facebook
twitter
youtube

  • Start

Tierversuchsstatistik

Die aktuellen, vom Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten Tierversuchszahlen zeigen, dass 2.799.961 Tiere im Jahr 2015 in deutschen Tierversuchslaboren litten und (größtenteils) starben. Davon wurden 46.899 Tiere aus den Vorjahren erneut und 2.753.062 Tiere erstmals verwendet. Die Ärzte gegen Tierversuche können keine Trendwende erkennen und bezeichnen die Gesamtsituation weiterhin als alarmierend.

2.028.072 Tiere wurden direkt in Tierversuchen eingesetzt und weitere 771.889 im Rahmen von Tierversuchsprojekten zu wissenschaftlichen Zwecken wie beispielsweise Organentnahmen getötet. Seit 1989 veröffentlicht das BMEL jedes Jahr Daten über die Anzahl der in Deutschland für Versuche verbrauchten Tiere. Aufgrund der neuen Regelungen werden seit 2014 unter anderem Fischlarven mitgezählt sowie auch die Tiere aus beendeten Versuchen, so dass ein Vergleich mit früheren Jahren nur bedingt möglich ist.

Seit im Jahr 1989 mit der Datenerhebung begonnen wurde, ging die Zahl der Tiere von 2,6 Millionen auf einen Tiefpunkt von 1,5 Millionen im Jahr 1997 zurück. Seither gab es insgesamt betrachtet einen kontinuierlichen Anstieg. Auch 2015 waren die Hauptleidtragenden Mäuse (2.031.338 bzw. 72,6 %), Ratten (326.233 bzw. 11,7 %) und Fische (201.655 bzw. 7,2 %). Aber auch Kaninchen (107.652, 3,9%), Katzen (502), Hunde (2.437), Meerschweinchen (18.523 Meerschweinchen), Schweine (12.279) und andere Tierarten mussten für Tierversuche herhalten.

Besonders alarmierend ist in diesem Jahr der Anstieg der Tierversuche an Affen auf 3.141 Tiere (davon 717 erneut verwendet) im Vergleich zu 2.848 Tieren im Jahr 2014. Der Großteil der Affen (2.607) wurde für regulatorische Zwecke (u.a. Giftigkeitsprüfungen) verwendet.

Vor allem die Anzahl der Tiere, die für die per Definition zweckfreie Grundlagenforschung leiden und sterben müssen, steigt ständig an. Im Jahr 2003 wurden etwa doppelt so viele Tiere (850.710 Tiere) in diesem Bereich verbraucht als noch 1999 (438.000 Tiere). Im Jahr 2008 war der Tod von 867.074 Tieren in diesem Bereich zu verzeichnen und 2009 lag die Ziffer bei 917.070 Tieren und 2012 bei über einer Million (1.138.508) Tieren. Gegenüber 2012 stieg in 2013 die Tierzahl um 51.511 auf 1.190.019 Tiere an. Im Jahr 2014 beanspruchte die Grundlagenforschung 62,8 % und 2015 waren es 58,7 %.

Im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche war seit Jahren ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Sie lagen 2006 bei rund 460.000 Tieren (18% der Gesamtzahl), 2008 bei 334.000 Tieren (18%) und 2013 bei 333.698 (11%). Der langfristige Abwärtstrend in diesen beiden Bereichen ist der wachsenden Anzahl der zur Verfügung stehenden tierversuchsfreien Methoden zu verdanken. Darunter sind Verfahren zu verstehen, die ohne lebende Tiere auskommen, also z. B. Zellkulturen, Gewebeschnitte, computergestützte Rechenmodelle und analytische Methoden. Auch klinische und epidemiologische Forschung zählt dazu. Solche modernen Forschungsmethoden sind verstärkt zu fördern. Tierversuchsfreie Testsysteme bieten im Gegensatz zum Tierversuch verlässliche, auf den Menschen übertragbare Ergebnisse.
2015 lag der Anteil der Tierversuche jedoch bei 630.225 Tieren bzw. 22,5 %.

Bei den Giftigkeitsprüfungen ist 2015 eine Zunahme zu verzeichnen (256.594 Tiere), 2014 waren es 277.301 Tiere. 2013 waren es noch 154.011 Tiere.

Seit Jahren nimmt auch die Zahl der genveränderten Tiere zu. Im Jahr 2011 wurden 731.678 transgene Tiere in der Forschung verbraucht, 25% der Gesamtzahl und etwa 8.000 mehr als im Vorjahr. 2013 waren es bereits 947.019 transgene Tiere, fast 32% der Gesamtzahl. 2014 waren es 984.886 Tiere und 2015 1.115.828, davon waren es aktuell 1.025.925 Mäuse.

Mit der Neureglung der EU-Tierversuchsrichtline werden nun auch die Schweregrade erfasst, denen die Tiere ausgesetzt sind. 112.397 bzw. 4 % der Versuche fielen unter den Schweregrad „schwer“, 17 % unter „mittel“,  43 % unter „gering“ und 35 % unter „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“, d.h., die Tiere wurden unter Narkose getötet. Anzumerken ist hier unbedingt, dass die Einteilung der Schweregrade vom Forscher selbst vorgenommen wird.

Neben den offiziell erfassten Zahlen gibt es eine Dunkelziffer. Bereits bei Zucht und 'Vorratshaltung' werden 'überschüssige' Tiere getötet oder sterben schon vor dem eigentlichen Versuch bei Haltung und Transport. Versuchstiere werden üblicherweise nicht nach Bedarf gezüchtet, sondern im Überschuss, um jederzeit eine gewisse Anzahl von Tieren der einzelnen Arten, Alters- und Gewichtsklassen 'vorrätig' zu haben. Auch fehlen in der Statistik Tiere, die der Erstellung gentechnisch veränderter Linien dienen. Die Zahl der Tiere, die nicht die gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90 – 99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. In Tierversuchen verwendete wirbellose Tiere wie Schnecken, Insekten und Krebse werden überhaupt nicht gezählt.

Informationen zu Tierversuchen und Tierschutzgesetz >> 

Entwicklung der Tierversuchszahlen seit 1989

Grafik >>

Zahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere in Deutschland nach Versuchszweck/Tierart

2015 Tabelle (PDF)

2014 Tabelle (PDF)

2013 Tabelle (PDF)

2012 Tabelle (PDF)

2011 Tabelle (PDF)

2010 Tabelle (PDF)

2009 Tabelle (PDF)

2008 Tabelle (PDF)

2007 Tabelle (PDF)

2006 Tabelle (PDF)

2005 Tabelle (PDF)

2004 Tabelle (PDF)

Zahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere in der EU

In dieser Statistik werden die zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere nicht erfasst. Für Deutschland sind hier daher niedrigere Zahlen als in der Statistik des BMELV angegeben. Die EU erfasst die Zahlen nur alle drei Jahre.

Tabelle 2011 (PDF)

Tabelle 2008 (PDF)

Tabelle 2005 (PDF)

Drucken