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Tierversuche am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

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Tierversuche am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig werden qualvolle Tierversuche an Mäusen durchgeführt.

Ein Beispiel:

Mäusen wird der Bauch aufgeschnitten und es wird ein paar Mal in ihren Blinddarm gestochen, so dass der Darminhalt in die Bauchhöhle fließen kann. Danach wird der Bauch wieder zugenäht. Mit dem Darminhalt gelangen Bakterien in die Bauchhöhle und verursachen dort eine schwere, äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung. Je nach Anzahl und Größe der Löcher sterben die Mäuse schneller oder langsamer, jedoch immer qualvoll. In einem Fachartikel empfiehlt das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) seine Vorgehensweise zur Erstellung eines »Mausmodells« für eine Bauchfellentzündung mit Blutvergiftung (1). In zwei weiteren Veröffentlichungen des HZI wird dargestellt, wie man eine bakterielle Lungenentzündung oder eine Hautinfektion mit Eitererregern bei Mäusen konstruiert (2,3). Ungeachtet der Leiden der Tiere wird beschrieben, wie man die »gewünschte Todesrate« variieren kann. Diese Beispiele belegen, dass in der Forschungsanstalt in Braunschweig-Stöckheim grausamste Tierversuche durchgeführt werden.

Irrweg Tierversuch

Tiere und Menschen unterscheiden sich hinsichtlich Körperbau, Organfunktionen und Stoffwechsel und damit in ihren Reaktionen auf Substanzen wesentlich voneinander. Ergebnisse aus Tierversuchen sind deswegen nicht auf den Menschen übertragbar. Der Beweis: Viele im Tierversuch für sicher befundene Pharmaprodukte rufen beim Menschen immer wieder schwerste, oft sogar tödliche Nebenwirkungen hervor. Jüngste Beispiele die Schlagzeilen machten: Blutfettsenker Lipobay, Rheumamittel Vioxx und das Herzmedikament Trasylol. Allein in Deutschland gehen jährlich 58.000 Todesfälle auf das Konto von Nebenwirkungen tierversuchserprobter Arzneimittel (4).

Bei den Tierversuchen am Helmholtz-Zentrum geht es nicht primär um die Entwicklung neuer Medikamente, sondern um reine Grundlagenforschung, bei der komplexe menschliche Krankheiten auf einzelne Symptome reduziert und in sogenannten »Tiermodellen« nachgeahmt werden. An den künstlich krank gemachten Tieren werden molekulare Details der Entstehung dieser unnatürlichen Schäden untersucht. Es überrascht nicht, dass diese Versuchsergebnisse sich nicht auf die klinische Situation in der Humanmedizin übertragen lassen. Das oben genannte »Modell« für die Blutvergiftung (Sepsis) beispielsweise gibt es bereits seit 30 Jahren (5). Trotz unzähliger über Jahrzehnte durchgeführter tierexperimenteller Studien sind in diesem Bereich durch Tierversuche keine nennenswerten Erfolge zu verzeichnen (6).

Kein Durchbruch in Sicht

Im Helmholtz-Zentrum werden Mäuse auch genmanipuliert. In diesem Zweig der Forschung werden bei den kleinen Nagern Gene eingeschleust oder ein- und ausgeschaltet. Klappt die Veränderung des Erbguts nicht in der gewünschten Weise, werden die Tiere, die nicht die erwarteten Eigenschaften haben, einfach als »Ausschuss« entsorgt. Übrig bleiben verkrüppelte Tiere, Fettleibige, Nackte, Blinde, Mäuse mit Gehirnschäden, mit Bluthochdruck, Rheuma oder Krebs. Zehntausende verschiedener »Genmäuse« hat die Wissenschaft bereits erschaffen. Menschliche Krankheiten sollen so simuliert werden. Doch auch genmanipulierte Tiere haben nichts mit der klinischen Situation beim Menschen gemein. Die meisten Krankheiten des Menschen beruhen eben nicht auf einem einzelnen Gendefekt, sondern auf einer Vielzahl an Einflussfaktoren wie Lebensweise, Ernährung, Verwendung von Suchtmitteln, soziale und psychische Komponenten, Einflüsse aus der Umwelt usw. Es verwundert also nicht, dass trotz jahrzehntelanger Forschung in diesem Gebiet das Ergebnis mehr als dürftig ist und wir immer noch auf das Wundermittel gegen Krebs, den Durchbruch bei Alzheimer usw. warten.

Ethisch nicht zu rechtfertigen

In Laboren wie dem Helmholtz-Zentrum werden Mäuse zu Zigtausenden als Wegwerf-Messinstrumente missbraucht. Dabei sind Mäuse empfindsame Lebewesen, die Freude und Leid, Schmerz und Angst empfinden, ähnlich wie wir Menschen.

