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Was hat Vivisektion mit Hexenverfolgung zu tun?

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Was hat Vivisektion mit Hexenverfolgung zu tun?

Von Dr. Bernhard Rambeck 

Im 15., 16. und 17. Jahrhundert wurden Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Frauen als angebliche Hexen verbrannt. Dieser von Kirchen, Wissenschaft und Herrschenden abgesegnete Massenmord wird heute allgemein als eines der übelsten Kapitel des zuende gehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit angesehen. 

Wie ist die Hexenverfolgung erklärbar?

Waren die ungebildeten Massen außer Kontrolle geraten? Hatte Massenhysterie alle rationalen Barrieren beiseite geschoben? Nein! G. Pause und Th. von Randow schreiben in ihrer Untersuchung (Der Teufel in der Wissenschaft, Rasch und Röhring Verlag, Hamburg, 1985): »Nicht die Unvernunft war Schuld, nicht ein Mangel an Vernunft, sondern irregeleitete Vernunft selber: Es waren Wissenschaftler, Gelehrte, Universitätsprofessoren, hochangesehene Theologen, Philosophen, Philologen und Juristen, die die Existenz von Hexen und Hexern für wahr und ihre Verfolgung, ja ihre Ausrottung für notwendig erklärten.« Die Hexenverfolgung als Beispiel eines verhängnisvollen wissenschaftlichen Irrtums mit fatalen Folgen.

Im Volksglauben hatten Dämonen und Teufel schon immer die Phantasien der Menschen beflügelt, aber die Kirchen erklärten über lange Zeit, dass Hexen und Zauberer eine Erfindung seien und beschäftigten sich nicht weiter damit. Erst die Denker der Scholastik im 13. Jahrhundert mit Thomas von Aquin, Bonaventura und Albertus Magnus an der Spitze untersuchten die christliche Lehre mit den Instrumenten der Logik und äußerst spitzfindigen Überlegungen. Sie kamen zu der Erkenntnis, dass Teufel, Dämonen, Zauberer und Hexen real existierende Wesen seien. Thomas von Aquin befasste sich ausgiebig mit dem Gedanken des Teufelspaktes, mit dem stillschweigenden Vertrag mit dem Teufel. Aus überlieferten Bibelstellen im Zusammenhang mit der Versuchung Jesu durch den Teufel, aus traditionellen Geschichten von Heiligen, welche von Dämonen versucht oder verführt wurden, wurden wissenschaftliche Fakten. Die Realität von Hexensekten, Hexenversammlungen oder Hexensabbatten wurde mit dem Anspruch wissenschaftlicher Gelehrsamkeit beschrieben und voll akzeptiert.

Niemand dachte daran, diese spitzfindigen Überlegungen anzuzweifeln, denn sie galten als streng wissenschaftliche Erkenntnisse, und Denker wie Thomas von Aquin, Bonaventura oder Albertus Magnus waren über jede Kritik erhaben, weil sie als berühmte und anerkannte Gelehrte doch das gesamte Wissen ihrer Zeit beherrschten. Die Inquisitoren und Hexenjäger konnten sich bei der einsetzenden Verfolgung auf diese Autoritäten berufen, die das Hexenwesen als unumstößliche Tatsche dargestellt hatten.

Weitere Gelehrte forderten, bei Prozessen gegen Hexen grundsätzlich die Folter anzuwenden. Nur unter der Folter würden Zauberer und Hexen ihre Identität und ihre schändlichen Taten zugeben. Bekannte Juristen der damaligen Zeit begründeten alle Grausamkeiten der Folter damit, dass der Teufel die Hexen gefühllos macht und sie gar keinen Schmerz verspüren könnten.

Am 5. Dezember 1484 erließ Papst Innozenz VIII. die berüchtigte »Hexenbulle«, in der die Existenz der Hexen und ihre angeblichen Untaten ausdrücklich bestätigt und als unumstößliche Tatsachen beschrieben wurden. Der Papst erklärte darin, dass Hexen Unzucht mit Dämonen trieben, Neugeborene töteten, Krankheiten hervorriefen, Ernten vernichteten und viele andere Verbrechen begingen.

