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Nobelpreis für Medizin 2007 - Signal in die falsche Richtung

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Nobelpreis für Medizin 2007 - Signal in die falsche Richtung

22. Oktober 2007

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin ging an Mario Capecchi, Martin Evans und Oliver Smithies. Die drei Wissenschaftler entwickelten die Techniken, mit denen so genannte Knock-Out-Mäuse hergestellt werden können. Hierbei werden bei Mäusen gezielt Gene ausgeschaltet, um zu untersuchen welche Funktion die jeweiligen Erbanlagen hatten. Man verspricht sich davon neue Erkenntnisse bei biologischen Prozessen und Krankheiten. Mit der Technik können aber auch gezielt Krankheiten wie Bluthochdruck bei den Tieren hervorgerufen werden, um pharmakologische Tests durchzuführen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die Vergabe des Nobelpreises. Die Auszeichnung vermittelt den Eindruck, dass Gene allein der Grund für Krankheiten seien. Verstünde man das Genom, wären auch die meisten Leiden heilbar. Dabei wird vollkommen außer Acht gelassen, dass gerade bei Erkrankungen wie Krebs, Schlaganfällen oder Herzinfarkten externe Faktoren wie das soziale Umfeld oder Ernährungsgewohnheiten eine sehr große Rolle spielen. Die großen Volksleiden unserer Tage sind auch ein gesundheitspolitisches Problem, das nicht durch Genetik gelöst werden kann. Die Forschung an Knock-Out-Mäusen kann seit Jahrzehnten keine Ergebnisse präsentieren, die zu einer erfolgreichen Therapie der oben genannten Krankheiten führen. Die so genannte »Krebsmaus« aus den frühen 90er Jahren war zum Beispiel nicht der versprochene Durchbruch in der Krebsforschung.

Seit dem Jahr 2000 hat sich aber die Anzahl der genmanipulierten Mäuse im Tierversuch von 149.859 auf 348.399 im Jahre 2005* verdoppelt. Das Ausschalten eines Gens ist ein hochkomplexer Prozess. Bis das richtige Gen »ausgenockt« ist, sterben unzählige Mäuse. Sie werden getötet, weil bei ihnen der genetische Eingriff nicht den gewünschten Erfolg hatte. Welches Leid misslungene Knock-Outs mitunter für das einzelne Tier bedeuten, ist kaum vorstellbar. Herzfehler, Atmungsstörungen, Verkrüppelungen und andere, mitunter letale Beeinträchtigungen können auftreten. Relevante Forschungsergebnisse bleiben aus. Das Leiden der Tiere geht weiter. Für eine ethisch richtige, tierversuchsfreie und elegante Forschung der Zukunft war der Nobelpreis für Medizin 2007 das völlig falsche Zeichen.

*(Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz; darin sind nicht die Tiere enthalten, die bei der Erstellung neuer transgener Linien »verbraucht« werden.)
 
Christian Grundmann, Diplom-Biologe, München


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