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Affenqual in Tübingen

An drei Instituten in Tübingen werden Rhesusaffen in der Hirnforschung gequält. Sie werden durch Durst gezwungen, jeden Tag stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden Elektroden in das Gehirn eingeführt. Die Qual der Tiere kann Jahre dauern. Der Nutzen für kranke Menschen ist gleich Null. In Berlin und München wurden in den letzten Jahren gleichartige Tierversuche aus ethischen Gründen und mangels medizinischen Nutzens nicht mehr genehmigt.

Was geschieht mit den Affen in Tübingen?

1. Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Ottfried-Müller-Str. 27, 72076 Tübingen

2. Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen, Auf der Morgenstelle 28, 72076 Tübingen.
Leiter: Andreas Nieder


Nieder und Mitarbeiter forschen über das Zählvermögen von Rhesusaffen. Über einem Bohrloch im Schädel werden den Tieren eine Kammer für Elektroden sowie ein Metallbolzen auf dem Kopf implantiert. Die Tiere müssen jeden Tag mehrere Stunden in einem Primatenstuhl sitzen und Punkte und Zahlen auf einem Bildschirm erkennen. Ihr Kopf ist dabei mit dem Bolzen unbeweglich an ein Gestell geschraubt. Gleichzeitig werden über die Elektroden Hirnströme gemessen. Lässt der Affe einen gedrückten Hebel im richtigen Moment los, erhält er über einen Schlauch im Mund etwas Saft. Außerhalb der Experimente gibt es nichts zu trinken. Für einen Tropfen Saft tun die durstigen Affen alles, was von ihnen verlangt wird. Das Leid dieser Tiere erstreckt sich oft über viele Jahre.

Quellen:
Current Biology 2008: 18, 1420-1425
PLOS Biology 2007: 5(11), e294 (2684-2694)
The Journal of Neuroscience 2008: 28(31), 7737-7747

3. Max-Planck-Institut (MPI) für Biologische Kybernetik, Spemannstraße 38, 72076 Tübingen
Leiter: Nikos K. Logothetis


Um die Nervenaktivitäten im Gehirn von Affen bei Gedächtnisleistung oder bei der Betrachtung von Gesichtsausdrücken zu erforschen, bedient man sich im MPI der gleichen Methoden wie oben beschrieben. Die Vorgänge im Gehirn werden entweder mit Hilfe von Elektroden oder Imaging-Techniken (Magnetresonanz-Tomographie) untersucht. Die Tiere werden auch hier durch Durst zur "Kooperation" gezwungen.

Quellen:
PNAS 2007: 104(13), 5620-5625
The Journal of Neuroscience 2005: 25(20) 5004-5012
Neuron 2005: 45, 147-156

Datenbank-Dokumentation

Die genannten Affenversuche sind auch in unserer Datenbank-Tierversuche dokumentiert. Die Versuchsbeschreibungen basieren auf von den Experimentatoren selbst in Fachjournalen veröffentlichen Artikeln. Zur Datenbank-Tierversuche >>

Reine Neugierforschung

Diese Experimente sind für die Tiere nicht nur äußerst qualvoll, sie sind zudem weder für die Entwicklung von Medikamenten noch für Therapien von Erkrankungen des Menschen von irgendwelcher Bedeutung. Erkenntnisse über die Vorgänge im Gehirn, während Affen zählen, Mengen abschätzen oder Bilder betrachten, braucht niemand. Es handelt sich um reine Grundlagenforschung. Die einzigen Nutznießer sind die Experimentatoren selbst, die sich mit einer langen Liste von Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften profilieren und Forschungsgelder einstreichen. Finanziert wird das alles durch öffentliche Gelder.

Keine Transparenz

Seitens der Experimentatoren scheint kein Bedarf zu bestehen, der Öffentlichkeit Einblick in die angeblich Leben rettende Hirnforschung zu gewähren. Auf die Bitte, das Labor des Forschers Andreas Nieder zu besuchen und die Versuche anzusehen, erhielten die Ärzte gegen Tierversuche keine Antwort.

Es geht auch anders

Ethisch vertretbare Forschung am menschlichen Gehirn ist heute möglich. Die modernen Technologien erlauben den Wissenschaftlern das Gehirn bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Mit bildgebenden, tomographischen Verfahren kann die Verarbeitung von Nervenreizen im Gehirn von Freiwilligen untersucht werden. Diese Art der Forschung liefert relevante Daten, die menschlichen Patienten, die an Epilepsie, Alzheimer, Parkinson oder anderen neurologischen Erkrankungen leiden, helfen können.