Drei Jahre später, 1487, erschien als Folge der »Hexenbulle« der »Hexenhammer«, herausgegeben von zwei deutschen Dominikaner-Mönchen. Über die Verfasser der umfangreichsten Arbeit der damaligen Zeit zum Thema Hexen schreibt der Historiker Hansen (1900), sie wären mit einer »an Stumpfsinn grenzenden, aber mit theologischer Eitelkeit durchsetzten Dummheit« ans Werk gegangen und weiter: »Was die beiden Autoren zur Abfassung ihres Werkes trieb, war dieselbe Sorge für das Wohl der Menschheit, von der auch ihre Vorgänger beseelt waren und dasselbe Bedürfnis, die noch immer nicht zum Schweigen gebrachten Zweifler von der unbeschreiblichen Bosheit der Hexen zu überzeugen.« Im »Hexenhammer« von Jakob Sprenger und Heinrich Institoris wurden alle philosophischen, theologischen und juristischen Schriften, die sich bis dahin mit Hexen beschäftigt hatten, in Form eines »wissenschaftlichen« Handbuchs zusammengefasst. Mit über jeden Zweifel erhabenen wissenschaftlich-theologischen Aussagen wurde zur brutalen Vernichtung aller Hexen und ihrer Nachkommen aufgerufen, um den Untergang der christlichen Welt zu verhindern.

Während anfangs Männer, Frauen, sogar Kinder und Tiere als Verbündete des Teufels dargestellt worden waren, versuchte der »Hexenhammer« mit wissenschaftlicher Akribie nachzuweisen, dass die Bedrohung des Abendlandes von Hexen-Frauen ausging. Die Ansicht, dass die Frau prinzipiell eher der Sünde und dem Teufel verfalle, dass die Frau von Grund auf schlechtere Charaktereigenschaften zeige als der Mann, wurde als wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis dargestellt. Die Autoren des »Hexenhammers« schoben die Schuld an allem Unheil der damaligen Zeit den Frauen und hier speziell den Hexen zu. Der offensichtliche Frauenhass und Sadismus der beiden Mönche, die selbst Hexenprozesse leiteten, konnte sich hier als streng wissenschaftliche Tätigkeit zur Rettung der bedrohten Christenheit entfalten.

Im Mittelalter waren Frauen von Berufsausbildung, öffentlichem Leben, Bildung und Wissenschaft weitgehend ausgeschlossen. Mit der Heirat gaben sie definitiv jede Selbstständigkeit auf und unterwarfen sich dem Mann. Drei Ausnahmen: Frauen, welche im Klosterleben ein gewisses Maß an Bildung erfuhren; Frauen, welche als Hebammen auf dem Gebiet der Geburtshilfe und möglicherweise auch der Geburtenbeschränkung tätig waren; Frauen, welche zurückgezogen lebten, sich selbst versorgten, Erfahrungen in Kräutermedizin und Heilkunst hatten. Vor allem gegen die letzten beiden Gruppen richtete sich der gesammelte Argwohn der Hexenverfolger. Mit den »Weisen Frauen« wurde uraltes intuitives Heil- und Erfahrungswissen, wurden archaische Kenntnisse von Zusammenhängen in der Natur, wurden ökologisch-ganzheitliche Vorstellungen vom Menschen in einer natürlichen Umwelt brutal vernichtet und ausgerottet.

Was der »Hexenbulle« und dem »Hexenhammer« ihre entsetzliche Auswirkung verlieh, war die gerade entstandene Drucktechnik. Mit Hilfe des Buchdrucks konnten diese Schriften viel rascher verbreitet werden als mit den bis dahin üblichen handschriftlichen Kopien. Kritik an den Hexenverfolgungen war praktisch nicht möglich, weil Kritiker riskierten, selbst als Verbündete der Hexen oder des Teufels dargestellt zu werden. Gelegentliche kritische Anmerkungen kamen nicht von Universitätsprofessoren, führenden Theologen und kirchlichen Würdenträgern, sondern von einzelnen Predigern und Geistlichen. Aber auch sie äußerten keine grundsätzliche Kritik, die den ganzen Hexenglauben als schrecklichen Unsinn in Frage gestellt hätte, sondern sie diskutierten nur Teilaspekte, etwa ob Hexen tatsächlich fliegen oder sich in Tiere verwandeln könnten. Die Lehre von den Hexen und der Notwendigkeit ihrer Vernichtung wurde selbst von kritischeren Menschen der damaligen Zeit, wie Martin Luther (1483-1546), als allgemein anerkannte und wissenschaftlich begründete Meinung übernommen und unterstützt.

