geht’s besser? Was für zahlreiche andere Krankheitserreger der Fall ist, gilt auch für das Beispiel Corona: Nager können sich natürlicherweise gar nicht mit SARS-CoV-2 infizieren und müssen genetisch verändert werden, damit das Virus überhaupt in ihre Zellen gelangen kann. Selbst dann entwickeln sie kaum Symptome und schon gar nicht die Bandbreite, wie man sie im Menschen beobachten kann.

Dem gegenüber stehen menschenbasierte Methoden wie humane Darmorganoide oder Lungen-Organoide, die erfolgreich mit dem Virus infiziert werden konnten und mit denen Medikamente entwickelt werden können. (8,9)

Bei Taconic geht es um reinen Kommerz auf Kosten fühlender Lebewesen, die wie Ware im Katalog angeboten werden.

In Köln befindet sich unseres Wissens ein Bürogebäude. Die Tierhaltungen und Tierversuche befinden sich sehr wahrscheinlich am Standort Leverkusen.

CECAD

CECAD

CECAD (Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases) ist ein Zusammenschluss der Universität, der Uniklinik, den beiden Max-Planck-Instituten für Stoffwechselforschung und für Biologie des Alterns sowie dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Hier sollen die biologischen Prozesse des Alterns erforscht werden – dazu werden genmanipulierte Mäuse, Zebrafische sowie Fruchtfliegen und Fadenwürmer benutzt. Der Traum vom ewigen Leben wird damit aber sicher nicht wahr - es ist vollkommen absurd, z.B. an Fischen, deren Organismus sich in Millionen von Jahren Evolution an eine sehr spezielle Lebenssituation angepasst hat, einem so komplexen Prozess wie dem Altern beim Menschen auf die Spur kommen zu wollen.  

Weitere für Tierversuche verantwortliche Einrichtungen

  • Bayer AG, Konrad-Adenauer-Ufer 41, 50668 Köln
  • Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin, Am Sportmarkt Müngersdorf 6, 50933 Köln
  • INBIFO - Institut für biologische Forschung GmbH, Fuggerstr. 3, 51149 Köln
  • Max-Planck-Institut für Neurologische Forschung, Gleueler Str. 50, 50931 Köln
  • Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, Department of Neuronal Control of Metabolism, Gleueler Str. 50, 50931 Köln
  • Systems Biology of Ageing Cologne (Sybacol), Joseph-Stelzmann-Str. 26, 50931 Köln
  • Bis vor einigen Jahren auch: Philip Morris Research Laboratories GmbH, Fuggerstr. 3, 51149 Köln

Tierversuchsfrei Forschen

Die erwähnten tierleidfreien, humanbasierten Forschungsmethoden sind nur wenige Beispiele. Eine große Vielfalt ist in unserer NAT-Datenbank zu finden: die NAT Database für moderne tierversuchsfreie Technologien >> - einfach mal reinschauen! Es gibt schon viele faszinierende Möglichkeiten in diesem Bereich!

Tierversuchsfrei ForschenWeitere Infos zu tierversuchsfreier Forschung >>

Was kann ich tun?

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Tipps, wie Sie sonst noch helfen können >> 

AG Köln

Plakate gegen Tierversuche in Köln Da simmer dabei! Wenn nicht gerade eine Pandemie ausbremst, ist unsere AG bei vielen Events, Demonstrationen, Infoständen oder bei gemeinsamen Aktionen mit dem Netzwerk für Tiere e.V. dabei und informiert zum Thema Tierversuche und tierleidfreien Methoden.

Wir freuen uns immer über neue Mitglieder! Hier ist der Link zur Kontaktaufnahme >>

 

 

Quellen

  1. Lindl T et al. Animal experiments in biomedical research. An evaluation of the clinical relevance of approved animal experimental projects: No evident implementation in human medicine within 10 years. ALTEX 2005; 22(3):143–51
  2. Lindl T, Voelkel M. No clinical relevance of approved animal experiments after seventeen years. ALTEX 2011; 28(3):242–3
  3. Mullard A. Parsing clinical success rates. Nature Rev. Drug Discov. 2016; 15(7):447–447
  4. Aswendt M et al. Lesion Size- and Location-Dependent Recruitment of Contralesional Thalamus and Motor Cortex Facilitates Recovery after Stroke in Mice. Transl Stroke Res. 2021; 12(1):87–97
  5. Worp HB van der et al. Can Animal Models of Disease Reliably Inform Human Studies? PLOS Med. 2010; 7(3):e1000245
  6. Poussin C et al. 3D human microvessel-on-a-chip model for studying monocyte-to-endothelium adhesion under flow – application in systems toxicology. ALTEX 2020; 37(1):47–63
  7. Hahn O et al. A nutritional memory effect counteracts the benefits of dietary restriction in old mice. Nat Metab. 2019; 1(11):1059–73
  8. Lamers MM et al. SARS-CoV-2 productively infects human gut enterocytes. Science 2020; 369(6499):50-54
  9. Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin: „Ein künstliches Lungenmodell als Testsystem für ein Corona-Medikament“, 09.04.2020 

Plakate gegen TierversuchePlakate gegen Tierversuche 

11 Städte, 11 Plakate, 10 Wochen - vom 18. Juni bis 30 August plakatieren wir nach und nach 11 Städte. Welche Stadt ist wohl als nächstes dran?

Mehr unter www.plakate-gegen-tierversuche.de

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