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REACH: grausame und sinnlose Chemikalien-Tierversuche

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REACH: grausame und sinnlose Chemikalien-Tierversuche

Im Juni 2007 trat die EU-Chemikalien-Verordnung REACH in Kraft. Tausende alte Chemikalien - von Terpentin bis Textilfarbe, von Maschinenöl bis Pflanzenschutzmittel - sollen bis 2018 auf ihre Giftigkeit überprüft werden, und zwar größtenteils in Tierversuchen.

Chemikalien in Gegenständen des täglichen Gebrauchs und in der Umwelt stellen tatsächlich ein unkalkulierbares Risiko für die Gesundheit des Menschen dar. Tierversuche sind jedoch der falsche Weg, um die Sicherheit der Menschen vor schädlichen Substanzen zu gewährleisten. Nur eine sorgsame Auswertung bereits vorhandener, am Menschen gewonnener Daten sowie der Einsatz tierversuchsfreier Reagenzglas-Methoden würden zu einer tatsächlichen Abschätzung der Risiken für Mensch und Umwelt führen. Die EU hat eine einmalige Chance verpasst, endlich einen Schlussstrich unter die Giftigkeits-Tierversuche zu setzen. Die Ärzte gegen Tierversuche hatten sich jahrelang für ein ganz tierfreies REACH eingesetzt.

Was ist REACH?

Die bisherigen EU-Regelwerke unterscheiden »alte« und »neue« Chemikalien. Rund 100.000 »alte« Chemikalien kamen vor 1981 auf den Markt, 3.200 »neue« danach. Die »neuen« Substanzen werden vor Marktzulassung nach einem bestimmten Muster getestet - durchweg in Tierversuchen. Die REACH-Verordnung sieht vor, einen Großteil der Altchemikalien auf ihre möglichen Risiken für Mensch und Umwelt zu überprüfen.

Schätzungen gehen von 8 bis 54 Millionen Tieren aus, die in den nächsten Jahren für REACH leiden und sterben sollen. 


REACH:

  • Registrierung: Firmen, die Chemikalien in einer Menge von über einer Tonne pro Jahr produzieren, müssen alle relevanten Daten über einen Stoff, z.B. aus Tierversuchen, in einer zentralen Datenbank registrieren lassen.

  • Evaluation: Die Behörden werten die registrierten Informationen aus.

  • Autorisierung: Als gefährlich einzustufende Chemikalien werden von den EU-Behörden autorisiert, z.B. kann dies eine beschränkte Nutzung bedeuten.

  • von Chemikalien.


Wie läuft REACH ab?

Die Chemikalien werden nach ihrer Produktionsmenge pro Jahr eingeteilt. Für jede der vier Volumenklassen sind Standard-Tests vorgesehen. Je größer die Menge, in der eine Substanz produziert wird, desto mehr Daten, d.h. desto umfangreichere Tierversuche werden verlangt.

Von Juni bis Dezember 2008 mussten die Firmen ihre Chemikalien vorregistrieren, d.h., sie mussten Basisdaten, wie Name und Herstellungsmenge, bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA einreichen. 65.000 Firmen registrierten 150.000 Chemikalien vor. Viele davon werden von mehreren Firmen hergestellt. Noch ist unbekannt, um wie viele Substanzen es sich tatsächlich handelt. Bislang war man von etwa 30.000 Stoffen ausgegangen. 

Für jede Chemikalie soll zum Schluss nur ein Dossier eingereicht werden. Eine wesentliche Errungenschaft, die auf die jahrelange hartnäckige Arbeit der Tierschutz- und Tierversuchsgegnerverbände zurückzuführen ist. Das heißt, die Firmen können nicht einfach drauf los testen, sondern, sie müssen erst einmal prüfen, ob eine Chemikalie auch noch von anderen Herstellern vorregistriert wurde. Firmen, die die gleichen Stoffe herstellen, müssen sich zu Konsortien, den sogenannten SIEFs zusammenschließen, um ihre Daten auszutauschen. Auch das wurde von der Tierschutzseite gegen den massiven Widerstand der Industrie durchgesetzt. 