Mäuse verfügen über ausgeprägte Sinnesleistungen. Sie haben einen exzellenten Geruchssinn und hören Töne, die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar sind. Mäuse haben ein komplexes Sozialleben. Gegenseitige Fellpflege stärkt den Zusammenhalt und ist Ausdruck individueller Zuneigung. Weibchen helfen sich gegenseitig ihre Jungen aufzuziehen. Dieses Beispiel fürsorglichen, solidarischen Verhaltens macht das Zusammengehörigkeitsbedürfnis von Mäusen deutlich. Es lässt erahnen, zu welch schweren Leiden allein schon die Haltung in sterilen Laborkästen, isoliert oder mit vielen Tieren auf zu engem Raum führt.

Mäuse mit Krankheitserregern zu infizieren oder bei ihnen Entzündungen auszulösen ist mit schwersten Schmerzen und Leiden verbunden. Für die Tiere bedeutet dies oft tagelanges Siechtum mit Fieber, Apathie und Abmagerung, bis sie schließlich an Organversagen sterben. Wer nicht während des Versuchs stirbt, wird anschließend getötet. Keine Maus kommt lebend davon.

Mäuse und andere Tiere zu Messinstrumenten zu degradieren, ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Achtung und Ehrfurcht vor dem Leben müssen das höchste Gebot wissenschaftlichen Handelns sein.

Tierquälerei mit Steuergeldern

Für 20 Millionen Euro hat das HZI ein zusätzliches »Maushaus« errichtet, da die Kapazität des bisherigen nicht mehr ausreichend war. Der größtenteils aus öffentlichen Geldern finanzierte Bau wurde 2009 fertig gestellt. Bis zu 35.000 Mäuse fristen dort in eintönigen Plastikschubladen ihr Leben, bis sie in oft qualvollen Versuchen zu Tode gebracht werden. Im Jahr 2011 fördert der Bund, also wir Steuerzahler, allein das HZI mit 42 Millionen Euro. Dagegen werden deutschlandweit tierversuchsfreie Verfahren oder solche, die das Tierleid oder die Tierzahl reduzieren, von der Bundesregierung durchschnittlich mit nur vier Millionen Euro jährlich unterstützt.

Tierversuche dienen nicht dem Wohle des Menschen

Tierversuche dienen nicht dem Wohle des Menschen, sondern finanzstarken Interessensgruppen und der Karriere Einzelner. Die Qualität der Forschung wird nämlich nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl der Artikel in renommierten Fachzeitschriften. Danach bemisst sich dann die Höhe der Forschungsgelder. Diese werden für neue Studien verwendet. Dieses absurde System erhält sich selbst, ohne dass etwas Sinnvolles dabei herauskommt.

Für eine bessere Medizin

Ein Ende der Tierversuche bedeutet nicht ein Ende der medizinischen Forschung. Im Gegenteil. Ohne Tierversuche wäre die Medizin schon viel weiter, denn Tierversuche halten, wegen ihrer falschen Ergebnisse, den medizinischen Fortschritt auf und schaden in vielen Fällen dem Menschen. Eine Vielzahl tierversuchsfreier Verfahren mit menschlichen Zellkulturen, Mikrochips oder komplexen Computermodellen liefern im Gegensatz zum Tierversuch aussagekräftige Ergebnisse. Viele Krankheiten könnten zudem durch Veränderung unserer Lebensweise verhindert werden. Tierversuche müssen abgeschafft werden, um den Weg frei zu machen für eine moderne, ethisch vertretbare Forschung.

Dr. med. vet. Corina Gericke


Weitere Infos

Infoblatt »Für Mäuse die Hölle – Tierversuche am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig« als PDF herunterladen oder Druckversion bestellen >>

Tierversuche an Mäusen in der Sepsisforschung >>
 

Quellen
(1) Medina E: Murine model of polymicrobial septic peritonitis using cecal ligation and puncture (CLP). Meth Mol Biol 2010: 602, 411-415
(2) Medina E: Murine model of pneumococcal pneumonia. Methods in Molecular Biology 2010: 602, 405-410
(3) Medina E: Murine model of cutaneous infection with Streptococcus pyogenes. Methods in Molecular Biology 2010: 602, 395-403
(4) Schnurrer JU et al.: Zur Häufigkeit und Vermeidbarkeit von tödlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Der Internist 2003, 44, 889-895
(5) Wichterman KA, Baue AE, Chaudry IH: Sepsis and septic shock - A review of laboratory models and a proposal. J Surg Res 1980: 29, 189-201
(6) Dyson A, Singer M.: Animal models of sepsis: why does preclinical efficacy fail to translate to the clinical setting? Crit Care Med. 2009: 37(1 Suppl), 30-37




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