Warum Tübingen?

In den letzten Jahren wurden von den zuständigen Behörden in München, Berlin und Bremen Tierversuche im Bereich der Hirnforschung an Affen abgelehnt. In Berlin wollte ein in Großbritannien tätiger Forscher seine Forschungstätigkeit an die Charité verlegen. Die zuständige Genehmigungsbehörde lehnte den Antrag im März 2007 ab. Der Antragsteller ließ die Einspruchsfrist verstreichen. In München handelte es sich um laufende Tierversuche am Klinikum Großhadern, deren Genehmigung die Regierung von Oberbayern im November 2006 ablehnte. Der Antragsteller legte zunächst Widerspruch ein, ließ dann aber die Frist für die Nachreichung der Begründung verstreichen. In Bremen ist die Sache vor Gericht. Mehr über den Fall in Bremen >>

Bei allen drei Ablehnungen stand für die Genehmigungsbehörden im Vordergrund, dass das Leid der Affen als schwerwiegender gewertet wurde als der zu erwartende Nutzen. Die Affen werden über Jahre hinweg durch Durst konditioniert. Nur so können sie dazu gebracht werden, dass sie das täglich mehrere Stunden währende Anschrauben des Kopfes dulden. Von einer "Freiwilligkeit" kann keine Rede sein. Das erhebliche Leiden der Tiere erstreckt sich über Jahre. Gleichzeitig ist der Nutzen äußerst fraglich, da es sich um reine Grundlagenforschung handelt, ohne jegliche klinische Anwendung.

Die Ablehnungen der Genehmigungsanträge in Berlin, München und Bremen sind wegweisend. Auch in der Schweiz wurden bereits Tierversuche dieser Art abgelehnt. Diese Entwicklung spiegelt die veränderten gesellschaftlichen Werte hinsichtlich der Verwendung von Affen als Versuchsobjekte wider. Bei der Genehmigung von Tierversuchen mit solch hochkomplexen, sozialen, intelligenten und sensiblen Tieren müssen ganz besondere Maßstäbe angesetzt werden.

In Deutschland wird in folgenden Städten Hirnforschung an Affen betrieben:

  • Göttingen
  • Magdeburg
  • Marburg
  • Tübingen

Die Bochumer Hirnversuche an Affen sollten zunächst wegen der Pensionierung des Experimentators Klaus-Peter Hoffmann im Jahr 2009 auslaufen. Durch weitere Verlängerungen wurden die Versuche jedoch weiter betrieben, bis sie zum 31. August 2012 endgültig eingestellt wurden. Immerhin hat in Bochum die Affenqual nun endlich ein Ende!

In Tübingen wird an drei Instituten Hirnforschung an Affen betrieben:

  • Abteilung Kognitive Neurologie, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen
  • Labor für Primaten-Neurokognition, Abteilung für Tierphysiologie, Institut für Zoologie, Universität Tübingen
  • Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, Tübingen


Im Biologie-Gebäude der Universität Tübingen werden zurzeit für eine Million Euro Räumlichkeiten für die Haltung von Affen ausgebaut.

Warum Affen?

Tierversuche, insbesondere an Affen, stehen zunehmend in der öffentlichen Kritik. Affen sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Sie können Freude, Leid und Angst empfinden wie wir. Ihre ausgeprägten emotionalen und kognitiven Fähigkeiten machen Tierversuche an ihnen ethisch besonders problematisch.

Das Leid, das diesen Tieren angetan wird, steht dabei stellvertretend für die Qualen aller Tiere in den Labors.


Weitere Informationen

Kampagne Stoppt Affenqual in Tübingen >>

Weitere Informationen zu Hirnforschung an Affen >>

Der Fall Kreiter, Bremen >>

Zahlreiche, in Tübingen durchgeführte Affenversuche haben wir in unserer Datenbank-Tierversuche dokumentiert. Die Versuchsbeschreibungen basieren auf von den Experimentatoren selbst in Fachjournalen veröffentlichten Artikeln. Zur Datenbank-Tierversuche >>

Videos über das Leid der Affen >>

 




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