Reichen die vorhandenen Daten nicht aus, müssen die Unternehmen einen Testvorschlag bei der ECHA einreichen. Dies gilt allerdings nur für die besonders gefährlichen und in großen Mengen hergestellten Chemikalien (100 t pro Jahr und mehr). Die ECHA stellt diesen Antrag 45 Tage lang auf ihre Website. Experten der Tierversuchsgegnerverbände haben so die Möglichkeit zu überprüfen, ob die geforderten Daten nicht schon vorhanden sind oder mit tierversuchsfreien Methoden gewonnen werden können. Auch diese 45-Tage-Phase wurde auf Vorschlag der Tierschutzseite in REACH aufgenommen. Nach Ablauf der 45 Tage entscheidet die ECHA, ob die vorgeschlagenen Tierversuche durchgeführt werden dürfen oder nicht oder ob weniger oder mehr Tierversuche gemacht werden müssen. 

Es ist allerdings zu befürchten, dass manche Unternehmen ihre vorhandenen Daten als Betriebsgeheimnis unter Verschluss halten und lieber neue Tierversuche machen. Eine andere Befürchtung ist, dass manche Firmen den Ablauf von REACH nicht verstanden haben und einfach auf eigene Faust Tierversuche durchführen lassen, ohne sich, wie vorgesehen, mit anderen Herstellern abzusprechen. Außerdem gilt die 45-Tage-Kommentierungsphase nur für die hochvolumigen Chemikalien und hier nur für einen Teil der geforderten Tierversuche. 

Dennoch, die 45-Tage-Phase ist eine realistische Möglichkeit, viele Tierleben zu retten. Wir werden mit unseren Experten diese Chance bestmöglich nutzen, um möglichst viele Tiere vor einem qualvollen Tod zu bewahren.  mehr >>


  Zeitplan für REACH:

  • Juni 2007: REACH tritt in Kraft
  • 2007-2008 Einrichtung der Chemikalien-Agentur in Helsinki
  • 2008 Chemikalien-Agentur in Helsinki nimmt ihre Arbeit auf
  • Juli - Dez. 2008 Firmen müssen ihre Chemikalien vorregistrieren. 
     
  • 2009 - 2010 Registrierung der hochvolumigen (mehr als 1.000 t) und gefährlichen Chemikalien
  • bis 2013 Registrierung von Chemikalien (100 - 1.000 t), die in großen Mengen produziert werden
  • bis 2018 Registrierung der Chemikalien, die nur in geringeren Mengen produziert werden (1 - 100 t)
  • bis 2018 alle Stoffe müssen registriert sein
  

Was haben Tierschutz-/Tierversuchsgegnerverbände bisher erreicht?

Sechs Jahre lang hatten Kommission, Parlament, Ministerrat und verschiedene Interessensgruppen um das Mammutwerk gerungen. Durch die jahrelange intensive Arbeit der Tierschutz- und Tierrechtsverbände in Europa, allen voran der ECEAE, bei der wir aktiv mitarbeiten, konnten wesentliche Verbesserungen im Sinne der Tiere erzielt werden.
  • Der Entwicklung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden wird von der EU jetzt hohe Priorität eingeräumt.
  • Die Industrie muss ihre Daten austauschen.
  • Die Industrie muss Anträge auf Tierversuche 45 Tage lang interessierten Gruppen offen legen. Tierschutzgruppen können so versuchen, herauszufinden, ob die benötigten Daten bereits anderweitig vorliegen oder auf andere Weise als durch Tierversuche gewonnen werden können.
  • Kosmetika fallen nicht unter REACH
     

Sie können helfen

Schreiben Sie an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Fordern Sie die Entwicklung und Anerkennung tierversuchsfreier Test- und Forschungsmethoden stärker zu fördern.

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)
11055 Berlin.

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.   
 


Weitere Infos

Die REACH-Chance: 45 Tage um Tiere zu retten >>

Wissenschaftliche Testmethoden statt REACH-Tierversuche >>

Pressemeldung vom 27.08.2009: Neuberechnung für REACH: Zahl der Tieropfer für Chemikalientest erhöht sich auf 54 Millionen >>
 





http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/eu/159-reach-grausame-und-sinnlose-chemikalien-tierversuche