Dazu kam, dass real existierende Bedrohungen durch verheerende Seuchen, Hungersnöte, Umweltkatastrophen, aber auch durch den Ansturm des Islam bei den Massen ungeheure Ängste hervorgerufen hatten, die ein Ventil suchten und sich zu Panik und Hysterie steigerten. Überall kam es in Europa zu Hexenprozessen und Hexenverbrennungen. Die fanatischen Hexenverfolger setzten alle üblichen Prozessregeln, wie das Recht auf Verteidigung, außer Kraft und machten exzessiven Gebrauch von der Folter, um das ihnen richtig erscheinende Geständnis herauszupressen. Die schlimmsten Ungeheuerlichkeiten ließen sich mit der notwendigen Abwendung von Gefahren für die christliche Bevölkerung begründen.
Erst 1631 wurde mit dem Erscheinen der »Cautio Criminalis« des Jesuiten Friedrich von Spee erste Kritik am Gebrauch der Folter und den Bedingungen der Hexenprozesse laut. Aber selbst Spee stellte die Existenz von Hexen nicht prinzipiell in Frage, sondern forderte eine Reduzierung der Hexenprozesse: »Es gibt mir die felsenfeste Überzeugung, dass unter fünfzig beliebigen, zum Scheiterhaufen verurteilten Hexen kaum fünf oder kaum zwei wirklich Schuldige sich finden...«. Die Beendigung der Hexenverfolgung dauerte aber noch sehr lange, Friedrich der Große schaffte erst 1740 die Folter ab, und noch 1749 wurde in Würzburg eine Frau als Hexe hingerichtet.

In einer neueren Untersuchung von Prause und Randow ist zu lesen: »Gut drei Jahrhunderte hindurch hatte sich der Hexenwahn gehalten, fundiert durch »wissenschaftliche« Erkenntnisse, abgesegnet von der Kirche, getragen vom Sendungsbewusstsein kirchlicher und weltlicher Institutionen, gestützt und gesichert durch Gesetze, die die christliche Weltordnung schützen sollten.«

Was hat dies mit Vivisektion und Tierversuchen zu tun?

Wir müssen uns vorstellen, dass die mittelalterliche Wissenschaft von der Notwendigkeit der Hexenverfolgung genauso unerschütterlich überzeugt war wie die heutige Wissenschaft von der Notwendigkeit der Tierversuche. Die Gelehrten der damaligen Zeit waren sich absolut sicher, dass nur mit einer totalen Vernichtung der Hexen Krankheiten und Seuchen, Hungersnöte und Naturkatastrophen, Tod und Elend vom Menschen abgewandt werden konnten - genauso sicher wie die Gelehrten der heutigen Zeit wissen, dass Krankheiten und Epidemien von Krebs bis AIDS sich nur mit Tierversuchen beseitigen lassen. Der Kampf mit dem Teufel und seinen Helfern konnte nur gewonnen werden, wenn auch die letzte Hexe aufgestöbert und verbrannt wurde - genauso wie nach Ansicht der heutigen Wissenschaftler der Kampf gegen Krankheiten nur gewonnen werden kann, wenn immer wieder neue Medikamente an einer ungeheuren Zahl von Tieren entwickelt, getestet und erprobt werden können. Wer die Verfolgung der Hexen kritisierte, war ein Ketzer oder Verächter der Menschen, der selbst mit dem Teufel im Bunde stand - genauso wie heute ein Kritiker von Tierversuchen nach Meinung der offiziellen Wissenschaft entweder ein weltfremder Spinner oder ein Menschenverächter sein muss, der den Fortschritt der Wissenschaft aufhält und damit der Menschheit schadet.

Aus Überlieferungen, Legenden, Märchen und Mythen vom Teufel und seinen vielgestaltigen Einflüssen in der Welt wurden wissenschaftliche Fakten, letztlich zwar unbewiesen, aber über jeden Zweifel erhaben, da sie von den höchsten Autoritäten der Wissenschaft als wahr erklärt wurden. Genauso zum wissenschaftlichen Faktum und für wahr erklärt wie das Tierexperiment, das über Jahrhunderte in der Wissenschaft ein Randdasein gefristet hatte und plötzlich von wissenschaftlichen Stümpern, wie Claude Bernard und seinen Nachfolgern, zur Voraussetzung jeglichen medizinischen Fortschritts erklärt wurde. Niemals wurde der Tierversuch wirklich evaluiert, niemals konnte seine Notwendigkeit ernsthaft bewiesen werden, immer aber untermauert mit anekdotischen Beweisen, die eine vergleichbare Aussagekraft haben wie die retrospektiven »Beweise« von Hellsehern und Sterndeutern.
Warum sollte man auch den Bund der Hexen mit dem Teufel beweisen, die Hexen wurden doch laufend verurteilt und verbrannt, Not und Elend in der Welt gab es doch genug - waren das nicht genügend Beweise, dass der Teufel seine Finger im Spiel hatte? Diese von höchsten wissenschaftlichen Autoritäten bestätigten Beweise wurden genauso kritiklos akzeptiert wie heute die angebliche Notwendigkeit der Tierversuche mit der Verlängerung der Lebenserwartung oder mit bislang nicht bekämpfbaren Krankheiten. Damals tagtäglich bestätigt in Predigten, Erlassen, Bullen und vor allem Scheiterhaufen, heute tagtäglich bestätigt von den Massenmedien und Millionen für die Wissenschaft geopferter Tiere. Abgesegnet von Wissenschaftlern, Gelehrten, Universitätsprofessoren, Theologen, Philosophen und Juristen. Damals wie heute! Die vielfältigen Ähnlichkeiten zwischen Hexenprozess und Tierexperiment sind mehr als erschreckend!

Die Täter

Anstifter des Hexenwahns, geistige Väter der Initiatoren der Hexenprozesse, Folterknechte der »peinlichen Befragung«, fanatische Ankläger und rücksichtslose Richter, Aufpeitscher der Massen bis zur Hysterie, Henker der Hexenverbrennungen - immer waren es Männer, die blind für jede Art von Selbstreflexion, ihre sadistischen Gelüste bis zum Exzess als selbsternannte Helfer der Menschheit auslebten.

Die Tierexperimentatoren von heute: Männer! Die Anstifter und geistigen Väter der Vivisektion von Claude Bernard bis zu unserer heutigen biomedizinischen »Wissenschaftselite«, die Erfinder von stumpfsinnigen, dafür aber umso qualvolleren Tierschindereien, wie »Draize-Test« oder LD-50, die Theoretiker des wissenschaftlichen »Tiermodells«, die Experimentatoren in universitärer Forschung und in der Industrie, die Laboranten, »Tierpfleger Rudolph«, immer waren es Männer, die ohne die geringste Spur von Selbstzweifel im Auftrag der Wissenschaft oder der Gesellschaft oder einfach selbsternannt ihre »bahnbrechenden« Arbeiten mit wehrlosen Tieren ausführen.

Die Opfer

Der Hexenwahn richtete sich vor allem gegen wehrlose Frauen, die nicht im Schutz der Familie oder als Nonnen im Schutz der Kirche standen. Der Hexenmord betraf vor allem Außenseiterinnen, aus der Gesellschaft Ausgestoßene, Einzelgängerinnen, Verfemte, Verachtete, Unheimliche.

Die Opfer der Vivisektion: Anfangs herrenlose »Straßenköter«, freilaufenden Katzen, heute vorwiegend »Ekeltiere« wie Mäuse und Ratten. Wehrlos, hilflos, ausgeliefert, verängstigt. Tiere, die in das Nützlichkeitsdenken oder das ästhetische Schönheitsbild des Menschen passen, Tiere, die im Schutz der Familie stehen, sind einigermaßen sicher - also keine Experimente mit Goldhamstern oder Eichhörnchen, mit Wellensittichen oder Papageien, mit Maulwürfen oder Löwenbabys, auch nicht mit reinrassigen Familienhunden, sondern mit Wüstenmäusen, weißen Mäusen und Ratten, Massenvögeln wie Zebrafinken, mit Meerschweinchen oder Schweinen, mit anonymen Beagles aus der Massenzucht. Möglichst keine Experimente mit Affen, und wenn, dann nicht mit Orang-Utans oder Schimpansen, sondern mit den weniger vertrauten, unheimlich erscheinenden Meerkatzen. Die Hürde der Ethikkommission sind für Affen gewaltig, für Mäuse und Ratten minimal. Tierexperiment bitte nicht mit Bienen, aber gern mit Schmeißfliegen.

Das Ritual

Der festgelegte Ablauf der Hexenprozesse: Das Ergreifen des Opfers durch Häscher, die »peinliche Befragung« unter Folter, das immer gleiche, gnadenlose Urteil ohne Verteidigungs- oder Berufungsmöglichkeiten, der entsetzliche Tod auf dem Scheiterhaufen als Ende der Qualen.

Der festgelegte Ablauf der Tierexperimente: Die Verhandlung über Leben und Tod vor der Tierversuchskommission, das Genehmigungs-Todesurteil ohne Verteidigungs- oder Berufungsmöglichkeit, das Ergreifen des zitternden, hilflosen, Unheil ahnenden Tieres, das Experiment, der unausweichliche Tod als Ende der Qualen.

Die Folter

Die Anwendung jeglicher Folter und Marter war zulässig, weil die Hexe nach verbreiteter Ansicht durch den Teufel gefühllos gemacht worden war und keinen Schmerz verspüren konnte. Die Durchführung jeglicher Verstümmelung, Vergiftung, Zerstörung, Verstrahlung beim Tierversuch zulässig, weil das Tier soweit möglich narkotisiert ist, womit nach gängiger Ansicht die Probleme Qual und Schmerz erledigt sind. Wenn Anästhesie das Versuchsergebnis stört oder nicht anwendbar ist, wird das Experiment zum Wohle der Menschheit trotzdem durchgeführt. Abgesehen davon wird darauf hingewiesen, dass Tiere höchstens Schmerz empfinden, aber im menschlichen Sinne gar nicht leiden könnten.

Die Notwendigkeit

Bei der Verfolgung der Hexen herrschte ein breiter gesellschaftlicher Konsens zwischen Wissenschaft, Kirche und Herrschenden, dass zur Abwendung größter Gefahr jedes Mittel, jede Tortur, jede Folter, jede Quälerei zulässig und notwendig wäre. Es gab keinerlei Zweifel an der Richtigkeit und absoluten Notwendigkeit der definitiven Vernichtung und Ausrottung der Hexen. Alle Hexen mussten verbrannt werden, um Unglück und Krankheit aus der Welt zu schaffen. Die Organisatoren der Hexenjagden waren selbst Opfer ihrer Hexenhysterie. Sie verbrannten die Frauen in der tiefen Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein.
Die Meinung von der Notwendigkeit der Tierexperimente wird gemeinsam von Wissenschaft und Industrie, von Kirche und Staat getragen und verbreitet. Keinerlei Widerspruch von kirchlichen Autoritäten, keine juristischen Bedenken, keine moralphilosophischen Einwände, keine nennenswerten gesellschaftlichen Hürden. Zur angeblichen Erforschung und Bewältigung der Krankheiten von Krebs bis AIDS ist jedes Mittel, jedes Opfer, jede Qual, jedes Leid zulässig. In den etablierten Kreisen unserer medizinischen Wissenschaftskultur wird kein zweifelnder Gedanke über die Richtigkeit und Zulässigkeit der millionenfachen Tieropfer verschwendet. Kein Hinterfragen, ob sich der eingeschlagene Weg nicht als katastrophale Sackgasse herausstellt, kein Nachdenken über die Tatsache, dass die Menschen immer kränker werden, obwohl die Ausgaben für unser medizinisches Forschungssystem in astronomische Höhen steigen. Tierversuche müssen gemacht werden, um die Krankheiten unserer Zeit aus der Welt zu schaffen. Die Experimentatoren und ihre Anhänger sind selbst Opfer der Tierversuchshysterie geworden. Sie schicken Abermillionen von Mitgeschöpfen als Wegwerfmessinstrumente in den Tod, in der tiefen Überzeugung, auf dem einzig richtigen Weg zu sein.

Die Rolle der Massen

Letztlich unwissend, verführt, aufgepeitscht, zerren sie jede Frau, die ihnen unheimlich erscheint, vor den Richter und machen sich zum Werkzeug der gefühllosen gelehrten Hexen-Theoretiker. Ihre berechtigte Lebensangst vor Naturgewalten, Hungersnöten, Krieg, schlimmsten Epidemien, Bedrohungen durch anstürmende Anhänger Mohammeds findet in Form einer Massenhysterie ein Ventil, indem endlich die Hexen als Verursacher allen Übels aufgestöbert und »mit Stumpf und Stiel« ausgerottet werden können.

Die Einstellung der Bevölkerung zu den Qualen der Tierversuche - weitgehend Desinteresse. In einem Zeitalter, in dem die Wissenschaft ihre Erkenntnisse bis zu den kleinsten Teilchen und bis an die Grenzen des Kosmos treibt, bleibt die Masse unwissend, verführt und frisst die »Segnungen« der tierexperimentell orientierten Medikamenten-Industrie genauso hemmungslos in sich hinein wie die reichlich giftige Industrienahrung, die auf dem gigantischen Leiden von Abermillionen Hühnern, Rindern und Schweinen der Massentierhaltung beruht.

Die berechtigte Angst vor den Zivilisationskrankheiten führt nicht zur Beseitigung der naheliegenden Ursachen, sondern zur dankbaren Entgegennahme auch der unsinnigsten Pharmaentwicklungen. In Form einer Massenhysterie werden tonnenweise Pillen geschluckt, die auf unermesslichem Leid von Abermillionen von Versuchstieren beruhen, in der Hoffnung, damit die Konsequenzen einer äußerst ungesunden Lebensweise verhindern zu können.

Die Folgen

Mit der totalen Verfolgung der angeblichen Hexen, mit der Vernichtung der »Weisen Frauen«, wurde mit größter Sicherheit ein enormer Erfahrungsschatz der Naturmedizin endgültig vernichtet. Wissen aus dem Bereich der Kräuterheilkunde ging verloren. Kenntnisse von ganzheitlich ökologischen Heilweisen, die zum Teil auf uralten intuitiven Erfahrungen beruhten, zum Teil aber bis zu den Heilkünsten der Kelten zurückgingen, wurden unwiederbringlich zerstört.

Die Folgen der tierexperimentellen Ideologie sind ebenso schlimm. Wichtige Ansätze von »sanften« Heilweisen, wie etwa der Homöopathie oder im Bereich der Phytotherapie, wurden von der mechanistisch denkenden modernen Medizin überrollt. Die totale Ausrichtung der Medizin am Experiment, das dem Tier zuerst Schaden zufügt und diesen dann mit Chemikalien oder operativen Methoden zu beseitigen versucht, ließ das Gefühl für Wechselwirkungen zwischen Psyche und Soma, zwischen Geist und körperlichen Erscheinungen, die am Anfang jeder Erkrankung stehen und die Ausprägung jeder Krankheit bestimmen, weitgehend verkümmern. Der Schaden, den die tierexperimentell ausgerichtete Forschung durch die Brutalisierung der Medizin und Zerstörung intuitiver ärztlicher Vorgehens- und Denkweisen angerichtet hat, ist für die Heilkunst nicht abzuschätzen.

Nachdenken

Das Nachdenken über die vielen weiteren Ähnlichkeiten soll dem Leser überlassen bleiben. Wieweit das Verbrennen von Frauen am Scheiterhaufen eine Neuauflage der von den Religionen abgeschafften Tier-Brandopfer war, ist schwer zu beurteilen, aber auch das Tier wird beim Experiment im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wieder »sacrificed«, geopfert.
Wissenschaftlich verbrämte Hetzschriften wie »Hexenbulle« und »Hexenhammer« hätten ohne die gerade erfundene Drucktechnik möglicherweise genauso wenig Verbreitung gefunden wie unsere wissenschaftlichen Experimentalstudien ohne Publikationssystem, bei dem es letztlich nur mehr darauf ankommt, möglichst viele Beiträge in einer Unzahl von Fachzeitschriften zu veröffentlichen.

Selbst die Tatsache, dass erste kritische Ansätze nicht die Notwendigkeit der Hexenverfolgung in Frage stellten, sondern eine Reduzierung der Hexenprozesse forderten, dass diese kritischen Stimmen nicht aus den Reihen der etablierten Wissenschaft oder Kirche, sondern von intellektuellen Einzelkämpfern kamen, hat unglaubliche Ähnlichkeit mit der heutigen Situation der Vivisektionskritik.

Eine vergleichende Betrachtung der Vivisektion wäre statt mit der Hexenverfolgung auch mit Sklavenhandel, Indianerverfolgung, Apartheid und anderen massenhaft begangene Verbrechen, die von den jeweils Regierenden im Bunde mit Gelehrten, Theologen, Philosophen und Juristen gefördert und akzeptiert wurden, möglich. Die heutige Beurteilung dieser »Irrtümer« soll zum Nachdenken darüber anregen, wie spätere Generationen unsere Zeit, das Zeitalter der Vivisektion, einschätzen werden.




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